A Working Man
Jason Statham und David Ayer tun sich nach dem Erfolg von „The Beekeeper“ erneut zusammen. Doch A WORKING MAN kann nicht an den – vor allem in der deutschen Fassung – Unterhaltungswert seines Vorgängers anknüpfen. Diesmal wird es redselig, umständlich und so gar nicht brutal.
Darum geht’s
Eigentlich hatte der ehemalige Elitesoldat Levon Cade (Jason Statham) mit seiner Vergangenheit und der Gewalt gegenüber Menschen abgeschworen, arbeitet mittlerweile auf einer Baustelle und versucht, nach dem Tod seiner Ehefrau das Verhältnis zu seinem Kind zu intensivieren. Doch als Jenny (Arianna Rivas), die Teenager-Tochter seines Chefs Joe (Michael Peña), von einer Gruppe russischer Gangster entführt wird, findet Cade zurück in die Spur: Folternd, schießend und kämpfend berserkert er sich durch die Unterwelt, immer mit dem Ziel, Jenny wiederzufinden, die währenddessen ihre Entführer:innen ordentlich auf Trab hält.
Kritik
Die Zusammenarbeit zwischen Regisseur David Ayer („Herz aus Stahl“) und Jason Statham („Meg 2 – Die Tiefe“) erwies sich im vergangenen Jahr als überraschend rentabel. Das ist aber auch kein Wunder. Denn ein Budget von rund 40 Millionen US-Dollar spielt sich schnell wieder ein. Im Falle von „The Beekeeper“ lief es international auf das Vierfache hinaus. Doch auch in Deutschland scheint man nach wie vor Bock darauf zu haben, dem ehemaligen Turmspringer beim Sich-durch-die-Gegend-Berserkern zuzuschauen. Der Film, in dem Statham einen sich rächenden Imker im eigentlichen Action-Ruhestand spielt, konnte sich hierzulande mit knapp einer Million Besucher:innen zu Platz 25 der erfolgreichsten Filme des Jahres 2024 emporschwingen. Das und das gegenseitige Bekunden einer hervorragenden Zusammenarbeit dürften dazu geführt haben, dass die Ayer-Statham-Kombo nun direkt ein zweites Mal anrücken darf. Mit Schützenhilfe von Drehbuchautor und Produzent Sylvester Stallone im Rücken, der für „A Working Man“ auf die gleichnamige, bislang zwölf Bücher umfassende Romanreihe von Chuck Dixon zurückgriff. Doch diesmal bringt diese Kollaboration nicht den gewünschten Spaß, sondern vor allem Langeweile und Erinnerungen an die Liam-Neeson-Actionreihe „96 Hours“.

Als Jenny (Arianna Rivas), die Tochter seines Bosses Joe (Michael Peña) entführt wird, sieht sich Levon Cade (Jason Statham) gezwungen, seine alten Soldatenfähigkeiten noch einmal hervorzukramen.
Im Falle von „The Beekeeper“ hatte das deutsche Publikum sogar noch einen alles entscheidenden Vorteil gegenüber dem englischsprachigen: eine grandiose Gaga-Synchronisation, die die hanebüchene Prämisse kongenial hervorzukehren wusste. Man darf gespannt sein, ob auch „A Working Man“ in den Genuss einer ebenbürtigen Übersetzung kommt. Fraglich ist das allerdings, denn in diesem Fall haben wir es nicht mit einem der quatschigen Jason-Statham-Alleingänge zu tun, sondern mit einem der ernsten Sorte. Und wenn man sich mal anschaut, welche Statham-Vehikel sich in der Vergangenheit besonders ernst genommen haben, dann fallen in diese Kategorie nicht gerade die stärkeren Beiträge seiner Gattung. Trotzdem gestalten sich die ersten zehn Minuten vielversprechend. Getreu dem Titel lernen wir Stathams Levon Cade – natürlich ein ehemaliger Elitesoldat, der sein Leben an der Front hinter sich gelassen und der Gewalt eigentlich abgeschworen hat – auf einer Baustelle kennen. Zunächst noch als Anheizer seiner ihm unterstellten Bauarbeitertruppe, schon kurze Zeit später im Nahkampf mit einer Handvoll grimmig dreinblickender Fieslinge, die einen von Cades Mitarbeitern bedrohen. Doch diese kurze, wie auch alles andere inszenatorisch weitestgehend unauffällige Kampfchoreographie weckt falsche Erwartungen: Anstatt von Anfang an voll aufs Gas zu drücken, nimmt David Ayer anschließend erstmal Tempo raus.
„David Ayer scheint ein großer Freund der ‚John Wick‘-Reihe zu sein, dabei allerdings das High Concept der darin skizzierten, grell überhöhten Fake-Unterwelt nicht verstanden zu haben.“
Die Prämisse von „A Working Man“ erinnert stark an den ersten Teil der erfolgreichen „96 Hours“-Trilogie. Auch hier wird ein junges Mädchen – die Tochter von Cades Baustellen-Chef Joe – entführt und unter Besinnung auf einstige Kampf- und Ermittlerfähigkeiten wieder aus den Händen der Schergen befreit. Mit dem kleinen Unterschied, dass der Kampf zwischen Gut und Böse in „96 Hours“ einer ganz simplen Struktur unterlag: Liam Neeson alias Ex-CIA-Agent Bryan Mills auf der einen Seite und eine Gruppe albanischer Mädchenhändler auf der anderen. In „A Working Man“ ist es nun eine in sich verschwurbelte, allzu umständlich organisierte Verbrecherbande, bei der man stets das Gefühl hat, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Da wird schon mal eine Gruppe von Polizist:innen niedergeschossen, obwohl sie eigentlich von der eigenen Truppe geschmiert war. Zudem scheint David Ayer ein großer Freund der „John Wick“-Reihe zu sein, dabei allerdings das High Concept der darin skizzierten, grell überhöhten Fake-Unterwelt nicht verstanden zu haben. Auch in „A Working Man“ gibt es ähnlich grelle Motive. Etwa einen auf einem „Game of Thrones“-artigen Thron sitzenden Gangsterboss, der seiner Geschäfte aus einem zwielichtigen Club heraus erledigt. Doch hier, in einem sich ansonsten ohnehin viel zu ernst nehmenden Film, ist es nicht mehr als ein im leeren Raum verpuffendes Bild, das keinerlei inhaltliche Unterfütterung erhält.
Dass sich „A Working Man“ als deutlich seriöser verkauft als etwa der zuvor bereits erwähnte „The Beekeeper“ macht sich auch immer wieder in den schier endlosen Dialogen bemerkbar. Anstatt die zuvor angekündigte FSK-18-Action bekommt man hier primär Verhandlungen – mal zwischen Statham und den Gangstern, mal zwischen den (natürlich ganz klassisch russischen) Gangstern untereinander – präsentiert, deren Länge sich vor allem daraus ergibt, dass man ja irgendwie durch das viel zu viele Mitglieder umfassende Gangstersyndikat durchsteigen muss. Das zumindest suggerieren Ayer und Stallone, die ihren Film möglicherweise als Auftakt für eine neue Reihe verstehen, in der all das später noch wichtig werden könnte. Tatsächlich kristallisiert sich im Verlauf der viel zu langen zwei Stunden auch manch schillernde Antagonisten-Figur heraus, die Potenzial böte, irgendwann nochmal genauer beleuchtet zu werden. Nur leider überleben diese den Film gar nicht erst…
„Besonders hart ist ‚A Working Man‘ wahrlich nicht. Was auch daran liegt, dass hier bevorzugt auf Schuss- anstatt auf anderweitige Waffen zurückgegriffen wird. Es hat schon einen Grund, weshalb sich Slasher-Ikonen mit Messern durch ihre Opfer schlitzen: damit ordentlich Blut fließt.“
Nun würde all das nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, wenn im Gegensatz dazu denn die Action stimmen würde. Doch die fehlende Jugendfreigabe lockt einen auf eine falsche Fährte: Besonders hart ist „A Working Man“ wahrlich nicht. Was auch daran liegt, dass hier bevorzugt auf Schuss- anstatt auf anderweitige Waffen zurückgegriffen wird. Es hat schon einen Grund, weshalb sich Slasher-Ikonen mit Messern durch ihre Opfer schlitzen: damit ordentlich Blut fließt. Zwar foltert sich Statham in „A Working Man“ munter durch die Gegend, indem er unter anderem Waterboarding betreibt oder einem Widersacher damit droht, ihn rücklings mit einem Stuhl im Pool zu versenken. Aber so richtig grob wird es nie, obwohl die Rachestory drum herum eigentlich den derben Grundstein für noch derbere Gewalt legen müsste. Als kurzer aber leider ebenfalls völlig verschenkter Lichtblick erweist sich immerhin David Harbour („Violent Night“). Als Cades ehemaliger, mittlerweile erblindeter Soldatenkollege opfert dieser sich als Babysitter für dessen Tochter (denn so ganz ohne tragischen Hintergrund für die Hauptfigur geht es natürlich auch hier nicht), hat in dieser Rolle allerdings nur eine Handvoll Sätze. Trotzdem wirkt er in seinen kurzen Auftritten sympathischer als der sich hier einmal mehr mit stoischer Miene durch die Gegend ballernde Statham, dessen Figur einem bis zuletzt vollkommen egal bleibt.

Hilfe erhält Levon unter anderem von seinem ehemaligen Soldatenkollegen Gunny Lefferty (David Harbour), der auf die Tochter seines Freundes aufpasst.
Fazit: Wer sich von „A Working Man“ einen spaßig-derben Jason-Statham-Actioner erhofft, wird enttäuscht. Alle Beteiligten nehmen das Geschehen hier viel zu ernst, die Kampfchoreographien enttäuschen und die in sich verschwurbelte Antagonisten-Gang erweist sich als viel zu umständlich aufgebaut. Anstatt einfach nur ein Gut-gegen-Böse-Feuerwerk abzufeuern, gibt’s hier ellenlange, langweilige Erklärungen und einen Genreplot aus der Konserve.
„A Working Man“ ist ab dem 27. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

