Meine Lieblinge: Horror (1)

15 / DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY

UK 2009 | Regie: Oliver Parker | Darsteller: Ben Barnes, Collin Firth, John Hollingworth, Cato Sandford, Ben Chaplin, Pip Torrens, Fiona Shaw | Trailer

Ob sich die 2009 erschienene Verfilmung des Oscar Wilde-Romans „Das Bildnis des Dorian Gray“ wirklich ausschließlich ins Horror-Genre einordnen lässt, ist fraglich. Denn unter Anderem kombiniert Regisseur Oliver Parker („Fade to Black“) die horrenden Elemente der Geschichte mit einer hochdramatischen Komponente, lässt Elemente des Kostümfilms einfließen und packt einen guten Schuss Erotik hinzu. Die Gothik-artige Ästhetik, die mystische Atmosphäre, die die Produktion ausstrahlt und die Provokation, das Publikum durch eine derartige Ausrichtung in permanente Anspannung zu versetzen, führen jedoch eindeutig zu einem bodenständigen Gruselcharme, dessen Anziehungskraft von einer bedächtigen Erzählweise ausgeht. Dadurch wirken die rar gesäten Schocks jedoch umso besser.

Vor allem bei der Darstellerwahl gelang mit dem damals noch weitestgehend unbeschriebenen Blatt Ben Barnes („Der Dieb der Worte“) ein Glücksgriff. Seine blasse, jugendliche Erscheinung, die sich immer weiter den Sünden der feinen Gesellschaft hingibt und schließlich seine Seele für die Schönheit verkauft, könnte kaum besser besetzt sein. Im Zusammenspiel mit den Nebenfiguren, allen voran Collin Firth („The King’s Speech“), behält Barnes stets seine geheimnisvolle Anmut bei, sodass sich der Grusel vor allem aus der Undurchsichtigkeit der Hauptfigur entwickelt. Erst im Finale zeigt sich der Horror schließlich auch noch von seiner drastischeren Seite. Da man hier jedoch nicht in eine ganz andere Gangart fiel, harmoniert das Schlussbild mit dem Rest des Films. Eine ausführliche Besprechung findet ihr zudem hier: *klick*

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14 / WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN

UK/IT 1973 | Regie: Nicolas Roeg | Darsteller: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serato, Renato Scarpa, Giorgio Trestini | Trailer

Wie schon auf Platz Nummer 15 fällt auch die Einordnung von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ – im Original übrigens simpel „Don’t Look Now“ – in das Horrorgenre als ausschließliches schwer. Der Film von 1973 beginnt als ruhiges Drama, das harten Tobak präsentiert. Das Paar Laura und John Baxter, das mit einer Mischung aus Leidenschaft und Melancholie herausragend von Julie Christie („Doktor Schiwago“) und Donald Sutherland („M.A.S.H.“) verkörpert wird, verliert durch einen dramatischen Unfall seine Tochter. Das Mädchen ertrank, gekleidet in einen knallroten Regenmantel, im See und konnte nicht mehr rechtzeitig von seinen Eltern gerettet werden. Ab diesem Zeitpunkt dominieren sowohl die Farbe rot, als auch das Element Wasser die Szenerie. Kein Wunder also, dass das vom Schicksal gezeichnete Paar ausgerechnet in Venedig versucht, mit der Trauer umzugehen. Hier trifft Laura auf zwei alte Damen, die behaupten, mit ihrer Tochter in Kontakt zu stehen. Immer mehr lässt sich die trauernde Mutter auf die Erzählungen der beiden Frauen ein, bis plötzlich Unfälle passieren, John an Wahnvorstellungen leidet und es scheint, als würden beide vom Geist ihrer toten Tochter verfolgt…

„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ gehört eher zur Kategorie des psychologischen Horrors und verzichtet gänzlich auf billig erhaschte Schockeffekte sowie auf das Zeigen drastischer Gewalt. Vielmehr wird der Film zu einem verworrenen Konstrukt aus Wahrheit und Wahn. Gleichzeitig bemüht sich Regisseur Nicolas Roeg, die Story stets bodenständig zu halten, um den Horror damit greifbarer zu machen. Der Film wirkt nie abgehoben, lässt außerordentlich viel Freiraum für Interpretationen und das Auflösen und Aufwerfen neuer Fragen hält sich die Waage. Seinen dramatischen Höhepunkt findet „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ im buchstäblich letzten Moment, wenn alles zuvor Gesehene wie ein Kartenhaus zusammenfällt und den Zuschauer damit an den Rand des logischen Verständnisses führt. Zusammen mit Aufnahmen von Venedig, die nicht unbehaglicher hätten ausfallen können, langen, nervenzehrenden Kamerafahrten und der angsteinflößenden Präsenz der beiden alten Damen wird der Film zu einem ästhetischen, mit Bildern, Farben und Symbolen spielenden Juwel des 70er-Jahre-Horrorfilms.

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13 / ORPHAN – DAS WAISENKIND

USA/CA/D/FR 2009 | Regie: Jaume Collet-Serra | Darsteller: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Isabelle Fuhrman, CCH Pounder, Jimmy Bennett, Margo Martindale, Karel Roden | Trailer

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Horrorgenre. Dieses besagt: Wann immer ein Kind auftaucht, hat der Erwachsene im Film ein Problem. Und die in „Orphan – Das Waisenkind“ haben ein sehr großes. Die Story erzählt von Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard), die nach einer erlittenen Fehlgeburt planen, ein Kind zu adoptieren. In einem Waisenhaus treffen sie auf Esther (Isabelle Fuhrman), die auf Anhieb einen Draht zu John entwickelt. Das Paar nimmt das extrem reife und intelligente Mädchen bei sich auf und alles scheint idyllisch, bis Esther anfängt, Kate und John gegeneinander auszuspielen und ihre Adoptivgeschwister zu bedrohen. Viel zu spät begreift die Familie, welche Gefahr von ihrem neusten Mitglied ausgeht.

„Orphan“ gehört mit Sicherheit nicht zu den Filmen, die sich ihre Spannung aus der Originalität in der Inszenierung  ziehen. Vielmehr ist es das in ein sehr starkes Finale mündende Drehbuch, das dem Zuschauer erst das Gefühl gibt, einen äußerst konventionell geratenen „Spooky Child“-Horrorfilm zu sehen, nur um die ganze Szenerie in einem phänomenalen Endtwist aufzulösen. Sicherlich sind die vorab dargebotenen Schocks, zumeist angekündigt durch den anschwellenden Score, nicht neu. Jedoch schafft es Regisseur Jaume Collet-Serra („House of Wax“) gekonnt, Atmosphäre aufzubauen. Somit ist „Orphan – Das Waisenkind“ eben doch ein sehr starker Schocker, der einerseits nach den üblichen Grundsätzen funktioniert, andererseits durch seine Wendung und die Auflösung für etwas sorgt, das es im Film heutzutage viel zu selten gibt: eine gehörige Portion Überraschung.

Dieser Film könnte dir gefallen, wenn du SINISTER oder DAS OMEN mochtest.

 

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