Die nackte Kanone
Das Remake eines Comedy-Klassikers wurde von Fans des Originals von Anfang an kritisch beäugt. Doch vor allem dank Liam Neeson gerät der von „The Lonely Island“-Mitglied Akiva Schaffer geschriebene und inszenierte DIE NACKTE KANONE kurzweilig und sympathisch. Trotzdem bleiben die ganz großen Überraschungsmomente aus.
Darum geht’s
Schon sein Vater war eine Polizeilegende. Nun ist es sein Sohn Frank Drebin Jr. (Liam Neeson), der mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden die harten Kerle dingfest macht. Sein neuester Fall führt ihn und seinen Partner Ed Hocken Jr. (Paul Walter Hauser) nicht nur mit der verführerischen Femme Fatale Beth Davenport (Pamela Anderson) zusammen. Als unkonventionelles Team tauchen sie mitten in eine groß angelegte Verschwörung hinein, an dessen vorderster Front der unverschämt reiche Richard Cane (Danny Huston) operiert.
Kritik
Seit 2009 bereits liebäugelt Hollywood mit einer Neuauflage des Slapstick-Klassikers „Die nackte Kanone“. Doch das Leben passiert jedem, wie man so schön sagt. Davor ist auch ein potenziell erfolgversprechendes Filmprojekt mit namhafter Beteiligung nicht gefeit. Erst verstarb Leslie Nielsen 2010, also ein Jahr nachdem erste Planungen für ein „Naked Gun“-Remake stattfanden. Kurz darauf übernahm Schauspieler Ed Helms („Hangover“) das Projekt, eh er es 2021 federführend an Seth MacFarlane („Ted“) übergab. Gemeinsam mit Teilen des Comedy-Trios Lonely Island, allen voran Drehbuchautor Akiva Schaffer, entwickelte er ein Skript sowie die komödiantische Ausrichtung des Films. David Zucker, Schöpfer des Originals, äußerte sich während der Entstehungs-, Promo- und nun Premierenphase indes immer wieder kritisch gegenüber dem Projekt. Zum einen aus Unsicherheit, ob der Achtzigerjahre-Humor des Originals heute noch funktioniere. Vor allem stellt er infrage, ob die Beteiligten hinter dem Reboot diesen treffen würden, da das Spoof-Genre für sich genommen „ein sehr spezielles“ sei. Auch an der Besetzung von Liam Neeson („Non-Stop“) äußerte er Kritik: An seiner Stelle hätte man lieber einen jungen, frischen Darsteller als Hauptakteur besetzt. Doch der wohl größte Knackpunkt an Zuckers harschen Kommentaren liegt vermutlich darin begründet, dass er selbst – eigenen Angaben zufolge – überhaupt nicht gefragt wurde, ob er sich an der Neuauflage beteiligen wolle. Da wundert ein so derber Vergleich des Trailers mit dem Schmuddelfilmchen „2 Girls, One Cup“ dann auch nicht mehr: Beide könne er sich einfach nicht ansehen.
Fans des Originals dürften derlei Aussagen massive Schnappatmung beschert haben. Doch schaut man sich einmal die YouTube-Kommentare unterhalb diverser Trailer, Teaser und anderweitiger Ausschnitte des neuen „Die nackte Kanone“-Films an, zeichnet sich ein überraschendes Bild ab: nämlich kein einheitliches. Mit Tendenz zu einem eher optimistischen Tenor gibt es genauso viel Kritik. Daraus lässt sich kaum ableiten, inwiefern die Welt nun auf einen neuen „Die nackte Kanone“-Teil gewartet hat. Erst recht, weil das Genre der Spoof-Comedy seit einigen Jahren brach liegt. Gleichwohl haben es Parodie-Filme ja eigentlich recht einfach: So lange es das Kino gibt, existiert auch genügend Material für eine Nachdichtung. Im Falle von „Die nackte Kanone“ standen unter anderem die „John Wick“-Reihe, das „Mission: Impossible“-Franchise, diverse US-amerikanische Cop-Serien wie „Navy CIS“ oder „Law & Order“ sowie Liam Neesons „Taken“-Reihe Pate. An all diesen Vorlagen lässt es sich auch heute noch ganz wunderbar abarbeiten. Auch wenn – mit Ausnahme einer sehr gelungenen Anspielung an die Auftaktsequenz aus „Mission: Impossible: Fallout“ – konkrete Verweise auf die oben genannten Filme nicht immer ganz ersichtlich sind. Tatsächlich fühlt sich auch die 2025er-Version von „Die nackte Kanone“ vor allem wie eine humoristische „Alles, was man an Polizeifilmen veralbern kann, wird veralbert“-Überraschungstüte an. Auf das im aktuelle Hollywoodkino so gern heraufbeschworene Retro- und Nostalgiegefühl zahlt das auf jeden Fall ein.
„Schaffer schöpft das definitiv vorhandene Potenzial nicht aus, in einer Neuauflage auch entsprechend neue, bissige Akzente zu setzen. Stattdessen ist seine Variante von ‚Die nackte Kanone‘ eine solche, die ‚die guten alten Zeiten‘ wieder aufleben lässt – etwas, was auf durchweg solide Weise gelingt.“
Trotzdem ist der neue „Die nackte Kanone“-Film auch ein Beweis dafür, dass es heutzutage sehr schwierig sein muss, sich in Sachen Humor auf eine Linie festzulegen. Neben einigen sehr amüsanten Running Gags wie etwa ein der Hauptfigur in jeder noch so unpassenden Situation zugereichter Kaffeebecher, gehören vor allem jene Momente zu den größten Lachern, in denen es – wenngleich nur ganz kurz – politisch wird. Zum Beispiel ein süffisanter, dabei trotzdem überraschend deutlicher Kommentar auf Polizeigewalt gegen Schwarze. Oder ein kurzer, jedoch nicht minder treffsicherer Abriss der #MeToo-Debatte. Derartige Spitzen geraten einprägsam, ohne dabei einen erhobenen Zeigefinger zu bemühen. Gleichzeitig bilden sie die Ausnahme zwischen dem altbewährten „Die nackte Kanone“-Kalauerhumor, der in den meisten Fällen ziemlich treffsicher geraten ist. Da stellt sich die Frage, inwiefern sich denn der politisch aufgeladene, mit dem harmlos blödelnden Humor beißt. Und an dieser Stelle setzt sich Autor und Regisseur Akiva Schaffer („Popstar: Never Stop Never Stopping“) ein Stückweit zwischen die Stühle. Beide Ansätze funktionieren für sich genommen, behindern einander nicht und weder der eine noch der andere fühlt sich fehl am Platz an. Trotzdem schöpft Schaffer das definitiv vorhandene Potenzial nicht aus, in einer Neuauflage auch entsprechend neue, bissige Akzente zu setzen. Stattdessen ist seine Variante von „Die nackte Kanone“ eine solche, die „die guten alten Zeiten“ wieder aufleben lässt – etwas, was auf durchweg solide Weise gelingt.
Wo die Gagdichte derart hoch ist wie hier, bleiben automatisch viele Pointen kleben. Genauso wie ein Teil von ihnen im Nichts verpufft. Dass die Anzahl der Rohrkrepierer jedoch verhältnismäßig gering ausfällt, ist sowohl dem Comedytiming der Verantwortlichen hinter als auch vor der Kamera geschuldet. Trotzdem bleiben – auch in Ermangelung der ganz großen Überraschungen und Innovationen – die minutenlangen Lachsalven aus. Stattdessen dominiert eher ein durchgehendes Schmunzeln. Letzteres allen voran provoziert von einem hervorragend aufgelegten Liam Neeson, dessen komödiantisches Talent sich bereits in Gastauftritten in „Ted 2“ oder dem Comedywestern „A Million Ways to Die in the West“ (dessen Probleme wiederum an anderer Stelle lagen) abzeichnete. Als Nachfolger von Comedylegende Leslie Nielsen macht Neeson vor allem deshalb eine so gute Figur, weil er die Humorfarbe des Films verinnerlicht hat. Anstatt den Knallchargen zu geben, legt er einen angemessenen Ernst in seine Performance, sodass schon allein der Kontrast zwischen seinem seriösen Spiel und den zahlreichen Gaga-Momenten von Natur aus viel Witz enthält. Vor allem im Zusammenspiel mit Pamela Anderson („The Last Showgirl“) entsteht zudem eine ungemein sympathische Chemie. Zur Hochform dürfen beide immer dann auflaufen, wenn der durchaus angestaubte Humor „von Damals“ dem modernen Ansatz der „Lonely Island“-Jungs weichen darf. Eine minutenlange Sequenz, in der ein Urlaubsdate zwischen Neesons und Andersons Figuren von einem wild gewordenen Schneemann (!!) jäh gestört wird, weckt Erinnerungen an Lonely Islands Mitwirken an „Saturday Night Life“ oder Kurzfilmen wie „Dick in a Box“.
„Als Nachfolger von Comedylegende Leslie Nielsen macht Neeson vor allem deshalb eine so gute Figur, weil er die Humorfarbe des Films verinnerlicht hat. Anstatt den Knallchargen zu geben, legt er einen angemessenen Ernst in seine Performance.“
Zwar ist „Die nackte Kanone“ – egal ob im Original oder in der Neuauflage – vor allem als Aneinanderreihung von Gags konzipiert. Trotzdem erzählt Akiva Schaffer auch eine Geschichte. Diese ließe sich mit Business as usual wohl am besten beschreiben. Ein millionenschwerer, größenwahnsinniger Businessman als Schurke, ein auf größtmögliche Widersprüche zusammengesetztes Cop-Duo, eine Femme Fatale, die einem der Ermittler den Kopf verdreht: „Die nackte Kanone“ zitiert sich einmal quer durch den Crime-Genre-Dschungel. Ganz so, als wolle Schaffer nie Gefahr laufen, dass auch nur irgendetwas von der eigentlichen Intention seiner Komödie ablenkt. Das ist gelungen, hätte mit etwas mehr Aufwand aber vielleicht doch die ein oder andere, zumindest etwas weniger vorhersehbare Story-Abfahrt nehmen können. So bekommt man von einem (hin und wieder natürlich auch dem Originalfilm huldigenden) Legacyquel zu „Die nackte Kanone“ wohl am Ende genau das, was man erwarten darf: Kurzweilige Unterhaltung auf den Spuren der Vorlage. Das daraus ein ähnlicher Kultfilm wird, darf man allerdings gern infrage stellen.
Fazit: Ihr wolltet „Die nackte Kanone“, ihr kriegt „Die nackte Kanone“. Dadurch, dass es den Film allerdings schon einmal gab, dürften sich die Überraschungen bei der Neuauflage im Rahmen halten. Der immer wieder durchschimmernde „Lonely Island“-Humor setzt zwar einige frische Akzente, in erster Linie dominiert jedoch ein Heraufbeschwören der „guten alten Zeit“. Damit schlägt der Film in die Kerbe diverser aktueller Legacyquels, profitiert allerdings von dem Castingcoup rund um Liam Neeson und Pamela Anderson. Sowohl die beiden als auch Autor Akiva Schaffer tragen am Ende immer noch genügend Comedytiming in sich, damit das hier keine peinliche, sondern eine insgesamt sympathisch-unterhaltsame Angelegenheit wird.
„Die nackte Kanone“ ist ab dem 31. Juli 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.




Also ich war schwer enttäuscht.
Liam Neeson ist definitiv nicht Leslie Nielsen.
Gut muss ja auch nicht sein, wäre das Drehbuch wenigstens gut. Aber das bestand nur aus Kalauer auf eine Pseudohandlung raufgepappt, wie abgelutschte Kaugummis.
Die Nielsen Filme verhalten sich zu diesem in etwa wie Asterix Comics während Goscinny zu Asterix danach.
Die inelligente Anspielungen auf Hollywood Klisches (Scream Queens, Bond Bösewichte, Verschwörungstheorien etc.), Zeitpolitik, Gesellschaft der alten „Nackten Kanonen“ sind hier nur nichtssagender Selbstzweck.
5/10 Glock Pistolen