Monsieur Chocolat

Es ist erschreckend, wie selbstverständlich es ist, bei Filmen mit Rassismusthematik immer wieder die Aktualität derselben zu betonen. So auch im Falle des französischen Biopics MONSIEUR CHOCOLAT, das den Aufstieg und Fall des gleichnamigen Clowns Ende des 19. Jahrhunderts nacherzählt – des ersten schwarzen, wohlgemerkt. Mehr dazu in meiner Kritik. Monsieur Chocolat Read more

Das startet am 12. Mai 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 12. Mai. Ganz gleich, was für Titel die Verleiher dieser Tage in die Kinos entlassen: Das Wetter macht den Starts gehörig zu schaffen. Daher ist es auch schwer, abzuschätzen, wie sich doch recht große Starts wie „Angry Birds“ wohl schlagen werden. Qualitativ ist das allerdings weniger relevant, denn das Highlight der Woche trifft man ohnehin in viel zu wenigen Kinos an. Die Rede ist von der Tragikomödie „Mängelexemplar“ – eine echte, deutsche Filmperle. Derweil bleibt „Victor Frankenstein“ hinter seinen Möglichkeiten zurück und „Wie Männer über Frauen reden“ hätte eigentlich auch mehr Potenzial, als es der Film schlussendlich zeigt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MÄNGELEXEMPLAR | Regie: Laura Lackmann | DE 2016

Mängelexemplar

Karo (Claudia Eisinger) hat kein Problem. Karo ist das Problem: Für ihre Chefin, ihren Freund und für einen Baumarktmitarbeiter, der Karo nach einem sonderbaren Wutausbruch in Gewahrsam nehmen muss. Und es stimmt, mit Karo stimmt was nicht. Sie ist ungeduldig, viel zu emotional und hat sich selbst nicht unter Kontrolle. Als Karo deswegen ihren Job verliert und selbst ihre beste Freundin nichts mehr von ihr wissen will, wird ihr klar, dass sich etwas ändern muss. Voller Übereifer stürzt sie sich in eine Therapie, will die Superpatientin sein und macht gerade deshalb alles falsch. Als daraufhin ihr Freund mit ihr Schluss macht wird es ernst. Von Panikattacken in die Depression getrieben muss sie feststellen, dass es nicht leicht ist, ein Problem zu lösen, wenn man es selber ist.
4 von 5

„Mängelexemplar“ ist ein unglaublich spannendes, wenngleich nicht einfach so zu konsumierendes Filmerlebnis, das Depressionen so einfängt, wie sie sind: unbequem. Kleiner Tipp: Wer der Meinung ist, Depressive seien doch „einfach nur traurig“, sollte sein Geld vielleicht lieber in einen anderen Film investieren.


ANGRY BIRDS – DER FILM | Regie: Clay Kaytis, Fergal Reilly | USA 2016

Angry Birds - Der Film

In der animierten 3D-Komödie „Angry Birds – Der Film“ finden wir endlich heraus, warum die Vögel so sauer sind. Der Film entführt uns auf eine Insel, die ausschließlich von glücklichen, flugunfähigen Vögeln bewohnt wird – oder zumindest fast. In diesem Paradies gehörten Red (deutsche Stimme: Christoph Maria Herbst), ein Vogel mit der Neigung zu cholerischen Wutausbrüchen, der blitzschnelle Chuck (deutsche Stimme: Axel Stein) und der unberechenbare Bombe (deutsche Stimme: Axel Prahl) schon immer zu den Außenseitern. Doch als die Insel eines Tages von mysteriösen grünen Schweinchen besucht wird, liegt es an diesen drei Ausgestoßenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, herauszufinden, was die Schweine im Schilde führen. 2 von 5

Eine Handlung, die innerhalb eines Handyspiels etwa drei Sekunden einnimmt, lässt sich eben schwer auf über 60 Minuten strecken. Erst im Finale kommt jener anarchische Humor zum Tragen, der im Trailer angekündigt wurde. Bis dahin bekommt der Zuschauer trotz tollem 3D nur wenig geboten.


 VICTOR FRANKENSTEIN – GENIE UND WAHNSINN |  Regie: Paul McGuigan |  GB 2015
Victor Frankenstien - Genie und Wahnsinn

Der radikale Wissenschaftler Victor Frankenstein (James McAvoy) rettet den in einem Zirkus arbeitenden Igor Strausmann vor den brutalen Misshandlungen seiner Vorgesetzten. Er nimmt ihn mit in sein Labor, wo er ihn mit der Anatomie des Menschen vertraut macht. Gemeinsam teilen die beiden ungleichen Männer schon bald eine düstere Vision: Durch ihre bahnbrechenden Forschungen wollen sie der Menschheit zur Unsterblichkeit verhelfen. Aber Victors Experiment geht zu weit und seine Obsession hat grauenvolle Konsequenzen. Nur Igor kann seinen Freund am Rande des Wahnsinns erreichen und ihn vor seiner monströsen Kreation retten. Schon bald hat es auch die Polizei auf die beiden abgesehen und eine Flucht scheint ausweglos. Da entscheidet sich Victor, all die düsteren Pläne in die Tat umzusetzen… 2 von 5

„Victor Frankenstein“ fährt das in der ersten halben Stunde dargebrachte Potenzial mit Schwung an die Wand, um Platz für ein halbherziges Effektegewitter zu machen. Am Ende bleibt ein nicht mal durchschnittliches Horrordrama übrig, das so viel mehr könnte.


WIE MÄNNER ÜBER FRAUEN REDEN  |  Regie: Henrik Regel  |  DE 2016

Wie Männer über Frauen reden

„Frankies Club ist wie Disneyland: Hier stehen nur die neuesten Spielsachen rum“, sagt DJ über die Bar seines besten Freundes Frankie. Hier treffen sich regelmäßig die Kumpels von DJ und Frankie, die ihr Leben in vollen Zügen auskosten – und nicht die geringste Absicht haben, dies zu ändern, obwohl sie eigentlich längst aus dem Alter raus sein sollten. Aber sie haben Angst, es könnte ihnen so gehen wie Marco, der früher immer an ihrer Seite war, jetzt aber domestiziert ist. Oder man könnte so werden wie der 21-jährige Sohn von DJ, Martini, der große Romantiker, den die Frauen umschwärmen, der aber stets auf der Suche nach der großen Liebe ist. Obwohl Martini längst flügge ist, lebt er immer noch unter einem Dach mit seinem alten Herrn – und manchmal will man glauben, dass er längst erwachsener ist als sein Daddy.2 von 5

„Wie Männer über Frauen reden“ ist der Hipster unter den deutschen Romantic Comedies. Und wie das mit Hipstern nun mal so ist, wissen nur die Wenigsten, was sie mit ihm anfangen sollen, wenn er direkt vor einem steht.


DIE POESIE DES UNENDLICHEN | Regie: Matthew Brown | UK 2015
Die Poesie des Unendlichen

Im Indien des Jahres 1913 arbeitet Srinavasa als einfacher Büroangestellter. Seine Berufung ist jedoch eine andere: Er hat ein einzigartiges Gespür für Mathematik. Wild entschlossen, seine Hingabe an die Zahlen zu verwirklichen, schreibt Ramanujan an G. H. Hardy, einen bedeutenden britischen Mathematikprofessor. Dieser erkennt Ramanujans Originalität und Brillanz und setzt sich gegen Widerstände aus den eigenen akademischen Reihen durch, den „Rohdiamanten“ samt seiner unkonventionellen Ideen nach Cambridge zu bringen. Für eine Reise ins Ungewisse verlässt Ramanujan sein Land, seine Familie und Ehefrau Janaki. Angekommen in England, kann er auf das Verständnis und Vertrauen seines Mentors Hardy bauen. Unter seiner Protektion entwickeln sich Ramanujans Theorien zu Formeln, die die Welt für immer verändern.


DER JUNGE MESSIAS  |  Regie: Cyrus Nowrasteh |  USA 2016

Der junge Messias

Der siebenjährige Jesus lebt mit seinen Eltern Maria und Josef in Alexandria, wohin sie geflüchtet sind. Jesus, der wegen seiner besonderen Fähigkeiten immer wieder in Schwierigkeiten gerät, erweckt eines Tages einen toten Jungen wieder zum Leben und zieht damit den Argwohn der Bewohner auf sich. In einem Traum erfährt Josef, dass Herodes gestorben ist und er mit seiner Familie nach Palästina zurückkehren soll. Er beschließt, die Abreise nach Nazareth zügig anzutreten. Schon fast zuhause angekommen, erkrankt Jesus‘ Onkel. Vor allen Augen heilt Jesus ihn. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Der römische Centurio Severus erhält den Auftrag, das wundertätige Kind zu finden und zu töten. Kaum in Nazareth angekommen, sieht sich Jesus erneut den Gefahren römischer Verfolgung ausgesetzt, versteht aber nicht, warum…


JUNGES LICHT  |  Regie: Adolf Winkelmann|  DE 2016

Junges LichtDie 60er-Jahre, ein Sommer im Ruhrgebiet. Der Krieg ist vorbei. Das Ruhrgebiet sorgt mit Kohle und Stahl für das Wirtschaftswunder und den Fortschritt der gesamten Republik. Die Gastarbeiter sind schon da und Tante-Emma-Läden noch rentabel; Rauchen gilt nicht als gesundheitsgefährdend und Currywurst als nahrhaft. Während die Männer unter Tage malochen, vertreiben sich die Jungen ihre Zeit mit Zigaretten, Bier und Obszönitäten. Doch der 12-jährige Julian ist anders. Er kümmert sich liebevoll um seine kleine Schwester, schmiert Brote für seinen Vater und dient sonntags in der Messe. Mit Neugier beobachtet er, was um ihn herum geschieht. Die Nachbarstochter Marusha hat es ihm angetan, die jedoch nicht nur den Jungen fasziniert. Als sich die latente erotische Spannung plötzlich entlädt, gerät das Leben von Julian und seiner Familie aus der Bahn.


HAPPY HOUR  | Regie: Franz Müller |  DE/IE 2015

Happy Hour

„Happy Hour“, das ist in diesem Fall die Bezeichnung für das regelmäßige Schäferstündchen von HCs Frau und ihrem Liebhaber, wie der gehörnte Ehemann zufällig per fehlgeleiteter SMS erfährt. Zutiefst erschüttert, aber friedfertig wie eh und je, klagt er seinen Jugendfreunden Wolfgang und Nic sein Leid. Die reagieren mäßig mitfühlend – fühlen sich aber trotz eigener Probleme in Beziehungsdingen dazu berufen, HC und seine Männlichkeit zu retten. So fliegt das ungleiche Trio zu einem Kurztripp in Wolfgangs Cottage in Irland, wo sie es in rauer Natur und bei viel Guinness ordentlich krachen lassen wollen. Wolfgangs spießige Hausregeln stehen dem wilden Leben zunächst noch mehr im Weg als HCs Lethargie, doch als die irischen Frauen ins Spiel kommen, sieht sich jeder der Dreien plötzlich vor ganz eigene Aufgaben gestellt…


REMAINDER|  Regie: Omar Fast |  UK/DE 2015

Remainder

Wie die unendliche Schleife eines Möbiusbands beginnt und endet „Remainder“ im selben Moment. Darin liegt der Ausschnitt eines Lebens: Nachdem er sein Gedächtnis bei einem schweren Unfall verloren hat, versucht ein junger Mann, sich selbst zu verstehen, indem er in seine bruchstückhafte Erinnerung eintaucht. Die achteinhalb Millionen Pfund Schadensersatz, die er unter der Maßgabe des Stillschweigens erhalten hat, ermöglichen es ihm, sich immer obsessiver eine Welt und eine Identität zusammenzubauen, in der sich die mögliche Vergangenheit in der Gegenwart realisiert.

„Remainder“ ist der erste Spielfilm des weltweit renommierten Videokünstlers Omer Fast, nach dem internationalen Bestseller von Tom McCarthy.


Heimkinotipp: DIE WINZLINGE | Regie: Helene Giraud, Thomas Szabo | FR/BE 2015

Die Winzlinge - Operation Zuckerdose

In einem wunderschönen Tal leben winzige Bewohner friedlich miteinander, bis eines Tages eine schwarze Ameise einen fabelhaften Schatz entdeckt: Eine vergessene Zuckerdose. Darin versteckt sich ein kleiner Marienkäfer, der seine Familie verloren hat. Die Ameisen und der Käfer freunden sich schnell an und begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Reise zum heimatlichen Hügel. Doch ein Stamm roter Ameisen hat es ebenfalls auf die wertvolle Fracht abgesehen. Es beginnt eine wilde Jagd durch Wälder und Wiesen und auf einem reißenden Fluss…
4 von 5

Familienbespaßung der minimalistischen Art: Das Regieduo aus Hélène Giraud und Thomas Szabo kombiniert in seinem 3D-Animationsfilm „Die Winzlinge“ moderne Tricktechnik und die Schönheit der Natur. Vor realer Kulisse liefern sich animierte Winzlinge einen abenteuerlichen Kampf um eine Zuckerdose, der vor Kreativität nur so strotzt.

The Witch

Weltweit wird Robert Eggers‘ Langfilmdebüt THE WITCH gefeiert. Sogar auf dem renommierten Sundance Film Festival gewann das Horrordrama einen Preis. Doch doch die Produktion stolpert über ihre eigenen Ambitionen und ist damit nicht einmal Durchschnitt. Mehr dazu in meiner Kritik.THE_WITCH_Hauptplakat_4C Read more

Videoabend: The Lobster

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner neuen Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem dystopischen Liebesdrama „The Lobster“, das seit dem 28. April 2016 im Handel erhältlich ist.

The Lobster

Eine Gesellschaft in der nahen Zukunft, in der ein Leben zu zweit das oberste Gebot ist. Singles werden verhaftet und in eine Anstalt namens „The Hotel“ gebracht. Dort haben sie genau 45 Tage Zeit, um einen passenden Partner zu finden. Scheitern sie, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und im Wald ausgesetzt. David gelingt (Colin Farrell) die Flucht aus dem Hotel in den Wald, wo allerdings „The Loners“ das Sagen haben. Das Dogma ihres restriktiven Regimes ist das Alleinsein. Partnerschaften sind streng untersagt. Doch David verliebt sich in eine Frau (Rachel Weisz) – und verstößt damit gegen die Regeln.

Mit scharfer Präzision und beißendem Humor erzählt der griechische Film „The Lobster“ seine Geschichte wie eine dunkle, unheimliche Fabel.

Sony Pictures Home bewirbt ihn so: 

Willkommen in der urkomischen und abgedrehten Welt von THE LOBSTER!

Kritik

Es ist eine Krux mit der deutschen Kinolandschaft: Da die Vermarktungsmöglichkeiten eines Films hierzulande an erster Stelle stehen, fallen ab und an Produktionen durchs Raster, die sich nur schwer einer bestimmten Zielgruppe zuordnen lassen wollen. So geschehen im Falle von „Under the Skin“ mit Scarlett Johansson und nun eben auch mit dem griechischen Cannes-Beitrag „The Lobster“, den der Verleih Sony Pictures trotz eines immens innovativen Konzepts und einer spektakulären Besetzung nicht in die hiesigen Lichtspielhäuser bringen wollte. So ganz verübeln kann man es dem Studio nicht, denn für ein profitorientiertes Unternehmen wie dieses stehen die eigenen Interessen nun mal an erster Stelle. „The Lobster“ in die Kinos zu bringen, hätte angesichts der wohl recht geringen Menge interessierter Zuschauer vermutlich ein Verlustgeschäft für Sony bedeutet. Für diejenigen, die Yorgos Lanthimos‘ Regiearbeit seit der gefeierten Uraufführung in Cannes entgegenfieberten, ist der Wegfall eines Kinostarts von „The Lobster“ dennoch und berechtigterweise ein Schlag ins Gesicht. Da ist es vermutlich nur ein schwacher Trost, dass es der Film, der hierzulande den Untertitel „Eine unkonventionelle Liebesgeschichte“ trägt, nun endlich in die deutschen Heimkinos schafft. Auf DVD nur, aber immerhin. Und wer sich dazu entschließt, hier, entweder mit Vorwissen oder blind, zuzugreifen, bekommt ein Spielfilmerlebnis geboten, das es so tatsächlich noch nie gegeben hat.

Ein Blick auf die Castliste verrät: Das Konzept von „The Lobster“ muss sich schon auf dem Papier so bahnbrechend gelesen haben, dass der vorab nur eingefleischten Cineasten bekannte Filmemacher Yorgos Lanthimos („Dogtooth“) keinerlei Mühe gehabt haben dürfte, Hollywoodstars wie Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux, John C. Reilly oder Ben Whishaw für seinen Film zu verpflichten. Mit stoischer Emotionslosigkeit, begleitet von einem nicht minder einfältigen Voice-Over-Kommentar, erwecken die Mimen eine Geschichte zum Leben, die sich als mitreißende Allegorie auf unsere heutige Welt versteht, in der Probleme wie Bindungsangst und Beziehungsunfähigkeit das eine Extrem bilden, dem das sich unbedingte Sehnen nach einer Partnerschaft und die zwanghafte Suche nach der großen Liebe gegenüberstehen. Es kommt nicht von Ungefähr, dass sich die Figuren in „The Lobster“ bis zu einem gewissen Grad vollkommen frei von jedweden Gefühlen zeigen. Denn das Wichtigste am Suchen und Finden der Liebe – die Liebe selbst –  findet in „The Lobster“ einfach nicht statt. Sie ist ein Geschäft und amouröse Verwicklungen sind ein notwendiges Übel. Unter Zuhilfenahme minimalistischer Musikuntermalung, die zum Großteil aus ein und derselben Tonabfolge besteht, wird aus dem Film, der fälschlicherweise als Komödie tituliert wird, ein mit der Zeit immer intensiveres Erlebnis, das uns mit emotionalen Ängsten konfrontiert, die uns tief im Inneren packen. Denn es braucht oftmals nicht die Aussicht darauf, in ein Tier verwandelt zu werden, um sich in der Partnersuche unter Druck zu setzen. Manchmal reicht schon der Gedanke daran, dass wir nicht allein sein können und in uns bricht eine Welt zusammen.

THE LOBSTER stammt von Yorgos Lanthimos, das Skript stammt von Yorgos Lanthimos und Efthymis Filippou. Unter den Darstellern finden sich Colin Farrell, Rachel Weisz, Léa Seydoux, John C. Reilly, Ben Whishaw, Jessica Barden, Olivia Colman und Ashley Jensen. Bei dem Film handelt es sich um eine griechische Drama-Produktion aus dem Jahr 2015. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 118 Minuten.

Fazit

Das griechische Liebesdrama „The Lobster“ zeichnet eine dystopische Zukunft voller Widersprüche, die so absurd und krank ist, wie eine Gegenwart, in der Online-Dating, Speeddates und wissenschaftlich fundierte Partnerbörsen zum Alltag gehören. Der Kuriosität, nicht das Herz, sondern den Kopf über die Liebe entscheiden zu lassen, setzt Yorgos Lanthimos eine surreale Krone auf, die gleichsam so schön ist, dass man sich wünscht, „The Lobster“ würde noch viele weitere Stunden gehen. Innovatives Kino aus einem Land, das Filme kreiert, die hierzulande sonst kaum Beachtung finden – wer nach etwas wirklich Neuem sucht, der hat mit „The Lobster“ sein nächstes Pflichtprogramm gefunden.

Mein Tipp: Unbedingt kaufen!

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