Fantasy Island

Eine einstige Feelgood-Serie als Horrorfilm – die Idee hinter FANTASY ISLAND ist nett, die Umsetzung hingegen katastrophal. Besonders bedauerlich: das Potenzial ist vorhanden. Weshalb das allein nicht ausreicht, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Der mysteriöse Mr. Roarke (Michael Peña) lädt regelmäßig Gäste auf sein luxuriöses, weit abgelegenes tropisches Resort ein, um hier ihre geheimsten Wünsche wahr werden zu lassen. Diesmal dabei: Melanie (Lucy Hale), Elena (Maggie Q), Randall (Austin Stowell) und die beiden Stiefbrüder Bradley (Ryan Hansen) und Brax (Jimmy O. Yang), die sich auf „Fantasy Island“ wahlweise den Wunsch nach Rache, Sex oder Krieg erfüllen wollen. Doch plötzlich geht etwas schief und die Gäste sehen sich mit den Schattenseiten dieses verheißungsvollen Paradieses konfrontiert. Denn die die vermeintlichen Fantasien werden Wirklichkeit. Und aus dem Urlaub wird ein Kampf auf Leben und Tod…

Kritik

In den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren flimmerte zum ersten Mal die Fantasy-Feelgood-Serie „Fantasy Island“ über die Bildschirme. Darin spielte Ricardo Montalbán einen Millionär, der den Gästen seiner Insel die Erfüllung ihrer Herzenswünsche ermöglicht. Ein simples, aber erfolgversprechendes Konzept, das so erfolgreich war, dass Ende der Neunzigerjahre die Wiederbelebung mit Malcolm McDowell in der Hauptrolle folgte. Doch der Hype war offenbar abgeflaut; nach gerade einmal einer Staffel mit insgesamt 13 Episoden wurde die Neuauflage abgesetzt. Doch das Konzept eines Ortes, an dem sich wie von Zauberhand die eigenen Wunschträume erfüllen – in der Serie ging’s zumeist um irgendwelche harmlosen Besitztümer, Spaß und ein wenig Romantik – ist eben auch einfach zu verlockend, sodass Regisseur Jeff Wadlow („Wahrheit oder Pflicht“) für die allerneueste Interpretation des Stoffes nun sogar in Genregewässern fischt. Genauer: Im Horrorsegment, denn die titelgebende Fantasy Island lässt sich bei entsprechenden Wünschen ja auch spielend leicht zu Rachezwecken, für nicht ganz jugendfreie Sexträume oder Kriegsszenarien missbrauchen. Mit dem Wissen, dass der Director’s Cut von „Fantasy Island“ in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 18 erhalten haben soll, klingt das alles wirklich reizvoll. Doch sobald man sich von der Theorie in die Praxis begibt, wird man eines Besseren belehrt. Die FSK-18-News war ganz offensichtlich bloß eine gut platzierte PR-Finte (die offizielle Seite der FSK listet den Dirctor’s Cut mit einer Freigabe ab 16) und der Film selbst bleibt in den vielen guten Ansätzen allenfalls stecken, führt sie aber nicht konsequent zu Ende. Übrig bleibt ein einziges Ärgernis.

Melanie (Lucy Hale) will sich an ihrer ärgsten Feindin rächen – aber eigentlich auch nicht.

Das Frustrierendste an „Fantasy Island“ ist, dass das Potenzial der Prämisse zweifellos durchscheint. Nach dem bekannten „Gib Acht, was du dir wünschst!“-Prinzip werden die auf den ersten Blick harmlosen Träume der Inselgäste sozusagen auf ihre Nebenwirkungen abgeklopft. Gwen, die es als ihren größten Fehler empfindet, sich von ihrem Mann getrennt zu haben, möchte diese Entscheidung rückgängig machen. Melanie wiederum will sich an einer ehemaligen Schulfeindin retten, die sie während ihrer Schulzeit permanent gepiesackt hatte. Und die beiden Stiefbrüder Bradley und Brax wollen an der Seite einiger draller Schönheiten feuchtfröhlich Party machen – was kann da schon schiefgehen? In „Fantasy Island“ eine Menge und zwar auch auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Die Rachegelüste der hübschen Melanie etwa werden von der Fantasieinsel zwar sogleich in die Tat umgesetzt, allerdings an ihrem echten Opfer – und nicht etwa an einem Hologramm oder auf irgendeine andere Art und Weise. Das ist per se nicht bloß richtig schön fies und konfrontiert die ohnehin nicht ganz helle Melanie mit ihrer Moral, böte obendrein aber auch noch richtig viel Potenzial für saftige Goreeinlagen. Doch „Fantasy Island“ ist weder besonders deep, noch brutal. Nach ein paar Stromstößen gegen den Unterarm sind beide Ladies frei und der „Dr. Torture“ betitelte Folterer erweist sich als ziemliches Weichei.

Dass es in „Fantasy Island“ nicht ansatzweise so brutal zugeht, wie man es von den erzählerischen Umständen erwarten dürfte, ist die eine, bei einem halbwegs validen Skript aber sogar noch verschmerzbare Seite der Medaille. Auch wenn der Film selbst für eine FSK-Freigabe ab 16 viel, viel zu blutleer daherkommt und sogar auf der Seite versagt, auf die man insbesondere bei Blumhouse-Produktionen eigentlich immer setzen kann: den Jumpscares. So weit, so enttäuschend (oder im Anbetracht der fehlenden Schockmomente sogar angenehm), doch einen Ausgleich schaffen die Drehbuchautoren Jillian Jacobs, Christopher Roach und Jeff Wadlow (schrieben alle zusammen bereits das Skript zu „Wahrheit oder Pflicht“) zu keiner Sekunde. Melanies Rachebeispiel und der fehlende, emotionale Input durch die wahlweise absolut oberflächlichen oder eben unausstehlichen Figurenzeichnungen stehen symptomatisch für das Kernproblem von „Fantasy Island“: Den Charakteren passieren zwar Dinge, die die Filmhandlung vorantreiben. Doch die Macher interessieren sich nie für deren Auswirkungen auf das Seelenleben. Irgendwann ist alles nur noch ein einziges Gerenne und Gefluche – und das meinen wir in diesem Fall wortwörtlich, da sich die vielen Ereignisse einmal komplett über die Insel verstreut abspielen. Handelt das Skript sie zunächst fast im Episodenfilmrhythmus ab – erst die eine, dann der andere, dann die nächsten – kommt erst in der zweiten Hälfte alles zusammen. Besser wird es dadurch nicht, aber immerhin ein bisschen temporeicher.

Was hat der mysteriöse Mr. Roarke (Michael Peña) mit seinen Gästen vor?

Passiert in „Fantasy Island“ die meiste Zeit über gefühlt gar nichts, müssen die Verantwortlichen den Film ja auch noch irgendwie zu Ende bringen. Die Verbindung des 2020er-Films zu der Siebzigerjahre-Vorlage liegt zwar von Anfang an auf der Hand. Aufgrund des stümperhaften Finals wirkt diese Verbindung aber fast schon anmaßend; Kaum ein Fan der Serie wird sich damit anfreunden können, wie Jeff Wadlow seinen Film im „Fantasy Island“-Universum verortet. Vor allem dank der katastrophalen Auflösung, für die die Macher nicht nur das Geheimnis der Insel entmystifizieren, sondern sich auch noch eine Begründung für das Szenario aus dem Ärmel zaubern, die so konstruiert und gaga ist, dass man mehrmals meint, Nebendarsteller und einziges halbwegs bekanntes Ensemble-Mitglied Michael Peña („Ant-Man and the Wasp“) dabei zusehen zu können, wie er ob der bisweilen hanebüchenen Dialogzeilen regelrecht zu verzweifeln droht. Dahinter steckt mit Sicherheit der Gedanke, „sowas wie ‚Lost'“ machen zu wollen. Am Ende artet es aber eher in eine Gut-gemeint-Attitüde wie das im vergangenen Jahr ebenfalls bei Blumhouse Productions erschienene „Black Christmas“-Remake aus – hemmungslose Selbstüberschätzung eben. Schade ist das vor allem, weil sich nach „Midsommar“ von Ari Aster hiermit ein zweiter Horrorfilm anschickte, das Grauen auch bei Sonnenlicht zu forcieren. Doch grauenvoll ist hier nur eines: der Film selbst.

Fazit: Eine nette Idee katastrophal umgesetzt: „Fantasy Island“ liefert einem keinerlei Argumente dafür an die Hand, weshalb man sich diesen Film ansehen sollte. Selbst Michael Peña wirkt angewidert – und der hat eigentlich immer gute Laune!

„Fantasy Island“ ist ab dem 20. Juni als Stream erhältlich. 

2 Kommentare

  • Aber ist der Film nicht genau deswegen sehenswert weil er so schlecht ist? Also ein „Good bad movie“?

    • Antje Wessels

      Die berühmt berüchtigten „Good Bad Movies“ haben ja normalerweise andere Qualitäten. „Fantasy Island“ ist einfach nur öde. Da entsteht leider auch aus der Schlechtheit kein Unterhaltungswert. 🙁

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