Sisu 2: Road to Revenge
Mit SISU 2: ROAD TO REVENGE steigt Jalmari Helander ein wie ein Schlag in die Magengrube – laut, kompromisslos und ohne Rücksicht auf Gemütlichkeit. Er macht von Beginn an klar, dass er sein eigenes Actionuniversum nicht nur fortsetzt, sondern aufdreht. Wo Teil eins schon herrlich rabiat war, setzt die Fortsetzung noch einen drauf und zelebriert ihre Absurditäten mit sichtlicher Freude. Wer hier ein sanftes Warmwerden erwartet, sitzt definitiv im falschen Film.
Darum geht’s
Der ehemalige finnische Kommandosoldat Aatami (Jorma Tommila) kehrt nach dem Zweiten Weltkrieg an den Ort zurück, an dem seine Familie brutal getötet wurde. In tiefer Trauer und mit dem starken Willen, das Andenken seiner Familie zu erhalten, demontiert er sein altes Haus Stück für Stück und lädt die Holzplanken auf ein Fahrzeug. Sein Plan: das Haus an einem sicheren Ort neu aufzubauen, als ehrwürdiges Mahnmal für das, was er verloren hat. Doch die Vergangenheit schläft nicht: Igor Draganov (Stephen Lang), der sowjetische Offizier, der für den Tod von Aatamis Familie verantwortlich ist, kehrt zurück – entschlossen, seine Aufgabe zu Ende zu bringen. Es entbrennt eine erbitterte Verfolgungsjagd quer durch das Land: Aatami versucht, sein zerstückeltes Haus sicher ans Ziel zu bringen, während Draganov mit seinen Truppen gnadenlos hinter ihm her ist.
Kritik
Für viele Gelegenheitskinogänger:innen dürfte der erste „Sisu“ unter dem Radar gelaufen sein. Ein Wunder ist das nicht. Der ohnehin für eine sehr spitze Zielgruppe konzipierte Actionfilm mit Nazisploitation-Anleihen lief aufgrund seiner zahlreichen Gewalteskapaden und Splatterszenen vor allem in der Kino-Spätschiene und durfte dank seiner Altersfreigabe ab 18 auch erst von den „richtigen Erwachsenen“ geschaut werden. Umso beeindruckender ist für diese Verhältnisse der Erfolg: Bei einem Budget von sechs Millionen US-Dollar spielte „Sisu“ weltweit knapp 15 Millionen wieder ein. Darüber lachen die Major-Studios im Anbetracht ihrer Big-Budget-Produktionen, aber für einen Film dieser Größenordnung ist das ein verdammt gutes Ergebnis. Daher ist die Verwunderung über eine Fortsetzung auch gar nicht so groß. Wohl aber das Vertrauen des Studios in ebenjene. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Screen Gems und SF Film Finland (mit Sony Pictures als globaler Verleiher) sogar das Doppelte vom ersten Teil für das Sequel haben springen lassen – was sich, zumindest nach aktuellem Stand, jedoch nicht zu rentieren scheint. Zum jetzigen Zeitpunkt konnte „Sisu 2“ nur einen Bruchteil davon an den Kassen gutmachen. Das ist schade, denn eigentlich war der Vorgänger nur ein Vorgeschmack auf das, was Regisseur Jalmari Helander diesmal abfeuert.
Auch wenn „Sisu 2: Road to Revenge“ symbolträchtige 88 Minuten geht, muss es der schweigsame Aatami diesmal nicht mehr mit Nazis aufnehmen, sondern mit mindestens genauso gewaltbereiten Sowjet-Soldaten, die dem nur als „Legende“ bekannten Hünen ans Leder wollen. An vorderster Front: Der von „Avatar“-Star Stephen Lang verkörperte Yeagor Dragunov, der einst Aatamis Familie tötete und nun die Beendigung seiner lebenslangen Haftstrafe als Motivation hat, auch Aatami endgültig den Garaus zu machen. Kurzum: Die Prämisse ist sehr simpel. Und Regisseur und Autor Jalmari Helander („Big Game“) macht auch überhaupt keinen Hehl daraus, im Gegenteil: Die aus Teil eins übernommene Kapitelstruktur verstärkt den minimalistischen Roadmovie-Charakter mit Anleihen an „Mad Max: Fury Road“, der ja bekanntermaßen auch nur davon handelte, dass die Charaktere von A nach B und anschließend wieder zurückfahren. In „Sisu 2“ steckt hinter jedem Kapitel ein eigenes Action-Setpiece mit neuen Gegnern. Deren Angriffe und Gewaltanwendungen unterscheiden sich dabei stark. Mal muss es Aatami mit einigen skrupellosen Flugzeugpiloten aufnehmen, dann wiederum mit gewaltmotivierten Motorradfahrern und schließlich hat der Ex-Soldat so seine ganz eigene Methode, eine von den Gegnern schwer bewachte Grenze mithilfe eines Panzers zu passieren.
„In ‚Sisu 2‘ steckt hinter jedem Kapitel ein eigenes Action-Setpiece mit neuen Gegnern. Deren Angriffe und Gewaltanwendungen unterscheiden sich dabei stark.“
Dass ausschließlich das letzte Kapitel den Titel „Revenge“ trägt, fühlt sich fast schon wie ein Gag an. Schließlich hat auch alles Vorausgegangene immer irgendwas mit Aatamis Rachegedanken zu tun; vor allem an den Mördern seiner Familie. Doch was nach einer Charakterisierung klingt, die auch auf eine Briefmarke passen würde, funktioniert hier nicht nur dank des Hauptdarstellers Jorma Tommila („Big Game“) richtig gut. Das Skript setzt zudem einige wenige, dafür umso eindringlichere emotionale Akzente. Schon allein der Anfang, der uns Aatami bei dem Abbau seines erinnerungsträchtigen Holzhauses zeigt – mit dem Ziel, es an anderer Stelle wieder aufzubauen – berührt. Vor allem mit dem Wissen, mit welch brachialen Methoden dem alten Mann in Teil eins mitgespielt wurde. Die stumme Rückbesinnung auf diesen mag auch der einzige wirkliche Kritikpunkt an „Sisu 2“ sein. Aatami hat quasi noch gar nichts getan, da inszeniert ihn Helander bereits mittels seines pathetischen Scores und seinen heroischen Zeitlupen als Helden – was er mit dem Wissen um Teil eins sein mag, doch ein kleines bisschen übertreibt es der Regisseur dann doch. Wären derartige Szenen doch viel eindrucksvoller, würden sie zumindest ein bisschen später in „Sisu 2“ stattfinden.
Der unbedingte Überlebens- und Gerechtigkeitswille des Protagonisten steht ohnehin außer Zweifel. Genauso wie Aatamis Leidensfähigkeit. Eine Szene, in der die Hauptfigur an einer besonders außergewöhnlichen Stelle ein Messer versteckt, steht symptomatisch dafür – sowas hat man tatsächlich noch nie zuvor gesehen! Durch die bisweilen cartoonesk inszenierten Splatter- und Actionszenen tut „Sisu 2“ allerdings nicht ganz so weh wie anderer Filme seiner Couleur. Da eine zwar verwundbarer, aber – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht totzukriegende Hauptfigur als Grundlage für beide Filme existiert, fühlen sich selbst die extrem bebilderten Folterszenen nicht vollends wuchtig an. Stattdessen fiebert man primär darauf hin, wie Aatami diesmal seinen Kopf aus der Schlinge zieht. Die daraus resultierende Struktur vom Gejagten und anschließend Zurückjagenden ist auch diesmal wieder simpel. Aber sie funktioniert. „Sisu 2: Road to Revenge“ bietet von all den Vorzügen seines Vorgängers noch mehr – und ist daher für Gorehounds und Freunde von kurzweilig-rabiater „Erwachsenenaction“ ein Feuerwerk mal skurriler, mal cleverer, manchmal aber auch einfach nur komplett abgefuckter Ideen.
„Durch die bisweilen cartoonesk inszenierten Splatter- und Actionszenen tut ‚Sisu 2‘ nicht ganz so weh wie anderer Filme seiner Couleur. Da eine zwar verwundbarer, aber partout nicht totzukriegende Hauptfigur als Grundlage für beide Filme existiert, fühlen sich selbst die extrem bebilderten Folterszenen nicht vollends wuchtig an.“
Fazit: „Sisu 2: Road to Revenge“ erweist sich trotz einfacher Prämisse als wuchtige Steigerung seines Vorgängers und bietet ein konsequent durchgezogenes Action-Feuerwerk. Zwar übertreibt Helander gelegentlich mit pathetischer Heldeninszenierung, doch die emotionalen Akzente und die kreative Brutalität tragen den Film souverän. Die cartoonhaften Splattermomente mindern zwar etwas die Wucht, steigern aber den Unterhaltungswert für Genre-Fans. Insgesamt überzeugt das Sequel als kompromissloser, stilistisch verspielter Adrenalinritt für alle, die genau diese Art von kompromissloser Erwachsenenaction suchen.
„Sisu 2: Road to Revenge“ ist ab dem 20. November 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.


