Die Addams Family

In der Neuauflage der schwarz-weißen Kultfamilie DIE ADDAMS FAMILY kommen die schaurig-sympathischen Monster in modernem 3D-Gewand daher und sind weitaus weniger gruselig als in der seriellen Vorlage. Ob das automatisch bedeutet, dass der animierte Familienfilm nicht sehenswert ist, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Morticia (im Original: Charlize Theron) und ihr feuriger Gatte Gomez (Oscar Isaac) mitsamt Familie suchen verzweifelt ein neues Zuhause. In einer gewittrigen Nacht finden sie in einem herrschaftlichen viktorianischen Herrenhaus ein Heim, das perfekt auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet ist. Das Leben hier ist wunderbar: Tochter Wednesday (Chloe Grace Moretz) spannt mit Vorliebe ihren Bruder Pugsley (Finn Wolfhard) auf die Folter, Grandma (Bette Midler) experimentiert im Keller mit brodelnden Hexentränken, Onkel Fester (Nick Kroll) zapft die maroden Stromleitungen an und das eiskalte Händchen spaziert durch die langen knarzigen Geheimgänge des Gemäuers. Doch die schrägste Familie kann nicht in Schrecken leben, wenn die neuen Nachbarn zutiefst absonderlich sind. Schließlich leidet Wednesday neben morbider Pubertät auch unter allgemeiner Schulpflicht. Sie hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei ihren Mitschülern und deren Eltern, die sich eine perfekte Vorstadtidylle erträumen und fortan nur noch ein Ziel kennen: Der seltsame Clan der Addams muss verschwinden!

Kritik

In den späten Dreißigerjahren zeichnete Charles Adams erstmals Comicstrips über die „Addams Family“, eine gutbürgerliche amerikanische Familie, die mit Lust und Laune der Faszination für das Makabere und Obskure frönt. Der Humor war morbide, die Hauptcharaktere alles andere als familientauglich. Doch trotzdem (oder gerade deswegen) setzte die aus Gomez Alonzo Lupold, Morticia, den Kindern Wednesday und Pugsley sowie noch vielen weiteren Nebenfiguren bestehende Addams-Familie ihren Siegeszug in diversen Medien fort. Allen voran als Fernsehserie (mit John Astin, Carolyn Jones sowie Lisa Loring und Ken Weatherwax in den Hauptrollen) erkämpften sich die Addams ihren Platz in den popkulturellen Annalen. Auch zu Kinoverfilmungen, mehreren Zeichentrickserien und sogar einem Musical hat es Charles Adams‘ Schöpfung gebracht. Seit dem letzten Film 1998 sind nunmehr 19 Jahre vergangen. Grund genug für Greg Tiernan und Conrad Vernon, das Regieduo hinter „Sausage Party“, das Skript von Matt Lieberman („The Christmas Chronicles“) und Pamela Pettler als modernes Animationsabenteuer zu verfilmen. Wer sich insbesondere aufgrund der Beteiligung von Pettler an „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ sowie den Machern hinter der derb-vulgären Seth-Rogen-Comedy „Sausage Party“ erhoffte, es ginge bei „Die Addams Family“ ähnlich erwachsen zu, den müssen wir leider enttäuschen. Anders als zuletzt etwa bei „ParaNorman“ oder „Frankenweenie“ ist die 3D-Variante der „Addams Family“ kein morbider Spaß für die Älteren, sondern richtet sich – auch mit seiner Freigabe ab 6 – vornehmlich an ein junges Publikum, das es hier nicht mit allzu aufregenden Geschehnissen innerhalb des düsteren Addams-Anwesens konfrontiert wird, sondern vorwiegend mit einem harmlosen Coming-of-Age-Spaß samt smarter Botschaft rund um den Wert von Andersartigkeit und Toleranz.

Morticia Addams, Gomez Addams und ihr Butler Lurch heißen ihre Gäste Willkommen.

Doch so ganz wollte man die Zielgruppe der ursprünglichen „Addams Family“-Liebhaber dann doch nicht verschrecken; im „Addams Family“-Animationsfilm steckt nämlich auch noch eine gute Portion Hommage an die Ursprünge der Serie. Beides – also sowohl Verbeugung als auch Neuausrichtung – unter einen Hut zu bekommen, gelingt den Machern leider nicht immer zu einhundert Prozent. Um das zu veranschaulichen, springen wir einmal ganz ans Ende von „Die Addams Family“ – zu einem zweigeteilten Abspann, der zunächst aus einer herrlich nostalgischen Mitsing-Sequenz zum „Addams Family“-Titelsong besteht und nach einem harschen Schnitt übergeht in grell-bunte Credits zu einem durch und durch modernen Hip-Hop-Track. Hier prallt der Anspruch, unbedingt der möglichst jungen Generation Entertainment auf ihrer Augenhöhe bieten zu wollen, auf den Versuch, mittels Querverweisen und reihenweise Gastauftritten bekannter Addams-Familienmitglieder das Flair von damals zumindest zeitweise wieder aufkommen zu lassen. Wie sehr die Macher diesen Spagat hinkriegen wollen, macht sich schon am Skript bemerkbar, dessen Umsetzung auf die Leinwand sich zu jedem Zeitpunkt so anfühlt, als habe man hier gleich zwei Drehbücher auf einmal verfilmt und immer wieder ungelenk ineinander montiert. Die Geschehnisse im Schloss – visuell in einem bewusst sehr eintönigen und dadurch sehr stimmungsvollen Grau-Weiß-Schwarz-Look gehalten – in denen es vorwiegend um Pugsleys bevorstehendes Mannwerdungsritual sowie Wednesdeys pubertäre Anflüge geht, steht ein Plot gegenüber, in dem die egozentrische Fernsehmoderatorin Margeaux Needler verzweifelt versucht, aus dem nachbarschaftlichen Vorort eine Vorzeigewohnsiedlung zu machen, dem die Addams natürlich im Wege stehen.

Die Szenen in der Nachbarschaft dominieren grelle Farbtöne und Margeaux Needlers schreckliche Fönfrisur; vor allem aber dient dieser Plot eben hauptsächlich dazu, aufzuzeigen, dass es nicht die von außen scheinbar sonderbaren Addams sind, die hier Böses im Schilde führen, sondern die alles und jeden gleichschaltende Needler weitaus schlimmere Pläne verfolgt, aufgrund ihres nach außen gepflegten Images aber zunächst den blinden Gehorsam der Nachbarn auf ihrer Seite hat. Seinen Höhepunkt findet der Konflikt zwischen den Addams und Needler schließlich bei einem Fackelaufstand – die Fackeln konnten sich die Anwohner ganz zeitgerecht zuvor via App auf ihr Smartphone laden. Das sowie die Geheimnisse, die sich bei Needler im Keller verstecken und dank derer sie ein ausgeklügeltes Fake-News-System für sich und gegen die Addams arbeiten lässt, markieren ein hübsches Statement über die leichte Verführbarkeit ganzer Gesellschaften durch einen vermeintlich charismatischen Anführer. Und natürlich steht am Ende in erster Linie die Botschaft, dass man sich nicht vom Äußeren blenden lassen sollte, sondern am Ende eben das Innere eines jeden Menschen über Gut und Böse entscheidet. Doch im Kontext dieser Geschichte hätte es für diese Standard-Familienfilmbotschaften nicht zwingend die kultige Addams-Family gebraucht, denn aus deren Eigenheiten und Spleens macht man in „Die Addams Family“ dann doch erstaunlich wenig.

Margaux Needler und ihr Assistent Glenn wollen die Nachbarschaft zur schönsten überhaupt machen.

So richtig unheimlich waren die Serienepisoden und Filme rund um die „Addams Family“ zwar noch nie, doch mit der Kombination aus treffsicherer Familienstudie und einer hübschen Prise harmlosen Gothik-Grusels ist in der Animationsvariante dann leider nicht mehr viel übrig geblieben. Machen wir es kurz: „Die Addams Family“ von 2019 ist vor allem ein Film für die ganze Familie; Verbeugungen vor dem Original bieten vereinzelt hübsche Boni für Kenner der Familie, haben aber keine Priorität. Dafür ist nicht nur der gleichermaßen exzentrische wie detailverliebte Look eine Augenweide; allein das am Computer nachgebaute Addams-Anwesen bietet in jeder Szene unendlich viele Kleinigkeiten zu entdecken: Von den Gemälden an der Wand bis hin zu versteckten Räumen und Indizien auf Falltüren, Waffen und heimliche Hausbewohner. Auch die Gag-Trefferquote ist hoch und resultiert vorwiegend aus den smart geschriebenen Charakteren. Das Highlight bildet ganz klar die an ihrem bösen Dasein zweifelnde Wednesday, die mit ihrem plötzlichen Hang zu pinkfarbenen Haarklammern und Kleidchen ihre Mutter zu schockieren weiß. Ihr Bruder Purgsley fällt dagegen leider etwas ab, da sich das Skript zu sehr auf ihn im Umfeld des Rituals konzentriert. Doch wie das bei der Addams-Family ja schon immer so war, bleiben die größten Stars die Nebenfiguren. Und schon die Eröffnungsnummer vom Butler Lurch und dem eiskalten Händchen stimmt einen schwungvoll auf die kommenden Ereignisse ein.

Fazit: „Die Addams Family“ ist ein charmanter Mix aus Hommage und modernisierender Rundumerneuerung der beliebten Gruselfamilie. Der Spagat geht nicht immer ganz auf, doch der Film hat sowohl für die Anhänger der Originalserie genug Querverweise zu bieten als auch Slapstick und pfeffrigen Wortwitz für Zuschauer, die ihre schaurig-schöne 3D-Unterhaltung lieber ganz auf der Höhe der Zeit erleben wollen.

„Die Addams Family“ ist ab dem 24. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

  • Ich habe die Schwarzweiß-Serie als Bub regelmäßig mit meinem Großvater im Bayerischen Fernsehen geschaut. Die war echt kultig. Mein Opa lebt zwar leider schon lange nicht mehr, ich werde mir den Film aber ihm zu Ehren im Kino anschauen. Danke für den Hinweis und mach bitte genauso weiter so. Ich werde jetzt erstmal deine neue Sendung auf Fred Carpet anklicken.

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