Ein ganzes halbes Jahr

Vor den Fernsehgeräten dominiert Fußball aktuell als Thema Nummer eins das Geschehen. Im Kino darf indes geschluchzt werden. Thea Sharrock adaptiert den Bestseller EIN GANZES HALBES JAHR für die Leinwand und macht daraus ein überraschend unsentimentales Romantikdrama. Meine Kritik zum Film lest Ihr hier.
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Das startet am 16. Juni 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 16. Juni, der mit zwei Knallern auftrumpft, die das zweifelhafte Glück haben, gegen die EM und damit auch so ziemlich allein auf weiter Flur anzulaufen. Die Rede ist zum einen von der großartigen Horrorfortsetzung „Conjuring 2“, sowie von Jean-Marc Vallées Tragikomödie „Demolition“. Während sich das „Conjuring“-Sequel sicher schon aufgrund des Namens durchsetzen wird, könnte es die Jake-Gyllenhaal-One-Man-Show schwer haben. Der Titel ist nichtssagend und wer mit der Filmwelt nicht allzu vertraut ist, der wird auch mit dem Namen Jean-Marc Vallée nicht so viel anfangen, obwohl seine letzten Filme alle von der Kritik hochgelobt wurden. Wie sich der diese Woche als einziger annähernd als Mainstream-Blockbuster durchgehende Film „Central Intelligence“ schlägt, kann ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht sagen. Der Film wurde der Presse bislang noch nicht gezeigt.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CONJURING 2 | Regie: James Wan | USA 2016

Conjuring 2

Ed und Lorraine Warren (Patrick Wilson du Vera Farmiga) haben sich in den USA als Berater für übernatürliche Phänomene etabliert. Als ein weiterer Einsatz Lorraine an die Grenzen des Aushaltbaren führt, beschließt das Ehepaar, ihre Arbeit für eine Weile ruhen zu lassen. Doch dieses Vorhaben lässt sich nicht lange in die Tat umsetzen. Sie hören von rätselhaften Vorkommnissen in London, die einer alleinerziehenden Mutter und ihren vier Kindern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein Dämon in Gestalt eines alten Mannes scheint sie aus dem Haus vertreiben zu wollen, der schon bald von Tochter Janet (Madison Wolfe) Besitz ergreift. Immer wieder wendet er sich mit aller Gewalt gegen die Familie, die in Ed und Lorraine Warren die letzte Möglichkeit sieht, heil aus dieser Sache herauszukommen. 5 von 5

Wer dachte, mit „Conjuring“ hätte James Wan den qualitativen Gipfel seiner Vita erreicht, der irrt. Die Fortsetzung liefert mehr Story, mehr Grusel, mehr Emotionen und damit einfach noch mehr Spaß. Eine Neuerfindung des Genres ist das zwar nicht, aber es ist die ultimative Perfektion dessen, was wir sehen wollen, wenn wir ein Kinoticket für einen Horrorfilm lösen.


DEMOLITION: LIEBEN UND LEBEN | Regie: Jean-Marc Vallée | USA 2015

Demolition - Lieben und Leben

Als seine Frau bei einem Autounfall tödlich verunglückt, bricht für den erfolgreichen Investmentbanker Davis (Jake Gyllenhaal) eine Welt zusammen. Obwohl sein Schwiegervater (Chris Cooper) ihn drängt, sich zusammenzureißen, verliert Davis zusehends die Kontrolle über sich. Ein Beschwerdebrief, den er an eine Verkaufsautomaten-Firma schreibt, weckt die Neugier der Kundendienst-Mitarbeiterin Karen (Naomi Watts). Daraus entspinnt sich ein reger Briefwechsel, der viele persönliche, geradezu intime Geständnisse zur Folge hat. Die beiden Fremden lernen sich persönlich kennen und entwickeln eine tiefe Beziehung, die sich für beide als Rettung erweist. Mit Hilfe von Karen und deren 15 Jahre alten Sohn (Judah Lewis) beginnt Davis ein neues Leben – doch dafür muss er zunächst sein altes hinter sich lassen.
4 von 5

Ab und an lässt „Demolition“ eine eigene Identität vermissen, doch insgesamt beweist das Duo Gyllenhaal-Vallée ein hervorragendes Gespür im Handling kleiner Gesten. Das Drama mit vielen humoristischen Ausschlägen ist ein unaufgeregter ruhiger Film, in dessen Aussagen viel Wahrheit steckt.


CENTRAL INTELLIGENCE |  Regie: Rawson Marshall Thurber |  USA 2016

Central Intelligence

Einst war er in der Schule der Nerd, auf dem alle herumgehackt haben. Heute, ganze zwanzig Jahre später, steht das Klassentreffen bevor und aus Bob (Dwayne Johnson) ist ein muskelbepackter Strahlemann geworden. Doch es kommt noch besser: Für einen vermeintlich streng geheimen Fall rekrutiert er seinen ehemaligen Klassenkameraden (Kevin Hart) Calvin, dem Bob damals die Rettung aus einer äußerst misslichen Lage zu verdanken hatte. Calvin, der früher den Schulhof im Griff hatte, ist heute ein verheirateter Buchhalter und träumt noch immer von seinen glorreichen Tagen an der High School. Die Zusammenarbeit mit Bob könnte ihn aus seinem Alterstrott herausbringen, doch worauf er sich eingelassen hat, merkt der seriöse Schreibtischtäter erst, als sein unberechenbarer neuer Freund ihn längst in ein bleihaltiges Spionage-Abenteuer verwickelt hat. 4 von 5

In „Central Intelligence“ werden früh die richtigen humoristischen Weichen gestellt, die das Publikum wenig später an einer der lustigsten, cleversten und liebenswertesten Komödien des Jahres teilhaben lassen. Das Tüpfelchen auf dem i bilden eine Handvoll feiner Cameoauftritte sowie die unschlagbare Chemie zwischen Kevin Hart und Dwayne Johnson.


 DAS TALENT DES GENESIS POTINI  |  Regie: James Napier Robertson  |  NZL 2016

Das Talent des Genesis Potini

Genesis Potini ist manisch-depressiv und seit vielen Jahren Psychiatriepatient. Als er wieder einmal aus der Klinik entlassen wird, sucht er Unterschlupf bei seinem Bruder Ariki. Der ist Mitglied einer kriminellen Biker-Gang, was in Kombination mit Genesis‘ extremen Stimmungsschwankungen jede Menge Zündstoff birgt. Die brüchige familiäre Harmonie ist somit nicht von Dauer, zumal Genesis die Sorge um seinen schüchternen Neffen Mana umtreibt: Gegen seinen Willen soll dieser in die Biker-Gang seines Vaters eingeführt werden. Trost und Ablenkung bietet jedoch bald seine eher ungewöhnliche Leidenschaft: das Schachspiel. Genesis beherrscht das Spiel der Könige wie ein Weltmeister. Als er die jugendlichen Mitglieder eines örtlichen Schachclubs kennenlernt, erhält er die Chance seine Gabe zu nutzen und beschließt die unterprivilegierten Kids zu trainieren… 3 von 5

Das neuseeländische Drama „Das Talent des Genesis Potini“ erzählt vom typischen Werdegang eines Verlierers, der sich durch eine einzigartige Gabe zurück in die Gesellschaft manövriert. Das ist, gerade aufgrund authentischer Schauspielleistungen, äußerst rührend, inszenatorisch zurückhaltend, inhaltlich aber vorhersehbar und wirkt teilweise konstruiert, obwohl man sich an wahre Tatsachen hält.


 7 GÖTTINNEN | Regie: Pan Nalin | IND/DE 2015
7 Göttinnen

Freida hat ihre besten Jugendfreundinnen zu sich nach Goa eingeladen. In der traumhaften Umgebung des indischen Küstenstaats will sie mit ihnen – zur großen Überraschung aller – ihre Hochzeit feiern. Die Hochzeitsgesellschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: Suranjana ist eine toughe Geschäftsfrau und Mutter, Joanna eine aufstrebende Schauspielerin, Mad eine mit dem Erfolg ringende Musikerin, Nargis engagierte Umweltaktivistin, und die ehemalige Spitzenstudentin Pam ist inzwischen Hausfrau. Umsorgt werden alle von Freidas Hausmädchen Laxmi. Zwar verrät Freida ihren erstaunten Freundinnen noch nicht, wen sie heiraten wird, zum Feiern muss sie sie aber nicht überreden. Und während alle über die Identität des Bräutigams rätseln, beginnen die sieben jungen Frauen wild und ausgelassen über Gott und die Welt zu philosophieren…


SCHAU MICH NICHT SO AN  |  Regie: Uisenma Borchu |  DE 2016

Schau mich nicht so an

Hedi und Iva sind Nachbarinnen. Sie begegnen sich durch Ivas Tochter Sofia. Die aufgeweckte Kleine ist das erste Bindeglied zwischen den beiden jungen Frauen, doch schon bald entwickelt sich aus der Freundschaft eine leidenschaftliche Beziehung. Iva ist von Hedis geheimnisvoller und exotischer Art fasziniert und lässt sich mit Leib und Seele auf die Beziehung zu ihr ein. Als jedoch Ivas Vater nach vielen Jahren wieder auftaucht, um das belastete Verhältnis zu seiner Tochter in Ordnung zu bringen, verändern sich schlagartig Hedis Gefühle gegenüber Iva. Sie beginnt ein seltsames Spiel und zieht Vater und Tochter immer weiter in ein Netz aus Begierde, Verrat und Schuld, bis die Situation schließlich eskaliert. Die Geschlechterrollen werden in Uisenma Borchus fulminantem Erstlingsfilm provokant in Frage gestellt.


EIN NEUES LEBEN  |  Regie: Edoardo Winspeare | IT 2014

Ein neues Leben

Salento, Süditalien: Die eigene kleine Textilfabrik muss schließen, das Wohnhaus wird verkauft, eine Drei-Generationen-Familie kämpft um ihre Existenz. Nachdem ihr Bruder emigriert ist, sucht die energische Adele nach Auswegen. Ihre Schwester denkt nur daran, Schauspielerin zu werden, die halbwüchsige Tochter reagiert aggressiv, nur die Großmutter nimmt die Schicksalsschläge gelassen hin. Alles scheint verloren, auch das menschliche Miteinander. Die einzige Möglichkeit, das tägliche Überleben zu sichern, liegt in der Feldarbeit und der Rückkehr zu einfachen Tauschgeschäften. Und genau das ist der Beginn eines Weges, auf dem die vier Frauen das Leben und ihre Zuneigung zueinander ganz neu erfahren. Liebevoll und authentisch erzählt Edoardo Winspeare eine Geschichte, die zugleich die Wirtschaftskrise und die Identität einer Region skizziert.


Heimkinotipp: ZOOLANDER NO. 2 | Regie: Ben Stiller | USA 2016

Zoolander No. 2

Die Welt braucht Derek Zoolander mehr denn je! Denn bereits mehrere Berühmtheiten wurden ermordet. Und alle haben während ihres letzten Atemzugs noch schnell ein Selfie im „Blue Steel“-Look gemacht. Eigentlich hat die Modebranche Derek vergessen, er und Hansel haben sich zur Ruhe gesetzt. Doch ohne ihre Hilfe ist die gesamte VIP-Welt in großer Gefahr. Dass auch Modezar Mugatu wieder seine Finger im Spiel zu haben scheint, macht das Ganze nicht einfacher. Die Rettung aus dieser mehr als bedrohlichen Lage erfordert den geballten Intellekt der beiden Ex-Models. Die notwendige Unterstützung bekommen sie dabei von der resoluten Interpol-Agentin Valentina, die immer noch darunter leidet, dass sie wegen ihrer beachtlichen Oberweite als Model nie High Fashion präsentieren durfte.
4 von 5

Mehr Gaststars, mehr Mode, mehr Zeitgeist – das fetzt! In „Zoolander No. 2“ ist alles noch eine Spur pompöser und bombastischer, doch trotz der Konzentration auf den Klamauk hat auch diese absurde Komödie das Herz am rechten Fleck. Ben Stillers neueste Regiearbeit legt die Latte für das Komödiengenre im Jahr 2016 ganz weit nach oben. Wir sagen: Blu-ray gekauft und Cameos gezählt!

Verlosung: Suffragette

Zu einem besseren Zeitpunkt könnte das auf wahren Ereignissen beruhende Historiendrama SUFFRAGETTE nicht erscheinen. Der zu Unrecht vollkommen leer bei den Oscar-Nominierungen ausgegangene Film beschäftigt sich mit der Suffragetten-Bewegung in Großbritannien, die sich für das Frauenwahlrecht und die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft einsetzte. Nun ist der Film im Heimkino erhältlich. Zum DVD- und Blu-ray-Release am 16. Juni verlose ich in Kooperation mit Concorde Home Entertainment zwei Blu-rays zum Film. Was Ihr tun müsst, um einen der Preise abzustauben, erfahrt Ihr weiter unten in diesem Posting.

1903 gründete Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) in Großbritannien die „Women’s Social and Political Union“, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren sowohl durch passiven Widerstand, als auch durch öffentliche Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpften sie für die allgemeine Gleichstellung der Frau und für heute so selbstverständliche Dinge wie das Rauchen in der Öffentlichkeit. Die sogenannten „Suffragetten“ waren teilweise gezwungen in den Untergrund zu gehen und ein gefährliches Katz- und Maus-Spiel mit dem immer brutaler zugreifenden Staat zu führen. Es waren größtenteils Arbeiterfrauen, die festgestellt hatten, dass friedliche Proteste keinen Erfolg brachten. In ihrer Radikalisierung riskierten sie alles zu verlieren – ihre Arbeit, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben. Die Wäscherin Maud (Carey Mulligan), verheiratet und Mutter eines Sohnes, war eine von ihnen…

„Suffragette“ besticht als in seiner Aktualität beklemmendes Schauspielstück, das sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt. Weshalb das auch visuell spektakulär ausgestattete Historiendrama ohne jede Oscar-Nominierung bleibt, das verstehe wer will.

Suffragette

Ihr wollt Euch „Suffragette“ auf keinen Fall entgehen lassen? Dann müsst Ihr nichts weiter tun, als den zu dieser Verlosung gehörenden Facebook-Beitrag zu kommentieren, zu teilen oder zu liken. Da sich Wessels-Filmkritik.com immer über neue Follower freut, ist diese Verlosung ausschließlich für meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower bestimmt. Einfach Fan werden – schon habt Ihr die Chance auf einen Gewinn!

Nach Teilnahmeschluss am 19. Juni 2016 um 23:59 Uhr wähle ich via Zufallsverfahren den Gewinner oder die Gewinnerin aus und schreibe ihn oder sie über eine Privatnachricht an, damit Ihr den Preis so schnell wie möglich erhaltet. Nach Abschluss der Verlosung werden alle personenbezogenen Daten gelöscht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Videoabend Serienspecial: Preacher

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen AMC-Serie „Preacher“, deren erste Staffel seit dem 22. Juni 2016 bei Amazon Prime zu sehen ist.

Preacher

Der gut aussehende Texaner Jesse Custer (Dominic Cooper) hat es nicht leicht. Nach der schmerzhaften Trennung von seiner Freundin Tulip (Ruth Negga) sucht er sein Glück an einer kleinen Kirche in der Provinz, wo er sich mehr schlecht als recht jeden Sonntag an tiefschürfenden Predigten versucht. Zur selben Zeit werden Prediger quer durch die USA von einer mysteriösen Kreatur heimgesucht, die ihnen zunächst übernatürliche Kräfte verleiht und anschließend auf qualvolle Art und Weise den Tod bringt. Eines Tages wird auch Jesse zum Opfer ebenjenes Wesens, das ihn dazu bringt, einen gefährlichen Einfluss auf seine Mitmenschen zu auszuüben. Alles, was Jesse ihnen befiehlt, führen diese sogleich aus – und das nicht immer nur im übertragenden, sondern manchmal auch im schrecklich wörtlichen Sinne. Gemeinsam mit dem irischen Vampir Cassidy (Joe Gilgun) und seiner Ex Tulip macht sich Jesse auf die Suche nach Gott und versucht herauszufinden, was hinter diesen merkwürdigen Vorkommnissen steckt.

Amazon Prime bewirbt die Serie wie folgt:  

Jeden Montag eine neue Folge – Preacher handelt vom texanischen Prediger Jesse Custer, der seit Jahren von einer mysteriösen Entität besessen ist. Zusammen mit einigen Gefährten macht er sich sich auf die Suche nach Gott.

Kritik

Vom Duo Goldberg-Rogen ist man zwar immer eine gewisse Derbheit gewohnt, doch besonders blutig ging es bei den Verantwortlichen von „Das ist das Ende“, „Bad Neighbors 1 und 2“, „Die highligen drei Könige“ und „The Interview“ noch nie zu. Was die beiden trotzdem zur idealen Besetzung des Produzentenpostens bei „Preacher“ macht, ist der unbedingte Wille zum Exzess, die fehlende Scheu, moralische Grenzen zu überschreiten und – natürlich – auch ihr von tiefschwarz bis kindisch-albern reichender Sinn für Humor. Insofern fällt einem auf den ersten Blick auch Niemand so wirklich ein, von dem man sich vorstellen könnte, dass er sich direkt in der Pilotepisode eines neuen TV-Formats trauen würde, Hollywoodstar Tom Cruise in die Luft zu sprengen. Doch spätestens, wenn die Eilmeldung zu ebenjenem Super-GAU über die Fernsehbildschirme in „Preacher“ flimmert, ist klar: Hier wird es ohne Rücksicht auf Verluste ordentlich zur Sache gehen. Da explodieren Köpfe, ein alter Mann schneidet sich für seine senile Mutter das Herz auf, um es ihr – buchstäblich – „zu öffnen“ und ein Blutsauger verspeist vor laufender Kamera eine (natürlich noch lebende) Kuh.

Das ist nicht etwa der Inhalt einer ganzen Staffel. Nein, all das passiert in „Preacher“ innerhalb der Pilotepisode. „Preacher“ basiert auf der gleichnamigen Comicreihe und gehört Liebhabern zufolge zu den verrücktesten Franchises überhaupt innerhalb des DC-Universums. Und tatsächlich: Schaut man sich die Entwicklung an, die der direkte Marvel-Konkurrent in den vergangenen Jahren sowohl auf der Kino-Leinwand, als auch im Fernsehen durchlief, dann lässt sich „Preacher“ da nur schwer einordnen. Im Vergleich zu Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie, den Eskapaden, die Zack Snyder mit seinem „Man of Steel“ bisher angestellt hat, oder den Serienabenteuern von „Arrow“ oder „Gotham“ ist die Weltsicht in „Preacher“ zwar nicht sonderlich optimistischer. Doch anders als die zurate gezogenen Beispiele geht dem neuesten Schrei aus dem Hause DC die depressiv-melancholische Atmosphäre seiner indirekten Vorgänger ab. Dies mag zum einen daran liegen, dass Seth Rogen und Evan Goldberg das Format nicht bloß produzieren, sondern bei der ersten Folge sogar direkt die Regie übernommen haben. Es ist vor allem der Schreibstil Sam Catlins, dessen Gespür dafür, auch in den düstersten Facetten des Lebens im Detail so etwas wie Komik zu erkennen, hier immer wieder durchscheint; nicht umsonst zeichnete er für einen Großteil der Folgen des Sensationserfolges „Breaking Bad“ verantwortlich. Darüber hinaus wurde mit Michael Slovis ein weiteres Mitglied der „Breaking Bad“-Family verpflichtet. Der Inszenator mehrerer Episoden führte auch bei „Preacher“ Regie.

Preacher

„Preacher“ und „Breaking Bad“ ähneln sich allerdings nicht nur in ihrem Verständnis für Galgenhumor. Auch bei der Zeichnung der Hauptfigur sind Parallelen erkennbar. Wie schon der krebskranke Drogenkoch Walter White ist auch Jesse Custer eine vom Schicksal gebeutelte Person, dessen Handeln von Anfang an sowohl kritisch, als auch bewundernd verfolgt werden kann. Wenn Jesse in seinen Predigten mit sichtbar fehlendem Enthusiasmus zu Werke tritt und er die wenigen verbliebenden Gläubigen ein weiteres Mal herb enttäuscht, ergänzt sich diese Attitüde mit dem generellen Desinteresse, das er seinem Umfeld entgegen bringt. Nein, Jesse ist kein Typ, den man gern um sich hat; als Gläubiger erst recht nicht. Doch mit der Zeit offenbaren sich nicht bloß Teile seiner Vergangenheit, die ihn bisweilen in einem äußerst tragischen Licht erscheinen lassen. Gerade wenn durchscheint, dass Jesse doch im Kern einer von den Guten ist, moralisch vertretbare Ansichten hat und im Glauben so etwas wie Erlösung findet, erschließt sich dem Zuschauer auch rasch die Faszination für die Figur. Dominic Cooper („Abraham Lincoln: Vampirjäger“) meistert diesen Spagat hervorragend, hat stets einen coolen Spruch auf den Lippen und vereint die unnahbare, bisweilen schwer zu durchschauende Seite seines Charakters mühelos mit dem charmant-süffisanten Gegenpart.

PREACHER stammt von Seth Rogen und Evan Goldberg , die auch die Skripts zu den Serienepisoden geschrieben haben. Unter den Darstellern finden sich Dominic Cooper, Joseph Gilgun, Ruth Negga, Lucy Griffith, W. Earl Brown, Tom Brooke, Ian Colletti und Derek Wilson. Bei der Serie handelt es sich um eine US-amerikanische Fantasyhorror-Produktion aus dem Jahr 2016. Die Serie ist hierzulande ungekürzt bei Amazon Prime verfügbar und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt pro Folge zwischen 49 und 64 Minuten.

Schon in den von uns bislang gesichteten zwei Auftaktfolgen schlägt „Preacher“ nicht nur ein hohes Tempo an. Auch der Gewalt- und Goregehalt pendelt sich recht schnell auf einem beachtlichen Level ein. Anders als etwa die Serienvariante von „From Dusk Till Dawn“ wird das jedoch nicht sogleich zum Selbstläufer; wann immer in „Preacher“ Blut spritzt, wird dieser Umstand regelrecht zelebriert. Mit Voyeurismus hat das nichts zu tun, wohl aber mit Kreativität. Seth Rogen und Evan Goldberg machen keine Gefangenen, wenn es darum geht, dem Publikum ein möglichst vielfältiges Maß an Verletzungen, Todesarten et cetera darzubieten. Vielmehr gehen die beiden mit einer fast schon kindlichen Naivität ans Werk, wenn es darum geht, Charakter um Charakter nieder zu meucheln. Hartgesottene werden damit sicherlich keinerlei Probleme haben, im Gegenteil. Durch die handgemachten Effekte behält „Preacher“ durchgehend einen herrlich altmodischen Retro-Charme bei. Wer hingegen zarter besaitet ist, könnte sich an den hier und da empor steigenden Blutfontänen stören. Vor allem deshalb, weil diese zumeist unvorbereitet eintreten und es nahezu unmöglich ist, vorherzusehen, wann es zur nächsten kommen wird.

Fazit

All diese gelungenen Aspekte sind in der Lage, kleinere Schwachpunkte im Rahmen des Auftaktes auszugleichen. Wo der einen Figur zur Einführung eine spektakuläre Actionsequenz über den Wolken vergönnt ist, müssen andere sich mit wenigen Sätzen begnügen, die uns den Charakter zu Beginn nur wenig nahe bringen, was sich in den kommenden Episoden sicherlich ändern kann und wird. Auch die Anzahl der Figuren sowie diverse Wechsel der Settings sorgen zu Beginn für Verwirrung und hemmen ein wenig den Genuss, der dem Versuch weichen muss, bei all den vielen Geschehnissen überhaupt erst einmal einen Überblick über die Prämisse zu bekommen. Trotz ihrer stolzen Lauflänge von über einer Stunde scheint der Pilotfilm immer noch viel zu kurz geraten zu sein. Die zweite Folge „See“ wirkt hingegen übersichtlicher und geordneter, was dem Feeling für kecke Anarchie jedoch nicht im Wege steht. „Preacher“ ist – salopp formuliert – der brandheiße Scheiß des aktuellen Serienfernsehens. Konsequent, blutig, wahnsinnig komisch und unberechenbar. Hallelujah – wir wollen mehr!

Mein Tipp: unbedingt ansehen!

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