Mortdecai – Der Teilzeitgauner

Der Name Johnny Depp genügt schon lange nicht mehr, um die Zuschauer als alleiniger Kassenmagnet in die Kinos zu locken. Doch auch in der Krimkomödie MORTDECAI – DER TEILZEITGAUNER soll dieses einstige Erfolgsprinzip aufgehen. Ob das funktioniert und wo die Schwächen des britischen Films liegen, erfahrt ihr in meiner Kritik.

Mortdecai - Der Teilzeitgauner

Der Plot

Charlie Mortdecai (Johnny Depp) ist in Geldnot. Der einfallsreiche Kunsthändler und Lebemann steckt bis zu seinen aristokratischen Ohren in Schulden und muss in weniger als einer Woche satte acht Millionen Pfund auftreiben – wenn er das Familienanwesen auf dem Land und mit ihm seine luxuriöse Gattin Johanna (Gwyneth Paltrow) nicht verlieren möchte. Er wittert seine Chance, als ein bekanntes Goya-Gemälde unter mysteriösen Umständen verschwindet – mit der dafür ausgesetzten Belohnung wären mit einem Schlag alle Sorgen vergessen. Gemeinsam mit seinem treuen Diener (Paul Bettany) begibt sich Mortdecai auf einen rasanten Wettlauf um den Globus. Zwischen London, Moskau und Los Angeles muss er es mit einem rücksichtslosen russischen Oligarchen, einem international gesuchten Terroristen sowie einem habgierigen amerikanischen Milliardär und dessen nymphomanischer Tochter (Olivia Munn) aufnehmen. Und er muss vor allem immer ein Auge auf seinen großen Rivalen aus Schulzeiten haben, den ambitionierten Inspektor Alistair Martland vom MI5 (Ewan McGregor), der neben dem Kriminalfall auch großes Interesse an Mortdecais Gattin Johanna hegt…

Kritik

Dass Johnny Depp ein Faible für schrullige Rollenprofile hat, weiß man seit Anbeginn seiner schauspielerischen Vita. Er schlüpfte in die Haut von Ed Wood, war Edward mit den Scherenhänden und lässt seiner Liebe zum Alkohol auch in seiner Paraderolle des Piraten Captain Jack Sparrow viel Raum für Entfaltung. Mit Erfolg! Auf sein Konto gehen bislang drei Oscar-Nominierungen sowie diverse andere Preise, darunter der Golden Globe für seine Darbietung im Gothik-Musical „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“. Einerseits beeindruckt Depps Mut zur Extravaganz Zuschauer wie Kritiker, andererseits warfen insbesondere letztere dem 51-jährigen Mimen immer wieder vor, im Grunde nur eine einzige Rolle zu spielen und diese allenfalls den filmischen Umständen anzupassen. Das beste Beispiel bereitete in der Vergangenheit wohl Gore Verbinskis Western-Abenteuer „Lone Ranger“, für dessen Hauptrolle sich Johnny Depp von vielen Seiten anhören musste, dieselben Spleens seines weltberühmten Piraten auszupacken, um diese auf den Wilden Westen zu übertragen. Während es ausgerechnet bei diesem Beispiel schade ist, dass ein Großteil des Publikums die feinen Nuancen übersah, mit welcher sich Pirat Jack und Indianer Tonto grundsätzlich unterschieden, lassen gewisse Anklänge an sich immer wiederholende Charakteristika seiner auszufüllenden Figuren durchaus den Schluss zu, dass es mit Depps Wandlungsfähigkeit nicht (mehr) weit her ist. Gleichsam ist der Hollywoodstar gerade deshalb so einzigartig und verleiht jedem seiner Streifen einen unerkennbaren Wiederkennungswert.

Johnny Depp

Die Gaunergroteske „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ reiht sich nahtlos in derlei Rollenprofile ein und lässt Johnny Depp dabei durchaus einmal mehr zur Hochform auflaufen. Doch ausgerechnet dem schrulligen Protagonisten ist es geschuldet, dass sich die Stärken von David Koepps Regiearbeit in einem übersichtlichen Maße finden lassen. Nach dem ebenso andersartigen wie dadurch genialen Fahrrad-Actioner „Premium Rush“ sowie dem schauerromantischen Mindfuck-Thriller „Das geheime Fenster“, in dem der Filmemacher schon einmal Depp als Hauptfigur besetzte, begibt sich Koepp in „Mortdecai“ auf die Pfade der so beliebten Pink-Panther-Reihe, die schon Shawn Levy vor knapp einem Jahrzehnt wiederzubeleben versuchte. Damals folgte trotz relativ geringem Einspiel an den US-amerikanischen Kinokassen und weltweit miserabler Kritiken drei Jahre später eine Fortsetzung, eh das Projekt der regelmäßigen Agenten-Parodie vorerst begraben wurde. In das enge Gewand einer Genre-Nachdichtung, geschweige denn eines weiteren Ablegers des Franchises um Inspektor Clouseau lässt sich sein Streifen zwar nicht pressen, allerdings sind die Querverweise in Richtung Spy-Movie unübersehbar. Doch auch die Einflüsse anderer Kassenschlager machen sich alsbald in den skurrilen Szenerien bemerkbar. So erinnert „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ ob seines verschrobenen Inszenierungsstils in den starken Momenten an eine massentaugliche Variante des Oscar-Anwärters „Grand Budapest Hotel“, besitzt in den schwachen Szenen aber keinerlei Wiedererkennungswert. Zu aufgesetzt wirken die obskuren Slapstickeinlagen und zu bemüht hochgestochen sämtliche Dialoge des von Eric Aronson („On the Line“) und Kyril Bonfiglioli verfassten Skripts.

Mortdecai - Der Teilzeitgauner

Erneut lastet Erfolg und Misserfolg einer Produktion allein auf den Schultern von Johnny Depp. Dazu bedarf es nicht mal einen Blick auf den fertigen Film. Allein das Marketing für „Mortdecai“ konzentriert sich voll und ganz auf das Mitwirken des Blockbuster-Experten. Während der Name Johnny Depp vor Jahren noch ausreichte, um die Zuschauer in die Lichtspielhäuser zu locken, musste sich der Schauspieler in den vergangenen Monaten weitaus stärker beweisen, um den Ruf des Kassenmagneten zu halten. Weder den Machern, noch Depp selbst sei diese Vorgehensweise der Filmvermarktung an dieser Stelle vorzuwerfen. Vor allem deshalb, weil Charakter und Tonfall von „Mortdecai“ mit Depp stehen und fallen. Wenngleich man nicht um den Gedanken umherkommt, dass der Akteur anderorts schon mehr Spielfreude an den Tag legte, so funktioniert die Krimikomödie überdeutlich durch das Zusammenspiel der Figuren und weniger über das Kreieren einer ausgeklügelten Handlung. Depp mimt den extravaganten Grafen und Schnurrbartliebhaber Charlie Mortdecai und setzt auf die Kombination von Abenteuerlust und einem übersteigerten Selbstbild. Das Skript hält Oneliner um Oneliner parat, die Depps Charakter in einer Tour abfeuert. Dabei hat Charlie nur selten ihm ebenbürtige Gegenspieler. Mit Ewan McGregor („A Million Ways to Die in the West“) und Gwyneth Paltrow („Iron Man 3“) hat der Cast zwar hochkarätige Namen zu bieten, doch trotz kleiner Highlights, wie etwa einem herrlich angespannten Dinner zwischen McGregor und Paltrow treten die beiden Schauspieler kaum aus dem Schatten ihres Kollegen Depp heraus. Einzig Paul Bettany („Transcendence“) hat in der Rolle des Bodyguards Jock viele Lacher auf seiner Seite, die vorzugsweise seiner ebenso bulligen wie trockenen Art geschuldet sind.

Während sich sämtliche Figuren darauf beschränken lassen, mit allerhand menschlichen Macken und damit verbunden sehr skurrilen Angewohnheiten ausgestattet zu sein (dass Johanna den Bart von ihrem Gatten nicht ausstehen kann, ist nicht mehr als ein aus Plotsicht unwichtiger Gag-Lieferant), ist das Skript mehr Mittel zum Zweck, um Charlie Mortdecai eine sketchartige Performance nach der anderen abzuringen. Dabei halten sich Rohrkrepierer und zündende Pointen beachtlich in der Waage und auch das optische Erscheinungsbild der Krimikomödie verleiht „Mortdecai“ zusätzlich an Leinwandausmaßen. Florian Hoffmeister („The Deep Blue Sea“) gelingen blockbusterkonforme Hochglanzaufnahmen, die mit vielen optischen Spielereien aufgepeppt werden. Dennoch überträgt sich die von Johnny Depp aufgebrachte Dynamik nicht vollends auf den fertigen Film. Zu abgegriffen sind die Handlungsstränge und zu unfokussiert schreitet schlussendlich auch die Story voran.

Die Ermittlungsmethoden von Charlie Mortdecai gehören nicht zu den konventionellsten.

Die Ermittlungsmethoden von Charlie Mortdecai gehören nicht zu den konventionellsten.

Fazit: Johnny Depp wie er leibt und lebt – „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ setzt dem Können des andersartigen Schauspielstars so etwas wie ein filmisches Denkmal und doch kann die Gaunerkomödie nicht annähernd an den Charme von „Fluch der Karibik“ und Co. anknüpfen. Potenzial verschenkt!

„Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ ist ab dem 22. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen.

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