Jack and the Giants

Nach einem fantastischen Ausflug ins Land von Oz will uns nun Bauersjunge Jack mitnehmen ins Reich der Riesen. Die Verfilmung des Märchens „Hans und die Bohnenranke“, JACK AND THE GIANTS, entpuppt sich als Fantasyspektakel, das zwar dank seiner Darsteller halbwegs überzeugt, dem es aber insgesamt doch sehr an Charakter und Wiedererkennungswert mangelt. Warum, das lest ihr in meiner heutigen Kritik.

Der Plot

London, irgendwann um das 14. Jahrhundert: Farmersjunge Jack (Nicholas Hoult) bewirtschaftet mit seinem eigenbrödlerischen Onkel einen kleinen Bauernhof. Als das Geld eines Tages knapp wird, bringt er Pferd und Wagen zum Markt, um es dort gewinnbringend zu verkaufen. Dort angekommen macht er die flüchtige Bekanntschaft mit der Prinzessin Isabelle (Eleanor Tomlinson), die des drögen Palastalltags überdrüssig geworden und auf der Suche nach Abenteuern ist. Während Jack versucht, sein schneeweißes Ross an den Mann zu bringen, lässt er sich von einem Mönch überreden, das Pferd gegen eine Handvoll Samen einzutauschen. Im Glauben, einen Gottesfürchtigen vor sich zu haben, stimmt Jack dem Handel zu, um die Samen später gegen Geld einzutauschen. Seinem Onkel gefällt das gar nicht. Nachdem er im Streit geflohen ist, macht sich Jack auf, ihn zu suchen. Doch soweit kommt es gar nicht, denn plötzlich steht die leibhaftige Prinzessin vor ihm. Die ist zwar auf der Suche nach Abenteuern, doch als sich die Samen auf wundersame Weise in riesige Bohnenranken verwandeln, ändert sich ihre Meinung rasch. Nicht nur, dass Isabelle von dem wuchernden Gestrüpp in schwindelnde Höhen befördert wird, die Ranken haben noch einen ganz anderen Nutzen. Sie dienen als Zugang zur geheimnisvollen Welt der Riesen, die es kaum erwarten können, auf der Erde auf Menschenjagd zu gehen. Nun liegt es an Jack, die Prinzessin zu befreien und London vor einer riesigen Invasion zu bewahren.

Kritik

In den USA entwickelt sich „Jack and the Giants“ bereits zu einem zweiten „John Carter“. Mit gerade einmal 28 Millionen Dollar am Startwochenende markiert das Fantasymärchen einen finanziellen Tiefpunkt in der Geschichte der Warner-Studios. Immerhin kostete das, im wahrten Sinne des Wortes, riesige Spektakel knapp 200 Millionen Dollar. Setzt sich der Trend an den US-amerikanischen Kinokassen fort – in Woche zwei spielte der Streifen nur noch rund 10 Millionen Dollar ein – dürfte Europa die letzte Hoffnung sein, um aus „Jack and the Giants“ ein halbwegs rentables Unterfangen zu machen. Doch weshalb mag die Verfilmung der Fabel „Hans und die Bohnenranke“ keine Anziehungskraft auf den zahlenden Kinogänger ausüben, wo doch der Regisseur augenscheinlich keine Kosten und Mühen scheute, der angestaubten Geschichte mit Top-Besetzung einen neuen, modernen Anstrich zu geben?

Dass „Jack and the Giants“ ausschließlich mit seinen Darstellern steht und fällt, darf angesichts der Besetzung als Pluspunkt gewertet werden. Mit „Warm Bodies“-Star Nicholas Hoult in der Rolle des Protagonisten, griff Regisseur Bryan Singer („Superman Returns“) auf einen grundsympathischen Darsteller zurück der sich mithilfe seines jugendlichen Charmes direkt in die Herzen der Zuschauer spielt. Als Jack verkörpert er den ehrfürchtigen Farmersjungen, der im Laufe der abenteuerlichen Riesenjagd über sich hinauswächst und dabei an Selbstsicherheit und Ausstrahlung gewinnt. Hoults Natürlichkeit und Charisma sind überragend und verhelfen dem Streifen dadurch zu Charakter. Was jedoch sofort auffällt: Kaum taucht Hoult unter, mangelt es „Jack and the Giants“ an Glanz. Denn trotz ordentlicher Schauwerte schafft es das Abenteuermärchen kaum, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Nach einem liebevollen und mit auffällig neuartigen Effekten gespickten Prolog gelingt es der ersten halben Stunde, die sich ausschließlich auf Jack konzentriert, gleichzeitig zu fesseln wie zu unterhalten. Der Erzählstil entspricht dem eines klassischen Märchens. Man hat einen sympathischen Protagonisten, das Königreich und die für ihn scheinbar unerreichbare Protagonistin, wenngleich diese kaum Kontur besitzt. Gleichzeitig präsentieren sich die Kulissen des englischen Königreichs fast mittelalterlich. Dadurch sind die Umstände der Geschichte wesentlich greifbarer als in anderen modernen Märchenerzählungen wie etwa „Die fantastische Welt von Oz“, die ausschließlich auf eine Fantasiewelt baut.

Ab dem Moment, in welchem die Fantasyelemente überhand nehmen und sich Jack, zusammen mit einer Garde an königlichen Soldaten, ins Land der Riesen begibt, schafft es der Regisseur zunächst noch, die bodenständige Grundstimmung mit in die fantastische Welt herüberzuholen. Da sich der Fokus ab sofort jedoch kaum mehr auf Jack konzentriert, droht der Plot, ab hier zu zerfleddern. So kommt der Zuschauer zwar noch in den Genuss einer beachtenswerten Szene, die das erste Aufeinandertreffen von Mensch und Riese wortlos und fast minimalistisch dokumentiert. Befinden sich die Menschen jedoch erstmal in der Gefangenschaft der großen Geschöpfe, sind es nicht nur die grobmotorischen Animationen, die das Seherlebnis spürbar stören. Die Riesen genießen zu keinem Zeitpunkt eine reelle Definition. So deutet der Prolog zwar die Gesinnung der seltsamen Wesen an, doch so recht erschließt sich nie, wieso das Publikum die Riesen ab sofort als Antagonist zu verstehen hat. Und so sind es wieder die Darsteller, die nach einer knapp halbstündigen Durststrecke, die weder mit Humor, noch mit intelligenten Plotentwicklungen auftrumpfen kann, der Story wieder auf die Beine helfen. Vor allem Ewan McGregor („Lachsfischen im Jemen“) weiß in seiner Nebenrolle zu gefallen, wenngleich für ihn wie auch für alle anderen gilt: Etwas mehr Ausarbeitung hätten den Charakteren gut getan. Dennoch fällt ihm durch seine schnippische und teils selbstironische Art noch der durchdachteste Part unter den Nebenfiguren zu. Vor allem Ewen Bremner („Große Erwartungen“) als Vorzeigetrottel und Stanley Tucci („Der Teufel trägt Prada“) als „Wäre-gerne-vielleicht-ein“-Bösewicht sind derart oberflächlich ausgearbeitet, dass McGregors Leistung dagegen einer wahren Charakterdarstellung gleicht.

In Sachen Humor hält sich „Jack and the Giants“ ansonsten auffällig zurück. Pointen oder Slapstick findet man nicht. Lediglich einige Dialoge laden zum Schmunzeln ein und ab und an mischt sich Situationskomik unter die ansonsten doch ernst aufgezogene Szenerie. Warum sich Bryan Singer für eine derart herbe Version seiner Sageninterpretation entschied, mag angesichts der opulenten Bilder naheliegen. Kameramann Newton Thomas Sigel fing keine verspielt märchenhaften Bilder ein, sondern kreierte einen Bombast im Stile von „Der Herr der Ringe“. Das passt zur Gestaltung der Riesenwelt, wirkt im Kontrast zur eigentlich recht harmlosen Story jedoch aufgeblasen. Dennoch: Sieht man von den etwas lieblos erscheinenden Animationen der Riesen einmal ab, können sich die Effekte, vor allem in der letzten halben Stunde, sehen lassen. Einen Großteil zu den Schauwerten trägt vor allem die sehenswerte Nutzung der 3D-Technik bei. Diese konzentriert sich weniger auf besonders spektakuläre Elemente sondern darauf, den Zuschauer mittels beeindruckender Tiefen-Effekte direkt ins Geschehen eintauchen zu lassen.

Nach einem sehr gelungenen Auftakt und einem langatmigen Mittelteil findet „Jack and the Giants“ seinen Höhepunkt schließlich in einer obligatorischen Schlacht, die sich jedoch als weitaus spektakulärer entpuppt als vieles, was bereits auf der Leinwand zu sehen war. So lässt Bryan Singer die realistische Menschenwelt und die fiktive der Riesen verschmelzen und kann somit auf ein viel größeres Potpourri an Möglichkeiten zurückgreifen, wie der Kampf zwischen Gut und Böse auszusehen hat. Fliegende, brennende Baumstämme sind da nur ein Beispiel für das, was Singer möglich macht. Doch auch hier verliert das Drehbuch die Protagonisten zu sehr außer Acht, als dass einem der Ausgang der Story tatsächlich nahe geht. So bietet der Film einem zwar irgendwie alles, davon dann aber wieder so wenig, dass das schlechte Einspielergebnis kaum mehr verwundert. Schade, denn dank Nicholas Hoult und Ewan McGregor offenbar „Jack“ teilweise, wie viel Liebe in ihm hätte stecken können.

Fazit: „Jack and the Giants“ versucht, Elemente möglichst vieler verschiedener Filmsparten zu kombinieren. Ein bisschen Komik, ein bisschen Action, Abenteuer und die obligatorische Prise Lovestory. Doch manchmal ist weniger mehr, denn hätte sich Regisseur Bryan Singer gezielter auf weniger Parts konzentriert, diesen dafür mehr Herzblut geschenkt, wäre dem Fantasymärchen mehr Charakter vergönnt gewesen. So ist „Jack and the Giants“ in seinen Hochphasen an Kreativität kaum zu übertreffen, lässt an seinen Tiefpunkten aber jegliche Originalität vermissen.