Bridget Jones‘ Baby

Sie ist wieder da! Der kultigste Dauersingle der Filmgeschichte hat wieder jede Menge Probleme im Gepäck. In BRIDGET JONES‘ BABY ist die Mittvierzigerin nämlich nicht bloß schwanger, sondern weiß obendrein nicht einmal, wer der Vater ist. Weshalb die Rückkehr der Powerblondine überraschend erwachsen geraten ist, verrate ich in meiner Kritik.Bridget Jones' Baby

Der Plot

Erfolgreich, stilsicher und mittlerweile genau im Leben als TV-Produzentin angekommen… Von wegen! Der Alltag von Bridget Jones (Renée Zellweger) ist natürlich alles andere als geregelt. Und obendrein ist die chaotische Londonerin plötzlich schwanger. Ein Baby – das hat gerade noch gefehlt! Oder vielleicht doch nicht? Wenn sie nur wüsste, wer der Vater ist?! Für ungeahnte Hormonstürme sorgt dabei nicht zum ersten Mal in ihrem Leben Mark Darcy (Colin Firth). Doch auch die Begegnung mit dem charismatischen Jack Qwant (Patrick Dempsey) hat sie restlos aus den Gummistiefeln gehauen…

Kritik

Vor 15 Jahren verschlug es die moppelige Kultblondine Bridget Jones erstmals auf die Kinoleinwände – und die Rettung für alle liebeskummergeplagten Frauen rund um den Globus war geboren. Drei Jahre später folgte mit „Bridget Jones 2: Am Rande des Wahnsinns“ die Fortsetzung; und dann war auch schon Schluss. Ganze elf Jahre lang mussten wir uns damit abfinden, dass Bridget im Anbetracht des doch mehr als wackeligen Happy Ends vermutlich direkt nach dem Abspann schon wieder Single sein würde. Wir sollten Recht behalten. Mittlerweile ist die von einer leider immer noch reichlich aufgedunsen wirkenden Renée Zellweger („Fall 39“) verkörperte Mittvierzigerin wieder solo, steht dafür aber als erfolgreiche Fernsehproduzenten mit beiden Beinen fest im Leben und hat die Liebeswirrungen der vergangenen Jahre eigentlich hinter sich gelassen. Doch da wir 2016 schreiben und es mit „Findet Dorie“, „Independence Day: Wiederkehr“ oder „My Big Fat Greek Wedding 2“ eine ganze Reihe von Franchises gab, die teilweise erst Jahrzehnte nach ihrem letzten Teil doch noch fortgesetzt wurden, bekommt auch Bridget Jones noch einmal die Chance, an genau dieser vermeintlichen Misere etwas zu ändern (es ist ja nicht so, dass es generell ganz furchtbar wäre, als Frau ohne Partner dazustehen). Sie wird schwanger und weiß zu allem Überfluss nicht einmal, wer der Vater ist. Der Grundstein für einen amüsant-fluffigen Liebesreigen ist gelegt. Doch interessanterweise kommt „Bridget Jones‘ Baby“ reifer und erwachsener daher, als die ersten beiden Filme zusammen.

Bridget Jones' Baby

Das Dreiergespann wider Willen versucht, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.

Auch in „Bridget Jones‘ Baby“ schaltet Renée Zellweger wieder genüsslich in den Tollpatschmodus. Doch anders als in den reichlich verqueren, amourösen Verwicklungen der ersten beiden Filme, insbesondere den bisweilen gar absurden Handlungssträngen des zweiten Teils (Stichwort: Knast), ist das Skript von Dan Mazer („Dirty Grandpa“), Helen Fielding („Bridget Jones“ 1 und 2) und Emma Thompson („Saving Mr. Banks“) deutlich geerdeter und verzichtet darauf, allzu viele Nebenhandlungsstränge aufzumachen, die wiederum reichlich Material für komische Szenerien liefern könnten. In „Bridget Jones‘ Baby“ geht es um eine Sache: Bridgets Schwangerschaft und die Frage nach dem Vater, mit der sämtliche Figuren hier erstaunlich erwachsen umgehen. Auf das klassische Verwechslungskomödien-Muster setzen die Macher nämlich bloß zu Beginn kurz, bis sich der Versuch der Doppelvaterschaftsgeheimhaltung in einer herrlichen Diskussion zwischen Bridget und den beiden potenziellen Vätern entlädt, die alle Hauptfiguren auf den gleichen Wissensstand bringt. Ab sofort geht es gar nicht mehr unbedingt darum, unbedingt herauszufinden, wer denn nun der Vater ist; im Gegenteil. Das wird nach dem dramaturgischen Höhepunkt fast im Vorbeigehen aufgelöst. Stattdessen beginnen sich beide Männer, mit der Situation auseinanderzusetzen und bereiten sich auf ganz eigene Art und Weise auf die anstehende Vaterrolle vor. Und Bridget? Die bekommt – ebenfalls ganz nebenbei – zwei gänzlich unterschiedliche Lebensentwürfe präsentiert und schafft es ausgerechnet über diese Unordnung, ihr eigenes Gefühlschaos Schritt für Schritt zu entwirren.

Platz für reichlich komische Situationskomik ist natürlich dennoch geboten. Während sich Emma Thompson in der Rolle von Bridgets kerniger Frauenärztin mit absolut trockenem Humor als echte Szenendiebin erweist, bleibt ebenso kein Auge trocken wie bei den brillant inszenierten Slapstickeinlagen zwischen Mark und Jack. Überhaupt entwickelt sich zwischen dem Männergespann eine interessante Chemie; obwohl keiner den anderen so recht leiden kann, ist die Interaktion der beiden von einem gewissen Grundrespekt geprägt, durch den „Bridget Jones‘ Baby“ viel von der Albernheit der ersten beiden Teile verliert. Lediglich in der ersten halben Stunde, in der Bridget die Schäferstündchen mit den beiden Männern noch vor sich hat, ist die klamaukige Ader des Franchises stark erkennbar. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr tritt der Komödienaspekt der RomCom in den Hintergrund und es ist schließlich sogar Platz, Dinge wie die Probleme von Alleinerziehenden anzusprechen, ganz ohne sie später einem schnellen Gag zu opfern. Trotz allem versprüht „Bridget Jones‘ Baby“ eine genrekonforme Leichtigkeit, die aber umso besser zum Tragen kommt, da sowohl auf der dramatischen, als auch auf der komischen Ebene versucht wird, die Geschehnisse in einem bodenständigen Rahmen zu halten. Die Geschehnisse im Film könnten so tatsächlich passieren (ein wenig naturgegebenen Leerlauf hier und da gibt’s obendrauf); wer also hin und wieder sein Taschentuch zücken muss, dem sei es gegönnt.

Hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: Emma Thompson, die auch am Drehbuch mitschrieb.

Hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: Emma Thompson, die auch am Drehbuch mitschrieb.

Von ihrem Botox-Unfall vor einigen Jahren wirkt Hauptdarstellerin Renée Zellweger immer noch nicht ganz erholt. Wenngleich sie große Teile ihres Gesichts mittlerweile wieder bewegen kann, ist ihr ein Teil ihrer natürlichen Schönheit schlicht und ergreifend abhanden gekommen. Gerade eine Figur wie Bridget Jones hätte umso stärker noch davon profitiert, wenn es ihr anzumerken wäre, dass die Zeit auch an ihr nicht spurlos vorbei geht. Das sieht man in „Bridget Jones‘ Baby“ nun zwar auch, aber einen gewissen Creepy-Faktor lässt sich dem Gesicht von Zellweger einfach nicht absprechen. Serienstar Patrick Dempsey („Grey’s Anatomy“) wirkt auf der Leinwand ein wenig verloren und mimt Everybody’s Darling weitestgehend überraschungslos. Dafür besticht Colin Firth („Kingsman: The Secret Service“) als Paradebeispiel eines britischen Gentleman, der von Film zu Film an Ausdruck und Charisma gewinnt. Dass Bridget auch nach Jahren nicht von ihm loskommt, ohne es zugeben zu wollen, nimmt man ihr in jeder Sekunde ab und auch, wenn Dempseys Jack weitestgehend ecken- und kantenlos bleibt, so hat er doch zumindest die Ausstrahlung eines erfolgreichen Geschäftsmannes, die auf Frauen ja ebenfalls anziehend wirken soll. Bisweilen ist die dann auch sogar in der Lage, von den vielen Product Placements im Film abzulenken. Aber das ist ein anderes Thema…

Fazit: „Bridget Jones‘ Baby“ ist eine im Vergleich zu den Vorgängern deutlich gereifte Fortsetzung eines RomCom-Phänomens, das mit Humor und Herz punktet, das aber auf darstellerischer Ebene nicht ganz das Niveau der ersten beiden Filme hält. Ob wir die Abwesenheit von Hugh Grant beklagen sollen, wissen wir indes nicht.

„Bridget Jones‘ Baby“ ist ab dem 20. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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