Final Destination: Bloodlines
Das Warten hat ein Ende! 14 Jahre nach Teil fünf erscheint mit FINAL DESTINATION: BLOODLINES nun endlich der nächste Teil der morbiden Horrorcomedyreihe und hält erneut zahlreiche tödliche Kettenreaktionen für sein Publikum bereit. Neben diesen überzeugt vor allem, wie geschickt die Regisseure der Reihe zu frischem Wind verhelfen.
Darum geht’s
Nacht für Nacht wird die Studentin Stefani (Kaitlyn Santa Juana) von einem Albtraum heimgesucht. Darin sieht sie ihre Großmutter Iris (Brec Bassinger), die End der Sechzigerjahre in ein schreckliches Unglück verwickelt war. In der Hoffnung, diesem Traum auf den Grund zu gehen, besucht Stef ihr Elternhaus und sucht darüber hinaus den Kontakt zu ihrer mittlerweile sehr abgeschieden lebenden Oma (jetzt Gabrielle Rose), die vom Rest der Familie gemieden wird. Vor Ort bei Iris angekommen, wird Stefani mit einer Art Fluch konfrontiert: Nach und nach holt sich der Tod höchstpersönlich sämtliche Familienmitglieder. Wenn eines stirbt, ist das nächst älteste dran. Und dann passiert es: Durch eine skurrile Kettenreaktion kommt Iris vor Stefs Augen ums Leben – und damit ist die Todesjagd auf den Rest ihrer Familie eröffnet.
Kritik
Was für ein Riesenbedarf an einem neuen „Final Destination“-Teil besteht, ließ sich bereits an den dazugehörigen Traileraufrufen ablesen. Die erste, im März erschienene Vorschau zu „Bloodlines“ generierte innerhalb von gerade einmal 24 Stunden knapp 180 Millionen Views. Damit ist der Trailer zum sechsten Teil der schwarzhumorigen Horrorreihe der zweiterfolgreichste eines Films seines Genres – nach jenem zu „Es: Kapitel 1“ von 2017. Die Zeitspanne zwischen Teil fünf und sechs gestaltete sich für ein erfolgreiches Horrorfranchise aber auch überraschend lang. Ganze 14 (!) Jahre ist es her, seit sich der Tod höchstpersönlich durch eine Gruppe von Teenager:innen schlitzte. Die Reihe ist bekannt für ihre tödlichen Kettenreaktionen und sorgte unter anderem dafür, dass eine ganze Generation bis heute Angst davor hat, auf der Autobahn hinter einem Holztransporter herzufahren. Im September 2022 wurden schließlich die beiden Regisseure Zach Lipovsky und Adam B. Stein („Freaks“) für die Inszenierung eines neuen Films bestätigt. Die Wahl fiel unter anderem deshalb auf die beiden, weil die zwei während ihres Pitch-Calls eine selbst gedrehte Todesszene präsentierten, an deren Ende einer von ihnen von einem Deckenventilator enthauptet wurde. So etwas macht bei den Geldgebern natürlich Eindruck.
Entsprechend merkt man zu jeder Sekunde, dass die Leute hinter der Kamera absolute Franchise-Liebhaber sind. Dabei kündigt sich das zu Beginn des Films noch nicht unbedingt an. Jeder „Final Destination“-Film eröffnet mit einer ausufernden Katastrophe, die sich am Ende als Vision herausstellt, woraufhin das Unglück seinen Lauf nimmt. Nach einer Flugzeugexplosion, einer Massenkarambolage, einer Achterbahnentgleistung, einem schweren Unfall bei einem Autorennen und schließlich einem Brückeneinsturz zerberstet diesmal ein neu eröffneter Aussichtsturm. Und zwar zum ersten Mal im Franchise nicht in der Gegenwart, sondern Anfang der Sechzigerjahre. Das Kostüm- und Frisurendesign der Darsteller:innen und Statist:innen fällt überzeugend aus, ganz im Gegensatz zur Ästhetik im Gesamten. Wo Christopher Landons „Drop – Tödliches Date“ gerade noch veranschaulicht hat, wie sich ein in schwindelerregenden Höhen befindliches Nobeletablissement ansprechend in Szene setzen lässt, sieht man der visuellen Ausgestaltung des Sky View zu jedem Zeitpunkt an, dass hier vor Greenscreen gedreht wurde. Auch der Eskalation als solches mangelt es an Haptik und nicht zuletzt Nahbarkeit. Während man sich als Zuschauer:in in die Katastrophen der bisherigen Filme immer hineinversetzen konnte, einfach weil jede:r von uns hin und wieder fliegt, auf der Autobahn fährt oder auch mal in eine Achterbahn steigt, ist das Opening zu „Final Destination: Bloodlines“ doch sehr weit entfernt von den meisten Lebensrealitäten.
„Nach und nach erschließt sich dem Publikum, weshalb diesmal keine Zahl hinter dem Filmtitel steht, sondern bedeutungsschwanger auf ‚Blutlinien‘ verwiesen wird. Genau diese spielen in ‚Bloodlines‘ eine große Rolle und verbinden den neuen Film darüber hinaus ganz lose mit den bisherigen fünf Teilen.“
Doch der Film macht generell Einiges neu – und nach dem Auftakt auch immer besser. Denn die Eröffnungsvision ist diesmal kein klassisches Foreshadowing, sondern ein Traum von Protagonistin Stefani, die seit zwei Monaten von ebendiesem heimgesucht wird. Nun spielt „Final Destination: Bloodlines“ wieder in der Gegenwart. Und nach und nach erschließt sich dem Publikum, weshalb diesmal keine Zahl hinter dem Filmtitel steht, sondern bedeutungsschwanger auf „Blutlinien“ verwiesen wird. Genau diese spielen in „Bloodlines“ eine große Rolle und verbinden den neuen Film darüber hinaus ganz lose mit den bisherigen fünf Teilen. Das ist nicht aufdringlich, muss auch gar nicht zwingend so gelesen werden. Anders als die meisten Legacyquels buhlen die Macher:innen hier nicht auf Teufel komm‘ raus um die nostalgischen Gefühle ihres Publikums. Stattdessen ist dieser Überbau einfach nur ein nettes Detail, ohne das der Film, vor allem aber auch seine Vorgänger, genauso gut funktionieren. Weit über das Prädikat „nett“ hinaus geht dagegen der letzte Auftritt des ehemaligen „Candyman“ und der späteren „Final Destination“-Ikone Tony Todd. Der während seiner letzten Performance sichtbar von seiner Krebserkrankung gezeichnete Mime hat nur wenige Minuten, mit denen er nicht nur bleibenden Eindruck, sondern vielleicht sogar die ein oder andere Träne bei den wissenden Zuschauer:innen hinterlässt. Seine gewohnt weisen, aufgrund des Hintergrunds umso melancholischeren Worte sind ein würdiger Abschied von der großen Kinoleinwand und sind mit der Kenntnis um sein Ableben kurz nach den Dreharbeiten tief berührend.
Wo der Auftritt von Tony Todd das emotionale Highlight von „Final Destination: Bloodlines“ bildet, spielt der Cast um ihn herum mit sichtbar viel Freude auf. Natürlich lässt sich bei der Reihe seit jeher diskutieren, ob sie nun überhaupt dem Horror-, oder nicht vielleicht doch eher dem morbiden Comedygenre zuzurechnen ist. Dieser schwarzhumorigen Tonalität sind sich die Drehbuchautor:innen Guy Busick („Scream“), Lori Evans Taylor („Bed Rest“) und Jon Watts („Spider-Man: No Way Home“) mehr als bewusst. Klassische Jump Scares gibt es kaum. Stattdessen entsteht die Spannung hier primär aus den dramaturgischen Aufbauten der tödlichen Kettenreaktionen. Wie man es von der Reihe kennt, gibt es mehrere große Unfall-Setpieces. Im Vorfeld werden zahlreiche falsche Fährten gelegt, sodass man sich stets ganz unterschiedliche Möglichkeiten ausmalen kann, wie die nächste Person wohl zu ihrem kreativen Ableben finden wird. Mehr denn je spielt „Final Destination: Bloodlines“ mit dieser nur allzu bekannten Prämisse und kramt einige grandiose Sterbeideen hervor. Da wird etwa ein Magnetresonanztomograph zur tödlichen Falle, ein anderes Opfer findet sein brachiales Ende unter einem Rasenmäher und dann wiederum geht eine Szene in einem Tattoostudio doch ganz anders aus als erwartet.
„Klassische Jump Scares gibt es kaum. Stattdessen entsteht die Spannung hier primär aus den dramaturgischen Aufbauten der tödlichen Kettenreaktionen. Wie man es von der Reihe kennt, gibt es mehrere große Unfall-Setpieces.“
Immer wieder gelingt es den Regisseuren, ihr Publikum mithilfe ihrer stilsicheren Inszenierung zu überraschen, Erwartungen zu unterwandern und das Optimum an Spannung und Unterhaltungswert aus den Unfall-Aufbauten herauszuholen. Dass die hier im Zentrum stehenden Figuren – insbesondere an Franchise-Maßstäben gemessen – allesamt wirklich sympathische Charaktere sind, spielt den Machern zusätzlich in die Hände. Anstatt, wie insbesondere in Teil drei und vier, nur noch verzichtbares Kanonenfutter zu sein, geht einem das Schicksal von Stefani und ihrer Familie wirklich nah. Inwiefern das bei einem Film der „Final Destination“-Reihe überhaupt sinnig ist, darf gern diskutiert werden. Doch es fühlt sich tatsächlich erfrischend an, in „Bloodlines“ endlich mal wieder mit den Figuren mitfiebern zu können, einfach sie einem nicht egal sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihre unumgänglichen Tode nicht am Ende trotzdem wahnsinnig unterhaltsam wären.
Fazit: Das lange Warten auf Teil sechs hat sich gelohnt! Nach einem inszenatorisch sehr schwachen Auftakt fängt sich „Final Destination: Bloodlines“ rasch und punktet vor allem mit seiner perfekt ausbalancierten Mischung aus morbider Comedy und stimmungsvollem Horror. Das Highlight sind natürlich auch in diesem Teil der Reihe die ausgefallenen Todesszenen, die sowohl in Sachen Gore als auch Kreativität überzeugen. Ganz besonders gefällt aber vor allem der spürbar frische Wind, den die beiden Regisseure hier im Franchise hinterlassen. Und ein letzter Auftritt von Tony Todd, der einem wirklich nahegeht.
„Final Destination: Bloodlines“ ist ab dem 15. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.



