Jurassic World: Die Wiedergeburt
Die Dinos sind zurück – schon wieder! Auch in JURASSIC WORLD: DIE WIEDERGEBURT geht es um den ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur. Nur sieht das diesmal endlich wieder richtig gut aus und punktet mit einer schlanken Abenteuergeschichte, aus der im Final plötzlich ein Monsterfilm mit optischen „Alien“-Anleihen wird.
Darum geht’s
Fünf Jahre nach den Ereignissen von „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ ist die Erde für die Dinosaurier kaum noch bewohnbar. Nur vereinzelte Arten halten sich in abgeschiedenen, tropischen Regionen rund um den Äquator auf und leben hier fernab der Menschen. Als das Pharmaunternehmen ParkerGenix dahinter kommt, dass hinter der DNA von drei verschiedenen Dinosaurierarten vermutlich eine bahnbrechende medizinische Entdeckung steckt, schickt der Konzern seine Einsatzleiterin Zora Bennett (Scarlett Johansson) auf eine Mission. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Duncan Kincaid (Mahershala Ali) und dem Paläontologen Dr. Henry Loomis (Jonathan Bailey) soll sie die auf einer abgelegenen Insel gelegene, ehemalige InGen-Forschungsstation Isla Saint-Huber infiltrieren und dort wichtige DNA-Proben bergen. Während ihres Einsatzes stoßen sie auf eine gestrandete Familie, deren Boot von einem aggressiven Wasser-Saurier zerstört wurde. Gemeinsam kämpfen sie nun ums Überleben, denn unter den hier ansässigen Riesenechsen befinden sich auch solche, die vom Menschen zu Genexperimenten missbraucht wurden – und längst die Kontrolle über die Insel übernommen haben!
Kritik
Fragt man ChatGPT nach erfolgreichen Dinosaurierfilmen abseits des „Jurassic Park“- und „Jurassic World“-Franchises, eröffnet sich einem ein interessantes Bild. Neben Verweisen auf die „Godzilla“- und „King Kong“-Filme, in denen entweder Godzilla selbst als „dinosaurierähnliches Wesen“ bezeichnet oder auf die King-Kong-Kämpfe mit den prähistorischen Riesenechsen verwiesen wird, haben Dino-Filme vor allem im Familienkino ihren Platz gefunden. „In einem Land vor unserer Zeit“, „Arlo & Spot“, Disneys „Dinosaurier“ von 2000 oder alle möglichen Dokus werden da genannt. Was deutlich macht: Die Rückkehr der „Jurassic“-Reihe 2015 als Fortsetzung von Steven Spielbergs ikonischem Meilenstein dürfte auch deshalb so erfolgreich verlaufen sein, weil „Jurassic World“ zum damaligen Zeitpunkt eine Monopolstellung besaß und sie bis heute nicht aufgeben musste. Wenn man ein klassisches Dinosaurierabenteuer sehen möchte, dann bekommt man es (von den zahlreichen Mockbustervariationen mal abgesehen) ausschließlich von den „Jurassic“-Filmen geboten. Ganz gleich wie gelungen das Ganze am Ende auch ausgefallen sein mochte. Insofern dürfte jetzt schon klar sein, dass auch der neueste Teil der Reihe wieder ein enormer Erfolg werden und seine Produktionskosten von 180 Millionen US-Dollar einspielen wird.

Wissenschaftlerin Zora Bennett (Scarlett Johansson) wird auf der Expedition voller Körpereinsatz abverlangt.
Ebenjene 180 Millionen Dollar sind „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ zu jedem Zeitpunkt anzusehen. Insbesondere weil Regisseur Gareth Edwards („Godzilla“) das Geld vor allem dafür verwendet hat, mit seinem Ensemble einmal rund um den Erdball zu fliegen. Gerade der thailändische Dschungel hinterlässt als Hauptkulisse einen bleibenden Eindruck. Es macht einfach einen riesigen Unterschied, ob Scarlett Johansson („Black Widow“) und ihre Teammitglieder vor Greenscreen durch bewaldetes Dickicht stapfen, oder ob sie sich tatsächlich vor Ort befunden haben. „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ ist zweifelsohne eine Augenweide, in deren Angesicht man die stehende Hitze des Dschungels regelrecht mitzufühlen meint. Da ist es dann auch erst einmal gar nicht so schlimm, dass man von den eigentlichen Stars des Films – den Dinos nämlich – lange Zeit gar nicht so viel mitbekommt. Strukturell erinnert „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ an Videospiele, in denen verschiedene Quests erfüllt werden müssen, um am Ende einem großen Gegner gegenüberzutreten. Die Quests bestehen in diesem Fall aus dem Zusammensammeln von Blutproben und Eiern – und der „Endboss“ ist, wieder einmal, eine ganz neue, alles überragende Dinosaurierspezies, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellt.
„Drehbuchautor David Koepp, der bereits das Skript für den Original-‚Jurassic Park‘ verfasste, lässt seinen Film wie eine Hommage an den ‚Dinosaurier an sich‘, an sein mannigfaltiges Auftreten sowie an seine Bedeutung für die Entwicklung der Erde aussehen. Der Mensch als Störfaktor in der Natur – nicht neu, aber effektiv.“
Durch die Videospiel-Struktur lässt sich „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ lose in drei Abschnitte gliedern. Jeder von ihnen hat seinen ganz besonderen Reiz und hebt sich in der Tonalität von den anderen ab. Der erste Teil ist eine klassische Hai-(Horror-)Film-Hommage, in der es die Protagonistinnen und Protagonisten mit einem riesigen Meeressaurier aufnehmen müssen. Im zweiten Abschnitt kommt der Film zur Ruhe; Hier steht plötzlich eine große Herde friedlicher Pflanzenfresser im Fokus. Der dritte Part schließlich wird von einer schier atemberaubenden Klettersequenz eingeläutet, deren Ziel das Nest und die Eier eines überdimensional großen Flugsauriers sind. Dass jede Spezies ein anderes Element (in dieser Reihenfolge: Wasser, Erde, Luft) repräsentiert, kommt nicht von Ungefähr. Drehbuchautor David Koepp, der bereits das Skript für den Original-„Jurassic Park“ verfasste, lässt seinen Film wie eine Hommage an den „Dinosaurier an sich“, an sein mannigfaltiges Auftreten sowie an seine Bedeutung für die Entwicklung der Erde aussehen. Der Mensch als Störfaktor in der Natur – nicht neu, aber effektiv. Und mit „Godzilla“-Regisseur Gareth Edwards hat er einen idealen Handwerker gefunden, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Verhandelte er ähnliche menschliche Grundsatz- und Existenzthemen doch bereits in Filmen wie „Monsters“, „The Creator“ und natürlich auch in „Godzilla“.

Ebenfalls auf der Insel: Isabella (Audrina Miranda), Reuben (Manuel Garcia-Rulfo), Teresa (Luna Blaise) und ihr Boyfriend Xavier Dobbs (David Iacono).
Gleichwohl rückt der Subtext in „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ nie in den Vordergrund. Spätestens ab der zweiten Hälfte lässt Edwards seine inszenatorischen Muskeln spielen und seine bisweilen sehr wilden Dinosaurier-Designs auf die Protagonist:innen los. Die visuellen Anleihen an unter anderem „Alien“ werden da nur allzu deutlich. Trotzdem haben die CGI-Kreaturen nie die haptische Wucht, die sie bräuchten, um vollends zu überzeugen. Da waren die Puppen und Animatronics aus den originalen „Jurassic Park“-Filmen einfach viel furchteinflößender. Trotzdem gelingt es dem Ensemble rund um Scarlett Johansson, Jonathan Bailey („Wicked“), Rupert Friend („Hitman: Agent 47“) und Mahershala Ali („Green Book – Eine besondere Freundschaft“), in den entscheidenden Momenten intensiv genug aufzuspielen, um die Furcht vor den nahenden Fleischfressern greifbar zu machen. Vor allem das finale Drittel erinnert in seiner Stilistik und Dramaturgie eher an einen Monster- denn einen Dinofilm; Wobei die Trennlinie an dieser Stelle ohnehin leicht verschwimmt. Auch dank der stimmigen Chemie im Cast fiebert man bis zum Schluss mit und hält in den besten Momenten den Atem an. Trotzdem ist auch ein „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ längst nicht frei von Schwächen.
„Trotzdem haben die CGI-Kreaturen nie die haptische Wucht, die sie bräuchten, um vollends zu überzeugen. Da waren die Puppen und Animatronics aus den originalen ‚Jurassic Park‘-Filmen einfach viel furchteinflößender.“
Dass die Handlung aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt wird, hat zwar seinen Reiz. Nur ist die eine leider deutlich interessanter als die andere. Während die Eskapaden von Johansson und Co. zu jedem Zeitpunkt Spaß machen und aufregend sind, fällt der zweite Plot rund um eine auf offener See gestrandete Vater-Töchter-Schwiegersohn-Kombo nur leidlich spannend aus. Die Charakterzeichnung ist allzu banal und vorwiegend auf Drehbuch-Zweckdienlichkeit geschrieben (und der Minisaurier, der der Kleinsten von ihnen folgt, hat vor allem eine Daseinsberechtigung: reißenden Merchandise-Absatz zu machen!). Dafür gehen auf das Konto der Figuren einige nette Hommagen an das Original. Etwa wenn diesmal nicht mehr in einem Toilettenhäuschen, sondern unter freiem Himmel gepinkelt wird. Da ergeben sich dann auch einige sympathische Schmunzler, von denen „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ insgesamt nur wenige hat. Den größten von ihnen verfeuert der Film übrigens direkt in der aller ersten Szene: Ob man in dieser nun das dümmste, oder aber das cleverste Product Placement der Filmgeschichte zu sehen bekommt, liegt da ganz klar im Auge des Betrachters. So oder so hat man im Nachhinein Bock auf einen ganz bestimmten Erdnuss-Schokoriegel…
Fazit: „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ punktet mit wuchtigen Bildern und mitreißendem Abenteuerfeeling. Die Chemie im Cast ist super und wenn sie erst einmal auftauchen, machen die vielen verschiedenen Dino-Spezies und ihre Designs Laune. Hier und da ruckelt es im Skript. Die Story aus zwei Perspektiven zu erzählen, tut der Dynamik nicht immer gut. Trotzdem ist dieser neue Franchise-Film der beste der „Jurassic World“-Ära.
„Jurassic World: Die Wiedergeburt“ ist ab dem 3. Juli 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

