Videoabend: Die Horror Pary

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem Horrorfilm „Die Horror Party“, der auf DVD im Handel erhältlich ist.

Die Horror Party

Die wohlsituierte High-School-Absolventin Buffy (Deborah Foreman) lädt ihre Freunde Rob (Ken Olandt), Kit (Amy Steel), Harvey (Jay Baker), Nikki (Deborah Goodrich), Skip (Griffin O’Neal), Nan (Leah Pinsent), Chaz (Clayton Rohner) und Arch (Thomas F. Wilson) in das noble Luxusanwesen ihrer verstorbenen Mutter ein. Auf einer einsamen Insel gelegen, will es die Clique nach ihrem erfolgreichen Abschluss noch einmal richtig krachen lassen, ehe in wenigen Wochen der Ernst des Lebens auf sie wartet. Während die Einen darauf hoffen, mit möglichst vielen Frauen zu schlafen, genießen die Anderen die Ruhe in der Abgeschiedenheit. Dabei haben die Freunde die Rechnung ohne ihre Gastgeberin gemacht, die sie nach allen Regeln der Kunst in den April schickt. Doch bei angesägten Holzstühlen, sich selbstständig machenden Stromkreisen und dem Einsatz von Pupskissen soll es nicht bleiben. Ein Killer scheint auf der Insel sein Unwesen zu treiben, dem nach und nach ein Teenie nach dem anderen zum Opfer fällt…

Kritik

Von den späten Siebziger- bis hin zu den frühen Achtzigerjahren erlebte das Horror-Subgenre des Slasherfilms seine Hochphase. Nicht nur Schlitzerikonen wie Michael Meyers und Jason Vorhees wurden zu dieser Zeit etabliert, auch sämtliche Feiertage ließen sich in diesen zwei Jahrzehnten wiederholt zweckentfremden. Von Weihnachten („Silent Night, Deadly Night“) über den Valentinstag („My Bloody Valentine“) bis hin zu eher behelfsmäßig gewählten Daten wie dem Muttertag („Mothers Day“) oder, noch vager, dem Geburtstag („Bloody Birthday“) – wo es etwas zu feiern gab, da war der Mörder nicht weit. All diese Filme einte neben den äußerst brutal inszenierten und stets direkt vor der Kamera festgehaltenen Gewalttaten auch eine gewisse Freizügigkeit. Gerade in dieser Hinsicht hebt sich der 1986 von „When a Stranger Calls“-Regisseur Fred Walton inszenierte Feiertags-Slasher „Die Horror-Party“ angenehm und überraschend von sämtlichen anderen Genrebeiträgen dieser Dekade ab. Kurz bevor der Slasherfilm seinen eigenen Erfolgszenit überschreiten und ganze acht Jahre bevor Wes Craven diese Filmgattung schließlich mit „Scream“ wiederbeleben sollte, sich dieser im Original „April Fool’s Day“ betitelte Horrorschocker an der Tradition des gegenseitigen sich in den April Schickens. Da er dieses Vorhaben sogleich auch auf eine Meta-Ebene überträgt, kann sich das Publikum nie sicher sein, wo Waltons Werk nun ein „echter“ Slasher ist und wo es den Zuschauer an der Nase herumführt. Trotzdem steht fest: „Die Horror-Party“ ist trotz der einst äußerst zwiespältigen Publikumsreaktionen ein erfrischend unkonventioneller Genrebeitrag, dem zu Unrecht nicht ebenjene Aufmerksamkeit zuteil wurde, wie seinen vielen Wegbereitern, die heute Kultstatus besitzen.

Zu Beginn von „Die Horror-Party“ wähnt man sich fast in einem frühen Vertreter des Found-Footage-Films. Wenngleich es für den fortwährenden Verlauf von Geschichte und Inszenierung keinerlei Bewandtnis hat, dürfen sich die Protagonisten in Form eines selbstgedrehten Homevideos dem Zuschauer vorstellen. Das beleuchtet die Figuren direkt von ihrer wohl persönlichsten Seite, hat mit der ansonsten sehr konventionellen technischen Aufmachung allerdings wenig zu tun. Kameramann Charles Minsky („Happy New Year“) verzichtet bei seiner Arbeit auf allzu feine Raffinessen und konzentriert sich lieber auf schlichte Bildkompositionen. Er ergötzt sich weder an den nur vereinzelt auftretenden und äußerst zurückhaltend inszenierten Gewaltszenen, noch macht er seine Arbeit zum ausschlaggebenden Faktor für die Entstehung von Atmosphäre. Die Story erweckt trotz eines frühen Zwischenfalls, durch den einer der Cliquenmitglieder auf seinen Besuch auf der Insel verzichten muss, lange Zeit eher den Eindruck einer Coming-of-Age-Komödie. Das Skript von Danilo Bach („Beverly Hills Cop“) macht sich die äußerst authentische Chemie innerhalb des Casts zunutze und lässt die Schauspieler mit viel Esprit und Charme vor der Kamera agieren. So dauert es nicht lange, bis der Zuschauer das Gefühl bekommt, es in «Die Horror-Party» mit echten Menschen und nicht mit bloßen Abziehbildern einer Generation zu tun zu haben.

Die meisten Slasherfilme der Siebziger und Achtziger stehen und fallen mit ihrem Antagonisten respektive mit der Art, wie er seine Opfer meuchelt. Auch hier hat «Die Horror-Party» wenig mit seinen Vorbildern gemein. Nicht nur im Hinblick auf nackte Haut ist Waltons Regiearbeit handzahm, auch die Morde geschehen nie vor laufender Kamera. Dieses vermeintliche Slasher-No-Go disqualifiziert automatisch im Rennen um den brutalsten Genrebeitrag der damaligen Dekade, gleichzeitig hebt es aber auch den Alleinstellungswert des Films hervor. Neben dem hohen Wortwitz in den Dialogen und den nach erstaunlich hohen Logikmaßstäben handelnden Figuren steht in „Die Horror-Party“ nicht der Thrill durch den Kill im Mittelpunkt, sondern die Umstände danach. Regiert im Slashergenre normalerweise die „Der Weg ist das Ziel“-Prämisse, so ist hier tatsächlich die Auflösung der größte Coup. Dass diese jedem gefällt, da war sich schon das Publikum während der Kinoveröffentlichung 1986 uneins – aber es ist definitiv eine, die man gesehen haben sollte, erst recht, wenn man das Genre liebt.

DIE HORROR PARTY stammt von Fred Walton, das Drehbuch schrieb Danilo Bach. Der Cast besteht unter anderem aus Deborah Foreman, Griffin O’Neal, Clayton Rohner, Jay Baker, Pat Barlow, Lloyd Berry, Tom Heaton und Amy Steel. Bei dem Film handelt es sich um einen Horrorfilm, produziert in den USA und Kanada aus dem Jahr 1986. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 89 Minuten.

Fazit

„Die Horror-Party“ ist ein überraschend unblutiger Beitrag des späten Teenslasher-Zeitalters, der gekonnt die Regeln des Genres zu variieren weiß. Pfiffige Twists und Ideen sowie ein angenehm routiniert aufspielendes Ensemble können darüber hinweg täuschen, dass Regisseur Fred Walton nicht viel an einer klassischen Grusel-Atmosphäre gelegen ist. An der kontroversen Auflösung werden sich jedoch auch heute noch, knapp 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung, die Geister scheiden.

Mein Tipp: kann man kaufen!

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