2015 – Die Plätze 20 bis 11

Vor einigen Tagen eröffnete ich an dieser Stelle meine Jahrescharts 2015. Was sich auf den Plätzen 40 bis 31 sowie 30 bis 21 findet, könnt ihr in den jeweiligen Blog-Beiträgen nachlesen. Um Euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, geht es nun mit den nächsten zehn Platzierungen weiter. Vorab jedoch ein bisschen Statistik: Ich habe vom 01. Januar bis zum 31. 12. 2015 exakt 231 Kinovorstellungen besucht. Dabei habe ich 204 verschiedene Filme gesehen. 27 mal besuchte ich reguläre Vorführungen, 204 mal waren diese ausschließlich für die Presse. Und 11 Filme habe ich im Kino verpasst und mussten von mir auf DVD oder via Pressestream/-screener nachgeholt werden. Für meine Top 40 zur Auswahl standen insgesamt also 215 verschiedene Kinofilme. Bevor Ihr Euch nun meinen nächsten zehn Platzierungen widmet, kommen an dieser Stelle weitere fünf Filme, denen eine Nennung in dieser Hitliste gebührt, die es jedoch nicht zu einer Platzierung gebracht haben! Knapp ab den Top 40 vorbeigeschrammt sind die 3D-Heistkomödie THE WALK, Woody Allens IRRATIONAL MAN, Steven Spielbergs BRIDGE OF SPIES – DER UNTERHÄNDLER, der irre Actioner FAST & FURIOUS 7 sowie das Horror-Remake POLTERGEIST.

20

The Visit

Nicht nur Alejandro Amenábar findet in diesem Jahr zurück ins Horrorkino, auch sein damaliger, direkter Konkurrent M. Night Shyamalan hat sich endlich wieder auf das besonnen, was er am besten kann: gruselige Geschichten erzählten. Doch sein Found-Footage-Schocker THE VISIT ist nicht bloß irgendein Genrefilm. Er ist im Kern ein herrlich ehrlicher Blick auf die Gewohnheiten, Spleens und übersteigerten Egos unfairer Kritiker, mit denen der von der Presse bisweilen gescholtene Filmemacher endlich auf angemessene Art und Weise abrechnet. Doch auch abseits dieser Meta-Botschaft funktioniert der Gruselfilm, der von einem aus dem Ruder laufenden Besuch zweier Kinder bei ihren Großeltern erzählt, ein feines Stück Schauerkino, bei dem natürlich auch der Shyamalan-typische Twist am Ende nicht fehlen darf. Darüber hinaus erlaubt sich das Drehbuch auch jede Menge Humor, sodass aus „The Visit“ ein ebenso spaßiges wie gruseliges Filmvergnügen wird.

19

It Follows

Um einmal aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ich bin nicht bloß seit Jahren ein glühender Horrorfan, sondern auch mittlerweile recht abgebrüht. Insofern hat es schon etwas zu bedeuten, dass ich für die erste Sichtung von IT FOLLOWS zwei Anläufe brauchte, da meine Nerven beim ersten Mal Anschauen streikten. Ich habe den Film im Rahmen des DEADLINE-Magazins mit dem Prädikat „Der beste Horrorfilm des Jahres“ ausgezeichnet und obwohl sich in meinen Jahrescharts noch ein weiterer Horrorfilm die Ehre geben wird, so ist die Regiearbeit von David Robert Mitchell doch bei Weitem der innovativste Genrebeitrag des Jahres. Es geht um Sex, um einen Dämon, der sein Opfer schleichend (und dafür umso angsteinflößender) verfolgt und sich nur abschütteln lässt, indem der Infizierte den Fluch mittels Beischlaf auf einen Anderen überträgt. Im Stile der Achtzigerjahre-Slasherfilme inszeniert und mit einem beklemmenden Synthie-Score ausgestattet ist „It Follows“ eines der nachhaltigsten Gruselerlebnisse der vergangenen Jahre.

18

The Gift

Der Trailer zum Psychothriller THE GIFT kündigt einen knallharten Home-Invasion-Schocker an. Doch das, was hier unter der bekannten Grusel-Dachmarke Blumhouse entstanden ist, ließe sich am besten als elegant-schauderhafte Variation von „American Beauty“ beschreiben. Es geht um die Fassaden, die wir alle um uns aufbauen. Es geht um finstere Geheimnisse, um menschliche Bedürfnisse und darum, wie wir versuchen, den schönen Schein für unsere Umwelt aufrecht zu erhalten. Edgerton, der nicht nur das Skript schrieb und Regie führte, sondern auch die Rolle des Bösewichts (?) spielt, schlüpft in die Haut eines Mannes, der versucht, mit kleinen Geschenken die Aufmerksamkeit eines Ehepaares zu erregen, mit dessen Mann er vor Jahren zur Schule gegangen ist. Wer hier am Ende gut, wer böse ist und wer an der aus dem Ruder laufenden Situation Schuld hat, das will der Film nicht beantworten. Er will uns einfach in seinen Bann ziehen und uns mit dem konfrontieren, wovor wir am meisten Angst haben: vor uns selbst.

17

Mad Max: Fury Road

Dem famosen Actionspektakel MAD MAX: FURY ROAD sind sämtliche Filmpreise der kommenden Saison zu gönnen. George Miller ist mit seinem Mammutprojekt, für das er fast zwanzig Jahre Vorbereitung aufbrachte, eine virtuos-verrückte Hetzjagd durch die Weiten der Wüste gelungen, die in Aufwand, Schönheit und Kompromisslosigkeit noch lange Zeit unerreicht bleiben wird. Ohne zuviel CGI und ganz ohne Storyballast kämpfen sich Tom Hardy und Charlize Theron durch ein vierrädriges Schlachtengetümmel der Extraklasse. Das Ganze ist so berauschend, dass dieser Film schon jetzt Kultstatus hat. Die verhältnismäßig niedrige Platzierung rührt daher, dass ich für einen regelmäßigen Sehgenuss dann allerdings doch ein wenig mehr brauche als spektakuläre Action. Außerdem macht der Film auf der großen Leinwand tatsächlich am meisten Spaß. Und mit einer solchen kann ich in meinen eigenen vier Wänden dann leider doch nicht dienen. Immerhin Platz 17 – und hoffentlich die ein oder andere Oscar-Nominierung 2016.

16

Der Babadook

Die Australierin Jennifer Kent hat mit ihrem Spielfilmdebüt DER BABADOOK nicht bloß einen Horrorfilm nach Maß abgelegt, sondern erzählt darin obendrein eine Geschichte, die selbst ohne Gruselelemente grauenerregend ist. Das Besondere an ihrem Film über eine dysfunktionale Mutter-Sohn-Beziehung ist die Tatsache, dass es sich hierbei eigentlich um ein Familiendrama handelt. Es geht um Verlustangst, um das Nicht-Loslassen-Können und um die Geister der Vergangenheit. Aber auch um Trauerbewältigung, seelische Überforderung und die nicht vorhandene Fähigkeit, sich zu binden. Das surrealistische Albtraumwesen Babadook steht dabei sinnbildlich für alles Unterdrückte. Kent macht aus ihrer Gruselstory einen realistischen Albtraum und reichert ihn mit spektakulären Schocks an. „Der Babadook“ ist ganz fein inszeniert, von einer großartig-beklemmenden Bildästhetik und ungemein klug.

15

The Voices

2015 war das Comeback-Jahr des Ryan Reynolds. Sowohl in „Die Frau in Gold“ als auch „Self/Less“ sowie in der pechschwarzen Horrorkomödie THE VOICES hat der smarte Schauspieler einmal mehr bewiesen, dass er tatsächlich ein begnadeter Schauspieler ist. An der Seite der bezaubernden Gemma Arterton und der nicht minder sympathischen Anna Kendrick spielt er in dieser grotesken Psychopathengeschichte einen schizophrenen Mann, der aufgrund der Medikamente beginnt, mit seinen Haustieren zu sprechen. Sein Hund Bosko und seine Katze Mr. Whiskas fungieren als Versinnbildlichung von Engel und Teufel und da Mr. Whiskas eindeutig die besseren Argumente hat, begibt sich Reynolds Figur nach und nach immer weiter weg vom rechten Pfad… „The Voices“ ist in Inszenierung und Aussage so fein und spricht zwischen den Zeilen so viel Wahrheit aus, dass man am Ende nicht weiß, ob man Lachen oder Weinen soll. Ganz großes Kino, dem zu Unrecht viel zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

14

Annie

Da weiß man ja gar nicht wo man anfangen soll! Das Remake der Musicalverfilmung ANNIE ist in erster Linie ein Riesenspaß. Es geht um ein Waisenmädchen, das sich als idealer Marketing-Schachzug des angehenden Bürgermeisters entpuppt, sollten sich beide bereiterklären, für eine Weile eine Zweckgemeinschaft einzugehen. Sie wohnt bei ihm und kommt dafür weg von ihrer schrecklichen Pflegemutter (grandios gespielt von Cameron Diaz), dafür nimmt er sie mit zu offiziellen Anlässen und darf mit seiner neuen „Pflegetochter“ sein Image aufpolieren. Die Geschichte selbst hat außer der familienfilmtauglichen Botschaft, dass hinter jeder rauen Schale auch ein weicher Kern stecken kann und man an seine Träume glauben muss, gar nicht mehr viel Substanz zu bieten. Aber die Songs, das herrliche Spiel von Jamie Foxx und Rose Byrne sowie die ansteckende Freude aller Beteiligter machen den Film zu einer echten Wohlfühlkomödie mit Wiederholungsgefahr.

13

Alles steht Kopf
Freude und Kummer, Wut, Angst und Ekel – das sind die Stars im Pixar-Märchen ALLES STEHT KOPF, einer berührenden Reise ins Innere des menschlichen Gehirns. Es geht um das Teenager-Mädchen Riley, das durch einem Umzug nach Los Angeles nicht nur seine Freunde verliert, sondern durch diese Situation vollkommen überfordert wird. Die beiden Emotionen Freude und Kummer gehen in den Weiten des menschlichen Gehirns verloren. Für Riley und ihr Umfeld ist dieser Umstand kaum auszuhalten. Sie alle müssen ausbaden, wie Wut, Angst und Ekel in der Schaltzentrale versuchen, die Aufgaben von Freude und Kummer zu übernehmen und daran kläglich scheitern. „Alles steht Kopf“ ist eine tiefsinnig-ehrliche und ebenso einfühlsame Veranschaulichung, wie unsere Gefühlswelt und vor allem die Entstehung von Depressionen funktionieren. Und obendrein ist der Film von Pete Docter auch noch echt lustig.

12

Die Tribute von Panem - Mockingjay, Teil 2Nun sind sie vorbei, die Abenteuer der rebellischen Katniss Everdeen. In DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY, TEIL 2 richten sie und ihre Gefolgsleute aus Distrikt 12 endlich ihre Waffen gegen das Kapitol und gegen dessen nihilistischen Anführer Präsident Snow. Schon mit dem Vorgänger ist die anfängliche Mediensatire einem politischen Drama über Kriegsführung und Propaganda gewichen. In der Fortsetzung und dem damit einhergehenden Finale findet jenes nun zu seinem Höhepunkt, das als für sich allein stehender Film zwar nicht an die Qualitäten von „Mockingjay, Teil 1“ heranreicht, in seiner Konsequenz und Brutalität jedoch ein mehr als würdiges Finale abliefert und lediglich in der emotionalen Tiefe hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Als Trilogie mit gespaltenem Finale gehört „Die Tribute von Panem“ jedoch nach wie vor zum besten Anwärter des anhaltenden Young-Adult-Trends. Schade, dass diese spannende Geschichte nun ein für alle mal beendet ist.

11

Southpaw

Das Besondere an dieser Liste ist ja bekanntermaßen die Subjektivität. Ich maße es mir nicht an, zu sagen, dass es sich bei diesen vierzig Filmen um die besten des Jahres handelt. Denn sonst wäre das Aufkommen des Boxerdramas SOUTHPAW nicht gerechtfertigt. Der Film mit Jake Gyllenhaal, der einen nach dem Tod seiner Frau abstürzenden Sportprofi spielt, ist inszenatorisch durch und durch konventionell. Doch die mitreißende Leistung des Hauptdarstellers sowie der genau auf den Film abgestimmte Soundtrack von Eminem machen aus dem Drama eines mit hohem Wiedererkennungswert. Die Geschichte ist in ihrer Dramaturgie so konsequent, dass man bald nicht mehr erkennt, wo genau „Southpaw“ jetzt hingehen könnte. Auf jede niederschmetternde Wendung folgt die nächste. Wenn sich im Finale schließlich doch alles zum Guten wendet, hat der Zuschauer eine waschechte Tour de Force hinter sich. Beeindruckend und hart – ein einzigartiges Filmerlebnis, für das sich Jake Gyllenhaal übrigens monatelang selbst geschunden hat.

Die Plätze 10 bis 1 folgen morgen…

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