Das startet am 13. Juli 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 13. Juli, der – man kann es gar nicht anders sagen – einfach nur verdammt stark aufgestellt ist. Neben dem großen Blockbusterstart von „Spider-Man: Homecoming“ gibt Eleanor Coppola mit „Paris kann warten“ ihr Spielfilmdebüt im besten Woody-Allen-Stil. Auch die feine deutsche Komödie „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ ist unbedingt einen Blick wert. Doch der Tipp der Woche geht in Richtung deutsches Genrekino. „Berlin Falling“ ist nur an drei Tagen in den hiesigen Kinos zu sehen – nehmt diese Chance wahr!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SPIDER-MAN: HOMECOMING  | Regie: Jon Watts | USA 2017

Immer noch euphorisch von dem packenden Kampf mit den Avengers, für den er erstmals in den Anzug von Spider-Man schlüpfen durfte,  kehrt Peter Parker (Tom Holland) in seine Heimat zurück, wo er mit seiner fürsorglichen Tante May (Marisa Tomei) und unter dem wachsamen Auge seines neuen Mentors Tony Stark (Robert Downey Jr.) lebt. Es fällt ihm jedoch nicht leicht, sich im Alltag zurechtzufinden – vielmehr will er beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus der Nachbarschaft. Als aber der Superschurke The Vulture (Michael Keaton) als neuer Gegenspieler auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist, in große Gefahr. Aber immerhin kann sich Peter erstmals als ernstzunehmender Superheld beweisen.

Es fühlt sich tatsächlich an wie Nachhausekommen! In „Spider-Man: Homecoming“ erhalten wir die Gelegenheit, die ganze Faszination für den Marvel-Superheldenkosmos noch einmal mit den Augen eines Neulings zu sehen. Jon Watts ist ein herrlich verspielter, toll besetzter und clever erzählter Sommerblockbuster gelungen, den man einfach nur in sein Herz schließen kann.


BERLIN FALLING  | Regie: Ken Duken | DE 2017

Der am Rande eines Nervenzusammenbruchs stehende Frank (Ken Duken) hat seine Existenz als Elitesoldat hinter sich gelassen und will sein Leben endlich neu ordnen. Doch nicht nur die Dämonen aus der Vergangenheit holen ihn immer wieder ein, auch der Alkohol wird zu seinem treuesten Begleiter. Nach langer Zeit darf er unter der Aufsicht seiner Ex-Frau Claudia (Marisa Leonie Bach) endlich seine Tochter Lilly wiedersehen, die er in Berlin am Hauptbahnhof abholen soll. Er will sich zusammenreißen, wieder das Beste aus sich und seinem Leben machen und hofft auf einen Neuanfang. Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Tankstelle widerwillig Andreas (Tom Wlaschiha) mit, der eine Mitfahrgelegenheit sucht, was für ihn verheerende Konsequenzen haben wird, denn dieser Fremde hat einen Plan – und eine Bombe im Rucksack.

Eineinhalb Stunden hat Ken Duken seine Zuschauer in der Gewalt eines hochbrisanten, mordsspannenden und in seiner minimalistischen Ausstattung umso prägnanteren Thrillers, der genau so provoziert, wie es ein Film dieses Themas muss. „Berlin Falling“ gehört ganz gewiss zu den besten deutschen Filmen des Jahres – wenn er nicht sogar der beste ist.


PARIS KANN WARTEN  | Regie: Eleanor Coppola | USA/JPN 2016

Eigentlich wollten sich Hollywood-Produzent Michael Lockwood und seine Frau Anne ein paar gemeinsame freie Tage im Süden Frankreichs gönnen. Doch dann muss Michael dringend geschäftlich von Cannes nach Budapest reisen. Anne kann ihn nicht begleiten und findet sich unverhofft im Cabrio von Michaels französischem Geschäftspartner Jacques wieder. Der bietet nur allzu gern seine Chauffeurdienste an, schließlich sind es nur ein paar Stunden Fahrt nach Paris, wo sich Anne und Michael in ein paar Tagen wiedertreffen wollen. Doch Jacques hat es alles andere als eilig und lässt keine Gelegenheit aus, der attraktiven Amerikanerin die Vorzüge Südfrankreichs nahe zu bringen – und hemmungslos mit ihr zu flirten. Anne bleibt zunächst auf Distanz, fühlt sich von den Avancen ihres lebenslustigen Begleiters aber durchaus geschmeichelt…

Mit ihrem späten Regiedebüt wandelt Eleanor Coppola nicht auf den Spuren ihrer im Filmbusiness erfolgreichen Verwandten, sondern widmet sich einem Stil, den man sonst vor allem von Woody Allen kennt. Mit latenter Erotik, Charme und einem Gespür für erlesene Bilder gelingt ihr ein leichtfüßiger Roadtrip durch französische Lande, der einen in Gedanken an den nächsten Urlaub schwelgen lässt.


AUF DER ANDEREN SEITE IST DAS GRAS VIEL GRÜNER  | Regie: Pepe Danquart | DE 2017

Eigentlich führt die liebenswerte Chaotin Kati mit ihrem Ehemann, dem Arzt Felix, seit fünf Jahren eine glückliche Beziehung. Aber so langsam schleicht sich der Alltag ein, denn Felix scheint über seine Arbeit die Liebe vergessen zu haben. Als Kati der unangepasste Künstler Mathias über den Weg läuft, verknallt sie sich sofort in ihn – und beginnt zu zweifeln: Ist ihr Felix tatsächlich der richtige Mann? Will sie wirklich mit ihm alt werden? Während Kati völlig hin und her gerissen ist, spielt ihr das Schicksal einen Streich: Kati findet sich plötzlich fünf Jahre früher wieder, exakt einen Tag bevor sie Felix zum ersten Mal begegnet ist. Verständnis für diesen unerklärlichen Zeitsprung zeigt nur die esoterisch versponnene Kollegin Linda. Kati erhält so aber eine zweite Chance bei der Suche nach dem großen Glück.

Am besten funktioniert „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“, wenn man absolut gar nichts über die Ausgangslage weiß. Doch auch ohne den Überraschungseffekt, der gar nicht zwingend als solcher angelegt ist, gelingt Pepe Danquart eine fantastische Sommerkomödie voller sympathischer Charaktere, die Naivität und Verspieltheit mit einer feinen Portion Lebensweisheit kombiniert.


BEGABT – DIE GLEICHUNG EINES LEBENS  | Regie: Marc Webb | USA 2017

Der alleinstehende Frank Adler (Chris Evans) hat die Vaterrolle für seine aufgeweckte kleine Nichte Mary (Mckenna Grace) übernommen und lebt mit ihr in einem Küstenstädtchen in Florida. Mary ist hochbegabt, doch Frank setzt alles daran, ihr ein normales Leben zu ermöglichen. Dennoch bleibt das mathematische Talent der Siebenjährigen nicht unbemerkt, und so taucht eines Tages Franks gebieterische Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) auf. Die Pläne der wohlhabenden Bostonerin für ihre Enkelin drohen Frank und Mary auseinander zu reißen. Als die familiären Spannungen zunehmen, bekommen Onkel und Nichte jedoch Unterstützung von ihrer resoluten Vermieterin und besten Freundin Roberta (Octavia Spencer) – und von Marys Lehrerin Bonnie. In ihrer Fürsorge für ihre hochbegabte Schülerin nähert sich die junge Frau auch Marys attraktivem Onkel an.

„Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ ist eine wenig überraschende Erzählung über ein hochbegabtes Mädchen, für das alle nur das Beste wollen. Die Frage, ob intellektuelle Förderung wichtiger ist, als eine friedliche Kindheit, beantwortet Marc Webb hauptsächlich unter Zuhilfenahme von Plattitüden und kann somit keine neuen Denkanstöße liefern. Dafür überzeugt Chris Evans als absolut liebevoller Aushilfsvater.


ZUM VERWECHSELN ÄHNLICH  | Regie: Lucien Jean-Baptiste | FR/BEL 2016

Paul und Sali sind ein glückliches Paar. Mehr als alles andere wünschen sie sich ein Kind, seit Jahren läuft der Adoptionsantrag. Eines Tages klingelt das Telefon: der kleine Benjamin könnte neue Eltern gebrauchen. Das Baby ist hinreißend: süß, pflegeleicht und – weiß! Paul und Sali verlieben sich sofort in den kleinen Racker. Da der liberale Fortschritt der Welt Patchworkfamilien jeglicher Couleur fest etabliert hat, sind sich Paul und Sali sicher, dass schwarze Eltern mit einem weißen Baby offene Türen einrennen werden. Doch als Sali beim Kinderarzt und auf dem Spielplatz stets nur für die Nanny gehalten wird und die senegalesischen Großeltern erst in eine Farbkrise und dann in eine Depression verfallen, stellen sie fest, dass die Welt doch nicht so bunt ist, wie sie dachten.

Die noble Intention der eigentlich so liebevoll gedachten, französischen Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“ wird von lautstarken, hysterischen Auseinandersetzungen und oberflächlichem Slapstick immer wieder fast im Keim erstickt.


FALLEN – ENGELSNACHT  | Regie: Scott Hicks | USA/HUN 2016

Lucinda Price (Addison Timlin) ist 17 und den ersten Tag auf dem Sword & Cross-Internat, als sie Daniel Grigori (Jeremy Irvine) sieht. Einen unglaublich attraktiven, aber auch sehr distanzierten Jungen, dem sie sich unheimlich verbunden fühlt. Daniel behauptet jedoch sie noch nie gesehen zu haben und meidet sie, wo immer er kann. Doch immer wenn Luce etwas Schlimmes widerfährt, sobald die gefährlichen Schatten sie wieder umtanzen, die sie seit ihrer Kindheit umgeben, ist er zur Stelle und rettet ihr mehrfach das Leben. Doch da gibt es auch noch Cam (Harrison Gilbertson), einen ebenfalls gut aussehenden und geheimnisvollen Jungen, der sehr viel Interesse an Luce zeigt. Erst als sie beginnt in der Vergangenheit zu recherchieren und allmählich beiden Jungs näher kommt, erfährt Lucinda, von welchem Geheimnis sie wirklich umgeben ist…

„Fallen – Engelsnacht“ dürfte der erste und einzige Teil der bislang insgesamt fünf Bücher umfassenden Reihe sein, denn nach dem zwar Potenzial aufzeigenden, es aber zu keinem Zeitpunkt nutzenden Auftakt interessiert einen das Schicksal der ohnehin profillosen Charaktere ohnehin nicht mehr. Das haben selbst Fans nicht verdient!


MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE  | Regie: Nana Ekvtimishvili, Simon Gross | DE/FR/GEO 2016

Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet Manana ihrer völlig überraschten Familie, dass sie Raum für sich benötigt und daher ausziehen wird – nachdem sie 30 Jahre lang mit ihrem Mann verheiratet ist und zusammen mit diesem, ihren Eltern und ihren zwei erwachsenen Kindern samt einem Schwiegersohn in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Tbilisi lebt. Die Familienmitglieder sind äußerst unterschiedliche Charaktere: Es sind Manana’s Ehemann Soso (55); ihre Tochter Nino (24), die verheiratet ist mit ihrem Mann Vakho (27); Manana’s Sohn Lasha (20); sowie Manana’s Mutter Lamara (72), die Stütze der Familie und schließlich noch Manana’s Vater Otar (80), der seit Jahren sehnlichst auf seinen Tod wartet. Zunächst nimmt die Familie Manana’s Entscheidung nicht ernst. Doch als diese tatsächlich ihren Koffer packt und geht, sind alle geschockt und fassungslos: Wohin will sie denn gehen?


Heimkinotipp: LOGAN  | Regie: James Mangold | USA 2017

Wir schreiben das Jahr 2029. Ein abgekämpfter Wolverine alias Logan (Hugh Jackman) und ein gebrochenen Professor X (Patrick Stewart) vegetieren in einem Versteck nahe der mexikanischen Grenze vor sich hin. Doch Logans Versuche, sich vor der Welt und seinem Vermächtnis zu verstecken, misslingen, als ein junger Mutant namens Laura (Dafne Keen), von dunklen Kräften verfolgt, bei ihnen Zuflucht sucht. Für Logan könnte das junge Mädchen die letzte Möglichkeit sein, in die Gesellschaft zurück zu finden. Doch vielleicht will er das ja auch überhaupt nicht!? Für das Dreiergespann beginnt ein blutiger Überlebenskampf, der viele Opfer fordert. Wird Logan jemals zur Ruhe finden können, oder ist er dazu verdammt, auf ewig ein Krieger zu sein? 

Trotz kleiner erzählerischer Schwächen ist „Logan“ der reifste Superheldenfilm, den Marvel je hervor gebracht hat. Das düster-poetische, ultrabrutale und virtuos bebilderte Actiondrama könnte die Geschichte um Wolverine nicht besser abschließen.

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