The Last Showgirl

Pamela Anderson zeigt sich in ihrer für den Golden Globe nominierten Rolle als THE LAST SHOWGIRL gewohnt uneitel und von ihrer besten Schauspielerinnenseite. Der Film um sie herum kann da allerdings nicht mithalten. Zu sehr kaut Regisseurin Gia Coppola immer auf denselben Aussagen rum und formuliert diese obendrein zu deutlich aus.

OT: The Last Showgirl (USA 2024)

Darum geht’s

Shelly (Pamela Anderson) ist schon seit vielen Jahren der Star eines Showgirl-Tanzensembles in Las Vegas. Für sie und viele ihrer Kolleginnen bricht daher eine Welt zusammen, als ihnen der Clubbesitzer Eddie (Dave Bautista) mitteilen muss, dass der letzte Auftritt kurz bevorsteht. Shelly weiß: Tanzen ist ihr Leben. Aber dass sie in so hohem Alter noch regelmäßig auf der Bühne stehen durfte, war in erster Linie Eddie geschuldet. Sie und die anderen Frauen müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie weiterhin im Geschehen mitmischen wollen. Rückhalt bekommt Shelly unter anderem von der Ex-Tänzerin Annette (Jamie Lee Curtis), mit der sie schon seit vielen Jahren eine enge Freundschaft verbindet. Und vielleicht gelingt es ihr ja sogar, sich mit ihrer Tochter Hannah (Billie Lourd) auszusöhnen, die für den Beruf ihrer Mutter nur Verachtung übrig hat…

Kritik

Nach ihrem Durchbruch in der Rettungsschwimmersoap „Baywatch“ und einigen glanzvollen Jahren, in denen sie sich primär als „Sexbombe“ vermarktete, machte Schauspielerin Pamela Anderson in erster Linie durch ihr Privatleben Schlagzeilen. Jüngst vor allem damit, dass sie sich bei öffentlichen Auftritten ausschließlich ungeschminkt (oder so hergerichtet, dass es ungeschminkt aussieht) zeigt. Eigentlich ein Armutszeugnis, dass so etwas heutzutage überhaupt noch eine Schlagzeile wert ist. Mit ihrer Performance in „The Last Showgirl“ rückte sie allerdings wieder – vielleicht sogar das erste Mal so richtig – mit ihrem Talent als Aktrice in den Fokus. Und tatsächlich ist ihre Darbietung als alternde Showtänzerin ein, vermutlich der Höhepunkt ihrer Karriere und wurde nicht umsonst als Beste Hauptdarstellerin in einem Drama für den Golden Globe nominiert. Trotzdem agiert neben ihr eine weitere Grande Dame Hollywoods, die ihr bisweilen die Show stiehlt. Die Rede ist von Jamie Lee Curtis („Halloween“), die in ihrer Nebenrolle als ehemaliges Showgirl ebenfalls brilliert. Zusammen markieren beide zweifelsohne das Highlight in einem qualitativ ansonsten sehr unausgegorenen, emotional wankelmütigen Film.

Immer ganz nah dran: Die Kamera in „The Last Showgirl“ klebt förmlich an Shelley (Pamela Anderson) und ihren Kolleginnen.

Apropos Wanken: Wenn an „The Last Showgirl“ etwas besonders ins Auge sticht, dann ist es die Kameraarbeit. Regisseurin Gia Coppola („Palo Alto“) schafft Authentizität, indem sie das Geschehen betont dokumentarisch inszeniert. Das bedeutet auf visueller Ebene: Unschärfen, sich nur in vereinzelten Momenten beruhigende Handkameraaufnahmen, viel zu dichte Close-Ups und ein entsättigtes Farbkonzept, in dem zumeist ein matschiges Grau-in-Grau dominiert. „The Last Showgirl“ ist wahrlich keine Augenweide, schafft aber immerhin das, was die Kreativen dahinter wohl beabsichtigt haben: Man bekommt das Gefühl, echte Charaktere in authentischer Umgebung vor sich zu haben. Das macht selbst die exzentrischsten, bisweilen auch überzeichneten Figuren halbwegs nahbar. Anders könnte eine Frau wie Shelly auch schnell anstrengend wirken. Mit gekünstelter Fistelstimme, die die Naivität ihrer Figur zusätzlich unterstreicht, gelingt es Pamela Anderson, sich in die Herzen des Publikums zu spielen. Auch wenn man zeitweise immer wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn Shelly die Augen vor der Realität verschließt und felsenfest davon ausgeht, dass sich am Ende alles schon irgendwie fügen wird. Eine beneidenswerte Leichtigkeit, die jedoch alsbald mit dem echten Leben kollidiert.

„‚The Last Showgirl‘ ist wahrlich keine Augenweide, schafft aber immerhin das, was die Kreativen dahinter wohl beabsichtigt haben: Man bekommt das Gefühl, echte Charaktere in authentischer Umgebung vor sich zu haben.“

Genau das sind die spannendsten Momente in „The Last Showgirl“. Jene, in denen Realität und Wunschtraum aufeinanderprallen. In denen die frisch mit der Schließung ihres Etablissements konfrontierten Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen versuchen, dabei jedoch an den (auch patriarchalen) Hürden scheitern, die ihnen von der Gesellschaft in den Weg gelegt werden. Während sich die Frauen im Club noch weitestgehend wohlzufühlen scheinen – und es völlig egal ist, dass sie auch hier ihr Geld damit verdienen, sich knapp bekleidet von Männern angaffen zu lassen – sind die Anforderungen anderer Arbeitgeber plötzlich um Einiges derber. „The Last Showgirl“ muss solche Szenen nicht zeigen, um das deutlich zu machen. In einem Moment sehen wir Jodie bei den Proben für ein Vortanzen, bei dem sie sich deutlich lasziver und sexuell aufgeladener präsentiert, als es bislang von ihr gefordert wurde. Das irritiert selbst ihre Kolleginnen, denen in dieser Sekunde schmerzhaft bewusst wird, dass die schönen Jahre auf einen Schlag vorbei sind, sich die Ansprüche an Frauen wie sie geändert haben.

Jamie Lee Curtis stiehlt als Ex-Showgirl Annette allen die Show.

All das sind spannende Ansätze. Wenn „The Last Showgirl“ mit seinen Spitzen ins Schwarze trifft, dann auch richtig. Doch alles drumherum wirkt merkwürdig oberflächlich, fast soapesk. Wenn Shelly, Annette, Jodie und Co. wie die Klischeebilder einer White Trash Community in der Küche ihrer heruntergekommenen Wohnung sitzen und Worthülsen über sich und das Leben herausposaunen, dreht sich das Geschehen im Kreis. Generell hat „The Last Showgirl“ das Problem, immer dann uninteressant zu werden, wenn das titelgebende Showgirl-Leben in den Hintergrund rückt. Dann dreht sich plötzlich alles um das schwierige Verhältnis zwischen Shelly und ihrer Tochter Hannah, die sich aufgrund des Berufs der Mutter auseinandergelebt haben. Oder es konzentriert sich auf Shelly und Eddie (stark: Dave Bautista, „Blade Runner 2049“), den Leiter des Nachtclubs und Hannahs Vater. Ein unbeholfenes Abendessen zwischen den beiden gehört zwar schauspielerisch zu den Höhepunkten des Films, aber auch hier führen die klischeehaften Gespräche ins Nichts. „The Last Showgirl“ ist immer dann besser, wenn die Dialoge der Drehbuchautorin Kate Gersten („Mozart in the Jungle“) spärlich ausfallen. Denn eine Szene, in der Annette gedankenverloren in einer Bar auf dem Tisch tanzt und dabei wie ein Fremdkörper in einem Gewirr aus sie ignorierenden Menschen wirkt, sagt hier so viel mehr aus, als alles, was sie und ihre Kolleginnen ausformulieren.

„Es gibt sie zweifelsohne. Die gefühlvollen Szenen, in denen Interesse für und Mitgefühl mit den Figuren vorherrscht. Aber diese Emotionen verpuffen im nächsten Moment, wenn der Film dann doch wieder das Gleiche vorkaut, was wir eigentlich längst verstanden haben.“

Die eingangs bereits angerissene Kameraarbeit von Autumn Durald Arkapaw („Black Panther: Wakanda Forever“) stellt das Publikum auf eine harte Probe. Obwohl es – auch der flachen Dramaturgie geschuldet – nicht schwerfallen sollte, dem Inhalt zu folgen, wirbeln die Bilder das Geschehen unnötig durcheinander, bis man hin und wieder so den Überblick verliert, wie man es sonst eigentlich nur von zerhackten Actionszenen gewohnt ist. Auch der Score von Andrew Wyatt („Barbie“) lässt den immer irgendwie hektisch wirkenden „The Last Showgirl“ nie richtig zur Ruhe kommen. Echte Emotionen bleiben dadurch auf der Strecke. Es gibt sie zweifelsohne. Die gefühlvollen Szenen, in denen Interesse für und Mitgefühl mit den Figuren vorherrscht. Aber diese Emotionen verpuffen im nächsten Moment, wenn der Film dann doch wieder das Gleiche vorkaut, obwohl wir eigentlich längst verstanden haben, wie die Charaktere zueinander stehen, was das Schicksal mit ihnen gemacht hat, welche Hürden ihnen die Gesellschaft in den Weg stellt und dass Glanz und Glamour in dieser Welt nichts anderes ist als ein schöner Schein.

Nach seinem qualitativen Ausrutscher in Paul W.S. Anderson „In the Lost Lands“ spielt Dave Bautista hier wieder hervorragend auf.

Fazit: „The Last Showgirl“ bietet interessante, vermutlich ziemlich authentische Einblicke in das Leben eines alternden Showgirls, das Pamela Anderson uneitel und lebensecht verkörpert. Wenn Regisseurin Gia Coppola vor allem beobachtet, ist ihr Film am stärksten. Doch nicht nur die ungezügelte Kameraarbeit bereitet mit ihrem Gewackel, ihren Unschärfen und dem wenig hübschen Farbkonzept alsbald Kopfschmerzen. Auch die sich im Kreis drehenden, oft oberflächlichen Dialoge und soapesken Einschübe schmälern den positiven Eindruck stark.

„The Last Showgirl“ ist ab dem 20. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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