The Purge – Die Säuberung

Herrlich gegen den Strich besetzt ist dabei vor allem Max Burkholder („Parenthood“), der schon dem optischen Anschein nach einen Teenie verkörpert, der so gar nicht dem Bild entspricht, das jugendliche Schauspieler sonst abgeben. Sein Charly ist schlicht ein ganz normaler Typ, der weder in eine nerdige Richtung abdriftet, noch in die eines Langweilers oder gar Außenseiters. Das krasse Gegenteil dazu bildet Adelaide Kane („Cannibal Rising“), der man das Bild der oberflächlichen Göre hervorragend abkauft und der während des Films der bedeutungsloseste Part zukommt. Ethan Hawke („Der Club der toten Dichter“) kann mit seiner Verkörperung des sorgenden aber nicht minder knallharten James nicht annähernd an seine intensive Leistung im letztjährigen Horrorschocker „Sinister“ anknüpfen. Zudem kommt ein Großteil der Spannung durch die unterirdische Synchronisation abhanden. Stellvertretend für diese stehen unter anderem Sätze wie „Wollen ist unser Wille.“

Nach der Einführung der Familie folgt zügig die Zuspitzung der Szenerie. Der dunkelhäutige Fremde, dessen Gesinnung sich nicht auf Anhieb erschließt, wird ins Haus gelassen und schließlich stehen die Eindringlinge vor der Tür. Während der Fremde insgesamt nur wenige Minuten zu sehen ist und für den Film somit weniger relevant ist, als es die Beschreibung oder Trailer vermuten lassen, werden in der zweiten Filmhälfte die maskierten Unbekannten zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Wem schon der Anblick von Masken Unbehagen bereitet, für den werden sämtliche Passagen, die die Eindringlinge zeigen, ein wahres Grauen sein. In den Momenten, in denen die Kamera einfach nur beobachtet, wie die Antagonisten Reaktionen abwarten, in die Überwachungskamera blicken oder im Garten schaukeln, gelang den Machern – allen voran Kameramann Jacques Jouffret, der demnächst auch für Hochglanzbilder in „Pain & Gain“ sorgen darf – mit winzigen Mitteln das Erzeugen von atemberaubender Spannung. Ohne Musik oder Effekthascherei ist es lediglich der Touch des Realen (viele der Aufnahmen machen den Eindruck, als kämen sie direkt aus einer Überwachungskamera), der hier für Gänsehaut sorgt.

Vor allem die Bösewichter sind es letztendlich auch, dank derer sich die finale Verfolgungsjagd im Haus nicht allzu langweilig und unoriginell gestaltet. Die wenigen, aber durchaus effektiven und vorab nicht unbedingt zu erahnenden Schocks sitzen und machen sich die schaurige Präsenz der Eindringlinge gänzlich zunutze, ähnlich des 2009 in den Kinos veröffentlichten Horrorkammerspiels „The Strangers“. Wenn die Hetzjagd ihren Höhepunkt erreicht, wird es sogar noch einmal ordentlich blutig, was es jedoch nicht unbedingt gebraucht hätte. Weniger wäre hier mehr gewesen, erstrecht wenn die Darstellung einer dieser Szenen regelrecht an Folter erinnert, was die Konsequenz und Ausweglosigkeit der Situation zwar unterstreicht, jedoch so gar nicht zum restlichen Tonfall des Films passt. Stichwort: Brieföffner.

Doch wo ist bei all dem soliden Grusel nun die politische Parabel? Viel zu oft tönt es aus dem Off und seitens einiger Haupt- und Nebenfiguren, wie wichtig die Säuberung vor allem für das amerikanische Volk ist. Immer wieder ist von den neuen Gründervätern die Rede, die die „Purge“ einst ins Leben riefen und von ihren Befürwortern regelrecht angebetet werden. Dieser Umstand könnte ohne weiteres als der ausschlaggebende Grund für das Ausgangsszenario dienen. Da jedoch keine stille Minute ungenutzt bleibt, um nicht zu erwähnen, welcher Sinn und Zweck hinter der Reinigung steht, verkommt diese Art der Begründung zur inflationären „God Bless America“-Kampagne, da auch nicht davor zurückgeschreckt wird, exakt diesen Satz mehrmals, mit stolz geschwellter Brust in die Kamera zu sagen.

Nun liegt es am kritischen Publikum, derartige Szenerien zu bewerten. Während die einen in dem Film eine pure Patriotismus-Show sehen werden, könnten die anderen das exakte Gegenteil aus der Aufmachung lesen und in dem Streifen eine zynische, vielleicht etwas zu grelle Satire sehen. Und der Rest lässt sich von all den politischen Anzüglichkeiten gar nicht erst beeinflussen und betrachtet „The Purge – Die Säuberung“ als das, was er auf jeden Fall ist: Ein spannender Thriller mit Horroranleihen, in teilweise herausragenden Bildern und umgeben von einer Atmosphäre, die zwar schwer in Gang kommt, in ihren Hochphasen den Puls jedoch ordentlich in die Höhe treibt und in ihrer Konsequenz schockiert.

„The Purge“ ist ab dem 13. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de