Black Beauty

26 Jahre nach der wohl bekanntesten Verfilmung des Abenteuerklassikers BLACK BEAUTY wagte man sich für den Streamingdienst Disney+ an eine weitere, moderne Neuninterpretation und nahm für diese einige grundlegende Änderungen vor. Welche das sind und ob sie dem Film guttun, das verraten wir in unserer Kritik.

OT: Black Beauty (USA/UK/ZAF/DE/FR 2020)

Der Plot

Die schwarze Stute Black Beauty (Originalstimme: Kate Winslet) wächst als Mustang in der amerikanischen Wildnis auf. Nachdem sie eines Tages eingefangen und verkauft wird, lernt sie in den Birtwick Stables die junge Jo (Mackenzie Foy) kennen. Auch Jo wurde kürzlich schmerzhaft von ihrer Familie getrennt und findet in Beauty eine Art Seelenverwandte. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, die sowohl der Stute als auch dem Mädchen über ihren Kummer hinweghilft. Doch die Wege der beiden werden sich noch oft trennen und wieder zueinanderfinden…

Kritik

2012 läutete Regisseurin Katja von Garnier mit ihrer nunmehr auf fünf Filme herangewachsenen „Ostwind“-Reihe eine Renaissance des Pferdefilmgenres ein. Dabei ist die Blaupause für die zahlreichen „Mädchen trifft störrischen Vierbeiner und beide werden dicke Freunde“-Abenteuer deutlich älter. Anna Sewells Bestseller „Black Beauty“ hat fast 150 Jahre auf dem Buckel und gilt bis heute als Wegbereiter für diese scheinbar nie an Reiz verlierende Filmgattung, denn natürlich wurde das Buch anschließend zahlreich für Kino und Fernsehen adaptiert. Die wohl bekannteste Verfilmung stammt von Caroline Thompson und hat mit Sean Bean, David Thewlis und Alan Cumming einige namhafte Darsteller mit an Bord. Doch selbst diese ist mittlerweile stattliche 26 Jahre alt. Es ist also an der Zeit für eine weitere Neuinterpretation, die ihren Weg im Falle von „Black Beauty“ 2020 auf den Streamingdienst Disney+ findet. Regisseurin und Drehbuchautorin Asley Avis ist die Erste, die die Geschichte rund um den titelgebenden Rappen Black Beauty in die Gegenwart verlegt. Der Erzählweise aus der Perspektive des Pferdes sowie den meisten Lebensstationen, die man aus dem Original kennt, bleibt sie dagegen treu.

Beauty und Jo (Mackenzie Foy) knüpfen zarte Bande.

Doch die wohl markanteste Änderung im Vergleich zur Vorlage betrifft Black Beauty selbst. Ob es nun dem von #MeToo geprägten Zeitgeist geschuldet ist, oder Avis einfach mal etwas „anders“ machen wollte als ihre zahlreichen Vorgänger:innen, wissen wir nicht. Aber sie entschloss sich dazu, aus dem schwarzen Hengst eine schwarze Stute zu machen – für dessen Voice-Over sie niemand Geringeres als Hollywoodstar Kate Winslet („Zwischen zwei Leben“) gewinnen konnte; Und so ein Name macht sich auf dem Filmplakat und im Marketing natürlich ziemlich gut. Diese Geschlechteränderung ist aber auch abseits des damit einhergehenden Prestiges ein nachvollziehbarer Schritt. Schließlich wird Black Beauty (oder Beauty, wie sie später nur genannt wird) als Leitpferd einer wilden Mustangherde etabliert, aus der sie in frühen Lebensjahren gefangen, gezähmt und mehrfach weiterverkauft wird. Langezeit ging man davon aus, dass es wohl das stärkste männliche Tier sein müsse, dass in so einer Wildpferdeherde den Ton angibt. Mittlerweile weiß man längst, dass es eine Leitstute ist, nach der sich die anderen Tiere richten – dahingehend sorgt „Black Beauty“ aus dem Jahr 2020 für eine Kurskorrektur in Sachen Plausibilität und Glaubwürdigkeit. Wenngleich das leider nicht für sämtliche Entscheidungen gilt, die in den knapp 110 Minuten für die vierbeinige Protagonistin getroffen werden.

„Ob es nun dem von #MeToo geprägten Zeitgeist geschuldet ist, oder Avis einfach mal etwas „anders“ machen wollte als ihre zahlreichen Vorgänger:innen, wissen wir nicht. Aber sie entschloss sich dazu, aus dem schwarzen Hengst eine schwarze Stute zu machen.“

Wie schon im Buch und in diversen früheren Verfilmungen werden auch hier die Filmereignisse aus der Sicht des Pferdes erzählt. Kate Winslets Voice-Over ist betont ruhig und erklärend, ihre warme Stimmfarbe hat etwas Besonnenes. Winslet verhilft dem vierbeinigen Star, der von insgesamt fünf verschiedenen Filmpferden verkörpert wird, zu einer Seele und macht ihn zum emotionalen Ankerpunkt seines eigenen Films – etwas, was nicht jeder vorherigen „Black Beauty“-Verfilmung gelungen ist, in der gern mal die zahlreichen zweibeinigen Wegbereiter des Pferdes in den erzählerischen Fokus gerückt wurden. Ashley Avis hat mit Newcomerin Mackenzie Foy („Der Nussknacker und die vier Reiche“) zwar auch Beautys menschliche beste Freundin Jo prominent besetzt (hier fand im Vergleich zur Vorlage ebenfalls eine Geschlechtsangleichung statt; bisher war Black Beautys Partner in crime immer ein junger Mann) und räumt der gemeinsamen Zeit von Pferd und Mädchen genug Zeit ein, damit man als Zuschauer ein Gefühl für die enge Bindung zwischen den beiden bekommt, doch Jo ist hier nur eine (wenngleich wichtige) Nebenfigur, die Beautys Entwicklung vom Wild- zum Reit- zum geschundenen Kutschpferd nicht die Show stiehlt.

Beauty wird von insgesamt fünf verschiedenen Pferden dargestellt.

An dieser Stelle stehen sich die Handlungsverlagerung in die Gegenwart und das Festhalten an markanten Stationen aus der Vorlage bisweilen im Weg. Beautys hier dargestellter Lebensweg entspricht kaum den Realitäten eines zeitgemäßen Pferdelebens. Dessen schien sich sogar die Regisseurin selbst bewusst zu sein. Wirken Kameraaufnahmen und Ausstattung des Films in den ersten zwei Dritteln hochmodern, wird der Look von „Black Beauty“ hintenheraus zeitloser und ist spätestens mit Beautys Ankommen in einem Großstadtstall, in dem die gealterte Rappstute fortan als Kutschpferd dienen soll, kaum noch konkret einzuordnen. Der wohl größte Kritikpunkt am Buch – das ausgestellte Leid von Großstadtkutschpferden und die mangelhafte Tierhaltung – finden so immerhin auch in der Gegenwartserzählung ihren Platz, wenngleich es noch zahlreiche andere tierschutzrelevante Thematiken gäbe, die der Film stattdessen (oder auch zusätzlich) hätte behandeln können.

„Wirken Kameraaufnahmen und Ausstattung des Films in den ersten zwei Dritteln hochmodern, wird der Look von „Black Beauty“ hintenheraus zeitloser und ist spätestens mit Beautys Ankommen in einem Großstadtstall, in dem die gealterte Rappstute fortan als Kutschpferd dienen soll, kaum noch konkret einzuordnen.“

Der für Familienfilmverhältnisse bisweilen recht rabiaten Veranschaulichung von Tierleid steht eine fast schon kindliche Verniedlichung der Pferdewahrnehmung gegenüber. Winslets Voice-Over ist ebenso ruhig und besonnen wie durch und durch menschelnd; Etwas, was Sensibilität dafür schaffen kann, dass Pferde Lebewesen mit Gefühlen sind, aber auch falsche Vorstellungen weckt – wie Beauty hier Sehnsucht, Eifersucht und Freundschaftsgefühle zum Ausdruck bringt, ist dann doch auf ein sehr junges Publikum zugeschnitten und beißt sich mit der ansonsten eher erwachsenen Ausrichtung. An den schwelgerischen Panoramen wilder Pferdeherden werden sich indes Zuschauer:innen jedweder Altersgruppe kaum sattsehen können.

Fazit: Die Neuverfilmung des Pferdeklassikers „Black Beauty“ ist ein solides Familienabenteuer, dem die punktuellen Änderungen an der Vorlage weitestgehend guttun, hin und wieder aber auch im Weg stehen. Insbesondere der starke Fokus auf den vierbeinigen Hauptcharakter hat diese Interpretation den vielen anderen voraus.

„Black Beauty“ ist ab dem 27. November bei Disney+ streambar.

Ein Kommentar

  • Wer spricht denn Kate Winslet in der deutschen Version? Ihre übliche Stimme oder wurde da wieder irgendein ein B-Promi verpflichtet? Sie spricht ja immerhin die Titelrolle und ist somit nicht ganz unwichtig.

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