Zehn Filme, die mich im 3. Quartal 2018 genervt haben

Zum Ende eines jeden Monats veröffentliche ich in den sozialen Netzwerken meine fünf ganz persönlichen Lieblingsfilme sowie meine Flops der vergangenen Wochen. Um diese Filme in Zukunft ein wenig mehr zu würdigen, oder zu erklären, weshalb mir Film XY eben so gar nicht gefallen hat, präsentiere ich in meiner ZEHN FILME-Rubrik nun nochmal meine zehn Lieblings- und Hassfilme des vergangenen Quartals inklusive Trailer, in der Hoffnung, Ahnungslosen einen kleine Orientierung zu geben, was man im Kino auf keinen Fall verpassen sollte und was man getrost links liegen lassen darf. Gern seid Ihr unterhalb des Postings dazu aufgefordert, Eure Lieblings- und Hassfilme der vergangenen drei Monate zu veröffentlichen. Viel Spaß!

Platz 10: WIR SIND CHAMPIONS by Javier Fesser

Spanien schickt die Komödie WIR SIND CHAMPIONS in diesem Jahr ins Oscar-Rennen – verstehen kann ich das nicht, obwohl der Film gerade zu Beginn sehr ehrlich und direkt mit dem Thema der geistigen Behinderung umgeht. Der Regisseur Javier Fesser positioniert sich erzählerisch auf Seiten der Zuschauer, um die auch in der Realität entstehenden Berührungsängste mit behinderten Menschen so authentisch wie möglich einzufangen. Und dazu gehört eben auch die Weigerung vor Mitleidsbekundungen. Doch irgendwann kippt das und plötzlich holt er eben doch den symbolischen Zeigefinger raus, um über das Verhalten zu richten und sich bisweilen gar über sie lustig zu machen. Der Beigeschmack, den diese Szenen beinhalten, brannte sich letztlich stärker bei mir ein, als die wirklich gelungene erste Hälfte. Die Eröffnung meiner Quartals-Flops war da leider unumgänglich.

Platz 9: LANDRAUSCHEN by Lisa Miller

Eine Stadtfrau zieht es aufs Land, wo sie einmal mit sämtlichen Klischees konfrontiert wird, die man aus dieser Situation eben herausholen kann. LANDRAUSCHEN heißt die Tragikomödie von Lisa Miller, die exakt dieses Szenario verarbeitet und dabei ausgerechnet eine Figur in den Mittelpunkt rückt, deren Typus wir einfach schon viel zu oft in anderen Filmen gesehen haben. Miller weiß der Prämisse nichts Neues hinzuzufügen, hat aber immerhin eine Figur, deren sehr authentisch nachempfundenes Leid fast im Alleingang dafür entschädigt. Schade ist nur, dass sie für genau diese so wenig Erzählzeit aufwendet, dass sie sie auch schon fast wieder hätte weglassen können. Ein klassischer Fall von „Potenzial verschenkt!“ in unattraktiven Fernsehbildern.

Platz 8: SLENDER MAN by Sylvain White

Ich habe mich so sehr auf diesen Film gefreut. Selbst, als aus den USA immer mehr negative Stimmen kamen und sich langsam aber sicher das Gefühl breit machte, dass hier irgendwas vollkommen schief gelaufen sein muss, habe ich bis zuletzt an SLENDER MAN festgehalten – immer in der Hoffnung, hier werde einfach vorschnell anhand der schwierigen Produktionsgeschichte über ein Werk gerichtet worden. Aber Pustekuchen! „Slender Man“, den niemand Geringeres geschrieben hat, als der Autor von „Elle“ (ja: dem „Elle“!), ist ein einziges Desaster, von dem man immerhin nur wenig mitbekommt, weil der Film so dunkel ist, dass man kaum etwas erkennt. Haarsträubende Dialoge, keinerlei Gruselatmosphäre, zerhackstückelt bis zur Unkenntlichkeit – dieser Film gehört so einfach nicht ins Kino!

Platz 7: LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS by Julia Langhof

Als Angela Merkel das Internet vor einigen Jahren als „Neuland“ bezeichnete und dafür gerechtfertigterweise viel Häme einstecken musste, ahnte sie nicht, dass sie auf einer Ebene noch lange Recht behalten sollte: beim Filmemachen! Offenbar ist es deutschen Regisseuren nämlich nicht möglich, das World Wide Web sowie die sozialen Medien so einzufangen, wie sie wirklich genutzt werden. LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS versprüht das Flair einer düsteren Online-Dystopie: alles böse, alles hoffnungslos, alles dem Untergang geweiht. Doch dann sieht man, wie rückständig hier das Internet in die Handlung miteinbezogen wird und schon kann von „dystopisch“ keine Rede mehr sein. Hier passt nichts zusammen und am Ende weiß man nur, dass man seinen Computer am besten nie wieder einschalten sollte, wenn man nicht will, dass einem seine eigene Identität um die Ohren fliegt. Ganz, ganz schwaches Genrekino!

Platz 6: SAFARI – MATCH ME IF YOU CAN by Rudi Gaul

Schwach geht es weiter. Doch nun kommen wir in einen Bereich, in dem es beim Zuschauen so richtig unangenehm wird. SAFARI – MATCH ME IF YOU CAN tritt in ähnliche Fettnäpfchen wie der Kandidat auf Platz sieben. Auch hier scheinen sich die Macher vorab überhaupt nicht damit auseinandergesetzt zu haben, wie junge Menschen von heute das Internet nutzen. Viel schlimmer ist allerdings, dass sich um diesen Schwachpunkt hier noch eine absolut unlustige Komödie entspinnt, die nur so von Anschlussfehlern, inkohärenten Drehbuchentscheidungen und anstrengenden Figuren strotzt. Aufgrund des Themas hätte ich mir vorstellen können, dass „Safari“ ein Erfolg wird. Am Ende wurde sie es nicht. Zum Glück!

Platz 5: SUPER TROOPERS 2 by Jay Chandrasekhar

Und wo wir gerade bei unlustigen Komödien sind: Wenn ich nicht wüsste, dass SUPER TROOPERS 2 aus einer Crowd-Funding-Aktion heraus entstanden ist und somit durch und durch ein Projekt für Fans, dann wüsste ich nicht, wie man auf die Idee kommen kann, einen solch albernen, mit grobem Slapstick aufgelagenen Film ohne Sinn und Verstand auf die Leinwand zu bringen. Aber offenbar ist die Fanschar groß genug und daher will ich ein wenig milde sein. Da es hier aber ganz klar um meine persönlichen Abneigungen geht, kann ich nicht anders, als diesen Film auf Platz fünf meiner Quartals-Flops zu platzieren.

Platz 4: SHARKNADO 6: THE LAST ONE by Anthony C. Ferrante

Macht es Sinn, einen offensichtlich als Trashfilm angelegten Hai-Horror-Beitrag zwischen all diesen Filmen zu platzieren, die tatsächlich ehrliche Absichten hatten? Ja! Schließlich geht es hier darum, welche Filme mich am meisten genervt haben! Und da ist SHARKNADO 6: THE LAST ONE nun mal ganz vorn mit dabei. Ich verstehe den Reiz an bewusst schlecht inszenierten Filmen nicht. Stattdessen ist es doch viel interessanter, dabei zuzusehen, wenn Regisseure tatsächlich Ambitionen hatten und diese dann komplett nach hinten losgehen. Immerhin: „Sharknado 6“ soll jetzt ganz, ganz wirklich auch definitiv das Ende der Reihe sein – wollen wir es hoffen!

Platz 3: UTØYA 22. JULI by Erik Poppe

Der Titel dieser Flopreihe passt nicht ganz zum Film auf Rang Nummer drei, denn ich habe mich von UTØYA 22. JULI nicht im eigentlichen Sinne genervt gefühlt. Ich finde es auch gut, dass der Film über den Amoklauf von Anders Behring Breivik sowie die zahlreichen Opfer, die dieser hinterließ, derart kontrovers aufgenommen wird. Doch für mich reichen all die Argumente, die den Film auch abseits seiner zweifelsfrei bestechend realistischen Inszenierung zu einem moralisch vertretbaren Drama machen wollen, nicht aus. Ich bezweifel nicht, dass Erik Poppe wirklich einen Film für die Opfer machen wollte. Und solange diese den Film auch als einen solchen auffassen, ist alles gut. Doch als Zuschauer sitzt man eben einfach fassungslos da und stellt die gut gemeinte Intention des Regisseurs immer wieder in Frage. „Utøya 22. Juli“ funktioniert wie ein Horrorthriller – und das ist gar nicht gut!

Platz 2: THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE by Terry Gilliam

Was. Zum Teufel. War das denn? Die Entstehungsgeschichte rund um Terry Gilliams Projekt THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE hat mittlerweile selbst den Unterhaltungswert eines Abenteuerfilms. Das fertige Ergebnis dagegen ist für die Katz‘! Allen voran die komplett sinnfreie Story ist es, die gar nicht erst zulässt, dass man mit den Leinwandereignissen etwas anfangen kann. Diesem Tohuwabohu zuzusehen, das ich in wenigen markanten Sätzen nicht adäquat zusammenfassen könnte und es deswegen direkt lasse, tut bereits nach der Hälfte der Zeit weh. Man merkt die Leidenschaft für das Projekt, aber es scheint so, als hätte Gilliam in den vielen Jahren der Entstehung sämtliche Ideen, die er je hatte, zu einem einzigen großen Brei zusammengerührt. Das ist so verdammt skurril, dass man es aus filmhistorischer Sicht eigentlich schon gesehen haben muss. Aber bitte: Bringt starke Nerven mit!

Platz 1: KLASSENTREFFEN 1.0 by Til Schweiger

Der Macher dieses Werks wird es mir vermutlich eh nicht glauben, weil ich es gewagt habe, sein Heiligtum anzugreifen. Aber ganz ehrlich: Das hier ist nichts Persönliches! Wer mich kennt, der weiß: Ich habe Til Schweiger immer wieder in Schutz genommen und habe mir viele seiner Fehltritte durch Unbeholfenheit zu erklären versucht. An KLASSENTREFFEN 1.0 gibt es allerdings nichts mehr zu erklären. Humorverständnis hin oder her, Erbsenzählerei im Hinblick auf Political Correctness hin oder her: Schwulengags und Frauenwitze unter dem Deckmantel der „harmlosen Albernheit“ zu verkaufen und Leuten, die das ganze mehr als fragwürdig finden, direkt öffentlich anzugreifen sowie die eigene Fanbase aufzustacheln, ist unter aller Sau! Ja, natürlich gibt es Leute, die darüber lachen können, wenn sich ein Mann in Großaufnahme seine Eier in einer Saunabank eingeklemmt hat. Und wer das lustig findet, der freut sich garantiert über „Klassentreffen 1.0“, denn hier gibt es derartige „Gags“ am laufenden Band. Doch irgendwann ist eben einfach Schluss – und ich hoffe inständig, dass Schweiger an den Kinokassen so einen richtigen Denkzettel verpasst bekommt.

Ein Kommentar

  • Bei „Sharknado“ kann ich nur zustimmen. Leider hat sich dieses Genre des generierten Trash mittlerweile stark etabliert und scheint erfogreich genug zu sein, um eben mehrere Fortsetzungen hinzuschludern und Produktionsstudios wie Asylum genug Kleingeld in die Kassen zu spülen, um immer weiteren Mist nachzuliefern. Das Traurige daran ist eigentlich, dass der „echte“ Trash inzwischen kaum noch vorhanden ist. Die Kunst des Scheiterns ist irgendwo in den letzten Jahren verloren gegangen.

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