Das Versprechen eines Lebens

Auch Hollywoodstar Russell Crowe hat sich mit seinem biographisch geprägten Kriegsdrama DAS VERSPRECHEN EINES LEBENS dazu entschlossen, zum ersten Mal unter die Regisseure zu gehen. Sein Film erzählt von der wahren Geschichte eines Mannes, der von Australien nach Gallipoli reist, um herauszufinden, wo genau seine drei Söhne im Krieg gestorben sind. Mehr zum Film verrate ich in meiner Kritik.

Das Versprechen eines Lebens

Der Plot

Wir schreiben das Jahr 1919: Der Erste Weltkrieg mag vorüber sein, doch in der Familie des robusten Farmers Joshua Connor (Russell Crowe) ist noch lange kein Alltag eingekehrt. In der Schlacht um Gallipoli sind seine drei Söhne Art, Henry und Edward gefallen. Verzweifelt über diesen Verlust nimmt sich Joshuas Ehefrau das Leben. Als den Witwer schließlich nichts mehr in seiner Heimat hält, besinnt er sich auf das Versprechen, dass er einst seiner Gattin gab: Er wird herausfinden, wo genau seine Kinder gestorben sind. Joshua macht sich auf die weite und beschwerliche Reise in die Türkei, um endlich mehr über das Schicksal seiner Söhne zu erfahren. Die türkischen Behörden zeigen allerdings wenig Interesse, einen Angehörigen des Kriegsgegners zu unterstützen. Nur Ayshe (Olga Kurylenko), die bildschöne Besitzerin seines Hotels in Istanbul, erklärt sich bereit, dem verzweifelten Vater zu helfen. Obwohl Joshua bei seiner Suche immer wieder Rückschläge erlebt, gibt er niemals auf.

Kritik

Wenn sich Schauspieler ins Regiefach wagen, dann hat dies in den aller meisten Fällen etwas mit ihrem Respekt vor der Filmkunst, wohl aber auch ihrer Liebe zu einem bestimmten Thema zu tun. Ryan Gosling wollte mit seinem Debüt „Lost River“ seinem Lieblingsfilmemacher Nicholas Winding Refn ein Tribut zollen. Als die Fortsetzung zur Musikkomödie „Pitch Perfect“ auf der Kippe stand, nahm Sidekick Elizabeth Banks das Regiezepter kurzfristig selbst in die Hand. Und mit „Die Gärtnerin von Versailles“ darf Alan Rickman derzeit seiner Passion für französische Lebensart im 17. Jahrhundert ausleben. Für seinen Einstand als Filmemacher suchte sich der neuseeländische Hollywoodstar und Charaktermime Russell Crowe ein Thema aus, das dem charismatischen Oscar-Preisträger (2001 für „Gladiator“) persönlich sehr am Herzen liegt. Im Original hört sein Film „Das Versprechen eines Lebens“ auf den klangvollen Namen „The Water Diviner“, was auf die übernatürliche Gabe der Hauptfigur anspielt, in der trockenen Wüste Australiens Wasser zu finden. Die deutsche Titelvergabe greift den Inhalt der Produktion noch genauer auf; Crowe inszenierte seinen Film auf Basis eines Briefes, der den Akteur so sehr faszinierte, dass er das Schicksal des Urhebers direkt in seine erste Filmarbeit einfließen ließ. In ebenjenem Schriftstück berichtet ein verwitweter Vater von seiner beschwerlichen Reise nach Gallipoli, wo er sich monatelang auf die Spuren seiner im Krieg gefallenen Söhne machte. Aus dieser biographischen Erzählung heraus kreiert Crowe ein visuell opulentes Drama von epischen Ausmaßen, mit dessen Hilfe der Regisseur den vielen namenlosen Opfern der Schlacht von Gallipoli ein filmisches Denkmal setzt.

Russell Crowe

Russell Crowes Regiedebüt ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Vor- und Nachteile gegenseitig aufwiegen, unterstützen und das Leinwanderlebnis schließlich zu einem runden Abschluss führen können. Der Neu-Filmemacher nimmt sich viel vor: Das Drehbuch von Andrew Knight und Andrew Anastasios versucht sich daran, beiden Zeitebenen gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken und den in der Gegenwart spielenden Erzählstrang durch verschiedene Subplots zusätzlich abwechslungsreich zu gestalten. Der thematisch bedingten Schwerfälligkeit wird Crowe jedoch nie ganz Herr; seine inszenatorischen Sprünge zwischen dem Hier und Jetzt sowie den Rückblenden auf das Kriegsgeschehen oder die Zeit an der Front gelingen nicht immer reibungslos. Manchmal widmet sich der Film ausführlich nur wenig gehaltvollen Szenerien, während er entscheidenden, dramaturgischen Momenten kaum Aufmerksamkeit schenkt.  Crowe fehlt es bisweilen sowohl an Fingerspitzengefühl, als auch dem Auge dafür, sich auf die Notwendigkeiten zu beschränken. Szenen ziehen sich ins Endlose, andere brechen harsch und verhindern das sich sukzessive Aufbauen von Spannung. Dies liegt nicht zwingend an der Aufteilung auf mehrere Zeitebenen; manchmal erweist sich die Gegenwart als besonders spannend, mal haben die Rückblicke auf das Kriegsgeschehen die notwendige, emotionale Wucht. Darüber hinaus hält der Regisseur die Beweggründe seiner Hauptfigur stets gekonnt zusammen, Nebenhandlungsstränge wie die einer aufkeimenden Liebe zur charmant von Olga Kurylenko verkörperten Ayshe und Connor bleiben viel zu vage, um die Story auf emotionaler Ebene voranzutreiben.

So fehlt es „Das Versprechen eines Lebens“ allen voran an einem einheitlichen Erzählfluss. Doch an dieser Stelle kommen die eingangs erwähnten Stärken zwecks Ausgleich ins Spiel. Zu diesen gehören sowohl Russell Crowes sichtbare Passion für das Thema als auch die damit einhergehenden Emotionen. Das Herzblut, das die Verantwortlichen in „Das Versprechen eines Lebens“ gesteckt haben, ist für das Publikum regelrecht spürbar. Dabei ist die Verschmelzung aus Drama und Kriegsfilm eigentlich wie prädestiniert für einen nach Awards schielenden Beitrag im Stile von „Unbroken“ oder „Die Bücherdiebin“. Dass es Russell Crowe jedoch nicht darum geht, mithilfe von viel Tränendrüsendrückerei um Filmpreise zu betteln, wird sogleich bei der Wahl der Thematik deutlich: Mit der Schlacht um Gallipoli wählte der Regiedebütant ein Thema, dessen geschichtliche Ausmaße nur wenigen bekannt sind. Crowe weiß darum und appelliert mit sichtbarem Aufklärungsgedanken daran, auch vor vermeintlich weniger wichtigen Geschichtsereignissen nicht die Augen zu verschließen. Mithilfe der schnörkellos-betörenden Kameraarbeit des kürzlich verstorbenen Bilderkünstlers Andrew Lesnie („Der Herr der Ringe“) und einem zurückhaltenden Score von David Hirschfelder („Die Legende der Wächter“) verzichtet Crowe auf ein etwaiges Kitschaufkommen.

Das Versprechen eines Lebens

„Das Versprechen seines Lebens“ bleibt weitestgehend frei von jedweder Gefühlsmanipulation, stattdessen stellt sich die Story in den Dienst von Crowes Ausgangsidee, einen Film zu drehen, um auf ein einschneidendes, historisches Ereignis aufmerksam zu machen. Dass sich Russell Crowe ausgerechnet in seiner ersten Regiearbeit auch noch der schweren Doppelaufgabe der Hauptrolle annahm, ist mutig. Gleichzeitig beweist er somit auch sein genaues Auge auf Seiten des Castings. Seine Verkörperung des zurückhaltenden Joshua Connor ist makellos und dem kantigen Mimen wie auf den Leib geschrieben. Crowe weiß in den stillen Momenten die richtigen, subtilen Akzente zu setzen und besticht insbesondere in der Interaktion mit Olga Kurylenko („Oblivion“), deren Hauptrolle der kontaktscheuen Muslimin Ayshe mehr Potenzial birgt, als es der Film auszuschöpfen vermag. Als waschechter Aufmerksamkeitsdieb erweist sich jedoch Nachwuchsschauspieler Dylan Georgiadas, der als Ayshes Sohn den Charaktertyp des „frechen Bengels“ verinnerlicht hat und die Szenerie in den entscheidenden Momenten mit punktgenau platziertem Wortwitz auflockert. Da ist es fast schade, dass seine Figur selbst bei allem Charisma doch nur eine dramaturgische Randerscheinung bleibt.

Fazit: „Das Versprechen eines Lebens“ besitzt zahlreiche Momente, in denen der Zuschauer im Seherlebnis gestört wird. Zur selben Zeit gleicht Russell Crowe diese Defizite auf der technischen Ebene aus und legt seinen Schwerpunkt in den entscheidenden Momenten auf sein Ausgangsvorhaben: Seine Story steht stellvertretend für die Kriegsverbrechen in der Schlacht von Gallipoli, denen von Seiten der breiten Öffentlichkeit bislang nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dies wird ab sofort anders sein. Für thematisch Interessierte bietet „Das Versprechen eines Lebens“ passioniertes Kino, dem man das Herzblut zu jeder Zeit anmerkt.

„Das Versprechen eines Lebens“ ist ab dem 7. Mai in ausgewählten, deutschen Kinos zu sehen!

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