Greenland 2
Was kommt nach dem Weltuntergang, wenn der letzte Einschlag längst Geschichte ist und das Überleben erst richtig beginnt? GREENLAND 2 wagt keinen lauten Neustart, sondern richtet den Blick auf die leisen, beklemmenden Konsequenzen einer zerstörten Welt. Ein Katastrophen-Sequel, das weniger an der Apokalypse interessiert ist als an dem, was sie aus den Menschen macht.
Darum geht’s
Fünf Jahre nach einem verheerenden Kometeneinschlag, bei dem 75% der Erdoberfläche zerstört wurden, lebt die Menschheit in einer von Asche, Kälte und Ressourcenknappheit geprägten Welt, in der das Überleben nur durch strikte Organisation und Zusammenhalt möglich ist. Die verbliebenen Gemeinschaften haben sich in geschützte Zonen oder Bunker zurückgezogen. Doch gesellschaftliche Spannungen und anhaltende Naturkatastrophen bedrohen den fragilen Frieden. Als Hinweise darauf auftauchen, dass bestimmte Regionen der Erde wieder bewohnbar werden könnten, begibt sich der ehemalige Bauingenieur John Garrity (Gerard Butler) gemeinsam mit seiner Frau Allison (Morena Baccarin) und ihrem gemeinsamen Teenager-Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) auf eine gefährliche Reise in eine neue Zukunft. Doch vor allem bei John haben diese gefährlichen Zeiten ihre gesundheitlichen Spuren hinterlassen…
Kritik
Je nachdem, welche Beziehung die Kreativen zum ersten Teil eingehen wollen, können Fortsetzungen auf ganz unterschiedliche Weise inszeniert werden. Manche bleiben bewusst nah am Original, greifen Figuren, Tonfall und Konflikte direkt wieder auf und vertiefen sie, um Kontinuität und Wiedererkennung zu schaffen. Andere lösen sich stark vom Vorgänger, nutzen nur das Grundkonzept oder das Universum und erzählen eine neue Geschichte mit anderem Fokus oder neuen Hauptfiguren. Ein radikaler Ansatz ist der Genrewechsel, bei dem etwa aus einem Horror- ein Science-Fiction-Film („M3GAN 2.0“), aus einem Splatterfilm eine morbide Komödie („Tanz der Teufel“) oder aus einem klassischen Superheldendrama eine knallbunte Comedy („Thor: Tag der Entscheidung“) wird. Und seien wir einmal ehrlich: Diese Vertreter erweisen sich vielleicht nicht immer als die gelungeneren, wohl aber als die spannenderen. Denn was bewusst auf Sicherheit und Konventionalität getrimmt ist, kann schnell langweilig werden – oder aber angenehm vertraut. Letztlich entscheidet die Inszenierung darüber, ob ein Sequel als konsequente Weiterentwicklung, mutiges Experiment oder bloße Wiederholung wahrgenommen wird. Im Falle von „Greenland 2“ ist wohl am ehesten von einer Weiterentwicklung die Rede, denn etwas Experimentelles wohnt der Fortsetzung des 2020er-Katastrophenfilms nicht inne. Aber eine Wiederholung des Bekannten ist das Survivaldrama mit Endzeitstimmung auch nicht.
Diese Entscheidung tut „Greenland 2“ gut. Denn auf das bittere Ende des Gerard-Butler-Vehikels einfach nur noch einen weiteren Kometeneinschlag (oder irgendeinen anderen Super-GAU) folgen zu lassen – erst recht, nachdem bereits 75% der Erdoberfläche zerstört worden sind – wäre dann wohl doch ein bisschen zu viel des Immergleichen. Also entschied sich Drehbuchautor Mitchell LaFortune („Kandahar“) dafür, etwas zu tun, was im klassisch-geerdeten Katastrophenkino ansonsten eher zu kurz kommt. Denn er fragt: Was passiert eigentlich, wenn alles vorbei ist? Etwa wenn, wie hier, der Kometeneinschlag bereits fünf Jahre zurückliegt? Wie ist es der überlebenden Bevölkerung ergangen? Ist überhaupt noch Leben vorhanden? Kann/konnte sich die Erde regenerieren? Die Beantwortung dieser Fragen kleidet der nach Teil eins wiederkehrende Regisseur Ric Roman Waugh („Angel Has Fallen“) in das Gewand eines dystopisch anmutenden Endzeitdramas. Im Zentrum steht erneut der von Gerard Butler („Criminal Squad 2“) gewohnt solide gespielte John Garrity, der am Ende von „Greenland“ einen der begrenzten Plätze in einem grönländischen Schutzbunker für sich und seine Familie erhalten hat. Zu Beginn des Sequels sehen wir John in Schutzmontur eine karge Küstenlandschaft entlanggehen, eine ihn rechtzeitig auf eine nahende Gefahrensituation hinweisende Stimme im Ohr. Was er genau macht respektive erforscht, wird nie ganz deutlich. Sein geschäftiges Treiben erweckt den Eindruck einer Langeweile vorbeugenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Irgendwas muss man ja den ganzen Tag tun, wenn man sein Dasein hauptsächlich in einem Bunker fristet und nur triftige Gründe gelten, damit das große Eingangstor zur von Strahlung verseuchten Welt hin und wieder geöffnet wird.
„Die Gefahr lauert nicht im Inneren des Bunkers. Im Gegenteil: Es ist schon bemerkenswert, dass es in dieser klaustrophobischen Enge offenbar zu keinerlei Streitigkeiten oder Lagerkollern kommt. Stattdessen bleibt der Film insofern den Prinzipien seines Vorgängers treu, als dass sich die Natur hier erneut als größter Feind des Menschen herausstellt.“
Ric Roman Waugh gelingt es gut, das karge Leben der hier im Bunker verweilenden Überlebenden einzufangen. Man verdingt sich mit kleinen Spielereien, Gesprächen und versucht Alltag zu schaffen. Etwa indem man die anwesenden Kinder in einer schulklassenähnlichen Gemeinschaft unterrichtet. Die Gefahr lauert in „Greenland 2“ nicht im Inneren des Bunkers. Im Gegenteil: Es ist schon bemerkenswert, dass es in dieser klaustrophobischen Enge offenbar zu keinerlei Streitigkeiten oder Lagerkollern kommt. Stattdessen bleibt der Film insofern den Prinzipien seines Vorgängers treu, als dass sich die Natur hier erneut als größter Feind des Menschen herausstellt. Denn der Kometeneinschlag mag zwar lange zurückliegen, lebensgefährliche Natur- und Wetterphänomene reißen trotzdem nicht ab – und beschädigen zunehmend den Bunker, der sich schon bald als nicht mehr sicher erweist. Als der einstige Unterschlupf schließlich in sich zusammenbricht und sich nur eine Handvoll der Anwesenden in das kleine Rettungsboot quetschen und darin fliehen kann, erinnern diese Szenen an die bitteren Momente des ersten Films, in denen die Bevölkerung mit Haut und Haaren um die wenigen Plätze im Bunker kämpfte – und hierbei teilweise ganze Familien auseinandergerissen wurden. Da drängen sich zwangsläufig Parallelen zu realen Migrationsbewegungen auf, wenn knappe Rettungsplätze, gefährliche Fluchtrouten und die Willkür von Auswahlmechanismen über Leben, Sicherheit und den Zusammenhalt von Familien entscheiden. Kein Wunder also, dass „Greenland 2“ im Original den Untertitel „Migration“ trägt.
Doch wo schon der erste Teil diese ethische Grundsatzdiskussion darüber, wer es nun wert ist, gerettet zu werden, nur am Rande (und dem Genre geschuldet auch nicht tiefgründig) verfolgte, steht dieser beklemmend-realistische Moment allein auf weiter Flur. Im weiteren Verlauf wird aus „Greenland 2“ vor allem ein Roadmovie, das zunächst noch einer kleinen Gruppe und schließlich nur noch John und seiner Familie folgt. Mit welcher Konsequenz das Skript vermeintlich wichtige Nebenfiguren über die Klinge springen lässt, ist beachtlich. Und es hilft dabei, die hier geschilderte Situation zu jedem Zeitpunkt als ernst zu empfinden. Auch die von Ric Roman Waugh inszenierten Gefahrensituationen entwickeln eine beachtliche Wucht. Nicht zuletzt, weil „Greenland 2“ aus dem Budget von rund 90 Millionen US-Dollar und vor allem dem spektakulären Drehort Island das Optimum herausholt. Während der Vorgänger in Sachen Effekte noch auf das „Weniger ist mehr“-Prinzip setzen musste, da Waugh für diesen lediglich etwas mehr als ein Drittel des Budgets zur Verfügung standen, geht der Regisseur diesmal ähnlich vor. Zwar lassen immer wieder gewisse Kamerafahrten erahnen, dass das Gezeigte gerade der Effektschmiede entstammen muss; zum Beispiel eine lebensgefährliche Hängebrückenüberquerung. Aber Waugh lässt sich nicht zum gängigen „Höher, schneller, weiter!“-Credo verleiten. Umso härter treffen einen die Einläge. Sowohl im wahrsten als auch im übertragenen ( = emotionalen) Sinne. Denn gerade, wenn man am ersten Teil seinen Gefallen gefunden hat, geht einem die Familiendynamik zwischen John, seiner Frau Allison und ihrem Sohn Nathan schon zu Herzen.
„Auf ihrer Reise ins vermeintliche Paradies, das im Einschlagskrater des ersten Kometen liegen soll, trifft die Familie auf diverse Menschen oder begibt sich geradewegs in lebensbedrohliche Situationen. Es folgt eine kurze Zeit zum Durchatmen und schließlich geht das Ganze wieder von vorne los.“
Die Dramaturgie von „Greenland 2“ erweist sich derweil als vorhersehbar. Auf ihrer Reise ins vermeintliche Paradies, das im Einschlagskrater des ersten Kometen liegen soll, trifft die Familie auf diverse Menschen oder begibt sich geradewegs in lebensbedrohliche Situationen. Es folgt eine kurze Zeit zum Durchatmen und schließlich geht das Ganze wieder von vorne los. Das macht den Film zweifelsohne kurzweilig. Erst recht auf seiner ohnehin übersichtlichen Laufzeit von nicht einmal 100 Minuten. Aber die ganz großen Überraschungsmomente bleiben aus. Genauso wie das Gefühl, Mitchell LaFortune hätte bei der Kreation seiner Welt länger als nötig über Plausibilität und Realismus nachgedacht. Sowohl die hier dargestellte Ordnung der Zivilisation als auch der von Umweltkatastrophen gebeutelten Erde halten keinen allzu intensiven Gedankengängen über sie stand. Doch wie heißt es so schön: Fürs Genre reicht’s!
Fazit: „Greenland 2“ erweist sich als solide und stimmige Weiterentwicklung seines Vorgängers, die bewusst auf Eskalation verzichtet und stattdessen das Danach in den Mittelpunkt rückt. Ric Roman Waugh findet starke Bilder und spürbare emotionale Wucht, verliert dabei aber nie die Bodenhaftung des geerdeten Katastrophenkino-Ansatzes. Schwächen zeigt der Film vor allem in seiner vorhersehbaren Dramaturgie und einer nur oberflächlich durchdachten Welt. Doch getragen von Atmosphäre, Tempo und Familiendrama funktioniert das Sequel genau so gut, wie es das Genre verlangt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
„Greenland 2“ ist ab dem 8. Januar 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.




Mich würde ja mal interessieren, wo diese ganzen Insider-Infos herkommen, wenn der Film doch erst morgen in den Kinos läuft. 🤔 Durftest Du den Film schon vorab gucken?
Ich sehe sämtliche hier besprochenen Filme vorab in Pressevorführungen.