Paranormal Activity: Ghost Dimension

Es soll definitiv das Finale sein. Das betonten die Macher in ihrer Promoarbeit für PARANORMAL ACTIVITY: GHOST DIMENSION immer und immer wieder. Doch das Endergebnis ist gerade für ein Finale enttäuschend. Dafür kann ausgerechnet etwas überzeugen, was man vorab so nicht erwartet hätte – der phänomenale 3D-Effekt. Doch wie schaut es mit der Story aus? Das verrate ich in meiner Kritik.Paranormal Activity: Ghost Dimension

Der Plot

Vater Ryan (Chris J. Murray), Mutter Emily (Brit Shaw) und Tochter Leila (Ivy George) befinden sich gemeinsam mit Ryans Bruder Mike (Dan Gill) und Kindermädchen Skyler (Olivia Taylor Dudley) mitten in den Weihnachtsvorbereitungen. Die besinnliche Zeit steht kurz bevor. Beim Befestigen der Festtagsbeleuchtung entdeckt Ryan eine Kiste mit Filmutensilien. Eine umgebaute Kamera entlockt Ryan seine ganze Aufmerksamkeit. Durch das Gerät kann der Techniknerd Dinge wahrnehmen, die für das bloße Auge nicht sichtbar sind. Schon in der ersten Nacht nimmt die Kamera eine wabernde, körperlose Masse auf, die sich immer wieder in die Nähe von Töchterchen Leila begibt, die sich zu Ryans Verwunderung völlig angstfrei zeigt. Im Haus ereignen sich immer unheilvollere Dinge, die die Familie an die Grenze ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit führen.

Kritik

Das hätte sich Oren Peli vor einem knappen Jahrzehnt vermutlich nicht träumen lassen. Aus seinem 2007 an Halloween erschienenen und für läppische 15.000 US-Dollar produzierte Found-Footage-Schocker „Paranormal Activity“ ist ein mittlerweile fünf (inklusive „Die Gezeichneten“ sogar sechs) Teile umfassendes Filmfranchise geworden, das mit „Ghost Dimension“ nun endgültig beendet werden soll. Diese Aussage ist zumindest eines von insgesamt drei Versprechen, das die Macher dem (Fan-)Publikum mit ihrem dieser Tage erscheinenden 3D-Grusler machen. „Ghost Dimension“ soll die Reihe abschließen, offene Fragen klären und das Mysterium um den Geist Toby, der sämtliche Familien seit dem ersten Teil heimsuchte, ein für alle Mal beantworten. Hier haben wir auch gleich das zweite Versprechen: Nicht nur, dass das Franchise von Regisseur und vor allem von Produzent Jason Blum für abgeschlossen erklärt wurde, der Schrecken soll obendrein offengelegt, das Grauen entlarvt und die letzten Puzzleteile der ersten vier Filme zusammengesetzt werden. Das dritte und letzte Versprechen ist zugleich das offensichtlichste: Der dreidimensionale Effekt soll den Zuschauer erstmals direkt in das Geschehen miteinbeziehen und nie da gewesene Facetten des Unheils offenbaren. So viel sei an dieser Stelle bereits verraten: Von diesen drei Ankündigungen setzen die Macher eine in die Tat um, der Wahrheitsanteil der zweiten lässt sich heute noch nicht festmachen und die dritte ist – mit Verlaub – nicht mehr als eine Farce respektive eine geschickte Promo-Botschaft. Feststeht immerhin, dass die Genreliebhaber mit „Paranormal Activity: Ghost Dimension“ in gewissen Ansätzen tatsächlich Neues geboten bekommen. Doch spätestens mit dem Einsetzen des Abspannes wird sich auch jeder noch so genügsame Kinobesucher schlichtweg übers Ohr gehauen fühlen. Aber der Reihe nach.

Paranormal Activity: Ghost Dimension

Wenn man sich die Budgetentwicklungen innerhalb der „Paranormal Activity“-Reihe einmal anschaut, dann bekommt man einen guten Eindruck davon, wie aus dem ursprünglich als Spielerei angelegten Passionsprojekt mit der Zeit ein genau kalkuliertes Genre-Unterfangen wurde. Aus 15.000 Dollar wurden drei Millionen, aus drei Millionen wurden fünf Millionen und aus fünf Millionen (soviel kosteten sowohl der dritte als auch der vierte Teil) wurde schließlich das Doppelte. Im Falle von „Ghost Dimension“ ist diese Verdoppelung der Produktionskosten sogar nachzuvollziehen. Solch beachtliche CGI- und besonders 3D-Effekte ließen sich mit weniger Geld vermutlich nicht bewerkstelligen. Gleichwohl macht der dadurch offengelegte Profitgedanke das Versprechen, man würde es hier mit dem definitiven Finale zu tun bekommen, ein Stück weit unglaubwürdiger. Dabei gab sich Jason Blum im Interview Mühe, die Wichtigkeit der Beendigung dieser Reihe immer und wieder zu betonen. Es würde definitiv keine Fortsetzung geben, da man mit „Ghost Dimension“ sämtliche Handlungsstränge zusammenführen und beenden würde. Die Möglichkeiten des Franchises seien entsprechend ausgeschöpft und die Reihe könne schlicht gar nicht mehr weitererzählt werden.

Was Jason Blum sagt, ist im Kern gar nicht so falsch. Regisseur Gregory Plotkin, der als Cutter bereits an den vorherigen „Paranormal“-Filmen beteiligt war, greift tatsächlich mehrere Elemente aus den anderen Teilen, insbesondere aus Teil drei, auf. Doch die Tatsache, dass am Drehbuch nicht bloß einer, sondern direkt fünf Autoren beteiligt waren, merkt man der ungeordneten Dramaturgie deutlich an. Qualitativ lässt sich „Ghost Dimension“ nämlich in zwei Teile gliedern: In der ersten Stunde erzählt der Film stringent und unter Zuhilfenahme vieler pfiffiger Tricks und Story-Querschläge eine typisch paranormale Gruselhausgeschichte. Die letzte halbe Stunde mündet dann schließlich in ein wüstes Durcheinander, dass offenkundig sämtliche übrig gebliebene (und wohlweislich verworfene) Ideen der Filme eins bis vier verwurstet. Ganz gleich, ob sie die zuvor aufgebaute Dramaturgie nun zerstören, oder nicht. Die aller letzte Szene schließlich wirft dann wieder viel mehr Fragen auf, als sie zu beantworten – und stellt damit die vorab geäußerte Behauptung der Macher bloß, „Ghost Dimension“ lüfte endlich alle Geheimnisse.

Paranormal Activity: Ghost Dimension

Ausgerechnet der vorab durchaus belächelte 3D-Effekt, der sich angesichts der Found-Footage-Herkunft des Films nicht gerade als inszenatorisches Element anbietet, erweist sich in der gelungenen ersten Stunde als größter Mehrwert. Nicht nur, dass die unprofessionelle Wackelkamera-Optik und der dreidimensionale Effekt wunderbar Hand in Hand gehen, das Versprechen, mit dieser Methode tatsächlich eine neue Dimension des Schreckens zu offenbaren, rückt mehrmals in greifbare Nähe. Das 3D ist präzise, sehr effektiv platziert und gerade in Kombination mit der wabernden Geräusch-Kulisse äußerst einnehmend. Alles, was in den ersten vier Filmen noch der Fantasie überlassen wurde (Stichwort: Bettlaken) wird nun für alle sichtbar. Insofern stimmt es schon, dass „Ghost Dimension“ Dinge offenbart, die dem Zuschauer bislang verborgen blieben. Doch sobald sich die Geschichte zuspitzt, verheddert sich das Drehbuch in den vielen angerissenen Plotfetzen des gesamten Franchises. Die Ereignisse aus Teil eins werden nahezu vollkommen außer Acht gelassen. Lediglich der Name von Katies Sohn fällt in einem skurrilen Zusammenhang, der darüber hinaus nie aufgeklärt wird. Parallel zu den aktuellen Ereignissen in „Ghost Dimension“ erzählt der Film die Geschehnisse weiter, die sich nach dem dritten Teil abgespielt haben, allerdings wird auch das Videomaterial aus Teil drei geschickt in den Film eingebunden. Das ist zum Großteil recht smart, ist allerdings auch durchaus verwirrend. Der Wille, sämtliche Filme mit „Ghost Dimension“ zusammenzuführen, scheint zwar durch, doch das Drehbuch wirkt zu unausgereift, um dieser schwierigen Aufgabe Herr zu werden.

Und dann ist da ja noch das Ende. Wie an dieser Stelle so üblich sei auch diesmal selbstredend nicht verraten, worauf der hier besprochene Film schlussendlich hinaus läuft. Doch soviel sei gesagt: Mit einem dem Franchise-Ende würdigen Finale hat das in „Ghost Dimension“ gezeigte Geschehen absolut nichts zu tun. Nicht nur, dass der Zuschauer aufgrund der offenen Inszenierung automatisch nach mehr dürstet (und wir daher offen davon ausgehen, dass wir es hier mit allem zu tun haben, nicht aber mit einem Franchise-Ende), auch die „Auflösung“ des Spukszenarios ist in ihrer Banalität lachhaft. Da kann die Schauspielleistung der jungen Protagonisten noch so angsteinflößend und die Chemie unter den erwachsenen Hauptdarstellern noch so angenehm sein (überraschenderweise kommt auch der Humor nicht zu kurz, was sich als sehr angenehm erweist): Mit dem Schlussakt von „Paranormal Activity: Ghost Dimension“ gibt sich vielleicht nicht die ganze Reihe der Lächerlichkeit preis, dieser Film allerdings schon. So wäre es dem Franchise fast zu wünschen, dass es eben doch noch einen weiteren Teil gibt. Einfach, um den Faux Pas dieses Finals wieder gut zu machen. Doch wer weiß: Vielleicht soll Jason Blum ja doch Recht behalten? Wir jedenfalls sind gespannt und geben trotz aller Skepsis dennoch eine Kino-Empfehlung ab: Diesen 3D-Effekt muss man auf jeden Fall gesehen haben!

Ivy George spielt Leila, die in Paranormal Activity: The Ghost Dimension von einer unbekannten Macht heimgesucht wird.

Ivy George spielt Leila, die in Paranormal Activity: The Ghost Dimension von einer unbekannten Macht heimgesucht wird.

Fazit: „Paranormal Activity: Ghost Dimension“ ist ein zweischneidiges Schwert. Nach einer spannenden ersten Stunde und tollen 3D-Effekten folgt ein Finale, das den Zuschauer ob seiner Lächerlichkeit fassungslos im Kinosessel zurücklässt. Wir sagen: Geschmacksache!

„Paranormal Activity: Ghost Dimension“ ist ab sofort in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

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