Der Astronaut – Project Hail Mary

Ein Astronaut, ein interstellares Rätsel und jede Menge Wissenschaft: DER ASTRONAUT – PROJECT HAIL MARY verwandelt Weltuntergangs-Sci-Fi in ein optimistisches Abenteuer über Neugier, Zusammenarbeit und Improvisation. Dass dabei viel gelacht werden darf, passt dabei sowohl zum Stil des Vorlagenautors Andy Weir als auch zum Regieduo Phil Lord und Chris Miller.

OT: Project Hail Mary (USA 2026)

Darum geht’s

Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht ohne Erinnerungen allein auf einem Raumschiff und muss zunächst herausfinden, wer er ist und warum er sich dort befindet. Nach und nach erinnert er sich daran, dass die Sonne durch einen außerirdischen Mikroorganismus Energie verliert, was langfristig eine Eiszeit auf der Erde auslösen würde. Unter der Leitung der kompromisslosen Wissenschaftlerin Eva Stratt (Sandra Hüller) startet deshalb das internationale Project Hail Mary: Ein Raumschiff soll zum Stern Tau Ceti fliegen, wo möglicherweise ein natürlicher Feind des Organismus existiert. Während Grace im All Schritt für Schritt versucht, das Rätsel zu lösen und einen Weg zu finden, die Menschheit zu retten, zeigen Rückblenden auf der Erde, wie Stratt mit drastischen Maßnahmen Wissenschaftler aus aller Welt zusammenbringt und das riskante Rettungsprojekt organisiert. Schließlich steht Grace vor schwierigen Entscheidungen, von denen das Schicksal der Erde abhängt.

Kritik

Mit „Der Marsianer“ gelang dem Autoren Andy Weir 2015 einer der ungewöhnlichsten Science-Fiction-Erfolge der letzten Jahre. Die von Ridley Scott inszenierte Adaption wurde nicht nur zum Publikumshit, sondern sorgte auch bei den Golden Globe Awards für Diskussionen: Dort gewann der Film tatsächlich den Preis als „Beste Komödie/Musical“ – eine Entscheidung, die angesichts der existenziellen Überlebenssituation der von Matt Damon gespielten Hauptfigur für nicht wenig Stirnrunzeln sorgte. Bei „Der Astronaut – Project Hail Mary“ dürfte sich diese Debatte hingegen kaum wiederholen. Trotz kosmischer Bedrohungslage ist der neue Film nach einem Weir-Roman ganz eindeutig als Komödie angelegt. Das passt auch zum Stil des Autors, dessen Geschichten wissenschaftliche Detailverliebtheit mit trockenem Nerd-Humor verbinden. Dass für die Inszenierung ausgerechnet Phil Lord und Christopher Miller verpflichtet wurden, wirkt daher wie eine logische Wahl. Schließlich haben sie mit Filmen wie „The Lego Movie“ oder den „Jump Street“-Filmen mehrfach bewiesen, wie gut sie High-Concept-Ideen mit selbstironischem Humor und Abenteuerkino verbinden können.

Auf der Erde ist Ryland Grace (Ryan Gosling) eigentlich Lehrer und hat nichts mit Raumfahrt am Hut…

Was den optimistischen Grundton von „Der Astronaut“ prägnant macht, ist auch hier zunächst einmal seine Ausgangssituation. Die Geschichte beginnt mit einem Astronauten, der ohne jedwede Erinnerungen allein an Bord eines Raumschiffs erwacht. Erst nach und nach setzt sich das Puzzle aus Erinnerungen zusammen: Die Erde steht vor einer kosmischen Katastrophe und ausgerechnet ein eher unscheinbarer Naturwissenschaftler wird widerwillig zum letzten Hoffnungsträger der Menschheit. Schon in dieser Figurenanlage zeigt sich jener für Andy Weir typische Zugang zur Science-Fiction: Held:innen sind hier keine überlebensgroßen Abenteurer:innen, sondern „nur“ neugierige Problemlöser, die mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Hartnäckigkeit, Improvisationstalent und trockenem Humor auf scheinbar unlösbare Situationen reagieren (Legendär wurde der Satz aus „Der Marsianer“: „Ich muss mich mit Wissenschaft aus der Scheiße ziehen!“). Gerade diese Haltung verleiht dem Film seine bemerkenswerte Leichtigkeit. Selbst wenn es um das Schicksal eines ganzen Planeten geht, entstehen Spannung und Komik gleichermaßen aus der Freude am Tüfteln, Experimentieren und Entdecken.

„Held:innen sind hier keine überlebensgroßen Abenteurer:innen, sondern ’nur‘ neugierige Problemlöser, die mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Hartnäckigkeit, Improvisationstalent und trockenem Humor auf scheinbar unlösbare Situationen reagieren.“

Eine weitere entscheidende Quelle dieses Optimismus liegt jedoch in einer erzählerischen Wendung, über die man – auch wenn sie bereits im Marketing angedeutet wird – vielleicht nicht völlig unvorbereitet stolpern möchte. Spoilerwarnung: Im weiteren Verlauf entpuppt sich die Mission nämlich als eine unerwartete Form von Buddy-Komödie. Denn der Astronaut ist im All keineswegs allein, sondern trifft auf ein fremdes Wesen, das weniger wie ein klassisches Film-Alien wirkt als vielmehr wie eine merkwürdige, steinartige Lebensform. Aus der vorsichtigen Annäherung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Spezies entwickelt sich schließlich eine ebenso kuriose wie herzerwärmende Partnerschaft (Erinnerungen an die Freundschaft zwischen Chuck und Wilson in „Cast Away“ werden wach – nur eben in viel, viel optimistischer). Gerade hier entfaltet sich der eigentliche Charme des Films: Statt auf Bedrohung oder Misstrauen setzt die Geschichte auf Kooperation, Neugier und gegenseitiges Lernen. Eine Haltung, die dem gesamten Abenteuer eine fast ansteckende Zuversicht verleiht.

…trotzdem wird die Wissenschaftlerin Eva Stratt (Sandra Hüller) auf ihn aufmerksam.

Dass „Der Astronaut“ jedoch mehr ist als eine reine Science-Fiction-Komödie, liegt auch an jener Detailverliebtheit, die man inzwischen fest mit Andy Weir verbindet. Der Autor betont immer wieder, seine Romane möglichst nah an realen wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten und dafür mit Expert:innen zusammenzuarbeiten. Ein Ansatz, der bereits „Der Marsianer“ zu einem der glaubwürdigsten Weltraumabenteuer der letzten Jahre machte. Auch hier entsteht ein großer Teil der Faszination aus den vielen Gedankenspielen rund um Physik, Chemie und Astronomie. Besonders interessant ist hier das Thema Sprache und gegenseitiges Verständnis: Wenn zwei völlig unterschiedliche Spezies versuchen, miteinander zu kommunizieren, entwickelt sich ein ebenso spielerischer wie erkenntnisreicher Prozess aus Versuch und Irrtum. Das wirkt stellenweise erstaunlich unkompliziert und wird recht zügig abgehandelt, erweist sich erzählerisch jedoch als ausgesprochen zweckdienlich. Thematisch erinnert das mitunter an „Arrival“, der eine ähnliche Fragestellung deutlich ernster und komplexer verhandelte, während „Der Astronaut“ daraus vor allem eine charmante Brücke zwischen seinen Figuren baut.

„Es ist allen voran Ryan Gosling, der den Film mit bemerkenswerter Leichtigkeit trägt. Er spielt den widerwilligen Weltraumhelden mit einer Mischung aus Nervosität, Improvisationsfreude und trockenem Comedy-Timing.“

Apropos Figuren: Es ist allen voran Ryan Gosling („La La Land“), der den Film mit bemerkenswerter Leichtigkeit trägt. Gosling, der in den letzten Jahren immer wieder bewiesen hat, dass er neben seinen dramatischen Rollen auch ein ausgezeichnetes Gespür für Humor besitzt, spielt den widerwilligen Weltraumhelden mit einer Mischung aus Nervosität, Improvisationsfreude und trockenem Comedy-Timing. Viele der komischen Momente entstehen dabei weniger aus klassischen Pointen als aus seiner leicht überforderten, oft sehr menschlichen Reaktion auf Situationen, für die es schlicht keine Vorbereitung geben kann. Einen wichtigen Gegenpol bildet der auf der Erde angesiedelte Handlungsstrang rund um Sandra Hüller („In den Gängen“), die hier ihr Hollywood-Debüt gibt. Als entschlossene Wissenschaftlerin, die die Mission vorantreibt, steht sie dem impulsiven Gosling mit einer deutlich nüchterneren Energie gegenüber. Ein feines Gespür für Timing legt aber auch sie an den Tag. Gleichzeitig erlaubt der Film beiden Figuren auch abseits der komödiantischen Momente kleine, prägende Charakterblicke. Bei Hüller etwa wird eine kurze Gesangsszene zu einem überraschend intimen Moment, der ihrer Figur eine zusätzliche menschliche Dimension verleiht.

Schon bald wird sich Ryland allein im All wiederfinden.

Dass die Figuren so stark im Zentrum stehen, erweist sich auch deshalb als Glücksfall, weil die Inszenierung ihren Ambitionen nicht immer vollständig gerecht wird. Bei einem Budget von rund 150 Millionen Dollar dürfte man bei „Der Astronaut“ eigentlich ein durchgehend überwältigendes Effektfeuerwerk erwarten. Ganz einlösen kann der Film dieses Versprechen allerdings nicht. Zwar gibt es immer wieder Szenen im All, die eindeutig als visuell berauschende Höhepunkte gedacht sind, doch erreichen sie selten jene technische Präzision und Bildgewalt, die etwa ein „Interstellar“ zu einem Maßstab des modernen Weltraumkinos gemacht haben. Paradoxerweise profitiert der Film gerade deshalb davon, dass ein Großteil der Handlung in deutlich überschaubareren Räumen stattfindet, etwa in der beengten Raumstation oder in den erdgebundenen Rückblenden. Hier konzentriert sich die Inszenierung stärker auf Figuren, Dynamiken und kleine visuelle Details. Besonders ein zentraler digitaler Effekt, der für die Interaktion der Hauptfigur von großer Bedeutung ist, überzeugt dabei durch eine große haptische Präsenz und fügt sich organisch in die realen Sets ein. An anderer Stelle, vor allem wenn der Film versucht, abstraktere kosmische Phänomene in Bilder zu übersetzen, bleibt die Visualisierung dagegen spürbar hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Fazit: Mit „Der Astronaut – Project Hail Mary“ gelingt Phil Lord und Christopher Miller eine Science-Fiction-Komödie, die den typischen Mix aus wissenschaftlicher Detailverliebtheit und trockenem Humor von Andy Weir sehr treffsicher auf die Leinwand überträgt. Auch wenn die Inszenierung ihre visuellen Ambitionen nicht immer vollständig einlösen kann, tragen vor allem das charmante Zusammenspiel der Figuren sowie Ryan Goslings komödiantisches Gespür das Abenteuer mühelos durch seine Laufzeit. Ein ebenso kluges wie warmherziges Weltraumabenteuer.

„Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist ab dem 19. März 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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