Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 24. September, der sowohl qualitativ als auch quantitativ extrem breit aufgestellt ist. So viele relevante Kinostarts wie diese Woche gab es wohl seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr. Zwei Beiträge davon gehören zu den stärksten Filmen des Jahres: „Pelikanblut“ von „Tore tanzt“-Regisseurin Katrin Gebbe und Armando Iannuccis filmgewordener Zirkus „David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“, letzterer ist derzeit auch auf dem Fantasy Filmfest zu sehen. Darüber hinaus gibt’s Fortsetzungen zu semibekannten Animationsfilmen und ein starbesetztes Familiendrama.
Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!
DAVID COPPERFIELD – EINMAL REICHTUM UND ZURÜCK | Regie: Armando Iannucci | UK/USA 2019

David Copperfield verbringt mit seiner verwitweten Mutter Clara eine glückliche Kindheit im viktorianischen England. Als er jedoch eines Tages von einem Besuch bei der Verwandtschaft der von ihm sehr geliebten Haushälterin Peggotty zurückkehrt, erfährt er, dass seine Mutter inzwischen Mr. Murdstone geheiratet hat. Dieser entpuppt sich schnell als gemein und grausam – und Davids Anwesenheit im Haus ist ihm offensichtlich ein Dorn im Auge. Schon bald wird David nach London geschickt, wo er in einer Flaschenfabrik einer harten und äußerst schlecht bezahlten Arbeit nachgehen muss. Jahre vergehen, David ist inzwischen ein junger Mann, als ihn die Nachricht vom Tod seiner Mutter erreicht. Zutiefst erschüttert flieht er aus der Fabrik zu seiner Tante Betsey Trotwood, die ihm gemeinsam mit ihrem äußerst exzentrischen Mitbewohner Mr. Dick wieder auf die Beine hilft. Doch Davids Reise ist noch lange nicht zu Ende…

Jede Sekunde ein Ereignis: Als „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Story erfindet Armando Iannucci das Rad zwar nicht neu. Doch wie es ihm gelingt, die von Charles Dickens einst als Jugenddrama konzipierte Vorlage in eine verspielte Komödie über einen Lebenskünstler zu machen, macht richtig viel Spaß und ist aufgrund der herausragend kreativen Inszenierung jederzeit spannend.
PELIKANBLUT | Regie: Katrin Gebbe | DE/BUL 2019

Wiebke (Nina Hoss) lebt zusammen mit ihrer Adoptivtochter Nikolina auf einem idyllischen Reiterhof. Nach vielen Jahren des Wartens, bekommt sie nun die Chance ein weiteres Mädchen, die fünfjährige Raya (Katerina Lipovska), aus Bulgarien zu adoptieren. Nikolina freut sich sehr über das lang-ersehnte Geschwisterchen. Die ersten gemeinsamen Wochen als Familie verlaufen harmonisch und die frischgebackenen Geschwister verstehen sich prächtig. Aber schon bald merkt Wiebke, dass die – anfänglich charmante Raya – etwas verbirgt. Sie wird immer aggressiver und stellt eine zunehmende Gefahr für sich und andere dar. Vor allem Nikolina leidet unter ihren Übergriffen, aber auch Wiebkes Beziehungen und Freundschaften werden auf die Probe gestellt. Um ihre Familie zu retten, muss Wiebke schließlich über Grenzen gehen und eine extreme Entscheidung treffen.

„Tore tanzt“-Regisseurin Katrin Gebbe ist mit ihrem zweiten Spielfilm „Pelikanblut“ ein provokanter Mix aus „Systemsprenger“ und „We need to talk about Kevin“ gelungen, der mit Stilmitteln des Horrorkinos die brisante Frage aufwirft, wie weit Mutterliebe geht und überhaupt gehen darf.
BRAVE MÄDCHEN TUN DAS NICHT | Regie: Chris Riedell, Nick Riedell | USA 2020

Die Violinistin Lucy (Lucy Hale) hat ihr behütetes Leben dank bunter Klebezettel und To-do-Listen fest im Griff. Nichts kann sie aus der Ruhe bringen – bis sie ihren Freund Jeff mit einem Sexfilm erwischt. Lucy ist entsetzt und stellt ihn vor die Wahl: sie oder die Pornos. Noch bevor sich Jeff selbstbewusst gegen sie entscheidet, bezeichnet er Lucy als verklemmt und unterstellt ihr, „pornophob“ zu sein. Das kann Lucy natürlich nicht auf sich sitzen lassen und sie beschließt, etwas zu ändern. Sie erstellt eine Sex-to-do-Liste, die sie mit der Unterstützung ihrer Freunde aus dem Streichquartett abarbeitet. Dabei begeben sie sich auf eine ziemlich abgefahrene Exkursion in die Welt der Stripclubs, Sexshops und Pornomessen, auf der es nicht nur viel über körperliches Vergnügen, sondern auch über wahre Liebe zu lernen gibt. 
Auch wenn Nick und Chris Riedell nur wenig aus der vielversprechenden Idee einer neugierigen Porno- und Sexanfängerin machen, lässt sich „Brave Mädchen tun das nicht“ nicht absprechen, dass er durch und durch sympathisch ist.
OOOPS! 2 LAND IN SICHT | Regie: Toby Genkel, Sean McCormack | IRE/LUX 2020

Die Stimmung auf der Arche war schon mal besser! Nach Wochen auf See wird das Essen knapp und Land ist nicht in Sicht. Eine echte Herausforderung für Dave und Kate, die Köche an Bord. Als der Nestrier Finny und seine beste Freundin Leah, ein Grymp, auch noch unbemerkt mit den letzten Vorräten aufs Meer hinaus gefegt werden, scheint das Chaos perfekt! Doch die beiden Freunde und ein angeschwemmter Passagier – das Quallenmädchen Jelly – retten sich auf ein provisorisches Floß, setzen ihr Segel und folgen der Arche, auch in der Hoffnung auf Land zu stoßen und Futter für die anderen Tiere zu finden. Plötzlich trennt ein heftiger Sturm das Trio. Während Finny unter Wasser eine ganze Nestrier-Kolonie entdeckt, die ihn rettet, werden Leah und Jelly auf eine abgelegene, wunderschöne Insel gespült. Im Wettlauf mit der Zeit, den Gezeiten und einem rülpsenden Vulkan müssen die Freunde nun wieder zueinanderfinden. 
„Ooops! 2 – Land in Sicht“ ist animationstechnisch besser als der Vorgänger und inhaltlich hat das Sequel ja durchaus Ambitionen, aber die Umsetzung ist mau: Überdehnte Gags, lasche Konflikte und Figuren mit wenig Persönlichkeit machen diesen Trickfilm schnell wieder vergessen.
PERSISCHSTUNDEN | Regie: Vadim Perelman | RUS/DE/BLR 2020

1942. Gilles, ein junger Belgier, wird zusammen mit anderen Juden von der SS verhaftet und in ein Lager nach Deutschland gebracht. Er entgeht der Exekution, indem er schwört, kein Jude, sondern Perser zu sein – eine Lüge, die ihn zunächst rettet. Doch dann wird Gilles mit einer unmöglichen Mission beauftragt: Er soll Farsi unterrichten. Offizier Koch, Leiter der Lagerküche, träumt nämlich davon, nach Kriegsende ein Restaurant im Iran zu eröffnen. Wort für Wort muss Gilles eine Sprache erfinden, die er nicht beherrscht. Als in der besonderen Beziehung zwischen den beiden Männern Eifersucht und Misstrauen aufkommen, wird Gilles schmerzhaft bewusst, dass ihn jeder Fehltritt auffliegen lassen könnte. Inspiriert von wahren Begebenheiten, erschuf Regisseur Vadim Perelman mit „Persischstunden“ ein Drama, das eine emotionale Geschichte vom menschlichen Überlebenswillen erzählt.
BLACKBIRD – EINE FAMILIENGESCHICHTE | Regie: Roger Michell | USA/UK 2019

Lily (Susan Sarandon) und ihr Mann Paul (Sam Neill) freuen sich auf ein gemeinsames Wochenende mit ihrer Familie in ihrem Landhaus am Meer, ein Ort, der voller glücklicher Momente und Erinnerungen steckt. Hier möchte sich Lily infolge einer schlimmen Krankheitsdiagnose selbstbestimmt zum Sterben zurückziehen. Ihre beiden Töchter, die angepasste Jennifer (Kate Winslet) und die rebellische Anna (Mia Wasikowska), kommen mit ihren Partnern und Kindern zu Besuch, sowie Lilys beste und älteste Freundin Liz (Lindsay Duncan). Zwischen den ungleichen Schwestern kommt es bald zum Streit. Im Laufe des Wochenendes kommen immer mehr alte Verletzungen, Wahrheiten und Geheimnisse ans Licht, die alle Anwesenden schicksalshaft miteinander verbinden. Am Ende muss sich zeigen, ob sie es schaffen, als Familie wieder zusammen zu finden, um ihrer Mutter einen letzten Wunsch zu erfüllen.
Heimkinotipp: WEATHERING WITH YOU | Regie: Makoto Shinkai | JPN 2019

Der Oberschüler Hodaka braucht einen Tapetenwechsel: Es zieht ihn von der Einöde in das völlig überwältigende Tokio. So sind seine Tage zunächst geprägt von Einsamkeit und er droht zu verelenden, bis es ihm schließlich gelingt, eine Anstellung als Redakteur zu finden. Als wäre sein schwieriger Start in der Großstadt ein Vorbote für das, was ihn noch erwarten wird, regnet es seit seiner Ankunft unaufhörlich. Doch eines Tages begegnet er einem Mädchen, das sein Leben nachhaltig auf den Kopf stellen wird: der willensstarken Hina, die aufgrund familiärer Umstände alleine mit ihrem kleinen Bruder Nagi zusammenlebt. Hina hat besondere Fähigkeiten, denn ihr wohnt eine mysteriöse Kraft inne, die es ihr erlaubt, allein durch ein Gebet den Himmel aufklaren und die Stadt im wunderschönen Sonnenlicht funkeln zu lassen. Doch bald offenbart sich, dass diese mysteriöse Gabe auch ihre Schattenseiten mit sich bringt…

Nach „Your Name“ inszeniert Makoto Shinkai den nächsten Film basierend auf seinem eigenen Roman. Der herausragend animierte „Weathering with You“ ist ein mit esoterischen Untertönen versehenes Märchen, das nicht nur die bisweilen symbolische Bedeutung des Wetters hervorragend in eine wundervolle Geschichte über Freundschaft einflicht, sondern auch viel über japanische Sitten und Gebräuche erzählt.