Gregs Tagebuch: Böse Falle!

Alles neu, macht der nunmehr vierte Teil der beliebten Familienfilmreihe „Gregs Tagebuch“ mit dem nächsten Sequel GREGS TAGEBUCH: BÖSE FALLE!. Der komplette Cast wurde ausgetauscht. Inwieweit sich das auf das Endergebnis auswirkt, verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Nach einem Zwischenfall mit einer Windel droht der zwölfjährige Greg (Jason Drucker) zum Gespätt der weltweiten Internetgemeinde zu werden. Postwendend setzt er alle Hebel in Bewegung, um seinen „Ruf“ wiederherzustellen. Da liegt es natürlich auf der Hand, dass er ein noch „cooleres“ Video von sich im World Wide Web posten muss. Idealerweise mit der Hilfe und an der Seite des YouTube-Gurus Mac Digby, der ihn via automatischer E-Mailantwort eingeladen hat, ihn doch auf der Player’s Expo zu besuchen. Dies beflügelt Greg ungemein und er freut sich auf einen schönen, langen Sommer, doch das ist nicht im Sinne von Mama Susan (Alicia Silverstone). Die hat beschlossen, dass die Familie mehr Zeit miteinander verbringen muss und deswegen auch ein Handy- und Computerverbot ausgesprochen – und das gilt natürlich auch während der Autofahrt zur Geburtstagsfeier von Gregs Urgroßmutter. Greg ist ob dieses Ansinnens entsetzt und möchte viel lieber zu Hause bleiben – bis er erkennt, dass diese Reise ihm die Möglichkeit bietet, die Player’s Expo zu besuchen. Auch Vater Frank (Thomas Everett Scott), der bis zum Hals in Arbeit steckt, ist von dem Trip nicht begeistert. Genauso wenig wie Bruder Rodrick (Charlie Wright), immer noch Gregs größte Nemesis.

Kritik

Eine bekannte Filmreihe einige Jahre nach Beendigung mit einem neuen Cast zu rebooten, kommt andauernd vor. Innerhalb einer zusammenhängenden, mehrere Einzelproduktionen umfassenden Erzählung einmal das komplette Ensemble auszutauschen, dagegen seltener. Doch was soll man tun, wenn der Zahn der Zeit schon an den Jüngsten nagt; Zachary Gordon, der die Hauptfigur der „Gregs Tagebuch“-Reihe über drei Filme lang verkörperte, war zum Start im Jahre 2010 noch ganz zur Rolle passend zwölf Jahre alt, doch mittlerweile nimmt man dem heute 19-jährigen die Figur des kindlichen Tollpatsches einfach nicht mehr ab. Also hat man nicht nur ihn, sondern der Konsequenz wegen sämtliche Darsteller ausgetauscht, versucht mit der Einordung im „Greg“-Kosmos als offiziell vierter Teil aber eine gewisse Übersicht zu wahren. Und seien wir einmal ehrlich: So komplex sind die Filme aus der „Gregs Tagebuch“-Reihe nicht, als dass einen der Wechsel im Cast nun vor riesige Verständnisprobleme stellen würde. „Gregs Tagebuch: Böse Falle!“ lässt sich, wie schon die anderen Teile, auch als alleinstehendes Kinder- und Familienabenteuer gut anschauen. Und als solches macht der abgedrehte Family-Roadtrip wirklich Laune, auch wenn die Macher den Gehalt an Fäkal- und Slapstickhumor im nächsten Teil gerne drosseln dürfen.

Gregs Bruder Rodrick (Charlie Wright) und Greg (Jason Drucker) bekommen es mit der Polizei zu tun.

Man kommt nicht umher, spätestens ab dem Moment des gemeinsamen Aufbruchs in neue Abenteuer an einen anderen Film zu denken: „Die schrillen Vier auf Achse“, respektive das Quasi-Remake mit dem Titel „Vacation“ aus dem Jahr 2015. Auch hier begab sich eine Familie unter der Begleitung von allerhand Turbulenzen auf den Weg in Richtung Urlaub, wurde in diesem Fall allerdings von solch amüsanten Stationen wie einem als Badequelle fehlinterpretierten Klärwerk, einer feuchtfröhlichen Studentenparty und einem versifften Motel aufgehalten. Letzteres hat auch „Gregs Tagebuch 4“ zu bieten. Für einen Totalabsturz infolge exzessiven Alkoholgenusses respektive einer ausgiebigen Badesession zwischen abgeschnittenen Ohren und benutztem Drogenbesteck ist das hier angesprochene Zielpublikum der Familie dann wohl doch etwas zu zart besaitet. In Sachen Haudrauf-Humor und Pipikakakotze-Gags ist allerdings auch „Böse Falle!“ auf fragwürdige Weise „gut“ aufgestellt. Und leider ist das auch das größte Problem am Film, denn während das Skript von Regisseur David Bowers (inszenierte auch den zweiten und dritten Teil von „Gregs Tagebuch“) und Jeff Kinney, dem Autor der „Wimpy Kid“-Bücher, die Kombination aus traditionellen Familienwerten und modernen High-Tech-Problemen noch gut meistern kann – sogar eine amüsante Referenz an „Psycho“ wird geboten und fügt sich richtig gut in das ansonsten so kinderfreundliche Setting ein – verlassen sich die Macher beim Humor zu oft auf Oberflächlichkeiten, die auch so gar nicht zur eher harmlosen Geschichte passen. „Gregs Tagebuch: Böse Falle!“ hat zwar das Herz am rechten Fleck, knallt dem Zuschauer aber immer wieder Pointen vor den Latz, die weder einen Mehrwert bieten, noch tonal ins Geschehen passen.

Gegen eine kernige Inszenierung mit hohem Tempo spricht gerade bei einem kurzweiligen Familienabenteuer absolut gar nichts. Doch will man den locker als jugendliche Version von „Star Wars“-Star Adam Driver durchgehenden Newcomer Charlie Wright („The Millers“) wirklich in einer mehrere Minuten andauernden Zeitlupe beim Kotzen zuschauen? Besteht wirklich ein Sinn darin, einen ungepflegten Mann ausgiebig beim lautstarken Toilettengang zu filmen, und muss als Stein des Anstoßes unbedingt ein Internetvideo von Greg herhalten, in welchem er an einer benutzten Windel festklebt? All diese kurzen Stationen in „Gregs Tagebuch: Böse Falle!“ prägen das Geschehen so stark, dass der eigentlich so positive Gesamteindruck darunter leidet. Denn nimmt man diese typische Hollywood- Komik einmal weg, bleibt eine wirklich charmante Comedy zurück, die obendrein ein feines, nie zu aufdringliches Plädoyer dafür ausspricht, die analoge Kommunikation ab und an der digitalen vorzuziehen. Insofern ist der „Windel-Gag“ dann auch der einzige, den es inhaltlich benötigt; immerhin gelingt es den Erzählern hier, kindgerecht die Licht- und Schattenseiten des World Wide Web aufzuzeigen.

Gregs Familie muss auf der Autobahn nothalten. Was ist passiert?

Der Handvoll weniger gelungener Momente stehen diverse richtig gute gegenüber; auch die Geschichte selbst funktioniert aufgrund der charakterstarken Chemie innerhalb der Filmfamilie verdammt gut. Alicia Silverstone („Catfight“), Tom Everett Scott („La La Land“), Charlie Wright, Jason Drucker („Emma, einfach magisch!”) und der jüngste, Owen Asztalos („Paterson“), erwecken gemeinsam den Eindruck, schon ewig als tatsächliche Familie den Alltag zu bestreiten. Dabei muss sich die emotionale Entwicklung sämtlicher Charaktere dem kurzweiligen Amüsement klar unterordnen, doch wenn sich etwa Mutter Susan von der offensichtlichen Übermacht der sozialen Netzwerke resigniert geschlagen gibt, dann geht das vor allem deshalb ans Herz, weil man es ihr jederzeit abnimmt, durch diesen Trip enger mit der sich nach und nach entfremdenden Familie zusammenwachsen zu wollen. Gleichzeitig kombiniert Tom Everett Scott denselben Wunsch mit einem ungesunden Workaholic-Dasein, während die Kinder alle in ihrem ganz eigenen Kosmos leben, jedoch zur richtigen Zeit erkennen, wann die Realität nach ihnen verlangt. So kombiniert auch „Gregs Tagebuch 4“ die altersbedingt unterschiedlichen Sichtweisen auf Familienleben und Harmonie, wobei die reihentypischen, aus den Büchern übernommenen Cartoons zur regelmäßigen Auflockerung natürlich nicht fehlen dürfen. Hier unterstreichen die Macher dann auch direkt die verspielte Attitüde ihres Films, womit sich die Reihe überhaupt erst eine so große Fanschar erarbeiten konnte. Schade, dass das unbedingte Streben nach Derbheit auch vor den Filmen für die Kleinsten keinen Halt macht.

Fazit: Das hohe Tempo und die sympathische Chemie innerhalb der Filmfamilie tragen bereits den halben Film. Der Rest funktioniert über die hohe Schlagzahl an Gags und allerhand abgedrehte Slapstick-Einfälle, doch ausgerechnet letztere driften bei „Gregs Tagebuch: Böse Falle!“ zu oft in Albernheiten ab, die unter Zuhilfenahme von Fäkalhumor sogar richtig unangenehm werden können. Das trübt den ansonsten so liebenswerten Gesamteindruck.

„Gregs Tagebuch – Böse Falle“ ist ab dem 1. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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