Bibi & Tina – Voll verhext

Noch im selben Jahr wie sein Vorgänger kommt mit BIBI & TINA – VOLL VERHEXT Detlev Bucks zweite Adaption der erfolgreichen Hörspielserie auf die deutschen Leinwände und fängt genau dort an, wo Teil eins im März aufhörte. Alles ist noch ein wenig bunter, noch ein wenig schriller und die Besetzung hat noch mehr große Namen zu bieten. Dabei gelingt dem Starregisseur einmal mehr ein gelungenes Kinder- und Jugendabenteuer, doch auch die großen Zuschauer kommen nicht allzu kurz. Mehr zum Film in meiner Kritik.

Bibi & Tina - Voll verhext

Der Plot

Schlechte Stimmung auf Schloss Falkenstein: Mitten in den Vorbereitungen zum großen Kostümfest wird plötzlich eingebrochen. Nicht nur die wertvollen Gemälde sind weg, nein – es fehlt auch noch Graf Falkos (Michael Maertens) gesamte Monokelsammlung. Doch damit nicht genug: Auch auf dem Martinshof ist die Laune im Keller. Kein einziger Feriengast ist bisher in Sicht. Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Lisa-Marie Koroll) müssen sich etwas einfallen lassen und setzen alles daran, die Werbetrommel zu rühren. Und: Bibi verknallt sich zum ersten Mal! Ausgerechnet in Tarik (Emilio Moutaoakkil), der mit seinen vier chaotischen Geschwistern – den „Schmülls“ – nicht nur den Reiterhof unsicher macht, sondern auch ein dunkles Geheimnis hütet.

Kritik

Dass eine erfolgreiche Kinoproduktion relativ kurz nach dem Herauskristallisieren eines eventuellen Erfolgs ein Sequel spendiert bekommt, ist in Zeiten von Abenteuerfranchises, Comicbook-Adaptionen und Spielzeug-Verfilmungen schon lange nichts Neues mehr. Doch ausgerechnet Detlev Buck, der Regisseur des ersten Langspielfilms rund um die beiden Kinderheldinnen Bibi und Tina, setzte bei der Inszenierung der dazugehörigen Fortsetzung neue Maßstäbe in Sachen Tempo. Schon wenige Wochen nach dem Kinostart von „Bibi & Tina – Der Film“ im März dieses Jahres gab das verantwortliche Studio die Pläne einer Fortführung und somit zum Ausbau zu einer Reihe bekannt. Wer angesichts dieser Äußerung nun allerdings davon ausging, die üblichen zwei bis drei Jahre auf das fertige Endprodukt warten zu müssen, der irrte gewaltig. Buck und sein Team realisierten das Projekt „‘Bibi & Tina‘-Sequel“ mit einer absurden Geschwindigkeit. Das Ergebnis: Noch im Erscheinungsjahr des Originals kommt mit „Bibi & Tina – Voll verhext“ der zweite Teil des Pferdeabenteuers ins Kino, das durch den Luxus der zügigen Arbeitsweise auch tatsächlich den Eindruck erweckt, als sei es direkt im Anschluss an die letzte „Bibi & Tina – Der Film“-Klappe entstanden. Look und Tonfall sind nahezu identisch. Gleichzeitig muss aber auch der wohlgesonnene Betrachter erkennen, dass hier nicht zwingend der Grundstein für weitere Langspielfilme gelegt wurde. Stattdessen lädt „Bibi & Tina“ auch in der hier dargebrachten Form mehr und mehr dazu ein, als Serie weitererzählt zu werden. Dies liegt zum Einen an der angenehmen Kurzweil, mit der das Bucks dreizehnter, abendfüllender Spielfilm daherkommt. Zum anderen erweckt „Bibi & Tina – Voll verhext“ in seiner überlandenden Dramaturgie an einen regelrechten Flickenteppich; zusammengenäht aus vielen, einzelnen Kurzgeschichten.

„Bibi & Tina – Voll verhext“

Während sich „Bibi & Tina“ Anfang des Jahres noch darauf konzentrierte, auch halbwegs unerfahrenes Publikum mit dem Kosmos der immens erfolgreichen Kiddinx-Serie vertraut zu machen, setzt der zweite Teil nun sämtliches Wissen um die Zusammenhänge innerhalb des Franchises voraus. Wer mit wem verwandt ist, wer mit wem geht und wer sich wiederum spinnefeind ist, erläutern die Drehbuchautoren Buck und seine Kollegin Bettina Börgerding („Die Rosenheim-Cops“) nicht mehr explizit. Stattdessen werden auf Abenteuerfilmkurs mehrere Handlungsschauplätze aufgemacht. Während ein umtriebiger Langfinger in den Gemächern von Graf Falko von Falkenstein sein Unwesen treibt, muss sich die Familie Martin mit einer plötzlichen Feriengast-Flaute herumschlagen. Zu allem Überfluss sorgt ausgerechnet die erste Reisegruppe seit Wochen für solch einen Trubel, dass an die Planungen für das anstehende Kostümfest kaum mehr zu denken ist. Im Anbetracht dieses zwar dramaturgisch wenig komplexen, in seiner Masse jedoch nahezu erschlagenden Inhalts wundert es kaum, dass es den Machern nicht immer gelingt, jedem dieser Storyabschnitte vollends gerecht zu werden. Allen voran Entertainer Olli Schulz, der in „Bibi & Tina – Voll verhext“ mit Genuss seine erste Kinorolle absolviert, kommt im Laufe der obligatorisch neunzigminütigen Laufzeit viel zu kurz. Auch deshalb, weil die Auftritte nicht nur bei Fans des aneckenden Singer/Songwriters zu den lautesten Lachern zählen.

Detlev Buck greift bei „Bibi & Tina – Voll verhext“ auf das Ensemble seines Vorgängerfilmes zurück. Vor allem das Fingerspitzengefühl in der Besetzung gehörte dato zu den großen Highlights des Kinder- und Jugendabenteuers, was angesichts der Äußerung, Detlev Buck sei durch seine Kinder selbst mit allen Folgen der Hörspielserie vertraut, nicht wundert. Beginnend bei der treffsicheren Wahl seiner beiden Hauptdarstellerinnen Lina Larissa Strahl (gewann 2013 den KIKA-Gesangswettbewerb „Dein Song“) und Lisa-Marie Koroll („Familie Dr. Kleist“) über einen herrlich neurotischen Michael Maertens („Die Vermessung der Welt“) in der Rolle des kultpotenziellen Graf Falko von Falkenstein bis hin zu ebenjenen Figuren, die eigens für die Realfilmvariante geschrieben wurden, beweist Buck einmal mehr einen genauen Blick für sympathische Spleens und das Schaffen echter Charakterköpfe. Gleichzeitig achtet der Regisseur auf die Vorlage und kreiert nicht bloß vom Original inspirierte Figuren, sondern rückt seine Darsteller in ein Licht, das es so aussehen lässt, als hätte eine direkte Transformation der Zeichentrickvorbilder in den Realfilm stattgefunden. Auch Olli Schulz reiht sich in diese comichafte Figurenzeichnung ein. Auf der einen Seite erinnert sein großes, nah am Overacting befindliches Agieren mehr an die Karikatur einer klassischen Schurkenfigur. Andererseits eint sämtliche Hörspiel-Universen der Kiddinx-Schmiede ebenjenen Umgang mit den Charakteren. Überspitzung gehört stets zu den inszenatorischen Kniffen, mit welchen insbesondere Bösewichte und hohe Staatsmitglieder wie Politiker und Beamte gezeichnet werden, wodurch sich Reihen wie „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ schon mehrfach den Vorwurf anhören mussten, Kindern ein falsches Bild von Autorität und Regierung zu vermitteln.

Olli Schulz

Ganz so „meta“ ist „Bibi & Tina – Voll verhext“, wie schon sein Vorgänger, nicht zu verstehen. Doch neben seiner Funktion als waschechtes Kinderabenteuer hantiert Detlev Buck auch diesmal erneut mit allerhand Doppeldeutigkeiten. Immer wieder konterkariert er das Bild der klassischen „heilen Welt“ und nimmt das typische Image des Familienfilms aufs Korn. Wie aus dem Nichts setzt er teils absurde Musical-Nummern in Szene, die dank der tatkräftigen Unterstützung des ehemaligen Rosenstolz-Mitglieds Peter Plate echte Ohrwurmqualitäten besitzen, jedoch nicht mehr ganz so eingängig sind, wie sämtliche Songs des ersten Teils. So fehlt es „Bibi & Tina – Voll verhext“ sowohl an einem brachialen Schurkensong, wie ihn Charly Hübner in Teil eins hemmungslos trällerte, aber auch die obligatorische Ballade vom Sich-Missverstanden-Fühlen klingt lediglich wie ein Aufguss dessen, was Lina Larissa Strahl im Debütfilm zum Besten geben durfte. Gleichwohl verfolgen die Songs bei weitem nicht mehr den Plan, das Geschehen im Stile eines klassischen Musicals voranzutreiben. Buck lässt seine singenden Darsteller das Geschehen mit einem Augenzwinkern untermauern und tobt sich in der einmal mehr quietschbunten Gestaltung diverser obskurer Szenarien ordentlich aus. All das bringt „Bibi & Tina – Voll verhext“ auch einem reiferen Publikum näher. Vorzugsweise wohl all denen, die sich der überhöhten Welt, in welcher Bibi und Tina seit jeher ansässig sind, bewusst sind.

All dem Fanservice für eine ältere Generation zum Trotz richtet sich Detlev Buck mit seinem Film vorzugsweise selbstverständlich an ein jüngeres Publikum. Als entsprechend simpel erweist sich der Plot. Gut und Böse sind klar definiert und auch unter dem Wust an Schauplätzen und vorkommenden Figuren klar als solche zu erkennen. Freundschaften werden auf die Probe gestellt, man widmet sich vorsichtig aber beherzt dem Thema der ersten Liebe und eine Message über das Hinterfragen typischen Schubladendenkens gibt es obendrein für all jene, die sich bereits jenseits des Vorschulalters befinden. Wie Buck es einst mit „Hände weg von Mississippi“ vormachte, ist jedoch einmal mehr die Kulisse des Ferienhofes der Familie Martin der eigentlich Star. Trotz der reichlich unrealistischen Prämisse gelingt „Bibi & Tina – Voll verhext“ zu jedem Zeitpunkt das Übertragen waschechter Ferienatmosphäre. Vermutlich muss es das auch, denn nur so ist auch das kritische Publikum leicht auf seine Seite zu ziehen.

Bibi (Lina Larissa Strahl) ist zum ersten Mal verliebt, doch ausgerechnet Tarik (Emilio Moutaoakkil) hat ein dunkles Geheimnis.

Bibi (Lina Larissa Strahl) ist zum ersten Mal verliebt, doch ausgerechnet Tarik (Emilio Moutaoakkil) hat ein dunkles Geheimnis.

Fazit: „Bibi & Tina – Voll verhext“ setzt dort an, wo sein erfolgreicher Vorgänger aufgehört hat. Die Songs sind nicht mehr ganz so hittauglich wie die des ersten Teils, dafür hat man mit Olli Schulz und den vielen, spleenigen Nebenfiguren einige Asse im Ärmel, auf die man so bis dato nicht zurückgreifen konnte. Für Kinder ergibt sich das schöne Bild einer ebenso spannenden wie mitreißenden Ferienkomödie, welche die Älteren jedoch nicht ganz außen vor lässt und für diese einiges an Meta-Anspielungen bereithält. Einzig die Masse an Konfliktherden und ein nicht zum Rest des Filmes passender Schlussakt trüben das Seherlebnis minimal.

„Bibi & Tina – Voll verhext“ ist ab dem 25. Dezember bundesweit in den Kinos zu sehen!

2 Kommentare

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