Hitman: Agent 47

Es geht selten gut, wenn sich Hollywood daran versucht, ein Videogame in Spielfilmform auf die große Leinwand zu bringen. Mit HITMAN: AGENT 47 versucht sich Regiedebütant Aleksander Bach nun an der gleichnamigen Shooter-Reihe, die schon 2007 einmal verfilmt wurde und damit gnadenlos beim Publikum und Kritikern durchfiel. Gelingt Bach mit Rupert Friend und Zachary Quinto in den Hauptrollen nun die Trendwende? Ich verrate es in meiner Kritik.

Hitman: Agent 47

Der Plot

Der namenlose Agent 47 (Rupert Friend) ist ein gentechnisch manipulierter Elite-Killer, der als perfekte Tötungsmaschine konzipiert wurde. Seinen Namen hat er von den zwei letzten Ziffern eines Barcodes, den man ihm ins Genick tätowiert hat. 46 Agentenklone hat es vor ihm gegeben, er ist das inzwischen ausgereifte Modell der Serie – schneller, stärker, ausdauernder und klüger als alle seine Vorgänger. Sein neuester Job besteht darin, den Plan einer Mega-Korporation zu vereiteln, die vorsieht, das Geheimnis von Agent 47 zu entschlüsseln. Mit dieser Information will man eine eigene Killerarmee ins Leben rufen – Killer, die noch mächtiger sind als er. Um dies zu verhindern verbündet er sich mit einer jungen Frau namens Katia (Hannah Ware), die möglicherweise jene Informationen besitzt, mit denen man den schier übermächtigen Gegner zu Fall bringen könnte. Im Zuge seines Auftrags macht 47 überraschende Entdeckungen über seine eigenen Ursprünge – und zieht in eine epische Schlacht mit seinem bislang tödlichsten Feind.

Kritik

Es ist fast paradox: Während die Qualität von Videospielen in Storytelling und visueller Aufmachung heutzutage fast schon Leinwandausmaße erreicht, geht der umgekehrte Weg fast immer schief. Versuchen sich Regisseure daran, aus einem Game einen Spielfilm zu machen, ist dieses Unterfangen selten von Erfolg gekrönt; den Third-Person-Shooter „Hitman“, der in Spielform insgesamt sechs Teile umfasst, ereilte dieses Schicksal bereits 2007, als Horror-Veteran Xavier Gens das genmanipulierte Schicksal des emotionslosen Killer-Agenten im Rahmen des Actioners „Hitman – Jeder stirbt alleine“ auf die Leinwand brachte. Die weitestgehend konzept- und orientierungslose Ballerorgie fiel bei Kritikern wie Fans gnadenlos durch, sodass das Vorhaben einer weiteren „Hitman“-Adaption erst einmal auf Eis gelegt wurde, obwohl Xavier Gens viele offene Fragen in sein Projekt einbaute und Figuren etablierte, deren Hintergründe sich erst mit einem Sequel erschließen würden. Bis man sich von Seiten der 20th Century Fox schließlich entschloss, einem weiteren „Hitman“-Film das Vertrauen zu schenken, vergingen fünf Jahre. „Agent 47“ versteht sich somit in gewisser Weise als Sequel wie Remake, steht in manchen Momenten aber wieder vollständig für sich allein. Kurzum: Es ist kaum von Relevanz, wo genau sich das Regiedebüt von Aleksander Bach in den bisherigen „Hitman“-Kosmos fügt, was angesichts der von Grund auf erneuerten Besetzung im Vergleich zu „Jeder stirbt alleine“ nur Sinn ergibt. Bach versucht stattdessen, mit „Agent 47“ den Grundstein für ein neues Franchise zu legen, doch sein Film taugt lediglich als einmaliges Seherlebnis. Auf dieser Ebene hält der Film jedoch gerade für Actionfans ziemlich viel Spaß bereit. Alle anderen haben das Nachsehen.

Rupert Friend

Dass in „Hitman: Agent 47“ eigentlich nichts zusammenpasst, ist gleichzeitig auch die größte Stärke, die Regisseur Aleksander Bach auszuspielen weiß. Sowohl in der visuellen Aufmachung, als auch inhaltlich wirkt sein Projekt vielfach planlos konzipiert und droht mit der Zeit, sich in seine Einzelteile aufzulösen. Besonders deutlich macht sich dieser Umstand an der Hauptfigur des Agenten 47 selbst bemerkbar, der in seiner Reduktion auf eine emotionsfreie Killermaschine weder als Pro-, noch als Antagonist funktionieren kann. Als Zuschauer ist einem das Handeln des glatzköpfig-surrealistisch anmutenden Rupert Friend („Homeland“) alsbald egal; fungiert er doch lediglich als Ausführer von Taten, nicht aber als ein fokussierter Storymotor, dessen Handeln Beweggründe hat. Fast ist es so, als würde man genötigt, mit einer Maschine mitzufiebern. Dass die Drehbuchautoren Skip Woods („Das A-Team – Der Film“) und Michael Finch („The November Man“) stattdessen lieber die unterkühlte Schönheit Hannah Ware zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Erzählung machen, ist ebenfalls keine gute Idee. Wares Figur der Katia zeigt zwar wesentlich menschlichere Regungen als ihr haarloser Widersacher Agent 47, agiert allerdings derart unnahbar, dass man mit ihrem Charakter schlicht nicht mitfühlen will. So bleibt der Zuschauer allein gelassen, wenn es darum geht, ihm eine Figur der Identifikation zu präsentieren, doch gerade durch die undefinierte Ausrichtung von Agent 47  ergibt sich gleichsam einer der wichtigsten Reize dieses Films.

Dass es Aleksander Bach dennoch gelingt, die Dynamik des Films auf einem konstant hohen Level zu halten, obwohl einem die handelnden Figuren eigentlich ziemlich egal sind, liegt an der stylischen Umsetzung von „Agent 47“, der sich in seiner Bildästhetik deutlich an jene der Computerspiele anlehnt. Auch hier dominiert der Kontrast: Die hochstilisierten und von massig CGI durchzogenen Kampfsequenzen, die sich in einem Hochglanzsetting nach dem anderen abspielen, brechen sich harsch mit vielen handgemachten Martial-Arts-Choreographien und mit viel Passion und Übersicht inszenierten Verfolgungsjagden. Die unterschiedlichen Ansätze der Inszenierung passen nicht ganz zusammen und lassen „Agent 47“ oftmals zusammengeflickt aussehen, haben aber den Vorteil, dass für jeden Actionliebhaber etwas dabei ist und dass sich „Agent 47“ trotz aller Unordnung kurzweilig und spektakulär gestaltet. Darüber hinaus war den Machern das obligatorische PG-13-Rating sichtlich egal: Der Film geizt nicht mit Brutalität sowie Blut und erhielt hierzulande eine blockbusteruntypische FSK-Freigabe ab 16. Das unterstreicht die Attitüde des Films, denn Aleksander Bach ist nicht daran gelegen, einen Actioner für die Masse abzuliefern. Seine Game-Adaption versteht sich als kleiner, dreckiger Genrefilm, dem man sein verhältnismäßig geringes Budget von 35 Millionen Dollar zwar ansieht, mit den dadurch bedingten Defiziten in Dreh und Postproduktion aber spielt. Die verstärkte Zuhilfenahme von Computereffekten erweckt den Eindruck einer Verbeugung vor der Game-Vorlage und driftet dabei zum Teil rücksichtslos in trashig-überdrehte Gefilde ab.

Zachary Quinto

Ein weiterer Kontrast: der Humor. In enger Verwandtschaft zu zuletzt gedrehten Actionern wie „John Wick“ oder „The Equalizer“ ist „Agent 47“ durchgehend rau und verzichtet auf hollywoodfilmtypische One-Liner, geschweige denn so etwas wie pointenbezogenen Humor. Dass sich gerade in den Gewaltspitzen augenzwinkernde Querverweise in Richtung Popcornfilmabsurdität finden und gar von den Charakteren kommentiert werden, ist erneut ein cineatischer Bruch innerhalb der Erzählung, der zu gleichen Teilen die Unabhängigkeit dieses Films unterstreicht. Aleksander Bach und sein Team vor sowie hinter der Kamera scheren sich nicht um das Formen eines einheitlichen Ganzen. Nein, in „Hitman: Agent 47“ passt einfach überhaupt nichts zusammen, entwickelt dadurch aber eine solch unberechenbare Ausstrahlung, dass der Spaß an diesem Actioninferno nicht zu kurz kommt. Auch wenn es einem die Charaktere nicht leicht machen. Neben dem Briten Rupert Friend, der als im Labor geschaffene Killermaschine zwar hervorragend funktioniert, dabei aber auch nur wenig gefordert wird, liegt das Hauptaugenmerk auf Hannah Ware („Shame“) sowie Zachary Quinto („Star Trek into Darkness“), der hier auf Autopilot agiert und lediglich in den krawallastigen Szenen so etwas wie Passion an den Tag legt. So definiert sich „Hitman: Agent 47“ vorzugsweise über seine Schauwerte – diese sind brachial, abwechslungsreich und creepy. Eine interessante Mischung.

Fazit: Es wird nie ganz deutlich, mit welchem Konzept „Hitman: Agent 47“ denn nun auftrumpfen möchte. Doch gerade weil in der Videospiel-Adaption des gleichnamigen Third-Person-Shooters nichts so richtig zusammenpasst, entwickelt das Debüt von Aleksander Bach mit der Zeit einen immer größeren Unterhaltungswert. Das muss man dann nicht unbedingt ein zweites Mal gesehen haben, aber für den Moment bereiten die Eskapaden des faszinierenden Glatzkopfs Agent 47 ein unverschämt anarchisches Vergnügen.

„Hitman: Agent 47“ ist ab dem 27. August bundesweit in den Kinos zu sehen.

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