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Das startet am 5. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 5. Oktober, an dem“Blade Runner 2049″ zwar auf der einen Seite den größten, auf der anderen Seite aber auch den unsichersten Start darstellt. Sind 30 Jahre seit dem ersten Teil vielleicht doch ein wenig zu viel Wartezeit? Kann die Starpower allein überzeugen? Und worum geht es überhaupt? Der deutschen Presse wurde der Film bislang nicht gezeigt, dafür folgt die ausführliche Review bereits am Montag um 15:00 Uhr an dieser Stelle. Daneben bieten „Die Nile Hilton Affäre“, „Unter deutschen Betten“ und der nahezu unerträgliche „My Little Pony“ Unterhaltung, die vermutlich nur einen kleinen Teil der Besucher erreichen wird.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

BLADE RUNNER 2049  | Regie: Denis Villeneuve | UK/USA/CAN 2017

30 Jahre nach den folgenschweren Ereignissen im Los Angeles des Jahres 2019 fördert ein neuer Blade Runner, der engagierte LAPD-Polizeibeamte K (Ryan Gosling), ein lange unter Verschluss gehaltenes Geheimnis zu Tage, welches das Potential hätte, die noch vorhandenen gesellschaftlichen Strukturen des dystopischen Molochs ins Chaos zu stürzen. Die Entdeckungen von K führen ihn auf die Suche nach dem untergetauchten, offiziell längst für tot erklörten Rick Deckard (Harrison Ford), der selbst jahrelang als LAPD-Blade-Runner unterwegs war. Gemeinsam könnten sie dafür sorgen, dass die Ordnung im System wiederhergestellt und die Menschheit gerettet wird.

„Blade Runner 2049“ ist ein berauschendes Fest für die Sinne und legt die visuelle Messlatte für das Science-Fiction-Kino der kommenden Jahre hoch. Erzählerisch passt sich Denis Villeneuve der entschleunigten Attitüde seiner Inszenierung an und spielt hier mit weniger offensichtlichen Twists, als noch in seinem letzten Film „Arrival“. Dafür liefert auch dem Zuschauer einmal mehr diverse Rätsel an die Hand und macht aus Ryan Gosling einen melancholischen Helden, an dessen Reise das Publikum gern teilhat.


DIE NILE HILTON AFFÄRE  | Regie: Tarik Saleh | SWE/DK/DE/FR 2017

Kairo 2011, eine Stadt voller Widersprüche. Es herrschen die Reichen und Mächtigen. Korruption, Dekadenz und die Gier nach Geld bestimmen den Alltag. Mittendrin lebt Noredin – ein ganz gewöhnlicher Polizist. Seit seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam, sucht er Zuflucht in der Routine seines Jobs. Als in einer Luxussuite des Hotels Nile Hilton eine berühmte Sängerin tot aufgefunden wird, soll er ermitteln. Was auf den ersten Blick nach einem Verbrechen aus Leidenschaft aussieht, wandelt sich schnell in einen Fall, der die führende Elite Ägyptens bedroht. Noch bevor Noredin mit der Aufklärung beginnen kann, wird der Tod des Popstars zu den Akten gelegt. Doch als ihm die wunderschöne Gina neue Hinweise liefert, ermittelt er auf eigene Faust. Während die Unruhen am Tahrir-Platz immer lauter werden, verfängt er sich zusehends in einem gefährlichen Netz aus Macht, Leidenschaft und Korruption. 

Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ ist ein stark gespielter, im klassischen Noir-Stil gehaltener Crime-Thriller, der die Aufklärung eines spannenden Mordfalls in die politisch brisante Zeit des Arabischen Frühlings einbettet. Das ist nicht immer ganz nachvollziehbar, dafür aber aufgrund des brodelnden Settings zu jedem Zeitpunkt stimmungsvoll.


UNTER DEUTSCHEN BETTEN  | Regie: Jan Fehse | DE 2017

One-Hit-Wonder Linda Lehmann träumt vom großen Aufstieg – und fällt tief! Das große Comeback…. geht richtig schief. Ihr Langzeit-Freund und Produzent Friedrich Berger hat sich nämlich nicht nur schon längst ein neues Sternchen geangelt, sondern generell die Nase voll von ihr und will auch ihre Songs nicht mehr produzieren. Kurz: Linda steht vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Niemand öffnet ihr mehr die Tür; die Einzige, die sich ihrer annimmt, ist ihre ehemalige Putzfrau, deren Namen Linda nicht mal kennt. Die Frau, die ihre Mitmenschen stets schlecht und von oben herab behandelt hat, muss nun mit Justyna Polanska putzen gehen. Aber nicht nur im Wohnzimmer! Die verwöhnte Linda entpuppt sich jedoch nicht nur als völlig ungeeignete Putzhilfe, sondern bekommt zwischen verschmutzten Toiletten und arroganten Musikproduzenten ordentlich ihr Fett weg und bringt mit ihren Star-Allüren richtig Chaos in Justynas Leben… 

Jan Fehses auf dem gleichnamigen Sachbuch basierende Komödie „Unter deutschen Betten“ geht erzählerisch wenig Risiko ein und setzt an manchen Stellen zu sehr auf Klamauk. Trotzdem hat sie das Herz am rechten Fleck und besticht mit zwei Hauptdarstellerinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deshalb als Duo hervorragend funktionieren.


MY LITTLE PONY – DER FILM  | Regie: Jason Thiessen | UK/USA 2017

Prinzessin Twilight Sparkle steckt mitten in den Vorbereitungen für das große Freundschaftsfestival, als der mächtige Sturmkönig und seine Kommandantin Tempest Shadow mit einem gemeinen Plan in Ponyville einfallen. Tempest war einst selbst Bewohnerin von Equestria, doch als Kind verlor sie ihr magisches Horn und damit auch den Glauben an die Macht der Freundschaft. Um ihre Zauberkraft zurückzugewinnen, kämpft sie jetzt an der Seite des furchteinflößenden Sturmkönig, der den Prinzessinnen von Ponyville all ihre magischen Fähigkeiten rauben will. Aber so einfach geben Twilight und ihre fünf besten Freundinnen nicht auf! Sie ergreifen die Flucht, um Hilfe zu holen. Mit Tempest immer dicht auf den Fersen, schlagen sie sich mit einem zwielichtigen Kater namens Capper herum, fliegen mit dem Luftschiff von Käpt‘n Celaenos schrägen Vögeln und landen schließlich im glitzernden Unterwasserkönigreich Seaquestria. 

Anders als die bisherigen „My Little Pony“-Filme und -Serien setzen die Macher bei dieser Leinwandadaption ausschließlich auf die ganz Kleinen als Zielgruppe und arbeiten mehr gelangweilt denn routiniert die To-Do-List eines jeden Mut-Mach-Abenteuerfilms ab. Kleine Highlights bilden die Gesangseinlagen von Gil Ofarim und Maite Kelly.


TOM OF FINLAND  | Regie: Dome Karukoski  | FIN/SWE/DK/DE/ISL/USA 2017

Jeder kennt die ikonische, stilbildende Kunst von „Tom of Finland“, doch kaum einer die Geschichte des Mannes dahinter: Zurückgekehrt von der Front des 2. Weltkriegs erweist sich für Touko Laaksonen das Leben im Frieden ebenso als Krieg. Im Finnland der 50er Jahre kann er als Homosexueller weder lieben, wen er will, noch sich selbst verwirklichen. Immer der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt, die mit Schwulen rigoros umgeht, findet Touko Zuflucht im Zeichnen homoerotischer Bilder. Unter dem Pseudonym „Tom of Finland“ tritt seine Kunst schließlich einen Siegeszug an. Der Künstler entfacht damit nicht nur die „Gay Revolution“, sondern wird auch zur Symbolfigur einer ganzen Generation junger Männer. Der preisgekrönte Filmemacher Dome Karukoski erzählt in „Tom of Finland“ vom Leben und der Arbeit der einflussreichsten Figur der Schwulen-Kultur des 20. Jahrhunderts.


FÉLICITÉ  | Regie: Alain Gomis | FR/BEL/SEN/DE 2017

Félicité ist Sängerin und tritt jeden Abend in einer Bar in Kinshasa auf. Sie ist eine Frau in der Mitte ihres Lebens, stolz und unabhängig, doch sobald sie singt, scheint sie die Welt um sich herum zu vergessen. Es sind rauschhafte Nächte, denn Félicités Musik hypnotisiert und bewegt ihr Publikum. Als ihr Sohn nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt und dringend operiert werden muss, versucht Félicité, das dafür nötige Geld aufzutreiben. Sie begibt sich auf eine atemlose Reise durch die kongolesische Metropole zwischen Armut und dekadentem Reichtum. Unterstützung bekommt sie durch den Schwerenöter Tabu, einen der Stammgäste der Bar. Er ist es auch, der Félicités Sohn nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus der Lethargie entreißt und ihn zurück ins Leben führt. Die Umstände haben diese drei unterschiedlichen Menschen zu einer Schicksalsgemeinschaft gemacht, die unter einem Dach lebt.


IMMER NOCH JUNG – 15 JAHRE KILLERPILZE  | Regie: David Schlichter, Fabian Halbig | DE 2017

„Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ zeigt Aufstieg, Fall und Wiederauferstehung der jüngsten Teenie-Band Deutschlands: Nach dem Erfolg als „BRAVO-Band“ und dem überraschenden Aus bei der Major-Plattenfirma drohte der Sturz in die öffentliche Belanglosigkeit. „Immer noch jung“ begleitet die Band auf dem steinigen Weg zurück auf die großen Bühnen der Welt mit dem Ziel, die „größte Rockband Deutschlands“ zu werden. Erzählt von (Ex-)Bandmitgliedern, Familie, Management, vielen prominenten Wegbegleitern (u.a. Klaas Heufer-Umlauf, Jennifer Rostock, Felix Brummer von Kraftklub, Michael ‚Curse‘ Kurth u.v.m.) und gespickt mit unveröffentlichtem Archivmaterial von der ersten Bandprobe bis zur Veröffentlichung des Erfolgsalbums HIGH (2016) gewährt der Film einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der deutschen Musiklandschaft der 00er Jahre, den es so noch nicht gegeben hat.


Heimkinotipp: TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN  | Regie: Andreas Dresen | DE 2017

Timm Thaler (Arved Friese) lebt in ärmlichen Verhältnissen, doch er lacht gern und viel. Sein Lachen ist so bezaubernd und ansteckend, dass der dämonische Baron Lefuet (Justus von Dohnányi) es um jeden Preis besitzen will. Und so macht der reichste Mann der Welt dem Jungen ein unmoralisches Angebot: Wenn Timm ihm sein Lachen verkauft, wird er in Zukunft jede Wette gewinnen. Nach anfänglichem Zögern unterschreibt Timm den Vertrag. Jetzt kann er sich scheinbar jeden Wunsch erfüllen, doch ohne sein Lachen ist er ein anderer Mensch. Nur noch Timms Freunde Ida (Jule Hermann) und Kreschimir (Charly Hübner) halten zu ihm. Gemeinsam wollen sie Timm aus den Fängen des Barons befreien und durch eine List sein markantes Lachen zurückgewinnen.

4 von 5

„Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ ist ein ebenso aussagekräftiger wie liebevoller Film, mag aber inszenatorisch zunächst ein wenig befremdlich wirken. Doch die optischen Widersprüche aus der Darstellung eines verarmten, zeitlich kaum zu verortenden Deutschland und der futuristischen Welt des Grafen verhilft der Geschichte zur einer entrückten Realität und dadurch zu noch mehr Zeitlosigkeit.

Das startet am 28. September 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 28. September, an dem eigentlich nur ein Start so richtig interessant ist: Der in den USA sämtliche Rekorde brechende Horror-Blockbuster „Es“. Dagegen treten einige kleine Produktionen an, die allesamt sehenswert sind und von denen die Tragikomödie „Victoria & Abdul“ in den Arthäusern solide abschneiden dürfte. Für die Kleinen gibt’s ein neues Abenteuer aus dem Pixar-„Cars“-Kosmos, doch sehenswert ist das schon lange nicht mehr. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

ES  | Regie: Andy Muschietti | USA 2017

Im Mittelpunkt stehen sieben junge Außenseiter, die in dem Städtchen Derry in Maine aufwachsen – sie bezeichnen sich als Club der Loser. Aus dem einen oder anderen Grund sind sie alle ausgegrenzt worden, die Rowdys des Ortes haben sie ins Visier genommen … und alle haben erlebt, wie ihre innere Angst plötzlich real wurde als uralter, aggressiver Gestaltwandler, den sie einfach nur „Es“ nennen. Seit es den Ort gibt, ist Derry immer schon das Jagdrevier dieses Monsters gewesen: Alle 27 Jahre steigt es aus der Kanalisation herauf, um sich vom Schrecken seiner bevorzugten Beute zu ernähren: nämlich den Kindern von Derry. Innerhalb eines ebenso grauenhaften wie mitreißenden Sommers tun sich die Loser zusammen und bilden eine unverbrüchliche Gemeinschaft, um so ihre eigene Angst zu überwinden und den mörderischen Amoklauf zu beenden, der an einem Regentag begonnen hat… 

Der neuen Verfilmung von Kings Bestseller „Es“ wäre damit Unrecht getan, würde man sie lediglich auf ihr Dasein als Horrorschocker reduzieren. Andy Muschietti gelingt ein feinfühliges Coming-of-Age-Drama über innere Dämonen und die Ängste des Erwachsenwerdens, garniert mit einer ordentlichen Prise Gruselhorror, starken Effekten und einem Club der Verlierer, in den man sich auf Anhieb verliebt.


ROCK MY HEART  | Regie: Hanno Olderdissen | DE 2017

Wie lebt man, wenn jeder Herzschlag der letzte sein könnte? Diese Frage begleitet die 17-jährige Jana ständig, denn sie lebt mit einem angeborenen Herzfehler. Und weil das nicht fair ist, riskiert sie immer wieder Kopf und Kragen. Sie will jeden Augenblick auskosten. Sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern, die sie zu einer rettenden, aber riskanten Operation überreden wollen. Doch Jana weigert sich. Als sie dem Vollbluthengst Rock My Heart begegnet, ändert sich für sie alles. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Das schwarze Pferd ist wie sie: wild, ungezähmt, rebellisch und lässt niemanden an sich heran – außer Jana. Rocks Trainer Paul Brenner wittert seine Chance: Er überredet Jana mit Rock für ein wichtiges Galopprennen zu trainieren, um mit dem Preisgeld endlich seine Schulden abzubezahlen. Von Janas Krankheit hat er keine Ahnung – und Jana wird ihr Geheimnis bestimmt nicht preisgeben.

„Rock My Heart“ kombiniert auf eine absolut authentische Weise das Drama um eine Todkranke mit einem hoffnungsvoll-optimistischen Pferdefilm, das überrascht, mitreißt und die aufgesetzte Hintergrundmusik gar nicht bräuchte, um zu Tränen zu rühren. Die fantastischen Darstellungen im Ensemble und der realistische Umgang mit dem Metier des Pferderennsports runden den starken Gesamteindruck ab.


VICTORIA & ABDUL  | Regie: Stephen Frears | UK/USA 2017

London 1887: Bei den prunkvollen Feierlichkeiten anlässlich ihres 50. Thronjubiläums lernt die manchmal etwas eigensinnige britische Monarchin Queen Victoria (Judi Dench) den jungen indischen Bediensteten Abdul Karim (Ali Fazal) kennen. Zur Überraschung ihrer Familie und Berater nimmt sie Abdul in ihr Gefolge auf – zunächst als Diener am königlichen Hof. Bald schon zeigt sich die sonst so distanzierte Queen erfrischt von ihrem neuen Bediensteten, der sich als inspirierender Gesprächspartner herausstellt und ihr seine fremde Kultur näher bringt. Abdul führt ihr vor Augen, dass sie selbst als langjährige Herrscherin noch viel über die Menschen im Britischen Empire lernen kann. Zwischen beiden entwickelt sich eine höchst außergewöhnliche Freundschaft, die bei der Entourage am Hofe schnell Misstrauen und Neid erzeugt.

Stephen Frears‘ überraschend komisches Drama „Victoria & Abdul“ ist ein liebevoller Blick hinter die Kulissen der britischen Monarchie und findet trotz seiner leichtfüßigen Inszenierung die richtige Balance zwischen aus der Absurdität heraus entstehendem Witz und niederschmetternder Tragik, wenn man erkennt, dass das sich Annäheren verschiedener Kulturen noch heute immer keine Selbstverständlichkeit ist.


DIE BESTE ALLER WELTEN  | Regie: Adrian Goiginger | AT/DE 2017

Lagerfeuer, Feuerwerkskracher, Abenteuergeschichten: Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) erlebt eine auf den ersten Blick harmonische Kindheit im außergewöhnlichen Milieu einer Drogenszene am Rand einer österreichischen Stadt, und mit seiner liebenswerten Mutter Helga (Verena Altenberger) zwischen Fürsorglichkeit und Drogenrausch. Wenn er groß ist, möchte er unbedingt Abenteurer werden. Trotz aller Schwierigkeiten ist es für ihn eine behütete Kindheit, die beste aller Welten. Er ist kein unglückliches Kind, Helga ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihm Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Bis sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren lässt. Helga weiß, sie muss clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie ihre eigenen Dämonen besiegen… 

An dem autobiographischen Filmdrama „Die beste aller Welten“ hat man schwer zu knabbern. So authentisch und lebensecht inszeniert Regie-Newcomer Adrian Goiginer seine eigene Kindheit, die dem Zuschauer einen emotionalen, fast traumatisch-intensiven Einblick hinter die Kulissen der österrichischen Drogenszene liefert. Jungdarsteller Jeremy Miliker spielt Weltklasse – genauso wie der Rest.


CARS 3: EVOLUTION  | Regie: Brian Fee | USA 2017

Unvorbereitet wird Lightning McQueen von einer neuen Generation Rennwagen aus dem Sport verdrängt, den er so liebt. Um wieder mithalten zu können, ist er auf die Hilfe der ehrgeizigen Renntechnikerin Cruz Ramirez angewiesen. Um Lightning zurück an die Spitze zu bringen, hat sie auch schon einen Plan: Mit dem verstorbenen Doc Hudson als Vorbild und einigen unerwarteten Fahrmanövern will sie ihr Vorhaben umsetzen. Um zu beweisen, dass die Startnummer #95 noch nicht zum alten Eisen gehört, muss Lightning sein Kämpferherz beim Piston Cup Rennen unter Beweis stellen. Regisseur Brian Fee hisst die Startflagge für „Cars 3: Evolution“! Dabei gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit den Stars der ersten Filme – das dritte Abenteuer präsentiert zahlreiche neue Charaktere, die ordentlich Speed auf die Leinwand bringen.

„Cars 3: Evolution“ ist zwar nicht ganz so missraten wie der vollkommen lieblose Vorgänger, stattdessen ist das zweite Sequel des Erfolgsfranchises ein absolut generisches Animationsabenteuer, das mit so wenigen eigenen Ideen daherkommt, dass man ihn sich auch direkt sparen kann. Die als Zielgruppe anvisierten Kiddies wird das vermutlich kaum interessieren. Immerhin das Ende überzeugt.


WANN ENDLICH KÜSST DU MICH?  | Regie: Julia Ziesche | DE 2016

Die halbwegs erfolgreiche Schauspielerin Doris (Olivia Grigolli) will noch immer über das Leben ihrer beiden erwachsenen Töchter bestimmen, wobei ihr das eigene Leben doch eigentlich selbst fast entglitten ist. Ihre ältere Tochter Mascha (Marie Rosa Tietjen) ist immer noch auf der Suche nach sich selbst und verkennt dabei, dass sie eigentlich schon ziemlich viel gefunden hat. Die 16-jährige Viola hingegen glaubt, dass sie ihre Pläne und Träume mühelos mit einem Baby in Einklang bringen kann. Dass nicht nur Viola (Luise von Finckh), sondern auch ihre Mutter ungeplant schwanger wird, setzt die beiden unter Entscheidungszwang – und verlangt in den wechselhaft-spannungsvollen Mutter-Tochter-Beziehungen ein neues Verständnis für die Entscheidungen der anderen. Die ungeborenen Kindern könnten die beiden Frauen endlich wieder enger zusammenführen – oder sie auf ewig auseinander treiben…


STROMAUFWÄRTS  | Regie: Mari­on Hän­sel | BEL/NED/HRV 2016

Die bei­den Halb­brü­der Homer (Oli­ver Gour­met) und Joé (Ser­gi López) wuss­ten bis vor kur­zem nichts von der Exis­tenz des jeweils ande­ren, erfah­ren haben sie von­ein­an­der erst nach dem Tod des gemein­sa­men Vaters. Um sich bes­ser ken­nen­zu­ler­nen, unter­neh­men sie eine gemein­sa­me Boots­fahrt in Kroa­ti­en, dort­hin, wo sich der Vater zuletzt auf­ge­hal­ten hat. Was sich dabei schnell zeigt, ist, dass bei­de zu ver­schie­den sind, um eine gute Zeit mit­ein­an­der zu ver­brin­gen. Wor­über die bei­den wort­kar­gen Män­ner auch kaum spre­chen kön­nen, sind die unter­schied­li­chen Ver­let­zun­gen, die bei­de durch den Vater erlit­ten haben. Mehr schwei­gend als redend tuckern sie den Fluß hin­auf, der sich durch eine wun­der­schö­ne Fels­land­schaft schlän­gelt. Kurz vor ihrem Ziel, einem alten Klos­ter, tref­fen sie auf einen drit­ten Mann, den Iren Sean (John Lynch), der mit dem Vater geschäft­lich zu tun hat­te und der mehr über des­sen Ver­gan­gen­heit weiß als die Söhne.


Heimkinotipp: UNA UND RAY  | Regie: Benedict Andrews | UK/USA/CAN 2017

Als eines Tages plötzlich die schöne Una (Rooney Mara) in seinem Büro auftaucht, wird der eigentlich Mitten im Leben eines erfolgreichen Unternehmers stehende Ray (Ben Mendelsohn) ungewollt mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. 15 Jahre zuvor verband ihn mit der damals noch minderjährigen Tochter (Ruby Stokes) seines Nachbarn eine verbotene Liebesaffäre, für die Ray schließlich verhaftet und verurteilt wurde. Inzwischen hat sich Ray unter anderem Namen ein neues Leben aufgebaut – für Una hingegen scheint die Zeit stillgestanden zu haben. Es folgt eine erbarmungslose Aufarbeitung längst begrabener Erinnerungen mit fatalen Konsequenzen, denn Una weiß nach wie vor nicht, ob das damals echte Liebe war, oder ob sie von Ray nur benutzt wurde. 

„Una und Ray“ begeistert nicht bloß mit formidablen Darstellerleistungen und einer auf das Wesentliche reduzierten Inszenierung, sondern lebt in erster Linie davon, dass man nicht weiß, ob das Gezeigte richtig oder falsch ist.

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