Robinson Crusoe

Am dieser Tage in den Kinos startenden Animationsfilm ROBINSON CRUSOE überrascht vor allem eines: die Optik. Seit „Avatar“ und „Gravity“ hat man nicht mehr ein solch gestochen scharfes, berauschendes, abwechslungsreiches und trotz allem authentisches 3D genießen können. Selbst wer mit der auf die junge Zielgruppe zugeschnittenen Geschichte nicht so viel anfangen kann, sollte sich einen Kinobesuch nicht entgehen lassen! Mehr dazu in meiner Kritik.Robinson Crusoe

Der Plot

Nach einem fürchterlichen Sturm auf See erwacht der junge Robinson Crusoe (deutsche Stimme: Matthias Schweighöfer) am Strand einer unbekannten Insel und trifft direkt auf ihre tierischen Bewohner – einen aufgeweckten Papagei (deutsche Stimme: Kaya Yanar) und seine pfiffig-bunte Tier-Clique. Während die anderen vor Angst die Flucht ergreifen, wittert der gelangweilte Ara seine große Chance, endlich auf Reisen zu gehen. Er freundet sich mit dem Schiffbrüchigen an, der ihn von nun an „Dienstag“ nennt. Trotz Sprachbarrieren herrscht bald zwischen Mensch und Tier Friede, Freude, Kokosnuss – bis plötzlich Gefahr droht und die neuen Freunde ihr Inselparadies gemeinsam verteidigen müssen.

Kritik

Nach wie vor ist das Animationsfilmsegment fest in der Hand der amerikanischen Frontrunner-Studios. Zu Disney Animations, Pixar und Dreamworks Animation stieß aufgrund der immens erfolgreichen „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe sowie dessen Ableger „Minions“ auch Illumination hinzu, die im Sommer dieses Jahres mit „Pets“ einen weiteren, potenziellen Riesenhit in petto haben. Insbesondere europäische Produktionen haben es da, auch aufgrund weitaus geringerer Budgetverhältnisse, oft schwer, mitzuhalten. So waren die beiden Schildkröten-Odysseen „Sammys Abenteuer 1 und 2“, die gemeinsam etwas mehr als zwei Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos lockten, zwar durchaus erfolgreich. Teil eins wurde gar für den Europäischen Filmpreis nominiert. Doch der ganz große Wurf, geschweige denn ein andauernder Wiedererkennungswert, blieb den vorzugsweise über den hervorstechenden 3D-Effekt funktionierenden Familienfilmen verwehrt. Selbiges gilt für „Das magische Haus“ (2014), ebenfalls mehr dreidimensionale Spielerei denn cineastischer Mehrwert für den Animationsfilm. Was der im Bereich der 3D-Tricktechnik fast schon wie ein Pionier erscheinende Regisseur Ben Stassen in seinen Filmen für ein Feuerwerk an Effekten auf den Zuschauer loslässt, spielt allerdings in einer Liga mit „Avatar“, „Gravity“ und Co. – da waren sich sogar die Kritiker der Hamburger Pressevorführung von „Robinson Crusoe“ nicht zu schade, hier ausnahmsweise mal auf einen Nenner zu kommen.

Das Problem bei einer Vorlage, mit der jeder von uns mindestens einmal im Leben auf irgendeine Art und Weise in Berührung kommt, ist, dass man sich bei einer weiteren Neuinterpretation schon Einiges einfallen lassen muss, um den Zuschauer trotzdem bei Laune zu halten. Im Falle von Daniel Dafoes Survival-Roman „Robinson Crusoe“ gab es seit der frühen Stummfilmzeit über zwei Dutzend Möglichkeiten, sich die Geschichte des wohl berühmtesten Schiffbrüchigen der Welt in Filmform zu Gemüte zu führen. Die wohl bekannteste Leinwandvariation stellt sicher „Cast Away“ dar, wenngleich wir es hier nicht mit einer 1:1-Adaption zu tun haben, sondern mit einer losen Hommage. Trotzdem ist das Ausgangsszenario geläufig: Ein Mann strandet auf einer Insel und ist dazu angehalten, sich in dieser Einsamkeit am Leben zu halten; immer in der Hoffnung, dass doch irgendwann Rettung naht. Für ihr ganz eigenes „Robinson Crusoe“-Abenteuer haben sich die Drehbuchautoren Lee Christopher, Domonic Paris und Graham Weldon dazu entschlossen, einfach mal den Fokus zu verlagern. Statt des Schiffbrüchigen selbst widmen sich die Verantwortlichen hier den Tieren. Darunter natürlich auch Papagei Dienstag.

In „Robinson Crusoe“ wird Dienstag zum Erzähler der Geschichte, die dieser zwei Mäusen aus der Sicht seiner Freunde, Tapir Rosie (Cindy aus Marzahn), Ziegenbock Zottel (Dieter Hallervorden), Stachelschwein Epi und Eisvogel Kiki, Schuppentier Pango und Chamäleon Carmello erzählt. An der Geschichte selbst ändert sich dadurch natürlich kaum etwas. Die Macher verlagern lediglich den Schwerpunkt, der in diesem Fall über die Einnahme einer neuen Beobachtungsposition funktioniert, reichern die Story allerdings kaum mit neuen Ideen, geschweige denn besonderen Plottwists oder Überraschungen an. Für Kenner des Stoffes ergibt sich daher wenig Neues. Trotzdem lohnt es sich, auch dieser „Robinson Crusoe“-Verfilmung eine Chance zu geben, selbst wenn man das Zielgruppenalter von sechs bis fünfzehn längst überschritten hat. Regisseur Vincent Kesteloot widmet sich in seiner stilsicher ausgearbeiteten Mischung aus spritzigem Survival-Abenteuer, liebevoller Freundschaftsgeschichte und kreativ choreographierter (natürlich harmloser) Action zwar vorzugsweise an die kleinen Zuschauer, doch mit seinen genau getimten neunzig Minuten, den phänomenal-klaren, in Pop-Outs und Tiefe berauschenden 3D-Effekten und den allesamt amüsanten Tierfiguren ergibt sich auch für die erwachsenen Begleitpersonen ein sehenswert-kurzweiliges Vergnügen.

Robinson Crusoe

Trotz des Verzichts auf außergewöhnliche Erzählmethoden macht „Robinson Crusoe“ gerade mit seinem fokussierten Storytelling viel richtig. Im Mittelpunkt stehen die Beziehung zwischen Robinson und den Tieren sowie ihr gegenseitiges Kennenlernen. Sie alle knüpfen glaubhaft langsam zarte Bande. Das Skript verzichtet darauf, im Hau-Ruck-Verfahren Beziehungen entstehen zu lassen. Stattdessen wird der Fortverlauf der Geschichte von einer Allgegenwertigen, jedoch nie bösartigen Skepsis dominiert. Für die Kinder ergibt sich so die nachvollziehbare Entstehung zwischenmenschlicher Beziehungen und die Erwachsenen sind dazu angehalten, die Welt einmal aus anderen Augen, nämlich der der Tiere (die im übertragenen Sinne natürlich für die der Kinder steht) wahrzunehmen. Das ist trotz des Todes einer nicht unrelevanten Nebenfigur natürlich alles weitestgehend vorhersehbar und mit ein bisschen Medienerfahrung weiß man schon nach den ersten fünf Minuten die Botschaft einzuordnen. Doch das Skript übt sich in Zurückhaltung. Der bittere Beigeschmack allzu offensiv herbeigeführter Vorschlaghammermoralitäten bleibt aus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil mit der Wahl eines Katzenpärchens für die Position der Antagonisten eine solche getroffen wurde, die nicht nahe liegt – wer hätte schon gedacht, dass die friedlichen Schnurrer auch richtige Widerlinge sein können?

Bei den deutschen Synchronsprechern gibt es ein Wiederhören mit vielen Sprechern, die bereits in „Das magische Haus“ sowie „Sammys Abenteuer“ zu hören waren. Matthias Schweighöfer spricht Robinson und  festigt nach besagten 3D-Abenteuern, „Keinohrhasen und Zweiohrküken“ sowie „Der kleine Prinz“ seinen Status als authentischer Stimmgeber. Gleichzeitig verleiht er dem titelgebenden Schiffbrüchigen eine angenehme Jugendlichkeit, was zu einer einfacheren Identifikation für das junge Publikum beiträgt. Dieter Hallervorden („Honig im Kopf“) ist in der Rolle des verfressenen Ziegenbocks Zottel zu hören – und macht Spaß. Mit ihrer von Natur aus sehr hohen Stimmlage weiß auch Aylin Tezel („Coming In“) sehr in ihrer Rolle des zurückhaltenden Stachelschweins Epi zu gefallen und Ethno-Komiker Kaya Yanar sprüht als frecher Papagei Dienstag nur so vor Enthusiasmus. Einzig Cindy aus Marzahn fällt im Vergleich zu ihren Kollegen ab. Nach ihrem Synchron-Debüt in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ ist sie hier nun das zweite Mal als Sprecherin zu hören. Die fehlende Routine und die starke Orientierung am vorgegebenen Text, die in ihrem ersten Synchron-Engagement nicht so stark auffiel, ist ihr hier leider deutlich anzumerken.

V.l.n.r.: Tapir Rosie, Chamäleon Carmello, Schuppentier Pango, Papagei Dienstag und Stachelschwein Epi

V.l.n.r.: Tapir Rosie, Chamäleon Carmello, Schuppentier Pango, Papagei Dienstag und Stachelschwein Epi

Fazit: Dem Team hinter dieser „Robinson Crusoe“-Adaption gelingt ein beschwingtes, familientaugliches Abenteuer in sensationeller 3D-Optik. Die überraschungsarme Handlung gerät bei so viel visueller Kreativität glatt in den Hintergrund.

„Robinson Crusoe“ ist ab dem 4. Februar bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in spektakulärem 3D!

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