Ready or Not 2
Sieben Jahre nach dem Erfolg der Womanhunt-Splatterkomödie „Ready or Not“ kommt mit READY OR NOT 2 nun eine Fortsetzung in die Kinos. Besonders der Auftakt wirkt groß gedacht, doch erstmals in ihrer Karriere hat man das Gefühl, die beiden „Scream“-Macher Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett fahren hier mit kontinuierlich angezogener Handbremse – und ohne neue Ideen im Gepäck!
Darum geht’s
Nur wenige Augenblicke nach dem grausamen Angriff durch die Familie Le Domas wird Grace (Samara Weaving) klar, dass ihr Albtraum noch lange nicht vorbei ist. Im Gegenteil: Ihr Überleben hat sie auf eine neue, noch gefährlichere Ebene eines perfiden Spiels gebracht. An ihrer Seite steht nun ausgerechnet ihre entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton), zu der sie lange keinen Kontakt hatte. Trotz alter Wunden müssen die beiden lernen, sich aufeinander zu verlassen. Grace bleibt keine Zeit zum Zögern. Ihr Ziel ist klar: Sie muss nicht nur ihr eigenes Leben retten, sondern auch das ihrer Schwester schützen und gleichzeitig den mysteriösen Hohen Rat zu Fall bringen. Eine geheime Elite, die im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkt und seit Generationen die Fäden zieht. Doch dieser Plan ist nahezu unmöglich, denn vier mächtige und rivalisierende Familien haben es ebenfalls auf die Vorherrschaft abgesehen. Sie alle verfolgen Grace und Faith unerbittlich, bereit, alles zu opfern, um den Thron an sich zu reißen.
Kritik
War „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ 2019 ein Erfolg? Wenn man auf die nackten Zahlen blickt, dann scheint es so. Bei einem Budget von gerade einmal sechs Millionen US-Dollar spielte die Manhunt- (oder besser: Womanhunt-)Horrorkomödie rund 58 Millionen ein. Das ist fast das Zehnfache ihrer Produktionskosten. Also ein echter Hit. Oder? Bohrt man einmal tiefer, wird man feststellen: Ebendieser Erfolg, den es mit großer Sicherheit gebraucht hat, um vom Studio überhaupt das Geld für eine Fortsetzung zu erhalten, ist eigentlich gar nicht so hochzuhängen. Denn gerade im Horrorgenre sind solche Multiplikatoren alles andere als eine Seltenheit. Vielmehr gehört es seit Jahren zum Geschäftsmodell, mit überschaubaren Budgets maximale Einnahmen zu erzielen. Ein Blick auf ähnlich gelagerte Produktionen aus dem direkten Umfeld von „Ready or Not“ verdeutlicht das recht eindrücklich: „Get Out“ spielte etwa 2017 bei Kosten von rund 4,5 Millionen über 250 Millionen Dollar ein, das „Halloween“-Remake von 2018 kam mit einem Budget von knapp 10 Millionen auf mehr als 250 Millionen weltweit und selbst ein vergleichsweise „kleinerer“ Titel wie „Der Unsichtbare“ vervielfachte sein Budget von sieben Millionen auf knapp 145 Millionen – und zwar während er Corona-Phase!

Diesmal muss Grace (Samara Weaving) an der Seite ihrer entfremdeten Schwester Faith (Kathryn Newton) ums Überleben kämpfen.
Vor diesem Hintergrund wirken die knapp 58 Millionen von „Ready or Not“ plötzlich weniger wie ein Ausreißer nach oben, als eher wie ein solides Mittelfeld-Ergebnis innerhalb eines Genres, das wirtschaftlich ohnehin extrem effizient arbeitet. Der Film war zweifelsohne profitabel, aber eben kein Phänomen. Eher ein verlässlicher Festival-Crowdpleaser, der mit einer cleveren Prämisse, pointiertem Tonfall und einer charismatischen Hauptdarstellerin genügend Aufmerksamkeit generieren konnte, um aus wenig viel zu machen. Genau an diesem Punkt setzt nun auch „Ready or Not 2“ an – oder vielleicht treffender: Er setzt eben nicht wirklich neu an. Statt die vergleichsweise simple, aber wirkungsvolle Grundidee des ersten Teils weiterzudenken oder in eine neue Richtung zu lenken, begnügt sich die Fortsetzung damit, deren Erfolgsformel weitestgehend zu reproduzieren. Das Ergebnis ist ein klassisches „More of the Same“, das auf den ersten Blick durchaus vertraut und damit auch zugänglich wirkt, bei näherer Betrachtung jedoch vor allem eines vermissen lässt: Variation. Dabei beginnt „Ready or Not 2“ eigentlich durchaus vielversprechend, indem die erneut für die Regie verantwortlichen Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett („Scream“) ihre im ersten Teil noch sehr konzentrierte Prämisse – eine menschenjagende, einen Pakt mit dem Teufel eingegangene Großfamilie – zu einem deutlich größer angelegten Mysterium ausbauen. Die Idee eines erweiterten World Buildings, das die Ereignisse in einen größeren Kontext einbettet, erinnert in seinen Dimensionen stellenweise sogar an „John Wick“, wo aus einer zunächst simplen Rachegeschichte nach und nach ein ganzes, streng organisiertes Paralleluniversum erwächst.
„Das angedeutete größere Ganze wirkt weniger wie ein konsequent durchdachtes System, sondern eher wie eine lose Ansammlung neuer Ideen, die zwar den Rahmen erweitern, ihm aber kaum zusätzliche Tiefe verleihen. Es ist eher eine ‚kosmetische‘ Vergrößerung, um dem Film mehr Umfang zu geben. Quantität vor Qualität sozusagen.“
Doch während es „John Wick“ gelingt, diese Welt organisch wachsen zu lassen (und man vor allem bei Teil zwei, drei und vier das Gefühl hatte, dass sie von Anfang an als eine solche angelegt war) und ihr durch klare Regeln, Hierarchien und wiederkehrende Schauplätze eine eigene Faszination zu verleihen, bleibt „Ready or Not 2“ in dieser Hinsicht überraschend oberflächlich. Zumal man hier längst nicht das Gefühl hat, dass man bereits beim ersten Teil die Ideen hierfür hatte. Stattdessen wirkt es wie eine Reaktion auf die verzweifelte Erkenntnis, dass man sich ja schon noch irgendetwas Neues einfallen lassen sollte, wenn man einen zweiten Teil dreht. Das angedeutete größere Ganze wirkt somit weniger wie ein konsequent durchdachtes System, sondern eher wie eine lose Ansammlung neuer Ideen, die zwar den Rahmen erweitern, ihm aber kaum zusätzliche Tiefe verleihen. Es ist eher eine „kosmetische“ Vergrößerung, um dem Film mehr Umfang zu geben. Quantität vor Qualität sozusagen. Erzählerische Substanz ergibt sich hieraus eher nicht. Wohl aber manch hanebüchene Quatschidee. Etwa dass die Jägerinnen und Jäger lediglich mit Waffen kämpfen dürfen, die aus exakt jener Zeit stammen, in der sie ihren Pakt mit dem Teufel eingegangen sind. Das ist natürlich völliger Mumpitz, könnte mit der entsprechenden Chuzpe aber hervorragend funktionieren. Erst recht bei einem Film, der ja ohnehin nicht mehr will, als einfach nur Spaß zu bereiten.
Doch „Ready or Not 2“ nimmt sich für einen Genrebeitrag seiner Couleur überraschend ernst. Das zeigt sich schon bei der Konstellation der beiden Hauptfiguren. Wurde Samara Weaving („Babylon“) in Teil eins noch zum alleinigen Ziel auserkoren, bekommt sie diesmal mit Katheryn Newton („Lisa Frankenstein“) eine Filmschwester an die Seite gestellt respektive ans Handgelenk gekettet. Der Clou: Nachdem Grace ihre jüngere Schwester Faith einst wegen eines Studiums allein zurückgelassen hatte, sind sich die beiden spinnefeind. Und das wird sich auch dann partout nicht ändern, wenn die beiden – im wahrsten Sinne des Wortes – unter Dauerbeschuss geraten. Das erneut von Bettinelli-Olpin Gillett verfasste Skript quetscht die dysfunktionale Schwesterndynamik bis auf den letzten Tropfen aus, sodass die permanent gekeiften Wortgefechte irgendwann nur noch ermüden. Das hat der artverwandte (und ebenfalls gerade erst im Kino erschienene) „They Will Kill You“ deutlich eleganter hinbekommen, indem der Film die beiden zerstrittenen Schwestern sehr spät im Film überhaupt erst zusammengeführt hat. Zumal der diesem Zwist zugrundeliegende Konflikt hier auch deutlich nachvollziehbarer aufbereitet wurde.
„Zwar sind die grotesken Anlagen der Prämisse weiterhin vorhanden, doch anstatt sie konsequent auszureizen, begegnet der Film ihnen mit einer auffallenden Ernsthaftigkeit. Das führt dazu, dass viele Szenen ausgebremst wirken. Ganz so, als traue sich die Fortsetzung nicht, wirklich loszulassen.“
Und wo wir gerade beim Thema sind: Natürlich muss sich „Ready or Not 2“ den Vergleich mit „They Will Kill You“ gefallen lassen. Schon allein deshalb, weil die Releasetermine der beiden Filme so eng beieinander liegen. Während Kirill Sokolov seine simple Prämisse auf der Splatterebene gnadenlos durchzog, dominierte ein permanentes Augenzwinkern die Tonalität. Die Absurdität des Geschehens wurde dabei betont herausgestellt und genüsslich zelebriert. „They Will Kill You“ wusste jederzeit genau, was für ein Film er sein wollte und vor allem, was er eben nicht sein musste. Diese klare Haltung überträgt sich spürbar auf Inszenierung, Timing und Eskalationsstufen, die sich immer weiter hochschrauben. „Ready or Not 2“ hingegen scheint genau an diesem Punkt zu zögern. Zwar sind die grotesken Anlagen der Prämisse weiterhin vorhanden, doch anstatt sie konsequent auszureizen, begegnet der Film ihnen mit einer auffallenden Ernsthaftigkeit. Das führt dazu, dass viele Szenen ausgebremst wirken. Ganz so, als traue sich die Fortsetzung nicht, wirklich loszulassen. Alles wirkt ein Stückweit lieblos. Schon das Setting eines Herrenhauses mit Garten ist für ein ähnlich klaustrophobisches Gefühl wie in Teil eins schlicht zu groß. Gleichzeitig kann es nicht mit aufregenden Setpieces aufwarten und hinterlässt sogar konkrete Fragezeichen. Etwa wie es den Jäger:innen nicht gelingen kann, zwei junge Frauen nicht einmal dann sofort zu töten, wenn sie auf der ungeschützten Anlage eines riesigen Golfplatzes herumlaufen. „Ready or Not 2“ ist voll von solchen Drehbuchideen, die einzig darauf abzielen, einen Plot künstlich am Laufen zu halten, der nach realistischen Maßstäben nach bereits zehn Minuten vorbei wäre. Eine ermüdende Angelegenheit, der vereinzelte inszenatorische Kabinettstückchen wie etwa eine Kampfchoreographie mit stark eingeschränkter Sicht (Stichwort: Pfefferspray) kaum etwas entgegenzusetzen haben.
Fazit: „Ready or Not 2“ ist eine Fortsetzung, die zwar die Grundzutaten des Originals beibehält, deren Reiz jedoch kaum weiterentwickelt. Was einst von Tempo, Witz und einem Gespür für die eigene Absurdität lebte, erstarrt hier zunehmend in Routine und überambitionierter Ernsthaftigkeit, während das Drehbuch jedwede Plausibilität mit Füßen tritt. Und anstatt die eigene Quatschigkeit auszukosten, fahren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett hier erstmals in ihrer Karriere mit massiv angezogener Handbremse.



Da werden zwei Scream Queens zur ultimativen Schlammschlacht nach der Scheidung versammelt…und trotzdem bleibt sie wohl aus. Schade.