Rico, Oskar und das Herzgebreche

Es ist die Fortsetzung einer kleinen Sensation: Mit RICO, OSKAR UND DAS HERZGEBRECHE gehen die Abenteuer der beiden Juniordetektive weiter, die schon im vergangenen Jahr knapp eine Million Kinozuschauer in ihren Bann gezogen haben. Ein Kinderkrimi par excellènce: Mehr zum Film lest Ihr in meiner Kritik.

Rico, Oskar und das Herzgebreche

Der Plot

Der tiefbegabte Rico (Anton Petzold) und der hochbegabte Oskar (Juri Winkler) sind spätestens mit der gemeinsamen Festnahme des fiesen Kidnappers Mister 2000 zu besten Freunden geworden. Seither sind die beiden Jungs zu kleinen Berühmtheiten geworden, weshalb Oskar ab sofort auch mit Sonnenbrille unterwegs ist, denn inkognito lässt es sich so viel einfacher Detektivspielen. Als er feststellt, dass Ricos Mutter Tanja (Karoline Herfurth) trotz Schummelei immer wieder beim wöchentlichen Bingo gewinnt, schrillen seine Alarmglocken. Um herauszufinden, was dahinter steckt, heften sich Rico und Oskar an die Fersen der zwielichtigen Bingo-Organisatorin Ellie Wandbek (Katharina Thalbach) und klären üble Machenschaften auf, in die auch Ellies stotternder Sohn Boris (Moritz Bleibtreu) verwickelt ist. Dabei hat Rico für einen neuen Fall eigentlich gar keine Zeit. Stattdessen würde er viel lieber seine Mutter mit dem sympathischen Nachbarn Simon (Ronald Zehrfeld) verkuppeln, die er erst vor kurzem mit einer „ollen Champagnertussi“ (Barbara Meier) im Hausflur erwischt hat…

Kritik

Als sich Regisseurin Neele Leana Vollmer vor einigen Jahren die Filmrechte an Andreas Steinhöfels „Rico“-Kinderbüchern sicherte, kam diese Entscheidung einem Schuss ins Blaue gleich. Die drei Abenteuergeschichten um zwei Kinderdetektive erklommen zwar regelmäßig die hiesigen Bestsellerlisten, doch im Kino dominieren seit Anbruch des neuen Jahrtausends bestimmen Animations- und Effektfilme die Filmvorlieben der heranwachsenden Generation. Es ist also nicht weit hergeholt, wenn man „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ vergangenes Jahr als ein wie aus der Zeit gefallenes Experiment auffasste und einem eventuellen Erfolg vorab mit Skepsis begegnete. Denn wann gab es hierzulande eigentlich den letzten, lupenreinen Kinderkrimi zu sehen? Vollmer stach bei der Beantwortung dieser Frage offenbar in ein Wespennest: Ihr Film, mehr oder weniger der Ausfüller einer übergroßen Marktlücke, lockte 2014 knapp 800.000 Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser. Im Heimkino setzte sich dieser Trend fort. Nun folgt mit „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ das schon vor Teil eins beschlossene Sequel, das – so glaubt man Fans – auf dem schwächsten Band der „Rico“-Trilogie basiert. Wer sich da pro forma schon mal auf die qualitative Talfahrt einstellt, dem sei an dieser Stelle bereits Entwarnung gegeben. Der Film von Wolfgang Gross („Vampirschwestern“), der Neele Leana Vollmer um den zweiten Teil beerbt, setzt genau dort an, wo der Vorgänger aufhört – und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der Schlussszene der „Tieferschatten“ nahm der zurückhaltende aber schlagfertige Oskar nämlich seinen Sturzhelm ab, um diesen gegen eine Sonnenbrille auszutauschen. Nun erfahren wir endlich warum.

Rico, Oskar und das Herzgebreche

Trotz des verräterischen Titels hat „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ herzlich wenig mit den angedeuteten, amourösen Verwicklungen zu tun. Vielmehr präsentiert Wolfgang Gross seinem Publikum eine weitere, charismatische Krimi-Story mit toughen Helden, viel Witz und natürlich jeder Menge Freundschaft. Für die Dynamik der Geschichte ist dies nur förderlich, denn nicht selten verzetteln sich Filmemacher bei der Kombination Kinder und Liebe. So hält Gross viel lieber an den Erfolgsmechanismen seiner Vorgängerin fest und inszeniert die Story als Mischung bewährter Aspekte, die auch  ernstere Themen wie zerrüttete Familienverhältnisse oder den Tod nicht ausspart. Dass derartige Momente die Kleinen nicht überfordern, liegt am Skript: Martin Gypkens („Nichts als Gespenster“) Drehbuch legt viel Wert auf die Emotionen zwischen den Zeilen und handelt den eigentlichen Plot um die kriminellen Machenschaften der Wandbek-Family fast schon im Vorbeigehen ab. So erweist sich nicht etwa die Detektivarbeit als das Herzstück des Filmes, sondern die Interaktionen der Figuren. Die beiden hervorragenden Hauptdarsteller Juri Winkler und Anton Petzold beweisen sich dabei einmal mehr als die große Entdeckung im deutschen Kino. Trotz ihrer noch jungen Jahre kennen sie die Facetten ihrer mehrdimensionalen und durchaus komplexen Figuren ganz genau. Die Dichte an flott-frechen Dialogen ist hoch und wenn sich Oskar in einem stillen Moment mit der andauernden Abwesenheit seines ihn ignorierenden Vaters auseinandersetzen muss, so rühren solche Momente ob ihrer Lebensechtheit und stillen Weisheit fast zu Tränen.

Ebenjene Lebensweisheit, mit der auch schon „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ausgestattet war, zieht sich auch im zweiten Teil wie ein roter Faden durch das Skript. Zu tragen haben diese jedoch nicht nur die Jungdarsteller, sondern allen voran Karoline Herfurt („Fack ju Göhte“) sowie ihre erwachsenen Kollegen vor und hinter der Kamera. So findet der finale Showdown zwar in einem Nachtclub statt, doch eine etwaig verruchte Inszenierung sucht man hier vergebens. Vermutlich liegt hier auch das Erfolgsgeheimnis. Regisseur Wolfgang Gross kennt nicht nur den Tonfall seines auf die ganze Familie ausgelegten Filmes ganz genau, sondern entscheidet sich obendrein dafür, sich bei der Inszenierung nicht bloß auf Augenhöhe mit seinem späteren Publikum zu begeben, sondern direkt selbst durch Kinderaugen zu blicken. So nutzt auch „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ ebenjene Form der gemalten Visualisierung, um das Chaos im Kopf des schnell überforderten Rico zu veranschaulichen, die schon im ersten Teil für frischen Wind gesorgt haben. Immer wieder erhält der Zuschauer den Eindruck, die Macher des Filmes würden bewusst kein Blatt vor den Mund nehmen wollen, um ihr junges Publikum über genau diesen Aspekt abzuholen: Kinder haben schließlich bisweilen die Angewohnheit, nicht über die Folgen ihrer Worte und Taten nachzudenken. Diesen Charakter offenbart auch der Film immer wieder. Wolfgang Gross macht einfach, lässt darüber hinaus auch den Cast viel improvisieren und verhilf seinem Projekt dadurch zu seiner notwendigen Leichtigkeit.

Rico, Oskar und das Herzgebreche

Diese scheint auch der Cast verinnerlicht zu haben. Neben den Hauptdarstellern aus dem ersten Teil sind in „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ auch viele neue Gesichter vor der Kamera zu sehen. Annette Frier („Danni Lowinski“)  beerbt Anke Engelke, die in „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ als kultverdächtige Eisverkäuferin rummotzen durfte und die Eiskelle – pardon: den Staffelstab – nun an die Pizza-Bedienung Frier übergeben darf. Ihre Auseinandersetzung mit dem neunmalklugen Rico ist dank perfektem Timing kein etwaiger Aufguss der Szene aus Teil eins, sondern steht für sich allein ebenso brillant wie die Szenerie mit Anke Engelke. Moritz Bleibtreu („Die Frau in Gold“) ist in der Rolle des stotternden, unsicheren und dann irgendwie doch ganz schön gemeinen Wandbek-Sprosses Boris zu sehen, der regelmäßig an der geistigen Überlegenheit der beiden Kinder-Detektive scheitert. Henry Hübchen („Da geht noch was!“) als charmanter Rentner, der Rico und Oskar mit Rat und Tat zur Seite steht, rundet das Ensemble ebenso formvollendet ab, wie eine herrlich fies aufspielende Katharina Thalbach, die Ellie Wandbek auch schon in „Tieferschatten“ verkörpern durfte und hier endlich ihr wahres Gesicht offenbart. „Germanys Next Topmodel“-Gewinnerin Barbara Meier festigt derweil ihren Status als ernst zu nehmende Schauspielerin in einer kleinen aber effektvollen Nebenrolle.

Fazit: Vergangenes Jahr war „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ so etwas wie eine kleine Sensation, als der Film das totgeglaubte Genre des Kinderkrimis zu neuem Leben erweckte. „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ setzt dieses Erfolgskonzept jetzt hervorragend fort und macht Lust auf den dritten Teil „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“, der uns bereits 2016 in den deutschen Kinos erwartet.

„Rico, Oskar und das Herzgebreche“ ist ab dem 11. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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