How to Make a Killing – Todsicheres Erbe

Ein Plan, sieben Morde und ein Lächeln, das alles verzeihen lässt: HOW TO MAKE A KILLING – TODSICHERES ERBE verwandelt die bitterböse Vorlage von „Adel verpflichtet“ in ein modernes Starvehikel, das ebenso charmant wie skrupellos daherkommt. Doch wie viel Biss bleibt übrig, wenn der Killer vor allem eines ist: verdammt sympathisch?

OT: How to Make a Killing (UK/FR 2026)

Darum geht’s

Becket Redfellow (Glen Powell) vereint Humor, Eleganz, Intelligenz und eine umwerfende Ausstrahlung. Was ihm jedoch bis heute fehlt, ist das gewaltige Vermögen, das ihm seiner Ansicht nach von Geburt an zusteht. Seine Mutter Mary (Nell Williams), einst Teil der mächtigen Redfellow-Dynastie, wurde von ihrer Familie verstoßen, als Becket zur Welt kam, und verstarb später in bitterer Armut. Getrieben von Ehrgeiz und dem Gefühl, um sein Erbe betrogen worden zu sein, fasst Becket den Entschluss, sich zurückzuholen, was ihm seiner Meinung nach zusteht. Er schmiedet einen ausgeklügelten, tödlichen Plan, um die sieben Familienmitglieder zu beseitigen, die ihm im Weg stehen. Während die Verwandten nacheinander durch scheinbar tragische, aber raffiniert inszenierte Unglücke ums Leben kommen, gerät Becket zunehmend unter Druck: Er muss seine Beziehung zu seiner neuen Partnerin Ruth (Jessica Henwick) aufrechterhalten und sich zugleich den verführerischen Annäherungsversuchen seiner ehemaligen Jugendliebe Julia (Margaret Qualley) stellen.

Kritik

Mit „Adel verpflichtet“ gelang Robert Hamer 1949 eine der bissigsten Gesellschaftssatiren des britischen Kinos. Der Film, in dem Alec Guinness gleich acht (!) Mitglieder einer dekadenten Adelsfamilie verkörpert, avancierte nicht nur zum Publikumserfolg, sondern genießt bis heute einen nahezu kanonischen Ruf als präzise, schwarzhumorige Abrechnung mit Klassenbewusstsein und sozialem Aufstieg um jeden Preis. Dass sich ein moderner Film wie „How to Make a Killing“ dieser Vorlage nun lose annimmt, überrascht daher weniger inhaltlich als vielmehr zeitdiagnostisch: Die Idee, sich skrupellos durch ein System nach oben zu arbeiten, hat nichts von ihrer Relevanz eingebüßt. Im Gegenteil. In einer Gegenwart, die Erfolg oft über Moral stellt, wirkt sie fast noch anschlussfähiger. Und doch drängt sich die Frage auf, warum es ausgerechnet jetzt ein solches Remake braucht. Die Antwort scheint weniger im Stoff selbst zu liegen als in seiner Besetzung: Mit Glen Powell („The Running Man“) in der Hauptrolle entsteht unweigerlich der Eindruck, dass dieses Projekt vor allem existiert, um einem der derzeit gefragtesten Stars Hollywoods eine weitere maßgeschneiderte Bühne zu bieten.

Beckets Verlobte Ruth (Jessica Henwick) ahnt noch nichts vom Doppelleben ihres Zukünftigen…

Dass „How to Make a Killing“ letztlich so sehr um Glen Powell kreist, ist dabei Fluch und Segen zugleich. Von der ersten Minute an wird klar, dass diese Rolle ihm nicht nur liegt, sondern regelrecht auf ihn zugeschnitten wurde. Trotzdem überrascht der Auftakt mit einer für das Genre ungewöhnlich düsteren Setzung: Powells Figur sitzt im Todestrakt und wartet auf seine Hinrichtung. Ein bemerkenswert böser Einstieg für einen Film, der sich im weiteren Verlauf als Komödie entfaltet. Doch genau hier zeigt sich Powells besondere Qualität. Es gelingt ihm wie kaum einem anderen aktuellen Hollywood-Star, selbst einem Serienmörder mit seinem feisten, stets leicht verschmitzten Lächeln eine beinahe entwaffnende Sympathie abzuringen. Diese Gratwanderung zwischen Charme und Abgründigkeit trägt den Film über weite Strecken, bleibt dabei aber nicht frei von Einschränkungen. Zwar deutet der für Drehbuch und Regie gleichermaßen verantwortliche John Patton Ford immer wieder an, dass in dieser Figur deutlich mehr moralische Ambivalenz schlummern könnte, doch Powells Spiel entscheidet sich meist für die leichtere, zugänglichere Variante. Das Ergebnis ist eine Figur, die zwar durchweg unterhaltsam bleibt, deren potenzielle Fallhöhe jedoch nie ganz ausgeschöpft wird.

„Gerade im Vergleich zur Vorlage fehlt es an jener bitteren Konsequenz, die den sozialen Aufstieg mit echtem Unbehagen auflädt. Dass die meisten Mitglieder seiner Familie als karikatureske Idioten oder unsympathische Ekel gezeichnet sind, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.“

Gerade im Vergleich zur Vorlage fehlt es an jener bitteren Konsequenz, die den sozialen Aufstieg mit echtem Unbehagen auflädt. Dass die meisten Mitglieder seiner Familie als karikatureske Idioten oder unsympathische Ekel gezeichnet sind, verstärkt diesen Effekt zusätzlich: Wo das Umfeld kaum Widerstand bietet, verliert auch der moralische Konflikt an Schärfe. Und so bleibt am Ende vor allem eines hängen: Glen Powell, der mit müheloser Präsenz und enormem Charme selbst die dunkelsten Taten noch mit einem Augenzwinkern versieht und damit einen Film dominiert, der sich vielleicht ein wenig zu bereitwillig von genau diesem Charme einlullen lässt. Einen spannenden Kontrapunkt setzt dafür Margaret Qualley („The Substance“), deren Figur in ihrer zwielichtigen Anlage deutlich näher an jene düsteren Abgründe heranreicht, die der Film insgesamt nur streift, und die mit feiner Ambivalenz genau jene Reibung ins Spiel bringt, die Powells allzu souveräne Interpretation gelegentlich vermissen lässt.

Beckets Onkel Warren Redfellow (Bill Camp) steht auch auf seiner Todesliste.

Bei aller inhaltlichen Zurückhaltung entfaltet „How to Make a Killing“ jedoch gerade aus seiner Struktur heraus einen beachtlichen Unterhaltungswert. Der Film ist klug als eine Art episodische Eskalation angelegt: Die Hauptfigur arbeitet sich – ganz in der Tradition von „Adel verpflichtet“ – systematisch an den einzelnen Mitgliedern ihrer Familie ab und entwirft immer neue Szenarien, um sie aus dem Weg zu räumen. Was zunächst noch wie eine Verkettung unglücklicher Zufälle erscheint, entwickelt sich nach und nach zu einem bewusst gesteuerten Vorgehen. Gerade dieses langsame Kippen vom „Es ist einfach passiert“ hin zum kalkulierten Handeln sorgt für eine reizvolle Dynamik. Dass das Ganze dennoch nie in kalte Berechnung umschlägt, liegt einmal mehr an Glen Powell. Selbst wenn seine Figur zunehmend gezielter vorgeht, haftet ihr stets etwas leicht Tollpatschiges an. Ein Eindruck, den der Schauspieler mit feinem Gespür kultiviert. Seine Morde wirken weniger wie das Werk eines abgeklärten Strategen als vielmehr wie die improvisierten Lösungen eines Mannes, der sich immer wieder ein Stück weit selbst überrascht. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Films: Die Figur erfüllt zu keinem Zeitpunkt das klassische Bild des skrupellosen Killers. Sie hadert, zögert, zeigt sehr wohl Skrupel und bleibt dadurch trotz ihrer Taten auf paradoxe Weise zugänglich. Diese Ambivalenz mag nicht bis in die letzten Konsequenzen durchgespielt werden, trägt aber entscheidend dazu bei, dass „How to Make a Killing“ über weite Strecken ebenso kurzweilig wie unterhaltsam bleibt.

„Dass das Ganze dennoch nie in kalte Berechnung umschlägt, liegt einmal mehr an Glen Powell. Selbst wenn seine Figur zunehmend gezielter vorgeht, haftet ihr stets etwas leicht Tollpatschiges an. Ein Eindruck, den der Schauspieler mit feinem Gespür kultiviert.“

Im letzten Drittel beginnt „How to Make a Killing“ dann allerdings ein wenig zu zerfasern. Der bis dahin so klar strukturierte Mordreigen tritt zunehmend in den Hintergrund, während sich der Film stärker dem Schicksal seiner Hauptfigur widmet. Das ist eine Entwicklung, die zwar naheliegend ist, schließlich schwingt die Frage nach den Konsequenzen von Beginn an mit. Sie erreicht aber nicht ganz die erzählerische Präzision der vorherigen Passagen. Plötzlich geht es weniger um das raffinierte „Wie“ der Taten als um das „Was nun?“ danach. Genau in dieser Verschiebung verliert der Film spürbar an Fokus. Umso bemerkenswerter ist es, dass das Finale dennoch einen herrlich bösen Schlusspunkt setzt, der tonal wieder näher an die ursprüngliche Idee des Films heranrückt. Und doch bleibt ein leicht unbefriedigendes Gefühl zurück: Die Morde selbst – in ihrer kreativen Zuspitzung und makabren Verspieltheit – sind schlichtweg spannender als das, was danach mit ihnen passiert.

Was für Pläne verfolgt Beckets alte Jugendliebe Julia (Margaret Qualley)?

Fazit: „How to Make a Killing“ erweist als ebenso unterhaltsame wie unausgeschöpfte Neuinterpretation eines Klassikers, die sich stärker auf den Charme ihres Stars als auf die Schärfe ihrer Vorlage verlässt. Glen Powell trägt den Film mit großer Leichtigkeit, nimmt ihm damit jedoch zugleich jene bitterböse Konsequenz, die „Adel verpflichtet“ einst so nachhaltig machte. So bleibt ein vergnüglicher, stellenweise bissiger, letztlich aber zu vorsichtiger Beitrag zur Tradition der schwarzen Komödie, der mehr gefallen als wirklich herausfordern will.

„How to Make a Killing“ ist ab dem 9. April 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

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