Meine Filmflops 2019 – Die Plätze 20 bis 11

Es ist soweit: Das Jahr ist fast vorbei und es ist wieder an der Zeit, auf die vielen Filme der vergangenen 12 Monate zurückzublicken, die in mir die größten Emotionen ausgelöst haben. Getreu dem Sprichwort „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“ widme ich mich zunächst meinen ganz persönlichen Hassfilmen 2019. Hier ist der Name Programm! Im Folgenden geht es nicht darum, welche Filme von Januar bis Dezember die objektiv schwächste Qualität aufwiesen – nicht selten sind diese Vertreter nämlich einfach nur banal und langweilig. Stattdessen geht es ganz allein darum, welche Filme bei mir persönlich die größte Antipathie hervorgerufen haben – entweder durch den Film selbst, oder aber auch durch die Penetranz in den Medien, in Diskussionen oder in der Werbung. Es ist also gut möglich, dass auf den Plätzen zwanzig bis eins der ein oder andere ordentliche Streifen dabei ist, der mir persönlich aber eben überhaupt nicht zugesagt hat. Und weil ich mich sonst immer darin bemühe, persönliche Meinungen so weit wie möglich zurückzuhalten, ziehe ich in meiner Flopliste auch diesmal ein wenig überspitzter vom Leder als sonst. In diesem Sinne: Viel Spaß auf diesem Streifzug durch das filmische Grauen 2019!

Zur Auswahl standen 276 von mir gesichtete Filme, die im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2019 im Kino erschienen sind, die in dieser Zeit auf deutschen Filmfestivals vorgeführt wurden oder einen Direct-to-DVD- respektive Streaming-Start hatten.

20

Der Trailer zu BENJAMIN BLÜMCHEN wurde bereits kurz nach seinem Erscheinen im Internet zerrissen. Und seien wir einmal ehrlich: durchaus zu Recht. Denn die Animationsqualität des wohl berühmtesten sprechenden Elefanten der Welt wäre schon vor zehn Jahren unterirdisch gewesen. Überraschend ist allerdings, dass im fertigen Film dann gar nicht mehr Benjamin selbst das aller größte Problem ist, sondern der Look insgesamt. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass hier tatsächlich Menschen in einer echten Kulisse interagiert haben. Kein Wunder: „Benjamin Blümchen“ wurde vor allem vor Greenscreen gedreht, da es einen Zoo wie der Neustädter Zoo hier einer sein soll in Wirklichkeit einfach nicht gibt. Das Endergebnis ist optisch Grütze – und das verwundert insbesondere wenn man einmal sieht, dass Regisseur Tim Trachte in diesem Jahr noch einen weiteren Film in die Kinos gebracht hat, der Hollywood-Ausmaße besitzt. Immerhin: Für diesen hier konnte man den Original-Benjamin-Blümchen-Synchronsprecher Jürgen Kluckert gewinnen. Das macht das Grauen wenigstens halbwegs erträglich.

19

Für Platz 19 verlassen wir vorerst die deutschen Gefilde und schauen uns an, was Regisseur Neil Marshall in Übersee verbrochen hat. In diesem Fall die „Hellboy“-Neuauflage HELLBOY – CALL OF DARKNESS, eine lieblose, mit CGI-Blut und Gewalt vollgestopfte sowie einem extrem nervigen Rockmusik-Soundtrack ausgestattete Action/Fantasy/Horror-Orgie, an der so ziemlich gar nichts gestimmt hat. Noch halbwegs ertragen ließ sich das alles als augenzwinkerndes Trash-Spektakel, das insbesondere unter den Darstellern kaum Jemand wirklich ernst zu nehmen schien. Das Problem: Die Geschichte selbst sollte den Zuschauer wohl ernsthaft packen. Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb hier permanent neue Handlungsstränge aufgemacht, Konflikte künstlich auf die Dramaspitze getrieben und pseudodeepe Dialoge abgefeiert wurden, was aber natürlich nicht funktionieren kann, wenn man das Ganze ohnehin von vorn bis hinten nicht ernst nimmt. Immerhin für ein im Finale halbwegs amüsantes Splatterfest hat es gereicht. Aber dafür verbringe ich keine eineinhalb Stunden unter enervierender Dauerbeschallung.

18

Kehren wir zurück in heimische Gefilde und widmen uns einer Teenie-Sexklamotte, die man so allenfalls als deutsches Pendant später „American Pie“-Zeiten erwartet hätte, aber nicht als ernst zu nehmenden Komödienbeitrag im Jahr 2019. Man sollte allein schon dann stutzig werden, wenn in der unteren rechten Ecke des Filmplakats verzweifelt mit einem bestimmten Promi (in diesem Fall Palina Rojinski) geworben wird – und die Befürchtungen, dass das alles hier nicht wirklich gut sein kann, wenn man schon auf derartige Methoden zurückgreifen muss, sollen sich in den kommenden 90 Minuten bewahrheiten. GET LUCKY – SEX VERÄNDERT ALLES lässt die heranwachsenden Hauptfiguren zwar permanent über Sex philosophieren und beginnt sogar damit, dass sich ein Pubertierender vor laufender Kamera ins Gesicht spritzt. Doch die Gags über riesige Plüsch-Vaginas und aufgeblasenen Kondome sind letztlich weder lustig noch schlüpfrig, sondern in erster Linie ganz schön prüde. Auch wenn sich Rojinski in der Rolle der aufgeklärten Sex-Therapeutin sichtbar Mühe gibt, das zu verschleiern.

17

Wie kann man zu einem solch missratenen Film wie „Maleficent – Die dunkle Fee“ allen ernstes ein Sequel in Auftrag geben? Na gut, wäre ich ein an Profit denkendes Filmstudio, würde ich vermutlich genauso denken. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich mich weniger durch MALEFICENT – MÄCHTE DER FINSTERNIS gequält habe und bei keinem Film im Jahr 2019 häufiger eingeschlafen bin als bei diesem. Der Grund dafür ist nicht nur die unerträgliche, hässliche Märchenwelt, die von unterirdisch animierten Fantasietieren bevölkert wird. Oder Angelina Jolie, die sich in ihrem Feenkostüm einfach einen Tick zu sehr gefällt, als dass man ihr abnehmen würde, dass sie auch wirklich den Film und nicht nur sich selbst ganz toll findet. Nein, der Grund ist die extreme Langeweile, die in mir ausgelöst wird, wenn ein Filmteam exakt die gleiche Geschichte noch einmal erzählt und nur den Weg dorthin um ein paar Schlenker ergänzt. Ich habe schon beim ersten Mal verstanden, dass Maleficent ja eigentlich doch ne ganz Nette ist und sie das eben einfach nicht zeigen will…

16

Einen ganz anderen Kandidaten findet ihr auf Platz 16. Und ich kann mich spontan nicht erinnern, dass ich in meinen Jahresflops je eine Dokumentation platziert habe. Im Falle von BERLIN BOUNCER kann ich aber nicht anders, denn wenn mir ein Film über drei ikonische Berliner Türsteher versprochen wird, kann ich am Ende vielleicht nicht unbedingt erwarten, dass ich nun sämtliche Tricks kenne, mit denen ich es an ihnen vorbei in den Club schaffe. Aber zumindest ein klein wenig über die Arbeit der drei Hauptcharaktere würde ich ja doch ganz gern erfahren. Doch genau darum geht es in „Berlin Bouncer“ nicht. Stattdessen ist der Film die Veranschaulichung eines nostalgisch verklärten Berlins vor vielen, vielen Jahren. Und daran können sicher gerade Hauptstädtler so richtig ihren Spaß haben. Aber ich war ganz einfach komplett enttäuscht davon, was mir hier als eigentlich neugieriger Zuschauer geboten wurde, sodass ich geistig nach etwa der Hälfte der Laufzeit kurz vorm Abschalten war. Vielleicht das nächste Mal nicht mit den Bouncern, sondern gleich mit Berlin selbst werben…

15

Zunächst einmal muss ich gestehen: Ganz so schrecklich wie es die Position 15 meine Jahresflops 2019 vermuten lässt, fand ich DIE SAGENHAFTEN VIER zunächst gar nicht. Der Film erzählt eine harmlose kleine Animationsgeschichte, ganz grob orientiert an der Legende von den Bremer Stadtmusikanten. Doch je länger ich über den Film nachdachte, desto mehr fielen mit solch völlig fehlplatzierte „Gags“ auf wie etwa ein Subplot rund um einen Hahn mit Sex-Unlust auf, der symptomatisch dafür steht, dass es hier hin und wieder unpassend derb zugeht. Das wird an den ganz kleinen Zuschauern zwar vermutlich ohnehin vorbeigehen, doch dann fragt man sich erst recht, weshalb so etwas überhaupt im Film vorkommt, wo er doch sichtbar für eine sehr junge Zielgruppe konzipiert wurde. Das wiederum zeigt sich an einem äußerst zähen und vorhersehbaren Krimiplot, in dem eine Katze als Ermittlerin fungiert und dabei auf eine Handvoll anderer Tiere trifft, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das alles vor recht billig anmutender Animationsfilmkulisse, was man dem Film aufgrund des schmalen Budgets zwar nicht zwingend zum Vorwurf machen kann. Aber schön ist halt was Anderes…

14

Es wäre ja nun weiß Gott nicht das erste Mal, dass sich eine Filmhandlung vorwiegend auf die Ereignisse nach einem schweren Schicksalsschlag konzentriert, als auf den Vorfall an sich. Filmisch ist das ja sogar – gerade im Arthauskino – ein altbewährtes Motiv, dem sich in diesem Jahr auch der Kanadier Jaron Albertin angenommen hat, der mit WEIGHTLESS seinen ersten Spielfilm nach diversen Werbespot-Engagements vorgelegt hat. Darin geht es um den schweigsamen Joel, der eines Tages wie aus dem Nichts mit der Existenz eines Sohnes konfrontiert wird, um den er sich fortan kümmern muss. Was dann passiert, ist exakt… nichts. Die eigentlich übersichtlichen 93 Minuten ergötzen sich in Zähigkeit, assoziative Bildabfolgen versuchen, den elendigen Leerlauf zu kaschieren, den in seinen schwächsten Momenten wohl nur Terrence Malick noch trantütiger hinbekommen hätte. Dabei verstecken sich unter dieser Ansammlung filmischen Füllmaterials immer auch wahrhaftige, emotionale Momente zwischen Vater und Sohn. Doch zu oft in „Weightless“ passiert ganz einfach gar nichts.

13

Apropos gar nichts: Ob im Horrorfilm POLAROID, der als einer der ersten Filme im Kinojahr 2019 erschien, irgendetwas passiert, konnte man mitunter kaum erkennen. Kein Film hatte in den vergangenen zwölf Monaten eine hässlichere und dunklere Kameraarbeit vorzuweisen, als dieser ohnehin sehr zähe und aufgrund seines plakativen Gebrauchs von Klischees alles andere als gruselige Genrefilm, der sich allenfalls für sehr zartbesaitete Einsteiger eignet. Die Geschichte um eine den Tod bringende Kamera erinnert doch arg an die Kamera-Episoden der Kinder-Gruselserie „Gänsehaut“ – und selbst da ging das verfluchte Knipsgerät mit seinen Besitzern härter ins Gericht. Lieblos heruntergedreht und mit katastrophalen Darstellern bestückt, markiert „Polaroid“ für 2019 den Bodensatz der Horrorunterhaltung wie im letzten Jahr etwa „Slender Man“ einer war. Dabei war das dem Film zugrunde liegende Short Movie vom selben Regisseur (der in diesem Jahr übrigens auch noch das sehr viel gelungenere „Chucky“-Reboot gedreht hat) eigentlich noch ganz unterhaltsam. So ist das eben, wenn man eine keinen ganzen Spielfilm hergebende Story künstlich auf 90 Minuten aufbläst.

12

Die Liebhaber der Achtzigerjahre Actionikone John Rambo konnten den Start von RAMBO: LAST BLOOD kaum erwarten – und dürften angesichts der ihnen hier vorgesetzten Mogelpackung maßlos enttäuscht gewesen sein. Die letzten 15 Minuten machen aus dem Actionfilm eine der brutalsten Mainstream-Produktionen jüngerer Kinogeschichte und obendrein auch noch mächtig Spaß. Alles bis dahin ist allerdings selbst für eine Daily Soap zu flach und albern. Während die Autoren munter Mexiko-Klischees abfeuern und ihren einstigen Helden als gebrochenen Mann und Pferdetrainer etablieren, rauscht an Rambo ein beliebiger „Alter Mann sucht entführte Enkelin“-Plot vorbei (es ist völlig nebensächlich, wie genau er und das junge Mädchen nun verwandtschaftlich zusammenhängen), in dem – an FSK-18-Actionfilmverhältnissen gemessen – einfach überhaupt nichts passiert. Eine immerhin recht heftige Prügelei später sind wir schon wieder in Rambos Keller und der gute Mann schmiedet finstere Pläne und baut Fallen. Hach, ist das alles herrlich doof und bescheuert – aber eben nicht auf die gute Art…

11

Die Top 20 meiner Flopliste 2019 abschließen darf diese italienische Produktion: UNSERE LEHRERIN, DIE WEIHNACHTSHEXE, ein eigentlich festlich angelegter Film darüber, dass die Lehrerin abseits ihrer Schultätigkeit als titelgebende Weihnachtshexe unterwegs ist und eines Tages ins Visier böser Entführer gerät. Die von Anfang an sehr obskur aufgezogene Handlung wäre an sich gar nicht das Problem. Zumal die Legende der Weihnachtshexe im Produktionsland Italien durchaus verbreitet ist. Doch der ursprünglich aus dem harten Horrorkino kommende Regisseur scheint seine Eigenheiten hier einfach nicht ablegen zu wollen. Sein Film ist für ein Kinderabenteuer viel zu brutal; hier werden in Nahaufnahme Spritzen in Nasen gestochen und die Gangster derbe verprügelt. Die Grundschüler geben sich zudem hemmungslosen Zungenkussübungen hin. Und die Anschlussfehler und die fehlerhafte Soundabmischungen setzen diesem skurrilen Unterfangen die Krone auf. „Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe“ ist nicht der erste Film, bei dem ich mir 2019 die Frage stellte, ob da nicht zum Schluss nochmal jemand hätte drüber schauen können…

 

In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle meine Flop 10 der Filme 2019…

2 Kommentare

  • Hey, passt.

    Bei mir gesellt sich noch dieser Disney Star Wars Film dieses Jahr dazu, ebenso Episode 7 und 8. Naja.

    Hoffe es kommen noch die richtigen Star Wars 7 bis 9 Episoden raus.

  • Alessandro Zaniolo

    Buon Natale cara mia. Mit Rambo und Hellboy hatte ich meinen Spass. Ich habe mir gedacht ich sollte die anderen Filme auf der Liste deshalb mal testen. Ich werde mit Polaroid beginnen.

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