Krampus

Besinnlich Weihnachten feiern, das kann ja jeder. Nur die wenigsten kommen an Heiligabend in den Genuss wildgewordener Spielzeuge und killender Lebkuchenmännchen. Die Familie in der Horrorkomödie KRAMPUS hat dieses unverschämte Glück. Regisseur Michael Dougherty wäre mit mehr Mut zum Absurden ein echtes Kult-Trashfest geglückt. So ist sein Film immerhin ein kurzweiliger Einmal-Spaß für (fast) die ganze Familie.
Krampus

Der Plot

Weihnachten mit der Familie – für den kleinen Max (Emjay Anthony) ist das der pure Horror. Harmonie und Freude? Nicht bei seiner Verwandtschaft – die ewig grantige Tante Dorothy (Conchata Ferrell), die Mutter (Toni Collette), die darüber die Geduld verliert, die fiesen Cousinen und ein Onkel (David Koechner), der alle Probleme mit der Schrotflinte lösen will – darüber kann man nur verzweifeln. In diesem Jahr stellt sich Max allen trotzig entgegen und verliert darüber seinen Glauben an Weihnachten. Unwissend, dass er damit den unbändigen Zorn des Krampus‘ heraufbeschwört. Er und seine düsteren Helfer kommen nicht, um zu geben, sondern um zu nehmen. Was für eine furchteinflößende Bescherung für Max und seine Familie! Statt um Geschenke und Gezänk geht es für sie plötzlich um viel mehr: ums Überleben! Nur gemeinsam, als Familie, die zusammenhält, kann es gelingen, sich aus den Fängen von Krampus zu befreien.

Kritik

Weihnachten – das ist die Zeit der Besinnung, des Friedens und, natürlich, auch der Völlerei und des Exzesses. Das mit den Feiertagen zum Jahresabschluss längst nicht mehr nur Harmonie einhergeht, haben Filme wie „Stirb langsam“, „Kevin allein zuhaus“ und extremer „Silent Night, Deadly Night“ bereits auf ganz unterschiedliche Art und Weise zur Schau gestellt. Auf der Zielgeraden steht allerdings trotzdem immer die Message im Mittelpunkt, dass alles soviel besser wäre, wenn man in der kalten Jahreszeit dann doch ein wenig mehr zusammenrückt als üblich. Zumindest auf dieser Ebene bildet der Horrorfilm „Krampus“ eine wohlige Ausnahme. Hier scheint die familiäre Botschaft nur auf den ersten Blick durch, wird mit der Zeit allerdings so weit in den Hintergrund gerückt, dass sie erst recht im Hinblick auf den Ausgang der Geschichte fast schon zu vernachlässigen ist. Die Drehbuchautoren Todd Casey („Teenage Mutant Ninja Turtles“), Michael Dougherty („Düstere Legenden 3“) und Zach Shields (steuerte den Soundtrack zu „Conjuring“ bei) zeichnen den Heiligen Abend einer Familie nach, wo von Besinnlichkeit keine Rede sein kann und – soviel kann verraten werden – auch nie eine Spur sein wird. Daran können selbst der Krampus, im nordischen Brauchtum der böse Schatten des Weihnachtsmannes, mitsamt seiner Schar an Helferlein nichts ändern.

Krampus

Die Kombination aus Horror- und Weihnachtsfilm kommt im Genre nicht allzu oft vor, obwohl sie aufgrund ihrer kongenialen Gegensätze eigentlich so viel Potenzial für Groteskes bieten würde. Das bewies in den frühen Achtzigerjahren bereits Joe Dante, der mit seinen „Gremlins“ einen bis heute gefeierten Klassiker des (weitgehend harmlosen) Monsterkinos ablieferte. Dass sich Regisseur Michael Dougherty für seinen „Krampus“ einen ähnlichen Kultstatus erhofft, ist bei seiner Wahl der Mini-Bösewichte offensichtlich, denn obwohl besagter Krampus hier als Titelgeber fungiert, muss sich die Protagonistenfamilie die meiste Zeit über mit seinen Handlangern verdingen. Dazu gehören zum Leben erwachte Lebkuchenmännchen (!!) ebenso wie monströse Spielzeugclowns und nicht ganz so kuschelige Teddybären. Wann immer die Krampus-Helfer auf den Schirm treten, entwickelt der Film einen unbändigen Charme aus Trash und Anarchie. Gerade die Lebkuchenmännchen sind trotz (oder geradae wegen?) ihres Bösewichtstatus echte Sympathieträger und erinnern in Sounddesign und ihrem rotzfrechem Auftreten an ebenjene Gremlins. Da ist es auch gar nicht weiter tragisch, wenn das CGI nicht zum Besten an „Krampus“ gehört, denn die visuellen Effekte sind in ihrer Ambivalenz allenfalls Mittelmaß. Das liegt daran, dass sich die Macher nicht ganz einig darüber zu sein scheinen, ob sie nun auf handgemachte, oder auf am Computer entstandene Effekte bauen wollen. Erstere setzen treffend ein Ausrufezeichen hinter den Trashcharakter des Films, während letztere die „gewollt aber nicht gekonnt“-Mentalität der Inszenierung unterstreichen. Spaß macht es die meiste Zeit über allerdings trotzdem.

Das Hauptproblem an „Krampus“ sind allerdings nicht die Effekte, sondern die unausgegorene Inszenierung. Die zu weiten Teilen vorhersehbare Dramaturgie ist da gar nicht das Problem – immerhin ist die Horrorkomödie sichtbar als einmaliger Spaßfilm ohne viel Anspruch an sich und das Publikum angelegt. Raffinnessen im Storytelling würden also im Extremfall gar unnötigen Ballast ergeben, sodass das Hauptaugenmerk im Falle von „Krampus“ auf dem Unterhaltungswert liegt. Hier offenbart sich viel verschenktes Potenzial. In den Hochphasen ist der mit einer FSK 16 ein wenig übervorsichtig bewertete Weihnachts-Horrorfilm von einer verrückten Attitüde geprägt, die sich in (gewollt) dämlichen Dialogen, der Prämisse selbst und einem sich sukzessive steigernden Grad der Verrücktheit entlädt. Wann immer man denkt, die Macher hätten das Optimum an Wahnsinn bereits erreicht, setzt „Krampus“ noch einen drauf. Im direkten Kontrast dazu stehen dann allerdings Momente, in denen das Tempo unpassend gedrosselt wird. Kurzum: „Krampus“ nimmt sich zwischen den Actionexzessen viel zu ernst und versteht sich nicht als Trash-, sondern als ernst zu nehmender Horrorfilm. Dafür ist er allerdings absolut nicht angsteinflößend genug. Zwar ist der vollständige Verzicht auf billige Jumpscares ein angenehmer Ansatz, doch wo sich die Spannung ersatzmäßig über die Atmosphäre aufbauen müsste, fehlt diese einfach völlig. So ist „Krampus“ zwar nicht langweilig, kann sich auf beiden Ebenen – Grusel und Spaß – allerdings nie so sehr von den Konventionen lösen, dass er sich in wenigen Jahren als Kultfilm einen Namen gemacht haben könnte.

Krampus

Am meisten Freude machen dafür das Ensemble respektive die erste halbe Stunde des Films. Wenn der Krampus noch gar keinen Einzug in die Familie erhalten hat, wird das Publikum Zeuge der Querelen innerhalb der Familie, in der jeder jeden hasst und in der das Wort „Harmonie“ noch nicht einmal klein, sondern gar nicht geschrieben wird. An den Streitgesprächen zu Tisch, die an eine subproletarische Variante der „Im August in Osage County“-Family erinnern, kann man sich schon nach wenigen Minuten kaum sattsehen, sodass der meiste Spaß an „Krampus“ tatsächlich über die Besetzung und Charakterzeichnung entsteht. Prollfamilie trifft auf behütetes Glück – simpler aber doch auch unterhaltsamer ließe sich der Inbegriff von Weihnachtsstress nicht darstellen. Die Besetzung ist für einen Genrefilm derweil überraschend hochkarätig. Neben Adam Scott als engagierter Vater („Black Mass“) und Toni Collette („A Long Way Down“), denen man die Hoffnung auf das erneute Zusammenwachsen der eigenen Familie abnimmt, streiten sich David Koechner („Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombieapokalypse“), Conchata Ferrell („Two and a Half Men“) und die – warum auch immer – mit einem sehr stark ausgeprägten, jiddischen Akzent ausgestattete Deutsche Krista Stadler („Der Atem des Himmels“) um die verblüffte Skepsis des Publikums. Überhaupt passt in „Krampus“ am Ende nicht viel zusammen. Doch wenn man mal ehrlich ist: So richtig passt uns Weihnachten doch nie in den Kram, oder?

Fazit: „Krampus“ schreit in Thematik und Ausführung danach, einmal im Jahr am 23. Dezember bei viel Glückwein und im engsten Freundeskreis in ritueller Ausführung geschaut zu werden. Doch die Macher schöpfen das anarchische Potenzial der Vorlage nicht aus und inszenieren in den entscheidenden Momenten mit angezogener Handbremse. So taugt die Horrorkomödie lediglich als einmaliger Spaß. Filme wie „Krampus“ dürfen sich eben einfach zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen…

„Krampus“ ist ab dem 3. Dezember in den deutschen Kinos zu sehen.

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