A United Kingdom

Noch während seiner Uraufführung auf dem Toronto-Filmfestival blieben die ganz großen Lobeshymnen für das prestigeträchtige Liebesdrama A UNITED KINGDOM aus. Und das nicht ganz zu Unrecht. Nun kommt der Film auch in die deutschen Kinos. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Im Jahr 1947 verliebt sich Seretse Khama (David Oyelowo), König von Botswana, in die Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike). Ihre Heirat wird nicht nur von ihren beiden Familien, sondern auch von den Regierungen Großbritanniens und Südafrikas abgelehnt. Doch Seretse und Ruth trotzen ihren Familien, der Apartheit und dem britischen Empire – ihre Liebe wird stärker als jedes Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellt. Und langsam aber sicher verändern sie die Geschicke einer Nation und inspirieren die ganze Welt.

Kritik

Manche Geschichten sind inhaltlich von einer solch großen Tragweite, dass man sich kaum traut, negativ von ihnen zu sprechen. Man stelle sich nur einmal vor, die Filme über Oskar Schindler („Schindlers Liste“) oder Salomon Northup („12 Years a Slave“) wären von ihren Regisseuren nicht mit einer solchen Präzision und Stärke auf die Leinwand gebannt worden – nicht nur die Filmwelt wäre um zwei herausragende Meisterwerke ärmer, auch die Intention der Filmemacher hätte noch so lobenswert sein können; wenn das Endergebnis nicht stimmt, nützt diese auch nichts. Als Betrachter ist man also in einer echten Zwickmühle, wenn Produktionen wie das hierzulande demnächst startende Rassendrama „The Birth of a Nation“ oder eben auch „A United Kingdom“ begutachtet werden und man feststellen muss: Mehr als eine gute Idee steckt bei der filmischen Aufarbeitung dieser geschichtsträchtigen Einzelschicksale nicht dahinter. Während „The Birth of a Nation“-Regisseur Nate Parker seinem Film mittels anstrengender und überstilisierter Symbolik jedwede Form der Glaubwürdigkeit raubt, verwässert die „A United Kingdom“-Regisseurin Amma Asante („Dido Elizabeth Belle“) ihr Drama zusehends, indem sie den Fokus mit fortschreitender Laufzeit vornehmlich auf die Lovestory legt, die sie in Kitschromanzen-tauglicher Optik aufbereitet und den eigentlich wichtig Part grobmotorisch anhand von plakativen Einzelszenen abarbeitet.

Seretse (David Oyelowo) findet in Ruth (Rosamund Pike) seine große Liebe.

Große Namen im Cast, eine Regisseurin mit thematischer Erfahrung und auf inhaltlicher Ebene haben wir es hier mit nicht weniger als einem Plädoyer gegen die Rassentrennung zu tun. Und da sich das Drama damit zeitgleich für die Gleichberechtigung aller Ethnien ausspricht, ist „A United Kingdom“ obendrein sogar richtig aktuell. Die Zutaten für ein nachhaltig berührendes Drama sind also vorhanden, doch schon die Uraufführung auf dem Filmfestival von Toronto ließ die ganz großen Lobeshymnen vermissen. Nach einer nur mäßig erfolgreichen Auswertung im Produktionsland Großbritannien wurde der Kinostart hierzulande mehrmals nach hinten verschoben und findet nun lediglich im kleinen Rahmen statt. So ganz verwunderlich ist das nicht, denn im Grunde käut Regisseurin Amma Asante nur wieder, was Filme mit derartigem Hintergrund schon vielfach präsentiert haben. Routiniert spult sie ein Potpourri gängiger Rassendrama-Momente ab, setzt penibel genau einen Haken hinter einzelne Stationen und lässt Szenen wie die klischeehaft-aufbegehrende Rede von Seretse an sein Volk oder das kritisch beäugte Aufeinandertreffen zwischen dem Liebespaar und rassistischen Halbstarken viel zu beliebig erscheinen, denn den ganzen großen Elan in der Inszenierung merkt man „A United Kingdom“ nicht an. Amma Asante und ihr Drehbuchautor Guy Hibbert („Five Minutes of Heaven“) wissen ganz genau, welche Stationen sie innerhalb einer solchen Geschichte zeigen und mitnehmen müssen, um die geballte Ladung Emotionen an das Publikum heranzutragen. Doch die gewissenhafte Ausführung derselben steht der Entwicklung echter Rührung gegenüber.

Da „A United Kingdom“ auf wahren Ereignissen basiert, ist es selbstverständlich, dass sich die Macher im Großen und Ganzen an der Vorlage orientieren müssen. Insofern lässt sich der Geschichte kaum der Vorwurf machen, dass erzählerisch auf ausladende Überraschungen oder Twists verzichtet wurde. Gleichwohl verläuft der Film dramaturgisch in äußerst geradlinigen Bahnen und spätestens, wenn sich Amma Asante ohnehin verstärkt auf die Liebesgeschichte des Paares konzentriert, die politischen Verwicklungen indes nur am Rande behandelt, lässt einen der Eindruck nicht los, es hier mit einer etwas ambitionierter gedachten, aber letztlich doch ähnlich simpel gestrickten Fernsehschmonzette zu tun zu haben. Zusätzlich unterfüttert wird dieser Eindruck durch die postkartentauglichen Bilder von Kameramann Sam McCurdy („The Legend of Hercules“), der bei Bildaufteilung und Farbgestaltung penibel genau darauf achtet, dass hier nicht bloß die beiden schönen Protagonisten, sondern auch die respekteinflößende Landschaft zur Geltung kommt. Die politischen Ausmaße der Geschichte rücken nach und nach an den Rand und selbst wenn es der Verlauf der Ereignisse zulassen würde, dass sich „A United Kingdom“ mal aus seiner Komfortzone hinaus begibt, wird dieser Part einfach ignoriert. Der Gedankengang etwa, dass sich gerade Ruth von jetzt auf gleich an Südafrika als ihre neue Heimat gewöhnen muss, wird schon nach wenigen Minuten wieder fallen gelassen und gegen romantische Liebesschwüre von Seretse an seine Frau getauscht.

„A United Kingdom“ baut auf Wohlfühlflair und Postkartenoptik.

Wer Filme wie „Mandela“ oder „Selma“ (in der sogar David Oyelowo selbst schon in einer Hauptrolle als Martin Luther King zu sehen war) gesehen hat, die zwar nicht unbedingt identische, inhaltlich jedoch auf Ähnliches hinaus wollende Schicksale nacherzählt haben, erfährt durch „A United Kingdom“ nicht viel Neues. Die Chance, dem Gezeigten durch die romantische Komponente einen neuen Blickwinkel einzuverleiben, ergreift Amma Asante nicht, denn wo die Liebesgeschichte klischeehaft aber leidenschaftlich und die politischen Themen gewissenhaft eingestreut werden, verschmelzen beide Komponente nie zu einem Ganzen. Daran können auch die engagiert aufspielenden Darsteller nichts ändern, denn obwohl man Rosamund Pike („Gone Girl – Das perfekte Opfer“) und David Oyelowo („A Most Violent Year“) ihre Zuneigung füreinander abnimmt, tun sich beide schwer, ihren schablonenhaften Figuren individuelle Facetten hinzuzufügen. Am passioniertesten geraten da noch die Momente in London, die das zwanglos-vorurteilsfreie Kennenlernen der beiden zeigen und zum Mitschwärmen einladen. Trotzdem ist „A United Kingdom“ ohne Zweifel ein Film mit zeitloser Botschaft und von großer Ambition. Doch wenn die Regisseurin ihrem Film die Tragweite raubt, indem sie sich viel zu sehr auf eine eigentlich recht banale Liebesgeschichte konzentriert, dann muss man sich nicht wundern, wenn am Ende nicht viel mehr übrig bleibt, als der Eindruck, hier einen Film gesehen zu haben, bei dem es in erster Linie darum ging, möglichst viele wichtige Dinge in kurzer Zeit abzuarbeiten.

Fazit: Die Intention hinter „A United Kingdom“ ist löblich, das Schicksal des Paares, das sich in seiner Liebe allen Widerständen widersetzte, erzählenswert. Doch Regisseurin Amma Asante weiß nicht, was sie erzählen will. Am Ende ist ihr Film weder mitreißende Romanze, noch aufrüttelndes Rassendrama.

„A United Kingdom“ ist ab dem 30. März in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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