Shadow Force – Die letzte Mission

Selbst als Dritte-Reihe-Videothekenreißer wäre SHADOW FORCE – DIE LETZTE MISSION eine große Enttäuschung. Der Witz verpufft im Nichts, eine Figurenchemie bleibt Behauptung und die Action kommt derart generisch daher, dass man sich fragt, weshalb so ein Film nicht direkt ins Streaming wandert.

OT: Shadow Force (USA 2025)

Darum geht’s

Einst waren Kyrah (Kerry Washington) und Isaac (Omar Sy) die Anführer:innen einer multinationalen Eliteeinheit namens Shadow Force. Doch die beiden verliebten sich und widersetzten sich somit dem Protokoll. Kurz nachdem ihr gemeinsamer Sohn Ky (Jahleel Kamara) geboren wurde, verließ Kyrah ihre Familie und tauchte ab – bis jetzt. Als Isaac und Ky eines Tages einen Banküberfall beobachten, gelangen sie nicht nur auf Kyrahs Radar, sondern werden auch zur Zielscheibe ihrer ehemaligen Kameraden. Ihr Anführer Jack Cinder (Mark Strong) setzt ein hohes Kopfgeld auf die beiden aus. Nun gilt es für die ehemaligen Eheleute, die schwierige Vergangenheit hinter sich zu lassen und gemeinsam für die Sicherheit ihrer Familie zu kämpfen.

Kritik

Die deutsche Filmtitelpolitik treibt manchmal seltsame Blüten. Das hat allerdings nicht immer etwas damit zu tun, dass sich die zuständige Marketingabteilung bei ihren Umbenennungen von Originaltiteln ganz besonders lustig vorkommen will. Häufig hängen an Entscheidungen wie jenen, „Zootopia“ in Deutschland „Zoomania“ oder „Thor – The Dark World“ hierzulande „Thor – The Dark Kingdom“ zu nennen, schlicht und ergreifend Rechteprobleme. Generell kommt es nahezu nie vor, dass Filme mit ein und demselben Namen veröffentlicht werden. Umso überraschender ist es da, dass es einen Film namens „Shadow Force“ bislang noch nicht gegeben hat. Und dann geht es noch nicht mal wirklich um diese generisch benannte Eliteeinheit, sondern vor allem um zwei Abtrünnige ebenjener Organisation. Und wer weiß? Vielleicht wäre aus „Shadow Force“ ja ein guter Film geworden, hätte man nicht ausgerechnet die zwei langweiligsten Figuren in diesem noch viel langweiligeren Actionthriller ins Zentrum gerückt.

Isaac (Omar Sy) will vor allem seinen Sohn Ky (Jahleel Kamera) beschützen.

Das vermeintliche Herz von „Shadow Force – Die letzte Mission“ ist die – euphemistisch ausgedrückt – dysfunktionale Familienbeziehung zwischen Isaac, Kyrah und ihrem kleinen Sohn Ky. Wobei das mit dem Begriff „Beziehung“ so eine Sache ist. Die gibt es nämlich eigentlich gar nicht, da Kyrah ihre Familie, zu ihrem Schutz, vor Jahren verlassen hat. Doch da das zuletzt bereits in dem Netflix-Film „Back in Action“ heruntergebetete „Familie zuerst!“-Credo ja trotzdem irgendwie losgetreten werden muss, nimmt Ky seine ihm eigentlich völlig unbekannte Mutter direkt in den Arm, als diese plötzlich wieder auftaucht. Zwischen Kyrah und Isaac herrscht dagegen eine „Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?“-Stimmung wie in jeder x-beliebigen Actionkomödie, in der es darum geht, dass zwei Partner wider Willen zusammengepackt werden, um gemeinsam einen Auftrag zu erledigen. Das Problem daran ist nicht nur die fehlende Chemie zwischen Kerry Washington („The Prom“) und Omar Sy („Plötzlich Papa“), denen man etwaige amouröse Schwingungen zu keinem Zeitpunkt abnimmt. Auch das Skript vergisst scheinbar, dass die beiden einst mal sich liebende Eheleute waren. Insofern ist das später natürlich doch wieder zusammenfindende Paar vor allem daran interessiert, sich gegenseitig – und ziemlich unsympathisch – anzuätzen. Nicht gerade ratsam für eine Actionkomödie, in der gewitzte Dialoge und eine charismatische Figurenkonstellation unbedingt vonnöten sind.

„‚Shadow Force‘ ist einfach zu keinem Zeitpunkt lustig, beschwingt oder macht über andere optimistische Aspekte Spaß. Lediglich in der Interaktion zwischen Sy und seinem Filmsohn Jahleel Kamara blitzt vereinzelt ein Hauch humoristischer Dynamik hervor.“

Das hat zur Folge, dass die ohnehin nur sehr rar gesäten One-Liner und Gags so gut wie nie zünden. „Shadow Force“ ist einfach zu keinem Zeitpunkt lustig, beschwingt oder macht über andere optimistische Aspekte Spaß. Lediglich in der Interaktion zwischen Sy und seinem Filmsohn Jahleel Kamara („Nanny“) blitzt vereinzelt ein Hauch humoristischer Dynamik hervor. Doch die meiste Zeit über bestreiten Kerry Washington und Omar Sy den Film allein. In einem Nebenhandlungsstrang sollen Da’Vine Joy Randolph („The Holdovers“) und Cliff ‚Method Man‘ Smith („Garden State“) derweil als Comic Relief dienen, doch auch ihre Interaktion beschränkt sich auf nur leidlich komische Kabbeleien. Die ihnen allen gegenübergestellte Shadow Force ist derweil eine klischeehaft zusammengestellte Truppe aus Killerinnen und Killern, angeführt von einem Anführer, den Mark Strong („Kingsman: The Secret Service“) als Karikatur anlegen könnte. Leider spielt aber auch er die Figur so leidenschaftslos herunter, dass es allenfalls an der Überzeichnung kratzt. Sein Jack Cinder wäre ideal geeignet für eine Bond-Schurken-Parodie – gemacht wird in „Shadow Force“ nichts daraus, wie aus so ziemlich allen anderen Aspekten auch.

Die ehemaligen Mitkämpfer mit ihrem Boss (Mark Strong).

Wie es sich für einen guten Actionfilm gehört, gibt es zwar einige nette Schauplatzwechsel und Setpieces (gedreht wurde in Kolumbien), die darin stattfindende Action genügt dagegen noch nicht einmal den Ansprüchen eines Videothekenreißers der zweiten oder gar dritten Reihe. Wie offenbar jede an „Shadow Force“ beteiligte Person hatte auch Regisseur Joe Carnahan („Boss Level“) keinerlei Ambitionen, wenigstens solide Unterhaltung abzuliefern. Mit Ausnahme einer an einer nebelverhangenen Küstenklippe gedrehten Auto-Verfolgungsjagd (ohnehin ist Kyrahs für ihre Zwecke umgebauter Luxusschlitten das einzige Highlight am gesamten Film) kann sich keine Actionszene choreographisch hervortun. Kameramann Juan Miguel Azpiroz hält einfach nur drauf, wie er es bereits für etwa „The Gunman“ als Second Unit Cinematographer getan hat. Nicht die einzige Parallele zwischen Pierre Morels 2015 erschienenem Sean-Penn-Vehikel und „Shadow Force“. In beiden Filmen hat der Protagonist eine körperliche Einschränkung, die zu Beginn eingeführt, dann so lange wieder vergessen wird, bis es für die dahinplätschernde Dramaturgie plötzlich wieder notwendig ist. Faules Storytelling eben, das die gelangweilte Gesamtperformance von „Shadow Force“ nicht besser unterstreichen könnte.

„Wie offenbar jede an ‚Shadow Force‘ beteiligte Person hatte auch Regisseur Joe Carnahan keinerlei Ambitionen, wenigstens solide Unterhaltung abzuliefern. Mit Ausnahme einer an einer nebelverhangenen Küstenklippe gedrehten Auto-Verfolgungsjagd kann sich keine Actionszene choreographisch hervortun.“

Fazit: Für eine Actionkomödie ist „Shadow Force – Die letzte Mission“ weder choreographisch interessant noch witzig genug. Die Figurenchemie stimmt überhaupt nicht und abgesehen von einigen netten Schauplatzwechseln ist an Joe Carnahans neuestem Film nichts so gelungen, dass es einen Kinobesuch rechtfertigen würde. Mehr noch: „Shadow Force“ hat das Potenzial, sich Ende des Jahres einen Platz auf der „Die schlechtesten Filme 2025“-Liste zu sichern.

„Shadow Force – Die letzte Mission“ ist ab dem 8. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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