How To Be Single

Regisseur Christian Ditter ist mit seiner starbesetzten Romantic Comedy HOW TO BE SINGLE endlich in Hollywood angekommen. Doch auf den zweiten Blick ist sein Film gar nicht mehr so romantisch, wie man es sich angesichts der Geschichte vielleicht vorstellt. Ist das nun gut, oder schlecht? Das verrate ich in meiner Kritik.How To Be Single

Der Plot

Wie soll man sich als Single verhalten? Man kann es richtig machen, man kann es falsch machen … und man kann es wie Alice (Dakota Johnson). Und Robin (Rebel Wilson). Lucy (Alison Brie). Meg (Leslie Mann). Tom (Anders Holm). David (Damon Wayans Jr.). In New York City gibt es Tausende einsamer Herzen, die sich nach dem richtigen Partner sehnen – für die große Liebe, für eine Nacht oder irgendwas dazwischen. Was all diese Unverheirateten zwischen den anzüglichen SMS und One-Night-Stands gemeinsam haben: In einer Welt, die von ständig wechselnden Definitionen des Begriffs Liebe geprägt ist, müssen sie lernen, wie man sich als Single verhält. Noch nie hat der Beischlaf in der Stadt, die niemals schläft, derart viel Spaß gemacht.

Kritik

„Unser Mann in Hollywood“ ist – je nachdem, wen man fragt – mal Daniel Brühl, mal Wolfgang Petersen oder auch Ralf Möller. Dabei ist die Anzahl derer, die es aus hiesigen Gefilden irgendwann bis in die kalifornische Traumfabrik schaffen, mittlerweile gar nicht mehr so gering. Hier hinzu gesellen, darf sich dieser Tage nun auch Regisseur Christian Ditter. Sein Weg führte den Filmemacher von Episoden der TV-Serien „Schulmädchen“ und „Doctor’s Diary“ über die Kinder-Abenteuerfilme „Vorstadtkrokodile“ und „Wickie auf großer Fahrt“ bis hin zur in englischer Sprache und mit internationalen Schauspielern besetzten RomCom „Love, Rosie – Für immer vielleicht“. Schon in dieser bewies Ditter sein Gespür für international aussehendes Kino – vermutlich mit ein Grund für die kurz darauf folgende Einladung, für die Romanverfilmung „How To Be Single“ Regie bei einer echten Hollywoodproduktion zu führen. Hier wacht er über einen wahrlich namhaften Cast, bestehend aus Dakota Johnson („Fifty Shades of Grey“), Rebel Wilson („Pitch Perfect 1 und 2“), Leslie Mann („Vacation“), Alison Brie („Der Knastcoach“) und vielen weiteren Stars und Sternchen, die uns einmal mehr das Liebesleben moderner US-amerikanischer Großstädter näher bringen sollen. Was austauschbar klingt und nach Klischees schreit, erweist sich mit der Zeit als überraschend ehrliche Aufbereitung typischer Singleschicksale, die nur hier und da etwas kränkelt, weil Christian Ditter sich ein wenig zu sehr auf Hollywoodschemata konzentriert.

How To Be Single

Romantic Comedies, die sich mit den Irrungen und Wirrungen der Partnersuche beschäftigen, haben oft den Ruf, „irgendwie alle gleich“ zu sein. Frau und Mann treffen sich, verlieben sich, werden mit einem Problem konfrontiert, um dieses aus dem Weg zu schaffen und mit Erreichen des Happy Ends steht schließlich gar nicht mehr zur Debatte, dass dieses neue Traumpaar fortan für den Rest seines Lebens besteht. Was ebenfalls nicht in Frage gestellt wird, ist das Pärchendasein als einzig sinnhafte Existenzform. Und wenn es die Happy Ends eines Großteils nationaler und internationaler Liebesfilme propagieren, nur mit dem Finden seines Seelenverwandten für immer glücklich sein zu können, dann kann das auch die Wahrnehmung der Realität durchaus beeinflussen. In Zeiten, in denen die Anzahl an Singlehaushalten kontinuierlich zunimmt, müsste der Trend doch eigentlich in eine andere Richtung gehen. Doch Individualität ist im leicht konsumierbaren Komödienkino selten gefragt. Umso schöner, dass es sich Christian Ditter nun zur Aufgabe gemacht hat, eine Komödie für die „Generation Beziehungsunfähig“ zu kreieren, die sich weder als belehrend rational, noch als verklärend kitschig erweist. „How To Be Single“ ist die filmgewordene Erkenntnis, dass man als Alleinstehender genau so viel Spaß haben kann, wie als Teil einer Beziehung und verpackt das Ganze beiläufiger, als man es von einem Film dieses Schlages erwartet hätte.

Natürlich ist schon die Formulierung der Ausgangslage schwierig: Es sollte absolut keinerlei besonderer Erwähnung bedürfen, dass unser aller Dasein nicht von unserem Beziehungsstatus abhängig ist. Doch das „How To Be Single“-Universum spielt in einer von Hollywood geformten Realität – und damit so ziemlich in unserer. Im Mittelpunkt steht eine Handvoll Mitte zwanzig jähriger Damen, von denen jede auf ihre eigene Art und Weise das Leben meistert. Christian Ditter gelingt hier der erste Pluspunkt: Seine Zusammenstellung der Protagonistinnen gefällt in ihrer Bodenständigkeit. Wenngleich sich Rebel Wilsons Rollentypen mittlerweile wiederholen, gefällt sie als durch und durch selbstbewusste Partymaus. „Community“-Star Alison Brie spielt die zuckersüße Romantikerin, die stets zwischen Realismus und Optimismus hin- und her schwankt, Leslie Mann repräsentiert als Workaholic mit unbedingtem Kinderwunsch einen Teil dieser Generation, die für eine herkömmliche Hollywood-RomCom fast schon zu komplex erscheint und Dakota Johnson scheint die Schatten ihrer missglückten „Shades of Gray“-Performance abgestreift zu haben und überzeugt als orientierungsloser Twentysomething, dem wir gern bei seinem Neuanfang in New York zusehen.

Alison Brie

„How To Be Single“ ist inszenatorisch zwischen „normaler“ RomCom und Episodenfilm anzusiedeln und interessiert sich nicht ausschließlich für seine Figuren, sondern versteht sich obendrein als visuell ungeheuer ästhetische Liebeserklärung an New York. Das kann mitunter anstrengend sein, wenn Christian Ditter die stylischsten Wohnungen, schönsten Menschen und hippsten Jobs zu einem riesigen Stelldichein bittet, doch der erzählerische Fokus bleibt auf einem angenehm realistischen Niveau. „How To Be Single“ ist definitiv keine weichgespülte Lovestory – im Gegenteil. Das Skript von Abby Kohn, Marc Silverstein (schrieben beide „Für immer Liebe“) und Dana Fox („Love Vegas“) nimmt es mit dem Singlesein als titelgebendes Thema ganz genau und beendet Szenen, bevor sich romantisches Feeling aufbauen kann. Das hält „How To Be Single“ lange durch, lediglich auf der Zielgeraden leisten sich die Macher kleine Patzer, wenn sie vereinzelte Happy Ends bis zum emotionalen Anschlag ausreizen. Das ist zu verschmerzen, weil sie jenen Schlusssequenzen gegenüber stellen, die sich eben nicht mit der bequemsten Lösung zufrieden geben. Doch für ein rundum gelungenes Filmerlebnis schwankt „How To Be Single“ hier und da zu unausgegoren zwischen „so ist es wirklich“ und „so ist es nur im Film“.

Woran viele Komödien der aktuellen Dekade kranken, ist die Konzentration auf allzu viel Fäkalhumor. Im Vergleich zu den Werken der Seth-Rogen-Gang und Konsorten ist „How To Be Single“ ein bei aller thematischen Aktualität sehr angenehmer Vertreter seines Genres, der auf eine allzu kreuzbrave Attitüde verzichtet und in seiner Ausführung viel lieber frech-augenzwinkernd daherkommt. Zwar leistet sich gerade Rebel Wilsons Robin hier und da einen derben Spruch, doch Provokation um der Provokation wegen sieht anders aus. Stattdessen entwickeln sich die Gags aus Situationskomik, Interaktion unter den Figuren und kreativen Ideen im Set- und visuellen Design. Lediglich in der Zusammenstellung des Soundtracks meint es Christian Ditter ein wenig zu gut. „How To Be Single“ lässt kaum eine Minute vergehen, ohne dass ein neuer x-beliebiger Radiopoptrack im Off zu hören ist. Auch das gehört ja heutzutage irgendwie dazu. Doch sich hier ein wenig in Zurückhaltung zu üben, hätte die Subtilität der simplen Aussage „Lass jeden leben, wie er will!“ noch bestärkt.

Ob Robin (Leslie Mann) in Ken (Jake Lacy) ihren Mister Right findet?

Ob Robin (Leslie Mann) in Ken (Jake Lacy) ihren Mister Right findet?

Fazit: Ein abwechslungsreicher Cast, eine bodenständige Message und ein visueller Augenschmaus: „How To Be Single“ ist eine überraschend realistische Auseinandersetzung mit dem Leben als Single in der „Generation Beziehungsunfähig“.

„How to Be Single“ ist ab dem 7. April bundesweit in den Kinos zu sehen.

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