Ready Or Not – Auf die Plätze, fertig, tot

In der Horrorkomödie READY OR NOT – AUF DIE PLÄTZE, FERTIG, TOT mündet ein irres Fangenspiel in einem Kampf auf Leben und Tod. Dabei stellt sich eine blutige Braut ihren Widersachen in den Weg, die so gar keine Lust hat, für skurrile Opferrituale herhalten zu müssen. Einen Gewinner gibt’s auch: das Publikum. Mehr zum Film verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Mit Brettspielen hat die exzentrische Familie, die an ihren altehrwürdigen Traditionen eisern festhält, ihr Vermögen gemacht. „Die Reichen sind wirklich anders”, warnt Daniel (Adam Brody), der Bruder von Alex (Mark O’Brien), dessen zukünftige Ehefrau Grace (Samara Weaving) noch wenige Stunden vor der Hochzeit, doch da ist das Ehegelübde auch schon gesprochen. Die Hochzeit verläuft planmäßig. Aber sie hält auch noch eine Überraschung für die Braut bereit. Arglos schließt sich Grace ihrem Gatten und ihrer Neu-Familie für ein mitternächtliches Spiel an – ein Spiel, das in der Familie Tradition hat. Als neues Mitglied der Le Domas’ muss sie aus einem Stapel eine Karte ziehen, die bestimmt, was gespielt werden soll. Ohne zu wissen, dass Gefahr in der Luft liegt, wählt sie die seltene „Hide and Seek”-, sprich Versteckspielkarte. Nur wenige Augenblicke bleiben Grace danach, Alex zurückzulassen und sich irgendwo auf dem Anwesen zu verstecken. Dann schwärmen die anderen aus, um sie noch vor Sonnenaufgang zu finden. Bald wird Grace zu ihrem Entsetzen klar, dass sie im Zuge eines tödlichen Spiels gejagt wird. Emotional und physisch gefordert, setzt Grace fortan nicht nur alles daran, um zu überleben, sondern versucht, das Spiel ein für alle Mal zu verändern – mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Kritik

Die Sache mit den Horrorkomödien. Viele von ihnen verdienen die Genrebezeichnung eigentlich gar nicht. In der Regel handelt es sich bei der Verschmelzung so unterschiedlicher Filmspezies nämlich eher um Comedys, gespickt mit Horrorelementen. Nehmen wir als Beispiel nur einmal das ohnehin übersättigte Segment der Zombiefilme: Es würde wohl kaum jemand behaupten, dass Produktionen wie „Shaun of the Dead“ oder „Zombieland“ ihren Versprechungen, gleichermaßen Humor wie Grusel oder Beklemmung zu bieten respektive auszulösen, tatsächlich nachkommen. Das ist erst einmal natürlich nicht weiter schlimm. Erst recht, da Horror und Komödie ja von ihrer Intention ohnehin nicht weiter auseinander liegen könnten. Umso beeindruckender ist es aber, wenn es dann tatsächlich mal einem Filmemacher gelingt, beides stimmig zusammenzubringen. Die beiden Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett scheinen sich auf diese schwierigen Spagat spezialisiert zu haben. Nach ihrem in Liebhaberkreisen umjubelten Indie-Hit „Southbound“ legen sie mit „Ready Or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ ihre nächste gelungene Verschmelzung treffsicherer Pointen und beklemmender Horroratmosphäre vor, in der sich die pechschwarzen Gags ebenso entfalten dürfen, wie die bitterböse Prämisse, in der fiese Splatter-Momente und Dämonengrusel Hand in Hand gehen. Und garniert wird das ganze obendrein mit einem spektakulären, an erzählerischer Konsequenz nicht zu übertreffenden Finale.

Bei der Hochzeitszeremonie zwischen Alex (Mark O’Brien) und Grace (Samara Weaving) ist noch alles in Ordnung…

Es ist schon eine skurrile Ausgangssituation, die die Macher für ihre Badass-Heldin bereithalten: Eine Hochzeit auf einem luxuriösen Anwesen gerät völlig aus dem Ruder, als die wunderschöne Braut Grace nach der Zeremonie mit dem befremdlichen Ritual ihrer neuen Familie konfrontiert wird, das bestimmt, dass ihre Hochzeitsnacht aus einem voraussichtlich tödlichen Versteckspiel besteht. Beim diesjährigen Fantasy Filmfest, Deutschlands größtem Filmfestival für abseitige Genre-Kost aus den Bereichen Horror, Science-Fiction, Fantasy und Thriller, gehörte „Ready or Not“ als einer der auch international bislang erfolgreichsten Beiträge zu den Crowdpleasern und sorgte hier für Begeisterungsstürme beim blutaffinen Publikum. Wer die Veranstaltung in seiner Stadt verpasst hat, hat ab dem 26. September die Gelegenheit, die gleichermaßen amüsante wie ziemlich brutale Bluthatz durch das prunkvolle Schloss ganz regulär in den Kinos zu sehen – und die stark an Hollywoodstar Margot Robbie erinnernde Hauptdarstellerin Samara Weaving („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) erweist sich von Anfang an als größtes Argument dafür. Wie diese sich hier innerhalb von eineinhalb Stunden von der sich lediglich nach einer romantischen Hochzeit sehnenden Braut zu toughen Kämpferin entwickelt, ist einfach ganz großes und emanzipatorisch durchaus wertvolles Kino, denn nur weil es eben die Tradition so will, dass die hübsche Blondine am Ende des Tages getötet wird, so muss das ja noch lange nicht bedeuten, dass diese sich das so einfach gefallen lässt. Da passt es natürlich auch hervorragend ins Bild, dass sich Graces Brautkleid vom strahlenden Weiß nach und nach rot verfärbt.

In „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ jagt ein ganzer Haufen (Möchtegern-)Aristokraten hinter einem unschuldig dreinschauenden Mädel vom Lande her – und es macht einen Riesenspaß, zu sehen, wie sich die Machtverhältnisse innerhalb von gerade einmal 90 Minuten immer wieder verschieben, bis irgendwann die Jäger selbst zu Gejagten werden. Einige bemühte Klischees, insbesondere über den Adel, bleiben da nicht aus. Während die einen zur blaublütigen Familie gehören und die Tradition zu keiner Sekunde hinterfragen, ja, sogar einen regelrechten Blutrausch entwickeln, beginnen vor allem die selbst angeheirateten Personen, verstärkt daran zu zweifeln. Und abseits davon gibt es dann auch noch Figurentypen wie den Tollpatsch, den Nihilisten oder den, der sich die Hände selbst nicht schmutzig machen will – eben ganz so, wie es die Situation gerade erfordert. Natürlich sieht eine tiefgreifende Charakterzeichnung anders aus, aber es ist für einen Film wie „Ready Or Not“ eben auch einfach zweckdienlich.

… doch plötzlich wird aus der Braut eine Gejagte!

Mehr Gramm auf den Rippen braucht der Film inhaltlich einfach nicht. Zumal die Regisseure bei der Inszenierung selbst keine Gefangenen machen. „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ ist trotz seines komödiantischen Grundtons unübersehbar ein Erwachsenenfilm, in dem es unter Zuhilfenahme handgemachter Trickeffekte ziemlich gewalttätig zur Sache geht. Mal greift Grace ungeahnt in einen rostigen Nagel, ein anderes Mal sieht man in Nahaufnahme, wie sich ein Stück Draht tief in ihrer Haut bohrt – von den vielen Kopfschüssen mittels Pfeil und Bogen oder, ganz banal, Pistole, ganz zu schweigen. Als sich am Ende auch noch herausstellt, wie kompromisslos die Macher ihre Geschichte zu Ende erzählen, gab es beim Fantasy Filmfest in Köln sogar Szenenapplaus. Nur so viel: Es gibt eine sehr eindeutige Antwort auf die Frage, ob die versnobte Familie nun eigentlich einer Fantasie hinterherjagt, oder ob wirklich die ganz große Katastrophe folgt, wenn sie die Tradition eines Menschenopfers nicht erbringen können. Je nach Auslegung sind übrigens beide möglichen Ausgänge gleichermaßen niederschmetternd, denn so oder so kommt der Adel in „Ready or Not“ alles andere als gut weg, der immerhin eine ganze Nacht mordend hinter einer einzigen Person herjagt, ganz ohne zu wissen, warum eigentlich. Da bleibt einem das Lachen ob der toughen Heldin oder einiger Slapstick-Momente dann am Ende doch im Halse stecken.

Fazit: Mit „Ready Or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ gelingt Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett ein weiteres Mal das große Kunststück, eine gleichermaßen ungeheuer spaßige wie nicht minder blutige und nebenbei auch noch ziemlich unheimliche Horrorcomedy zu inszenieren, mit der sich Samara Weaving als ‚Bloody Bride‘ endgültig für ganz große Rollen qualifiziert.

„Ready Or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ ist ab dem 26. September in den deutschen Kinos zu sehen. 

3 Kommentare

  • Wenn der Film nur die Hälfte hält, was der Trailer verspricht, dürfte das eine richtig geile Gruselkomödie werden 🙂 🙂

  • Wie? Die Braut im Trailer ist NICHT Margot Robie? wtf? Ich hätte alles darauf gewettet. Die beiden müssen verwandt sein. Oder Klone.

  • also als die ersten 10 Minuten runtergespult wurden, dachte ich mir, wenn das so weiter geht, dann wird’s ein Klassiker. Die anfangs aufgebaute Spannnung war enorm. Da die nette Braut, die an ein harmloses Versteckspiel glaubt, und dort die Meute dieser schrulligen Großunternehmerfamilie Le Domas, die zur Treibjagd auf sie bläst. Man baut eine echte Beziehung zur Braut Grace auf und fiebert mit ihrem vermeintlichem Schicksal mit..
    Doch alsbald zerfleddert sich die Handlung mit ständigen Twists and Turns wegen des wenig überzreugenden Good Cop Bad Cop Spiels der beiden Juniorchefs in ein langweiliges Fangspiel.
    Samara Weaving als Grace erinnert mich entfernt an Emma Stone. Von ihr wird man noch einiges hören.
    REsumee: Im wesentlichen ein guter Konfektionswarenhorror für einen netten Kinoabend. Defnitiv keine Horrokommödie so wie „Scream“, sondern eher schon leicht in Richtung Gore and Splatter gehend.
    7/10 zerschlagene Schädelkapseln

Schreibe eine Antwort zu konnyturtle Antwort abbrechen