Vaiana

Ausgerechnet zu Weihnachten spendiert uns Disney ein Abenteuer aus der Südsee. VAIANA heißt es und lässt den Trickfilmkonzern damit zu seinen Musical-Wurzeln zurück kehren. Ob sich ein Kinobesuch lohnt, das verrate ich in meiner Kritik.Vaiana

Der Plot

Vor Jahrtausenden durchsegelten die größten Seefahrer der Welt die unendlichen Weiten des Südpazifik, um die fantastische Inselwelt Ozeaniens zu erforschen. Dann aber stoppten diese Entdeckungsreisen aus geheimnisvollen Gründen – bis heute. Die furchtlose Vaiana (Lina Larissa Strahl), von Geburt an mit einer einzigartigen Verbindung zum riesigen Ozean gesegnet, möchte das Geheimnis ihrer Vorfahren unbedingt entschlüsseln. Mutig setzt sie die Segel und macht sich auf eine abenteuerliche Reise über das Meer. Auf ihrem Weg trifft das aufgeweckte Mädchen ihren persönlichen Helden, den legendären und von sich selbst ziemlich eingenommenen Halbgott Maui (Andreas Bourani), der sich ihr nicht ganz freiwillig anschließt. Ihre faszinierende Entdeckungsreise birgt jede Menge sagenhafte Abenteuer, Begegnungen mit furchterregenden Kreaturen und führt sie letztlich nicht nur auf die Spuren ihrer Vorfahren, sondern auch zu sich selbst.

Kritik

2016 war das Jahr des Animationsfilms. Auf den ersten vier Positionen der in Deutschland erfolgreichsten Filmes der vergangenen zwölf Monate haben es sich mit „Zoomania“, „Pets“,  „Findet Dorie“ und „Ice Age – Kollision voraus!“ gleich vier computeranimierte Produktionen gemütlich gemacht, die zusammen etwas mehr als 15 Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser locken konnten. Zum Jahresendspurt zaubert der führende Trickfilmkonzern Disney sogleich noch einen weiteren Beitrag aus dem Hut, das in seiner Mischung aus Entdeckerabenteuer und Musical gleichermaßen auf alten Pfaden wandelt wie neue Wege bestreitet. „Vaiana“ (im Original „Moana“) erzählt von einem aufgeweckten jungen Mädchen, das sich anfangs allein und später widerwillig mit der Hilfe eines weitestgehend nutzlosen Halbgotts aufmacht, die Weiten des pazifischen Ozeans zu erkunden, um ihr Volk vor einer nahenden Katastrophe zu bewahren. Wie man es von den klassischen Disney-Märchen kennt, wird natürlich auch in „Vaiana“ viel gesungen – das immer mal wiederkehrende Prinzessinnen-Thema greifen die Macher indes nur oberflächlich und fast schon kokettierend auf, denn die furchtlose Titelheldin ist alles andere als eine Prinzessin. Damit gibt sich das visuell berauschende 3D-Abenteuer zunächst nicht bloß überraschend selbstironisch, auch Drive und Dynamik geben einen angenehm erwachsenen Tonfall vor. Doch als sich die Inszenatoren auf halber Strecke vollkommen verzetteln, hat es „Vaiana“ schwer, bis zum Ende zu seiner Schönheit und Poesie wiederzufinden.

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Als Maui erkennt, dass auch er Vorteile durch die Reise haben könnte, willigt er ein, Vaiana zu helfen.

Mit der quirligen Vaiana als Titelheldin haben sich die Macher einen großen Gefallen getan. Die Regisseure Ron Clements und John Musker (inszenierten zusammen bereits Filme wie „Aladdin“, „Arielle – Die Meerjungfrau“ und „Küss den Frosch“) bleiben ihrer Linie treu und machen aus ihrer Protagonistin eine echte Draufgängerin, die sich über die von ihrer Familie gesteckten Grenzen hinweg setzt. „Vaiana“ ist durchzogen vom scheinbar unerschöpflichen Optimismus seiner Hauptfigur, der im an den Tag gelegten Realismus von Maui, einem eigentlich mächtigen, aber seit einem Zwischenfall gar nicht mehr so mächtigen Halbgott, einen schönen Gegenpol findet. Maui agiert vorzugsweise auf seine eigenen Vorteile bedacht und entscheidet eher mit dem Kopf, wägt Vor- und Nachteile ab und will in erster Linie seine Ruhe haben, während Vaiana nicht nur vollkommen selbstlos handelt, sondern die ihr in den Weg gelegten Stolpersteine mehr als Herausforderung denn als echtes Hindernis empfindet. Zwischen den beiden Reisenden wider Willen ergibt sich so eine Dynamik von echter Buddy-Movie-Atmosphäre; den einen oder anderen sarkastischen Spruch Mauis inklusive, die jeweils auch in der deutschen Fassung gut funktionieren. Hier und da erlaubt sich Disney sogar vorsichtige Popkulturreferenzen (wer schon immer mal wissen wollte, wie „Mad Max: Fury Road“ mit Kokosnüssen ausgesehen hätte, bekommt in „Vaiana“ die Antwort darauf!), was ein wenig wundert. Blieb das bislang doch hauptsächlich dem Animationsstudio mit der Mondsichel vorbehalten.

Besonderen Wert scheinen die Macher von „Vaiana“ allerdings darauf zu legen, ihren Film klar als dem Disney-Kanon zugehörig zu kennzeichnen. Wesentlich dominanter als die vereinzelten Popkulturreferenzen geraten nämlich die vielen Szenen, die stilistisch an die vielen animierten und gezeichneten Vorgänger zu „Vaiana“ erinnern. Der Song „Voll gerne“, mit welchem sich Maui seinem Publikum vorstellt, erinnert stark an den „Aladdin“-Klassiker „Kleiner Freundschaftsdienst“, Teile des Endkampfes zwischen dem Halbgott und dem Widersacher greifen Motive aus „Die Hexe und der Zauberer“ auf und wenn Vaiana zum ersten Mal zur See schippert, dann sind die Bewegungen ihrer Person 1:1 jenen aus „Pocahontas“ entlehnt, als die hier die Hauptrolle spielende Dame im Kanu den Fluss hinab fährt. Nicht nur dadurch entwickelt „Vaiana“ einen angenehm nostalgischen Charme. Auch abseits dieser sympathischen Disney-Meisterwerke-Querverweise besitzt das neueste von ihnen all das, womit die Trickfilmschmiede seit Jahren ihr Publikum begeistert. Und mit den neuen Maßstäben, welche die Animatoren unter anderem bei der visuellen Gestaltung von Wasser setzen, gelingt es den Verantwortlichen, uns immer noch zum Staunen zu bringen – selbst wenn wir dachten, noch besser, echter und plastischer könne man bei der 3D-Animation von Landschaften, Tieren und noch so kleinen Details wie etwa menschlichem Haar nicht vorgehen, so belehrt uns auch „Vaiana“ wieder einmal eines Besseren. Spätestens, als ein leuchtender Rochen unsere Heldin des Nachts zur See hinaus trägt, konnten wir gar nicht mehr anders, als einfach nur staunen.

Vaiana

Von ihrer geliebten Granny lernt Moana viel über sich und das Leben…

Leider kann „Vaiana“ dieses sehr gute Niveau trotz anhaltender technischer Qualitäten nicht bis zum Ende durchhalten. An den zunächst eventuell ein wenig gewöhnungsbedürftigen, mit der Zeit aber immer mehr in ihre Rollen hinein wachsenden Synchronsprechern Lina Larissa Strahl (Bibi Blocksberg in Detlev Bucks „Bibi & Tina“-Reihe) und Andreas Bourani (sprach auch schon in „Baymax“ und „Hotel Transsilvanien 2“ Nebenrollen) liegt das gewiss nicht. Auch die Tatsache, dass das vorab stark ins Marketing integrierte Schwein Pua weitaus weniger Screentime erhält, als zunächst angenommen, stört kaum, da sich stattdessen der unglaublich dämliche aber nicht minder liebenswerte Hahn Heihei als koketter Szenendieb erweist. Stattdessen sorgt die Inszenierung einer surrealistisch-aggressiven Gesangseinlage für einen derart abrupten Stimmungswechsel, dass die vorher so perfekte Mischung aus Abenteuerflair, Komödienelementen und leicht dramatischen Selbstfindungseinschlägen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Inhaltlich relevant ist sie definitiv, doch leider gleicht ihr Auftauchen so dermaßen dem eines Fremdkörpers, dass sich „Vaiana“ anschließend erst wieder ganz neu und von vorn aufbauen muss, um jenes Flair zu entfalten, wie in den Momenten davor. Dafür begeistert das Finale einmal mehr in einer poetischen Wucht, wie sie selbst von Disney bislang nicht erreicht wurde.

Fazit: „Vaiana“ brilliert durchgehend mit spektakulären Bildern, für die alleine es sich schon ein Kinoticket zu lösen lohnt. Inhaltlich gefällt vor allem die erste Hälfte, in der die ironische Dynamik zwischen Vaiana und Maui besonders zum Tragen kommt. Doch als die Macher auf halber Strecke mit einer grotesken Gesangseinlage zu punkten versuchen, verliert der Film auf einen Schlag seinen poetischen Charme und findet zu jenem bis zuletzt nicht vollständig wieder zurück.

„Vaiana“ ist ab dem 22. Dezember bundesweit in den Kinos zu sehen!

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