They Will Kill You

Ein Hotel, in dem der Tod keine Endstation ist, sondern nur der Startschuss für die nächste Eskalationsstufe: THEY WILL KILL YOU macht aus der klassischen Menschenjagd ein blutiges, aber äußerst leichtfüßiges Spektakel, das jede Grenze mit sichtlicher Freude einreißt.

OT: They Will Kill You (USA/ZAF 2026)

Darum geht’s

Asia (Zazie Beetz), eine junge Frau mit schwieriger Vergangenheit, sucht nach einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt dringend Arbeit. Dabei stößt sie auf ein Angebot als Haushaltshilfe in einem merkwürdigen Apartmentkomplex in New York namens „Virgil“. Anfangs wirkt die Stelle wie eine gute Gelegenheit, sich wieder ein neues Leben aufzubauen.  Doch schon in der ersten Nacht wird ihr klar, dass in diesem Gebäude etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. In der Vergangenheit sind dort immer wieder Menschen spurlos verschwunden. Und die Bewohner sowie Angestellten des Hauses, allen voran die zwielichtige Hotelleiterin (Patricia Arquette) scheinen etwas damit zu tun zu haben. Schon bald befindet sich Asia in einem ausufernden Katz-und-Maus-Spiel, denn die „They Will Kill You“-Nachricht an ihrem Badezimmerspiegel hat sie schlicht übersehen…

Kritik

Schon John Cusack bemerkte 2007 in der Stephen-King-Verfilmung „Zimmer 1408“, dass „Hotelzimmer von Natur aus unheimlich“ seien. Eine Feststellung, die sich weniger wie eine pointierte Dialogzeile als wie eine Art Grundgesetz des Genrefilms liest. Hotels sind seit jeher Zufluchtsorte auf Zeit. Sie sind anonym, austauschbar und durchzogen von Geschichten, die nicht die eigenen sind. Jede:r der/die hier eincheckt, bringt Vergangenheit mit und lässt folglich auch Spuren seiner selbst zurück. Gerade im Horror- und Thrillerkino wird dieser flüchtige Charakter immer wieder zum Nährboden für das Unheimliche. Ob als abgeschlossener Mikrokosmos wie in „The Shining“, als Ort der Entgrenzung von Realität und Wahn in „Barton Fink“ oder schlicht als Bühne für Gewalt, die hinter verschlossenen Türen stattfindet wie in der „John Wick“-Reihe: Hotels funktionieren hier wie Projektionsflächen für Schuld, Paranoia oder das Gefühl, beobachtet zu werden. Die sterile Gleichförmigkeit der Zimmer, die endlosen Flure, das ständige Kommen und Gehen: All das erzeugt eine latente Unsicherheit, die sich nur allzu leicht ins Bedrohliche kippen lässt. Gerade im Genrekino wird dieser Ort deshalb immer wieder neu aufgeladen. So auch in der Splattercomedy „They Will Kill You“, die das Manhunt-Kino mit Brachialaction und Slapstickhumor kombiniert.

Asia (Zazie Beetz) hat viele Jahre im Knast verbracht…

Auf dem Papier wirkt diese Kombination zunächst wie ein Widerspruch. Das Manhunt-Kino ist schließlich traditionell eher von einer düsteren, oft geradezu nihilistischen Grundstimmung geprägt, die von Ausweglosigkeit, roher Gewalt und der permanenten Gewissheit lebt, dass es hier kein Entrinnen gibt. Humor, zumal in seiner slapstickhaften Ausprägung, scheint da zunächst fehl am Platz. Umso erstaunlicher ist es, wie „They Will Kill You“ genau aus dieser Reibung seine Energie bezieht. Denn anstatt den Tonfall einfach nur aufzulockern, verschiebt der Film die Gewichte spürbar: Die Jagd wird hier nicht zu einem beklemmenden Katz-und-Maus-Spiel, sondern zu einem zunehmend ausufernden Spektakel, das sich immer wieder neue Wege sucht, seine eigene Prämisse zu variieren. Dass dabei vieles überzeichnet, mitunter bewusst albern wirkt, ist kein Bruch, sondern Teil des Konzepts. Denn die Grundidee lautet: Die im Hotel agierenden Figuren – allesamt Teil der tödlichen Jagd auf die Protagonistin – sind durch einen Pakt mit dem Teufel unsterblich. Eine Feststellung, die dem Geschehen nicht nur eine übernatürliche Dimension verleiht, sondern zugleich den Grundstein für eine Eskalation legt, die sich an keinerlei Regeln mehr halten muss.

„Man nehme die diebische Freude, mit der die Kreativen hinter der ‚Saw‘-Reihe einst immer neue, zunehmend absurdere Foltervariationen ersonnen haben, und übertrage diese Lust an der Eskalation auf das Feld der Splatter-Action. Der Unterschied: Wo dort Nihilismus und Schmerz die Grenze markieren, kennt ‚They Will Kill You‘ schlicht keine mehr.“

Man stelle sich vor, die Hauptfigur hat gerade sämtliche ihrer Gegner ausgeschaltet. Hat sie zu Brei geschossen, geköpft oder anderweitig endgültig aus dem Verkehr gezogen. Und plötzlich stehen genau diese vermeintlich Dezimierten wieder auf der Matte. Nur diesmal eben mit dem Kopf unterm Arm oder direkt ganz ohne Extremitäten. Kurz darauf wächst alles wieder an die richtige Stelle – und das tödliche Spiel beginnt von vorn. Mit diesem ersten von zahlreichen WTF-Momenten steckt „They Will Kill You“ seine absurde Ausgangslage ab. Und man kann sich lebhaft ausmalen, welche Möglichkeiten sich den Drehbuchautoren Kirill Sokolov („Why Don’t You Just Die!“) und Alex Litvak („Die drei Musketiere“) dadurch eröffnen. Kurzum: Man nehme die diebische Freude, mit der die Kreativen hinter der „Saw“-Reihe einst immer neue, zunehmend absurdere Foltervariationen ersonnen haben, und übertrage diese Lust an der Eskalation auf das Feld der Splatter-Action. Der Unterschied: Wo dort Nihilismus und Schmerz die Grenze markieren, kennt „They Will Kill You“ schlicht keine mehr. Jeder vermeintliche Höhepunkt ist hier nur der Auftakt zur nächsten, noch groteskeren Idee. Das Ergebnis ist ein Film, der seine eigene Prämisse mit wachsender Begeisterung immer weiter überdreht, bis das Geschehen endgültig jede Form von physischer Logik hinter sich lässt und sich ganz dem anarchischen Spieltrieb seiner Macher hingibt.

…und hatte genügend Zeit, sich auf jede Art von Gegner vorzubereiten.

Doch so exzessiv „They Will Kill You“ seine Prämisse auch ausreizt, so bemerkenswert ist der Umgang mit seiner Gewalt. Die ist ohne Frage derbe, mitunter hemmungslos ausufernd. Und doch wirkt das alles selten wirklich schmerzhaft. Stattdessen setzt der Film auf eine comichafte Überhöhung, die das Gezeigte bewusst von jeder realen Konsequenz entkoppelt. Wenn hier jemand erschossen wird und meterweit durch den Raum segelt, dann hat das weniger mit Brutalität als mit kinetischer Überzeichnung zu tun. Ein Effekt, der die Gewalt eher als Spektakel denn als Zumutung lesbar macht. Das erklärt auch, warum „They Will Kill You“ trotz seines offensichtlichen Blutdursts mit einer vergleichsweise milden FSK-Freigabe ab 16 davonkommt. Man kann sich diesem Film mit gutem Gewissen hingeben, weil er nie darauf abzielt, sein Publikum zu quälen. Im Gegenteil: Er will unterhalten – und zwar im besten Sinne des Wortes. Dazu passt auch das extrem hohe Tempo, das der Regisseur Kirill Sokolov hier anschlägt. In den rund 90 Minuten gibt es praktisch keinen Leerlauf. Die wenigen, stärker handlungsgetriebenen oder ruhigeren Momente sind präzise gesetzt und ebenso schnell wieder vorbei, wie sie begonnen haben. Lange genug, um die nächste Eskalationsstufe vorzubereiten, aber nie so ausgedehnt, dass sie den Fluss bremsen würden.

„Man kann sich diesem Film mit gutem Gewissen hingeben, weil er nie darauf abzielt, sein Publikum zu quälen. Im Gegenteil: Er will unterhalten – und zwar im besten Sinne des Wortes.“

Im Zentrum dieses Spektakels steht mit Zazie Beetz’ („Joker“) Figur so etwas wie das ultimative Final Girl. Eine, an der sich das Geschehen abarbeitet und mit der der Film steht und fällt. Denn was ihr an klassischer Charaktertiefe fehlt, gleicht „They Will Kill You“ mit physischer Präsenz und schierer Zähigkeit aus. Ihre Kampffähigkeiten, vor allem aber ihre stoische Leidensfähigkeit machen sie zur idealen Projektionsfläche für diesen Höllenritt. Dass ihre Motivation – die Rettung ihrer Schwester – dabei zweckdienlich bleibt, fällt kaum ins Gewicht. Genau genommen hätte es diesen emotionalen Anker gar nicht zwingend gebraucht. Und doch liefert der Film mit einer kurzen, bewusst knapp gehaltenen Rückblende genug Kontext, um ihre Unbeugsamkeit zumindest anzudeuten. Überhaupt arbeitet „They Will Kill You“ immer wieder mit solchen kapitelartig aufgebauten Rückblenden, die nach und nach ein größeres Bild freilegen. Ein narratives Gerüst, das dem Chaos Struktur verleihen soll. Wirklich entscheidend ist das alles allerdings nicht. Denn am Ende geht es hier weniger um Figurenzeichnung oder dramaturgische Raffinesse als um reinen Eskapismus. Um das befreiende Gefühl, wenn jede Grenze fällt und nur noch die nächste absurde Idee zählt. Und vielleicht auch um die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob der Teufel im Kino jemals cooler inszeniert wurde als hier: in Form eines „Pig on a Stick“.

Die Hotelleiterin (Patricia Arquette) und ihre Gefolgschaft.

Fazit: „They Will Kill You“ ist ein hemmungslos überdrehtes Genrestück, das seine eigentlich widersprüchliche Mischung aus Manhunt-Thriller und Slapstick-Splatter nicht nur zusammenführt, sondern daraus eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Dank seiner anarchischen Lust an Eskalation, der comichaften Gewalt und eines Tempos, das kaum Zeit zum Durchatmen lässt, wird der Film zu einem durchgehend kurzweiligen Spektakel, das sich bewusst jeder konventionellen Logik entzieht.

„They Will Kill You“ ist ab dem 26. März 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

One comment

  • Der Trailer hat mich sofort gepackt, danach nie wieder angeschaut. Morgen geht es rein. Ich hab richtig Bock!

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