Fantastic Four: First Steps
Ein grundsympathisches Team formiert sich in FANTASTIC FOUR: FIRST STEPS zu einer der beliebtesten Superheldencombos der Marvel-Historie. Für ihr erstes gemeinsames Abenteuer setzen die Macher vor allem auf jede Menge Retro-Charme, was dem MCU inszenatorisch um eine weitere Facette ergänzt. Der Gut-gegen-Böse-Konflikt gerät dagegen eher austauschbar.
Darum geht’s
In einem retro-futuristischen Paralleluniversum der 1960er Jahre, auch bekannt als Earth-828, bekam eine Raumfahrttruppe einst bei einem mysteriösen Vorfall Superkräfte verliehen. Der brillante Wissenschaftler Reed Richards (Pedro Pascal), seine Ehefrau und Archäologin Sue Storm (Vanessa Kirby), der feurige Draufgänger Johnny Storm (Joseph Quinn) und der steinerne Kraftprotz Ben Grimm (Ebon Moss-Bachrach) treten fortan unter dem Namen „Fantastic Four“ für die Sicherheit der Bevölkerung ein und begeistern seit nunmehr vier Jahren die Massen. Doch eines Tages eröffnet sich der Welt eine ungeahnte Bedrohung: Der rätselhafte Silver Surfer (Julia Garner) kündigt einen Angriff des Weltenverschlingers Galactus (Ralph Ineson) an, der unmittelbar mit der Geburt von Reeds und Sues Baby in Verbindung steht. Während die Weltmächte in Panik geraten und Reed zwischen Vernunft und Verantwortung zerrieben wird, wird klar: Die Fantastic Four müssen lernen, nicht nur als Wissenschaftler und Einzelkämpfer, sondern als Familie zu bestehen.
Kritik
Marvels Entscheidung, einen neuen „Fantastic Four“-Film in die Kinos zu bringen, basiert auf mehreren strategischen und kreativen Motiven. Neben dem Wunsch, das ikonische, insbesondere unter den US-amerikanischen Comicfans sehr beliebte Team endlich ins Marvel Cinematic Universe zu integrieren, gab man seitens Marvel zu, mit einem möglichst frischen Ansatz auch die Fehlschläge in der Vergangenheit – insbesondere sei damit der Film von 2015 gemeint – vergessend machen zu wollen. Man wolle das Team auf Augenhöhe behandeln und mit der neuen Zusammenstellung zudem die sechste Phase im MCU einläuten. Gleichwohl nannte Kevin Feige „Fantastic Four: First Steps“ den „ersten echten Standalone-MCU-Film“, der keinerlei Vorkenntnisse erfordere und daher ideal sei, um neue Zuschauerinnen und Zuschauer für das Comicfilmuniversum zu begeistern. Dafür setzte man bei der Besetzung bewusst auf ein Ensemble aus aktuell schwer angesagten (Streaming-)Talenten, mit denen man vor allem junge, digital-affine Fans ansprechen wolle. Zusammengefasst lässt sich sagen: Für Marvel wäre ein Erfolg (oder aber Misserfolg) der „Fantastic Four“ auch wegweisend für den weiteren Verlauf des MCU. Denn wenn der potenzielle „Leuchtturm“ der aktuellen Phase keinen Anklang findet, dürfte es schwerfallen, bis zum Start von „Avengers: Doomsday“ die notwendige Euphorie zu schüren.
Dass ursprünglich der „Spider-Man“-Regisseur Jon Watts die Regie von „Fantastic Four: First Steps“ übernehmen sollte (er gab das Projekt in seiner frühen Entstehungsphase aus Gründen der körperlichen Erschöpfung ab), liegt nahe. Denn der leichtfüßig-draufgängerische Tonfall, der schon seine drei Spinnenmann-Abenteuer ausmachte, schimmert auch hier immer wieder durch. Regisseur Matt Shakman, der für Marvel bereits einige Folgen der Serie „WandaVision“ inszenierte, greift den Stil seines Vorgängers auf und kreiert ein von Anfang an mitreißendes Szenario (ohne klassische Origin-Story), das einen nicht nur direkt in eine durch und durch optimistische Welt katapultiert. Auch die Charaktere wachsen einem sofort ans Herz. Die Spielfreude des Casts ist ansteckend. Darüber hinaus erweckt die Interaktion von Pedro Pascal („Kingsman: The Golden Circle“), Vanessa Kirby („Pieces of a Woman“), Joseph Quinn („A Quiet Place: Tag eins“) und Ebon Moss-Bachrach („No Hard Feelings“) den Eindruck, die vier seien tatsächlich eine über mehrere Jahre zusammengewachsene, eingeschworene Gemeinschaft. Nie stellt man infrage, dass jedes Teammitglied ihr Leben für das der anderen riskieren würde. Nach „Thunderbolts*“ ist es Marvel auch diesmal wieder gelungen, auf den Ebenen Casting und Charakterkonzeption abzuliefern. An Grundsympathie mangelt es „Fantastic Four: First Steps“ also schon mal nicht.
„Getreu der Comicvorlage spielt der Film in einem alternativen Universum (‚Earth-828‘) mit retrofuturistischem, von der Raumfahrt-Ära inspiriertem Sechzigerjahre-Setting. Hier fühlt sich – im wahrsten Sinne des Wortes – die Welt noch in Ordnung an.“
Inhaltlich wirkt der Film wie ein Gegenentwurf zum jüngst bei den DC-Studios erschienenen „Superman“-Film. Setzt sich Regisseur und Autor James Gunn darin viel mit der Frage auseinander, ob eine klassische „Heldenfigur“ heutzutage überhaupt noch zeitgemäß ist, stellt „Fantastic Four: First Steps“ dies nie infrage. Dass hier seitens der Bevölkerung ein Grundvertrauen in die Fantastischen Vier sowie ihre Fähigkeiten besteht, liegt sicherlich auch in der Wahl des Settings begründet. Getreu der Comicvorlage spielt der Film in einem alternativen Universum („Earth-828“) mit retrofuturistischem, von der Raumfahrt-Ära inspiriertem Sechzigerjahre-Setting. Hier fühlt sich – im wahrsten Sinne des Wortes – die Welt noch in Ordnung an. Sicherlich nicht ganz ohne Kalkül, denn natürlich nutzt Matt Shakman hier sowohl den aktuellen Retro-Hype als auch die Nostalgiewelle knallhart für sich aus. Insbesondere Liebhaber:innen der Vorlage dürften sich in der hier dargebotenen Welt verlieren. Und das aktuelle MCU ist um eine weitere tonale Facette reicher. An diesem Punkt hat Kevin Feige mit seiner Aussage recht: „Fantastic Four: First Steps“ lässt sich tatsächlich ohne jedwedes Vorwissen oder gar Interesse an weiteren MCU-Abenteuern genießen.
Während in der ersten halben Stunde vor allem das Zusammenspiel der vier Hauptfiguren überzeugen kann, erweist sich der eigentliche Gut-gegen-Böse-Konflikt als eher austauschbar. Mit dem Auftauchen des Silver Surfer als Überbringer einer intergalaktischen Kriegserklärung konzentriert sich das Skript des vierköpfigen (!) Autorenteams mehr und mehr auf die Frage, wie die Fantastic Four ihre jüngste Weltenrettungsmission angehen sollten. Abgesehen von den Abstechern ins All sowie das Aufeinandertreffen mit dem Schurkenkoloss Galactus bleibt „Fantastic Four: First Steps“ dabei zu jedem Zeitpunkt übersichtlich und „klein“. Die Nachvollziehbarkeit ihrer Planungsschritte macht die Arbeit der vier angenehm nahbar und der Film behält selbst im Anbetracht der Bedrohung seinen optimistischen Tonfall bei. Auch wenn man zeitweise schon die Stirn darüber runzelt, mit welcher Selbstverständlichkeit Reed und Sue Storm bereit sind, ihr kleines Baby in ihre Pläne miteinzubeziehen. Gleichzeitig fühlt sich genau das angenehm erfrischend an. Eine Superheldin mit Babybauch und später mit Säugling an der Seite ist ein zunächst ungewohntes, aber doch auch progressiv-kämpferisches Bild, das längst nicht nur der Symbolwirkung wegen hier seinen Platz findet. Inhaltlich steht und fällt „Fantastic Four: First Steps“ mit der Bedeutung des Babys; sowohl für die Fantastic Four selbst als auch für die Erdbevölkerung und nicht zuletzt natürlich für Galactus.
„Um die visuelle Ausgestaltung des Comics auf die Leinwand zu übertragen, waren während der Dreharbeiten sogar einige der Comic-Autoren selbst anwesend, um vor Ort sicherzustellen, dass der Film den Stil und den Ton der Vorlage authentisch treffe.“
Inszenatorisch gefällt an „Fantastic Four: First Steps“ vor allem sein ganz eigener Look. Von der Garderobe über die Ausstattung der Settings bis hin zum grobkörnigen Bild versprüht der Film ein authentisches Sechzigerjahreflair. Komponist Michael Giacchino („The Batman“) kreierte passend dazu ein modernes, optimistisches Leitmotiv unter Bezugnahme auf das bekannte „Fantastic Four“-Theme. Um die visuelle Ausgestaltung des Comics auf die Leinwand zu übertragen, waren während der Dreharbeiten sogar einige der Comic-Autoren selbst anwesend, um vor Ort sicherzustellen, dass der Film den Stil und den Ton der Vorlage authentisch treffe. Etwas, was den Kreativen so sehr gelungen ist, dass sie es nicht scheuen, in einer der Abspannsequenzen Auszüge aus der „Fantastic Four“-Comic-TV-Serie einzublenden. Den Vergleich mit dieser braucht der neue Real-Life-Film nicht zu scheuen. Und es ist nicht nur bezeichnend, sondern sicherlich auch dem aktuellen Verlangen nach Zerstreuung und Ablenkung geschuldet, dass nach „Superman“ nun auch der neue Marvel-Film auf eine bunte, nicht allzu ernste Variation unserer Welt setzt, in der der Oberschurke unter Jubel mächtig auf die Mütze bekommt.

Der zuvorkommende Roboter H.E.R.B.I.E und Ben Grimm alias The Thing (Ebon Moss-Bachrach) in einer angeregten Unterhaltung.
Fazit: „Fantastic Four: First Steps“ erzählt das kurzweilige Weltrettungsabenteuer einer charmanten Held:innenkonstellation mit viel Optimismus und Leichtigkeit. Dass der eigentliche Gut-gegen-Böse-Konflikt eher austauschbar ist, fällt da nur bedingt ins Gewicht.
„Fantastic Four: First Steps“ ist ab dem 24. Juli 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.



Pingback: The Fantastic Four: First Steps – Filmkritik - Passion of Arts