Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

In den USA finden Filme mit tiefreligiöser Thematik großen Zuspruch von der entsprechenden Zielgruppe. Hierzulande sieht es dagegen etwas anders aus. Ob DIE HÜTTE – EIN WOCHENENDE MIT GOTT diesen Trend ändern kann und weshalb ausgerechnet dieser Film das nicht sollte, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Seit der treue Familienvater Mackenzie „Mack“ Phillips (Sam Worthington) vor vielen Jahren seine jüngste Tochter verlor, ist er in Trauer und Schuldgefühlen versunken. Ihre letzte Spur fand man in einer Hütte im Wald – nicht weit von dem Campingplatz, auf dem die Familie damals Urlaub machte. Eines Tages kommt ein Brief mit der Post: Es ist eine Einladung in eben jene Hütte – und ihr Absender ist Gott. Mack ist schockiert und voller Angst, all die schmerzhaften Erinnerungen kommen erneut hoch. Trotzdem bricht er auf, unsicher, was er in der Hütte finden wird. Das nun folgende Wochenende soll sein Leben erneut von Grund auf verändern.

Kritik

Es ist eine ungewöhnliche Erfolgsstory: Der von dem kanadischen Autor William P. Young im Jahr 2005 verfasste Roman „The Shack“ war eigentlich nur als Weihnachtsgeschenk für seine sechs Kinder gedacht. Von seinem begeisterten Umfeld liebevoll dazu gedrängt, das Buch auch offiziell zu veröffentlichen, gründete er zwei Jahre später den Verlag Windblown Media, wodurch sich das Buch bis 2006 über sechs Millionen mal verkaufte. „The Shack“ enterte nicht nur 70 Wochen lang (!) die Bestsellerliste der New York Times, sondern wurde alsbald in die ganze Welt verkauft. Hierzulande ist der Roman unter dem Titel „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott erschienen“; und die ganz großen Verlage dieser Welt hat das Drama mittlerweile ebenfalls von sich überzeugt. Seit Anfang März läuft nun auch die gleichnamige Leinwandadaption in den US-amerikanischen Kinos und hat bei einem Budget von 20 Millionen US-Dollar bereits das Doppelte wiedereingespielt. So kommt es, dass „Die Hütte“ hierzulande nicht etwa von einem kleinen Independent-Verleih, sondern von Concorde vertrieben wird, der zuletzt Filme wie „John Wick: Kapitel 2“ oder „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ herausbrachte. Doch wie man es anhand von Geschichten wie „Himmelskind“ oder „Den Himmel gibt’s echt“ gesehen hat, so ist die derartige Filme feiernde Fanbase auf nationaler Ebene nicht unbedingt groß. Und beim Blick auf „Die Hütte“ hoffen wir irgendwie auch, dass sich das so schnell nicht ändern wird.

In „Die Hütte“ findet Sam Worthington einen Brief, der ihn in eine einsame Hütte führt. Hier wartet niemand Geringeres als Gott auf ihn.

Glauben und glauben lassen: Eine friedliche Koexistenz aller Weltreligionen kann nur funktionieren, wenn man neben der eigenen auch akzeptiert, dass es Menschen gibt, die nicht an diese glauben. Regisseur Stuart Hazeldine („Exam – Tödliche Prüfung“) ist zwar weit davon entfernt, mit seinem Werk Zugehörige anderer Glaubensrichtungen anzugreifen, doch wer nach der Sichtung von „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ anzweifelt, dass es so etwas wie einen Gott tatsächlich gibt, der scheint Aussage und Inszenierung des Films offenbar böswillig ignoriert zu haben. Man ist regelrecht verwundert, dass zu Beginn des Fantasydramas nicht darauf verwiesen wird, dass die kommenden Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen, denn spätestens wenn der bedeutungsschwangere Epilog die Folgen des besagten Wochenendes in bester Based-on-true-Events-Manier einordnet und erklärt, dann wähnt man sich als Zuschauer – im wahrsten Sinne des Wortes – in einem schlechten Film. Den Wert Gottes als etwas, das dem Menschen in düsteren Stunden Halt und Sicherheit verspricht, wollen wir an dieser Stelle Niemandem absprechen; erst recht möchten wir uns davon entsagen, uns überhaupt in eine Diskussion ob der Existenz Gottes begeben zu wollen. Doch es ist nicht bloß die grenzenlos naive, zu keinem Zeitpunkt Hinterfragung zulassende Inszenierung, mit der Stuart Hazeldine die Sympathien derjenigen verspielt, für die das Gezeigte eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern vor allem die mithilfe von endlosem Kitsch romantisierte Aufbereitung von Themen, die auf diese Art und Weise schlichtweg nicht behandelt werden dürfen. Wir erinnern uns nur an das Anfang des Jahres in den Kinos angelaufene Rührstück „Verborgene Schönheit“, das sich als Schlag ins Gesicht für an Depressionen erkrankte Zuschauer entpuppte.

In „Die Hütte“ wird eine im Fantasyfilm noch halbwegs gut aufgehobene Idee zu einem so tatsächlich möglichen Ereignis aufbereitet. Entsprechend beklemmend und realistisch zeichnet das Skript von John Fusco („Marco Polo“), Destin Daniel Cretton („Short Term 12“) und Andrew Lanham alles, was vor dem titelgebenden Wochenende mit Gott passiert. Der als aufregendes Familienwochenende begonnene Kurzurlaub und die die ganze Fröhlichkeit zerschlagende Entführung, an deren Ende der Fund des blutdurchtränkten, roten Kleides von Tochter Missy (Amélie Eve) steht, haben nichts mit der im weiteren Verlauf dargebotenen Inszenierung zu tun, in welcher sich der sich selbst die Schuld gebende Vater den Geistern seiner Vergangenheit stellen muss. Bis dieser nämlich den vielsagenden Brief von „Papa“ (ein Kosewort, das Macks Frau einst für Gott ausgewählt hatte) in seinem Postkasten entdeckt, ginge „Die Hütte“ noch als absolut souveränes Thrillerdrama durch, doch dabei hat es schon der Roman nicht belassen. In der Hütte angekommen, tauscht Stuart Hazeldine die trist-melancholische, von Trauer und Wut bestimmte Szenerie, und verlässt sich nicht bloß in der Bildsprache plötzlich auf übertrieben sonnendurchflutete, farbgetränkte und eben absolut postkartentaugliche Bilder, auf die selbst ein Nicholas Sparks neidisch wäre. Fortan dominiert eine Stimmung der fraglosen Gutgläubigkeit das Geschehen. Auf die positive Verwunderung, dass schon der Roman Gott als allmächtiges Wesen nicht als, wie üblich, weißen Mann, sondern als schwarze Frau in Gestalt von Octavia Spencer („Hidden Figures“) darstellt, folgt alsbald die Ernüchterung: Das Äußere des Vaters, des Sohnes (Avraham Aviv Alush als Jesus) und des Heiligen Geistes (Sumire Matsubara) mag hier noch als mutig und experimentell durchgehen, doch spätestens wenn sich Mackenzie auf verbaler Ebene mit seinen neuen Bekanntschaften auszutauschen beginnt, mag man als Zuschauer gar nicht glauben, was hier alles von sich gegeben wird.

Nach dem Verlust von Tochter Missy ändert sich für die Familie Phillips alles.

Als Ziel definiert Stuart Hazeldine die Vergebung – genauer: die Vergebung eines Vaters am Mörder seiner kleinen Tochter. In der Kernaussage, dass nur, wer vergibt, das Vergangene hinter sich lassen kann, mag sicher irgendwo etwas Wahres dran sein. Doch die Macher schreiten diesem hochkomplexen Thema derart primitiv entgegen, dass man irgendwann den Eindruck bekommt, „Die Hütte“ schlage sich tatsächlich auf die Seite des Täters. Diesen zeichnet der Film als nicht minder geschundene Seele; die Option, auf individuelle Art mit Schicksalsschlägen umzugehen, hält sich die Geschichte nicht offen. „Die Hütte“ folgt einem absolut geradlinigen Weg, konfrontiert die Hauptfigur mit unangenehmen Situationen und lässt am Ende doch nur einen Schluss zu: Wenn Mackenzie die Hütte als weiterhin trauriger Mann verlässt, entsagt sich schlussendlich auch noch Gott von ihm. Der Film lässt seinen mit Scheuklappen versehenen Protagonisten eine Gehirnwäsche durchlaufen, die mit realistischer Vergangenheitsbewältigung überhaupt nichts zu tun hat. Wenn sich Mackenzie im ersten Anlauf (verständlicherweise) weigert, dem Mörder seiner Tochter zu verzeihen, schüren die Macher Hass und Unverständnis gegen die Hauptfigur und nicht gegen den Antagonisten. Da können die symbolträchtigen Bilder von wundervollen Gärten und saftigen Anhöhen voller spielender Kinder noch so anziehend wirken: „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ will seinem Zuschauer die hier dargebotenen Werte und Moralitäten derart verkrampft und penetrant einprügeln, dass es schwer fällt, bis zur letzten Minute im Kinosaal zu verweilen. Selbst, wenn das Gezeigte dann doch nur eine Metapher sein soll…

Fazit: „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ ist ein moralisch vollkommen fehlgeleitetes Stück Gotteskino, das sich vorwurfsvoll gegen andere Meinungen auflehnt und und mit seiner Penetranz und Symbolik gar nicht erst in die Lichtspielhäuser kommen sollte.

„Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ ist ab dem 6. April in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

4 Kommentare

  • Ekelhaftes Machwerk. This sucks!

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  • Phillip Müller

    Naja, die Kritik ist etwas überzogen. Ich fand den Film auch überzogen ktischig. Ist halt geprägt von amerikanisch-christlichem Ethos. Deshalb wird er deutschen Emotionen gegenüber immer etwas provokant rüberkommen. Aber ich finde, dass dies auch realisitsch ist. Dem Mörder der eigenen Tochter zu vergeben – das empfindet jeder Mensch im ersten Moment als anmaßend. Wo der Film jedoch gegen Mack Hass aufbauen soll, verschließt sich mir. Eine klare Fehlinterpretation oder Projektion des Kritikers. Die Argumentation ist zu plump, richtig. Aber eine Flucht in den Individualismus ist das ebenfalls.

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  • Kann mich Phillip Müller hier nur anschließen: Die Kritik schießt weit über das Ziel hinaus und ebenso tendenziös wie der Film, den sie beschreibt.

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  • Diese Kritik ist einfach nur eklig…ich werde diese website nicht mehr besuchen. 22 Mio verkaufte Bücher sagen mehr aus – es ist ein christlicher Film..es geht um vergebung…um Gott und warum er Leid zulässt. Wenn dem Kritiker die Antworten nicht gefallen, so soll er das nicht persönlich nehmen – der Film ist handwerklich sehr gut gemacht…den meisten Kinobesuchern sind Tränen in den AUgen geflossen und das sollte ja wohl großes Gefühlskino dürfen. Das wars auf dieser webseite für mich bei diesen fiesen und unsachlichen Kritiker. .

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