Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf

Nach zwei Realfilmen aus der Welt der Schlümpfe ist DIE SCHLÜMPFE – DAS VERLORENE DORF wieder vollständig animiert. Ob die Macher ihrem Film damit einen Gefallen tun, oder ob man die blauen Mützenträger nicht erneut auf die Leinwand hätte holen müssen, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Bewaffnet mit einer geheimnisvollen Landkarte begibt sich Schlumpfine (deutsche Stimme: Nora Tschirner) gemeinsam mit ihren Freunden Schlaubi (Axel Stein), Hefty (Rick Kavanian) und Clumsy (Tim Oliver Schulz) auf eine aufregende Reise in den „Verbotenen Wald“, der von vielen magischen Kreaturen bewohnt wird. In einem Wettlauf gegen die Zeit müssen sie das „verlorene Dorf“ ausfindig machen, ehe der böse Zauberer Gargamel (Christoph Maria Herbst) es entdeckt. Die Reise der Schlümpfe wird zur reinsten Achterbahnfahrt voller Action und Gefahren – und an ihrem Ende steht nichts Geringeres als die Enthüllung des größten Geheimnisses in der Schlumpf-Geschichte!

Kritik

Fünf der zehn erfolgreichsten Filme aus dem vergangenen Jahr waren animierter Natur. In allen von ihnen spielten sprechende Tiere oder andere nicht menschliche Wesen eine Hauptrolle. Aus dieser Sicht wundert es nicht, dass man bei der Konzeptionierung des nächsten „Schlümpfe“-Abenteuers nicht mehr auf den Realfilm-Stil der Produktionen aus 2011 und 2014 baut, obwohl diese mit 564 Millionen respektive 348 Millionen US-Dollar doch ziemlich ordentlich an den weltweiten Kinokassen abschnitten. Hierzulande lockten „Die Schlümpfe“ und „Die Schlümpfe 2“ im Durchschnitt 2,6 Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser. Wohl auch aufgrund der Starpower: Neil Patrick Harris, Brendan Gleeson, Katy Perry, Sofia Vergara und Anton Yelchin bildeten nur einen Bruchteil des Starcasts, mit dem die modernen Verfilmungen rund um die Blauköpfe auftrumpfen konnten. Seit knapp 60 Jahren begeistern die Comicabenteuer des belgischen Zeichners Peyo Jung und Alt, Sammelfiguren schnellen bei besonders raren Modellen schon mal in unermessliche Höhen und die Bandbreite an Merchandising ist vergleichbar mit dem Sortiment der Pixar-Filmschmiede. Immerhin ist seit 2012 keine Party-CD der Schlümpfe mehr erschienen – der bislang wohl merkwürdigste Auswuchs der Schlumpf-Manie. Nach Real-, Zeichentrick- und Kurzfilmen ist das neueste Abenteuer der Zipfelmützenträger also wieder vollständig 3D-animiert. Und obwohl man meinen möchte, dass sich langsam nicht Neues mehr über die blauen Hauptfiguren erzählen ließe, so ist „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ doch weitaus gelungener, als die bisweilen reichlich kläglichen Versuche, die drei Äpfel großen Fabelwesen in unsere Welt zu holen.

Christoph Maria Herbst spricht den Bösewicht Gargamel mit hörbarem Elan und Spaß

Echte Leinwandstars sind in „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ also nicht mehr mit von der Partie. Dafür ist es hier vor allem ein Castingcoup bei den Synchronsprechern, dem die neueste Regiearbeit von „Gnomeo und Julia“-Macher Kelly Asbury einen Großteil ihres Charmes zu verdanken hat. Christoph Maria Herbst („Highway to Hellas“) ist in der Rolle des Bösewichts Gargamel die absolute Idealbesetzung und seine Freude am exzentrischen Schurkentum zu jeder Sekunde hörbar. Manch eitler Ausruf des machtgierigen, aber immer wieder auch arg tollpatschigen Fieslings ist von den ganz kleinen Zuschauern gar nicht so genau einzuordnen – „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ müht sich zwar nicht ganz so verkrampft um die regelmäßige Einflechtung moderner Popkulturanspielungen wie viele andere zeitgeistige Animationsfilme (das Wort „Schlumpf-Selfie“ fanden wir dann aber doch ein wenig arg befremdlich), hält aber trotzdem hier und da Gags parat, die eher ein älteres Publikum ansprechen. Trotzdem findet das Autorenduo aus Stacey Harman („Die Goldbergs“) und Pamela Ribon („Vaiana“) die richtige Balance, wenn es darum geht, einfachen und verständlichen Wortwitz mit etwas komplexeren Pointen und einer guten Portion Slapstick zu kombinieren. Als kurzweilig-amüsantes Stück Familienkino geht „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ also schon mal durch. Inhaltlich wandelt man dagegen auf recht überraschungsarmen Bahnen.

Zu Beginn lässt sich noch gar nicht unbedingt absehen, in welche Richtung „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ nun eigentlich gehen soll. Der Film beginnt als eine Art Identitätssuche und wagt sich damit auf ein Terrain vor, das zwar löblich ist aber nicht bis zum Ende weiterverfolgt wird. Da jeder Schlumpf in Schlumpfhausen eine einzige Eigenschaft besitzt, durch die er definiert wird (Schlaubi ist schlau, Hefty hat immer sein Regelheftchen dabei und Papa Schlumpf ist nun mal der Papa Schlumpf), ist Schlumpfine eben einfach „das Mädchen“. Dass sich die von Nora Tschirner zuckersüß gesprochene Schlumpf-Dame damit jedoch nicht zufrieden geben möchte, ist die Antriebsfeder der Geschichte, denn in erster Linie geht es in „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ darum, zu entdecken, wer man wirklich ist und was einen besonders macht. Leider verliert das Drehbuch diesen Schwerpunkt aus den Augen, als Schlumpfine in die Hände des bösen Gargamel gerät und die Reise der Freunde sich ab sofort darauf konzentriert, in den verbotenen Wald zu reisen und die dort lebenden Schlümpfe vor dem Bösewicht zu warnen, der es auf sie abgesehen hat. Haben Schlumpfine und Co. das verlorene Dorf nach ihrer tricktechnisch hervorragend animierten Abenteuerreise erst einmal gefunden, widmet sich der Film wieder bevorzugt dem Erzählen. Hier werden Freundschaften geschlossen und – im wahrsten Sinne des Wortes – der eigene Horizont erweitert, was später auch dazu führt, dass die Einordnung der eigenen Identität der diese noch suchenden Schlumpfine leichter fällt. Der Weg dorthin lässt die hier an den Tag gelegte, erzählerische Tiefe vermissen. Gleichwohl sorgt der Mittelteil aber auch für ein beschwingtes Abenteuerflair, wodurch „Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf“ zwar nicht ganz einheitlich, aber rundum unterhaltsam wirkt.

Angst einjagen können diese putzigen Feuerfliegen noch nicht mal den aller kleinsten Besuchern.

Unterhaltsamkeit während der Abenteuerreise bedeutet aber nicht automatisch Kreativität. Die einzelnen Stationen innerhalb des Roadtrips gestalten sich recht einfach und der Zielgruppe entsprechend nie allzu aufregend. Da ist die Verfolgungsjagd auf grün leuchtenden Häschen durch einen unterirdischen Tunnel doch tatsächlich schon das höchste der Gefühle und die knuffigen Feuerfliegen sind in ihrer optischen Mischung aus Seepferdchen, Drache und Vogel einfach viel zu niedlich, um älteren Zuschauern so etwas wie Furcht einzujagen. Befürchtet wurde dagegen, dass die Qualität der Synchronisation im Anbetracht der schieren Masse an mehr oder eben vor allem weniger bekannten Sprecher durchaus zu wünschen übrig lassen könnte. Tatsächlich ist es so, dass nur zu PR-Zwecken verpflichtete Namen wie die YouTube-Stars Sami Slimani oder Bianca „Bibi“ Heinecke in „Die Schlümpfe – Das versunkene Dorf“ recht wenig zu sagen haben. Ihre Auftritte beschränken sich auf eine Handvoll Sätze – in den wichtigen Rollen sind dementsprechend jene Sprecher zu hören, die diese auch souverän ausfüllen können. Neben dem bereits erwähnten Christoph Maria Herbst und Nora Tschirner überzeugt das Trio Stein-Kavanian-Schulz in bester Buddy-Manier und schafft es, ihren Schlümpfen eine eigene Identität zu geben, die sie auf darstellerischer Ebene gar nicht unbedingt haben. Jeder Schlumpf hat somit seine eigene Persönlichkeit – und der Zuschauer entdeckt sie meist schon lange bevor die Figuren überhaupt so weit sind. Nur in einer Hinsicht hat uns der Film dann doch überrascht: Zum Ende hin rührt eine liebevoll inszenierte Beerdigungszeremonie dann doch fast ein wenig zu Tränen. Für die ganz Kleinen könnte das vielleicht ein Stückchen zu emotional sowie der feurige Schlussakt zu aufregend sein.

Fazit: Gute bis sehr gute Sprecher, eine traumhaft animierte 3D-Welt und eine durchschnittliche Geschichte – „Die Schlümpfe – Das versunkene Dorf“ sticht auf solidem Niveau die misslungenen Realverfilmungen rund um die blauen Comichelden aus und liefert kurzweilige Familienunterhaltung mit einem überraschend ehrlichen Ende.

„Die Schlümpfe – Das versunkene Dorf“ ist ab dem 6. April bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in tollem 3D!

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