Oscars 2014: Shortlist „Bester ausländischer Film“

Die dritte Shortlist zur kommenden Oscar-Verleihung wurde veröffentlicht. Nach den besten visuellen Effekten und dem besten Make Up und Hairstyling widmen wir uns heute dem „Besten nicht englischsprachigen Film“. Aus der Vorauswahl von neun Filmen werden schlussendlich fünf Filme um den Oscar kämpfen. Mein Favorit in dieser Konkurrenz steht bereits fest.

Die Vorauswahl:

– The Broken Circle (Belgien)
– Aus dem Leben eines Schrottsammlers (Bosnien & Herzegowina)
– Die Jagd (Dänemark)
– Zwei Leben (Deutschland)
– The Grandmaster (Hong Kong)
– La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Italien)
– The Missing Picture (Kambotscha)
– Omar (Palästina)
– Das große Heft (Ungarn)

Die Nominierten in dieser Kategorie zu prognostizieren, ist angesichts das Tatsache, dass nicht alle Filme hierzulande erschienen sind und so von mir gesichtet werden konnten, relativ schwierig. Ein Blick auf die europäischen Filmfestivals gibt jedoch oft Aufschluss über die Nominierungschancen. So lege ich mich bei der ersten Nominierung auf den belgischen Beitrag THE BROKEN CIRCLE fest. Das Drama, das den Verlust eines Kindes zweier Eltern thematisiert gewann einige Indie-Filmpreise und gehörte dort aufrund seiner sanften Erzählweise immer zu den Publikumslieblingen.

Danis Tanovic, der Regisseur von AUS DEM LEBEN EINES SCHROTTSAMMLERS ist in dieser Kategorie kein Unbekannter. 2002 gewann der Bosnier mit „No Man’s Land“ schon einmal einen Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film. Für einen Regiedebütanten ein beachtlicher Erfolg. Nach einigen weiteren kleinen Produktionen überzeugte der Filmemacher mit seinem neusten Werk wieder einmal die Kritiker, gewann bei der Berlinale 2013 den Großen Preis der Jury sowie den Preis für den Besten Hauptdarsteller (Nazif Mujic). Die Academy scheint den Regisseur zu mögen. Sollte sie von der herben Ästhetik des Filmes nicht allzu abgeschreckt sein, ist die dramatische Milieustudie ein heißer Anwärter auf Tanovics zweiten Oscar.

Das Drama von Thomas Vinterberg ist mit seiner niederschmetternden Thematik einer der bedrückendsten Filmbeiträge des Jahres. Gleichzeitig liefert Mads Mikkelsen in DIE JAGD die wohl beste Leistung eines männlichen Darstellers 2013 ab. Ohne viel Effekthascherei schildert der Film, wie das Leben eines unschuldig der Pädophilie beschuldigten Mannes um ihn herum zusammenbricht. Die moralischen Mechanismen die hinter einem solchen Ereignis greifen, sind dabei nur ein Teil eines in sich solch runden Films, dass er im Drama-Genre nah an der Perfektion kratzt. Dazu die fiebrige Bildsprache, die den bodenständigen Look immer wieder symbolisch durchbricht und großartige Darstellerleistungen machen diesen Film zu meinem Favoriten in dieser Kategorie.

Italien: La Grande Bellezza

Und plötzlich war er da: Paolo Sorrentinos Tragikomödie LA GRANDE BELLEZZA wurde bereits Anfang des Jahres auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt, festigte seine Stellung als heißer Oscar-Anwärter jedoch erst im Laufe sämtlicher europäischer Filmfestivals des vergangenen Jahres. Anfang Dezember heimste der Film, der von einem oberflächlichen Lebemann erzählt, der am Tage seines Geburtstages beschließt, sein Leben in eine andere Richtung zu lenken, beim Europäischen Filmpreis sämtliche wichtigen Auszeichnungen ein. Darunter auch die Preise für die Beste Regie und den Besten Film.

Als letzten potentiellen Anwärter tippe ich verhältnismäßig blind auf DAS GROßE HEFT vom ungarischen Regisseur János Szász. Die Romanverfilmung eines Mitte der Achtziger verfassten Romans, der das Leben zwei auf sich allein gestellter, im Krieg aufwachsenden Brüder thematisiert, gewann in diesem Jahr den Sonderpreis beim Internationalen Filmfestival Karlovy Vary. In der Vergangenheit war dieser Preis zwar weniger als Oscar-Indikator bekannt, der hervorragende Ruf bei den internationalen Kritikern, die dem Film vor allem die vielen Interpretationsmöglichkeiten zugute hielten, lässt für mich jedoch den Schluss zu, dass zumindest eine Nominierung drin sein könnte.

Die Wermutstropfen:

Bereits kurz nach der Bekanntgabe des deutschen Beitrags äußerte ich meinen Unmut darüber, dass die Wahl auf ZWEI LEBEN fiel. Ein Drama, das sich sowohl die NS-Zeit als auch die DDR zum Hauptthema macht. Einfacher hätte es sich Deutschland nicht machen können und gibt sich mit dieser Wahl automatisch der Lächerlichkeit preis. Da spielt es kaum mehr eine Rolle, dass der Film von Georg Maas und Judith Kaufmann qualitativ kein schlechter ist. Mutig ist jedoch etwas anderes. Und so bedauere ich es, dass die Academy wohl nie in den Genuss von OH BOY kommen wird. Gleiches gilt für FREIER FALL und TORE TANZT.