Tag Archives: Drama

Das startet am 5. September 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 5. September, an dem ein Film startet, auf den viele von uns seit zwei Jahren warten: „Es: Kapitel 2“ erzählt endlich die neuverfilmte Geschichte rund um den Clown Pennywise und den Club der Verlierer zuende, was übrigens zur Folge hat, dass sonst nur weniger populäre Filme an den Start gehen. Einer davon wartet bereits seit über einem Jahr auf seine Kinoauswertung und wurde im vergangenen Jahr noch als „Es ist aus, Helmut“ der Presse gezeigt – die Rede ist von „Petting statt Pershing“. Ansonsten ist wohl nur noch der Blick ins Heimkino interessant. Dort erscheint nämlich endlich „Avengers: Endgame“ in allen möglichen Auswertungen. Endlich können wir uns das Superheldenspektakel immer und immer wieder ansehen!

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIEGO MARADONA | Regie: Asif Kapadia | UK 2019

Diego Maradona gehört bis heute zu den Legenden des Fußballsports. Viermal spielte er für sein Land bei der Weltmeisterschaft mit, wurde einmal Weltmeister, einmal Vize-Meister. Der Terminus „Die Hand Gottes“ ging dank ihm in die Annalen der Sportgeschichte ein. Doch genau wie sein Ruhm dominierten auch private Eskapaden und sein schleichender Absturz die weltweiten Schlagzeilen. Irgendwann interessierten sich die Leute vor den Fernsehschirmen nicht mehr nur für Maradonas Fähigkeiten als Fußballer, sondern mehr für seinen sukzessive immer rauschhafter werdenden Lebensstil, seine Affären, insbesondere mögliche Kinder, die aus ebendiesen hervorgingen. Auch seine Verbindungen zur italienischen Mafia, Drogeneskapaden und die verzweifelten Versuche, sich all das auf dem Spielfeld nicht anmerken zu lassen, formten Maradona zu ebenjener tragischen Figur, als die wir den heute 68-Jährigen kennen.

Asif Kapadia setzt dem einstigen Weltklassesportler Diego Maradona mit dieser Doku ein filmisches Denkmal und beleuchtet die streitbare Persona angenehm ambivalent. Am Ende kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er den Fußballer als Ausnahmeathleten oder gescheiterte Persönlichkeit in Erinnerung behalten möchte.


ES: KAPITEL 2 | Regie: Andy Muschietti | USA 2019

27 Jahre nachdem der Club der Verlierer den Clown Pennywise (Bill Skarsgård) besiegte, kehrt dieser zurück, um die Stadt Derry aufs Neue zu terrorisieren. Längst haben sich die Wege der mittlerweile erwachsenen Verlierer getrennt, einer von ihnen ist sogar erfolgreicher Buchautor geworden. Doch nun verschwinden wieder Kinder in Derry, sodass Mike (Isaiah Mustafa), der Einzige der Truppe, der in der Heimatstadt geblieben ist, die anderen nach Hause zurückholt, um gemeinsam mit ihnen Es zu bekämpfen. Schwer Traumatisiert durch die Erfahrungen der Vergangenheit, muss jeder noch einmal seine tiefsten Ängste überwinden, um Pennywise endgültig zu vernichten und sich dem Clown entgegenstellen, der mörderischer ist als jemals zuvor.

Zwei Stunden lang ist „Es: Kapitel 2“ eine starke Fortführung des ersten Films, selbst wenn Andy Muschietti hier deutlich reißerischer zur Sache geht, als in seinem Coming-of-Age-Vorgänger. Das unästhetisch gefilmte, hysterische Krawall-Finale wird den epischen Ausmaßen dieser Geschichte um Zusammenhalt und Ängste dann allerdings ebenso wenig gerecht wie die geringe Screentime Pennywise, der hier nur noch eine Nebenrolle spielt.


PETTING STATT PERSHING | Regie: Petra Lüschow  | DE 2018

Es sind die Achtzigerjahre, wir befinden uns in Westdeutschland – und die 17-jährige Ursula mitten in der Pubertät. Sie hat nicht viele Freunde und wird häufig zur Zielscheibe von Hänseleien. Auch zuhause hat es das kluge Mädchen nicht leicht: Ihre Eltern leben streng konservativ und wünschen sich für ihre Tochter nach der Schule ein Leben als Hausfrau und Mutter. Ursula dagegen hat andere Pläne und ist schon als Teenagerin politikinteressiert. Als sie eines Tages den gutaussehenden Lehrer Siegfried Grimm kennenlernt, nimmt ihr Leben eine Wendung. Siegfried betreibt einen Bio-Bauernhof, wo er gemeinsam mit vielen Aktivisten lebt. Er gibt sich verständnisvoll gegenüber Ursula, interessiert sich für ihre Bedürfnisse und wird zum Objekt ihrer Begierde. Leider ahnt Ursula nicht, dass sie für den Polygamisten nicht das einzige Mädchen ist…

Regisseurin Petra Lüschow erzählt in „Petting statt Pershing“ eine authentische  Geschichte aus den Achtzigerjahren von freier Liebe, gewaltfreiem Protest und den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges. Das dabei transportierte Lebensgefühl ist der große Pluspunkt eines Films, der die vielen Themen nicht immer unter einen Hut bekommt.


DIE WURZELN DES GLÜCKS | Regie: Amanda Sthers  | BEL/ISR 2018

Das mürrische Familienoberhaupt Harry Rosenmeck hat vor ein paar Jahren Frau und Kinder in New York zurückgelassen, um sich in Israel ein neues Leben aufzubauen und fortan Schweine zu züchten. Warum, das weiß niemand so genau. Doch die Kommunikation innerhalb der Rosenmecks ist nicht erst seit Harrys Weggang ins Stocken geraten. Man schreibt sich eher Briefe, anstatt dass man miteinander redet. Dabei haben sowohl der erfolgreiche Theaterregisseur David,  die in den Tag hinein lebende Annabelle und auch Mutter Monica viele Probleme, die sie gern miteinander teilen würden. Harry dagegen sieht sich vorwiegend mit seinen muslimischen und jüdischen Nachbarn konfrontiert, die mit der Schweinezucht des Greises ein gewaltiges Problem haben. Und es wird der Tag kommen, an dem werden die Rosenmecks wieder miteinander reden müssen und vielleicht sogar endlich das ein oder andere Problem lösen…

Mit einem Star-Ensemble ausgestattet, erzählt die von Amanda Sthers erdachte und konzipierte Tragikomödie „Die Wurzeln des Glücks“ von einer Familie, die die zwischenmenschliche Kommunikation verlernt hat. Dafür greift sie leider vornehmlich auf Plattitüden zurück und belässt es beim Kratzen an Oberflächen, sodass man den Figuren nie so nahe kommt, wie es nötig wäre.


UND DER ZUKUNFT ZUGEWANDT | Regie: Bernd Böhlich | DE 2019

1952 in der DDR: Die zu Unrecht verurteilte junge Kommunistin Antonia Berger erreicht nach vielen Jahren in der Sowjetunion das kleine Fürstenberg. Von der sozialistischen Kreisleitung wird sie in allen Ehren empfangen, man kümmert sich um ihre schwer kranke Tochter, gibt ihr eine schöne Wohnung und eine würdevolle Arbeit. Antonia, die dies nach vielen Jahren voller Schmerz und Einsamkeit nicht mehr für möglich gehalten hatte, schöpft neue Hoffnung. Die Solidarität, die sie in dem jungen Land erfährt, erneuert ihren Glauben an die Zukunft im Geiste der Gerechtigkeit. Sie verliebt sich in den Arzt Konrad, der sich gegen das bequeme Leben seiner in Hamburg ansässigen Familie entschieden hat. Antonia gewinnt ein neues Leben und soll dafür einen Preis zahlen: von ihrer Zeit in der Sowjetunion soll sie schweigen. Die Wahrheit, so fürchtet die junge Republik, könnte die so fragile Nation ins Wanken bringen.


DER HONIGGARTEN | Regie: Annabel Jankel | UK 2018

Schottland, 1952: Die junge Ärztin und Bienenzüchterin Dr. Jean Markham kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück, um die Praxis ihres Vaters zu übernehmen. Als der in der Schule drangsalierte Charlie als Patient zu ihr kommt, freundet sie sich mit ihm an und weiht ihn in die Kunst des Bienenzüchtens ein. Den Bienen kann der Junge seine Geheimnisse anvertrauen, wie es Jean bereits als Kind getan hat. Durch Charlie lernt die Ärztin auch dessen alleinerziehende Mutter Lydia kennen, die es seit dem Scheitern ihrer Ehe nicht leicht im Leben hat. Als Lydia die Miete für sich und ihren Sohn nicht mehr bezahlen kann, nimmt Jean die beiden bei sich auf. Bei ihrem Einzug ahnt Charlie noch nicht, welches große Geheimnis es in der kleinen Stadt bald zu hüten gilt: Jean und Lydia kommen sich näher und aus Freundschaft wird mehr. Doch das spießbürgerliche Umfeld ist noch nicht bereit für eine Liebe zwischen zwei Frauen …


HOT AIR | Regie: Frank Coraci | USA 2018

Lionel Macomb (Steve Coogan) ist der Star der konservativen Radiosendungen und lässt sich aus über brisante Themen, wie Gesundheitsversorgung und Einwanderung. Er erreicht ein Millionen-Publikum und hat Einfluss auf die ohnehin schon aufgeheizten Debatten in den politisch gespaltenen Vereinigten Staaten. Doch auch er muss sich mit zwischenmenschlichen Problemen herumschlagen: er kämpft mit seinem früheren Schützling um die Quoten und streitet öffentlich mit einer mächtigen Senatorin.

Eine neue Herausforderung kommt mit seiner sechszehnjährigen Nichte Tess (Taylor Russell) auf ihn zu, durch die seine Welt auf den Kopf gestellt wird. Letztendlich muss er sich selbst die Frage stellen, was Verantwortung bedeutet. Ein Film über menschliche Beziehungen und die Macht der Worte.


 

Heimkinotipp: AVENGERS: ENDGAME | Regie: Anthony Russo, Joe Russo | USA 2019

Im neuesten Abenteuer aus diesem Universum steht so viel auf dem Spiel wie nie zuvor: Es kommt zum tödlichsten Showdown zwischen den Avengers und Thanos, dem mächtigsten und gefährlichsten Bösewicht des Universums. Die Geschichte von „Avengers: Endgame“ setzt nach der fürchterlichen Niederlage der Avengers ein, nachdem Thanos, endlich im Besitz aller von ihm begehrten Infinity-Steine, der gesamten Menschheit seinen verdrehten und tödlichen Willen aufgezwungen hatte. Diesem zufolge löschte Thanos in purer Willkür die Hälfte der Erdbevölkerung aus, darunter auch viele Mitglieder des Avengers-Teams. Nach dieser beispiellosen Zerstörung sehen sich die überlebenden Avengers mit ihrer größten Herausforderung konfrontiert. Sie müssen die alte Entschlossenheit wiederfinden, den Kampf wieder aufnehmen und einen Weg finden, um Thanos vernichtend und für immer zu schlagen.

„Avengers: Endgame“ ist keine sich im Bombast zu übertreffen versuchende Drei-Stunden-Schlacht, sondern ein respektvolles, ruhiges Abschiednehmen von 11 Jahren Marvel Cinematic Universe. Er ist eine pulsierende Herzensangelegenheit, ein Film voller Liebe für seine Figuren mit dem Mut, Dinge zu beenden und mit der Aufrichtigkeit, Hoffnung auf weitere Abenteuer zu schüren. Trotz kleiner erzählerischer Schönheitsfehler und einem Storygimmick, das vielleicht nicht jedem gefallen könnte, ist das hier der beste Film aus dem Marvel Cinematic Universe.

Das startet am 22. August 2019

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 22. August, der nach dem übersichtlichen Donnerstag der letzten Woche diesmal wieder mit Quantität voranschreitet. Und zum Teil kann die Qualität da durchaus mithalten. Es gibt Witziges mit drei kleinen Jungs und zwei etwas größeren Jungs, gefräßige Schuppentiere und einen geheimnisumwitterten Roboter – da ist sicher für jeden was dabei.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

GOOD BOYS | Regie: Gene Stupnitsky | USA 2019

Alles fängt so harmlos an und endet schließlich in einer Riesenkatastrophe: Die drei besten Freunde Max (Jacob Tremblay), Thor (Brady Noon) und Lucas (Keith L. Williams) versuchen ihre Nachbarmädchen (Molly Gordon und Midori Francis) mittels einer Drohne auszuspionieren, um Erfahrungen im Küssen und anderen körperlichen Betätigungen zu sammeln. Sie wollen vor ihren Freunden in der Schule angeben. Doch die pfiffigen Mädchen ertappen sie dabei und kassieren den Flugroboter kurzerhand ein. Nun setzen die Jungs alles daran, die teure Drohne zurückzuholen, koste es, was es wolle. Die drei schwänzen also die Schule und lassen auf ihrer verzweifelten Mission keinen noch so gedankenlosen Fehltritt aus. Sie geraten in ein studentisches Paintball-Match, lassen aus Versehen ein paar Drogen mitgehen, und es dauert nicht lange, bis ihnen sowohl die Cops als auch eine Horde furchteinflößender Teenage-Girls auf den Fersen sind. Können sich Max, Thor und Lucas aus dieser Misere retten?

„Good Boys“ ist zwar längst nicht so derb wie es das Marketing angekündigt hat, funktioniert als gleichermaßen schamlose wie gefühlige Komödie mit Herz dafür umso besser.


STUBER – 5 STERNE UNDERCOVER | Regie: Michael Dowse  | USA 2019

Stu ist ein sanftmütiger Millennial, der in einem Sportgeschäft arbeitet und nachts als Uber-Fahrer jobbt, um genug Geld zu verdienen, um sein eigenes Fitness-Studio zu eröffnen und so die Frau seiner Träume zu erobern – ein Plan, der ähnlich erfolgsversprechend scheint, wie er klingt. Außerdem würde er alles geben, um seine Fünf-Sterne-Bewertung als Fahrer zu behalten. Vic dagegen ist ein Detektiv der alten Schule und ein Alphatier. Er ist von seiner Frau geschieden, mit seinem Job verheiratet und vernachlässigt seine elterlichen Pflichten gegenüber seiner erwachsenen Tochter. Eines Tages bekommt er einen Tipp, wo sich der Drogendealer aufhält, der seinen Partner ermordet hat, just als er nach einer Laser-Operation die Augenarzt-Praxis verlässt.  Da er nur verschwommen sieht, bestellt er einen Uber-Fahrer. Ausgerechnet Stu ist gerade frei…

Als durchaus blutige und mit derbem Humor nicht geizende Comedy über zwei ungleiche Ermittler wider Willen wirkt „Stuber – 5 Sterne Undercover“ wie aus der Zeit gefallen. Vieles davon hat man schon gesehen, teilweise sogar besser. Aber die beiden Hauptfiguren und eine hohe Gag-Trefferquote helfen nicht bloß über die altbekannte Prämisse hinweg, sondern auch über die zum Teil ziemlich anstrengende Kameraführung.


GLORIA | Regie: Sebastián Lelio  | CHL/USA 2018

Eigentlich ist Gloria (Julianne Moore) ganz zufrieden mit ihrem Leben: Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder, temperamentvoll, geschieden und nur hin und wieder etwas einsam. Ihre Tage verbringt sie mit einem langweiligen Bürojob, ihre Nächte frei und ungezwungen auf der Tanzfläche von Single-Partys in den Clubs von Los Angeles. In einer dieser Nächte trifft sie Arnold (John Turturro) – genau wie Gloria geschieden und Single. Was wie eine abenteuerliche Bilderbuch-Romanze voller Erotik und Schmetterlingen im Bauch beginnt, muss sich schon bald wichtigen Themen des Lebens wie Familie, Beziehungsfähigkeit und Verbindlichkeit stellen. Ist Gloria bereit für eine neue Liebe, trotz des emotionalen „Gepäcks“, das ein neuer Partner mit in die Beziehung bringt? Oder hält das Leben vielleicht doch noch weitere Überraschungen für sie parat?

In dem US-Remake des gleichnamigen chilenischen Arthouse-Hits besticht Julianne Moore als titelgebende Gloria und in der Rolle der sich noch einmal voll ins Leben stürzenden, geschiedenen Zweifach-Mum. Regisseur Sebastián Lelio hält sich eng ans Original, findet aber genug eigene Facetten, um sowohl das Remake zu rechtfertigen, als auch die Vorlage nicht zu verraten.


CRAWL | Regie: Alexandre Aja | USA/FR/SRB 2019

Als ein heftiger Sturm auf die Küste Floridas trifft, ignoriert die einstige Leistungsschwimmerin Haley (Kaya Scodelario) alle Aufforderungen der Regierung zur Evakuierung, um nach ihrem vermissten Vater Dave (Barry Pepper) zu suchen. Sie findet ihn schwer verletzt und am Ende seiner Kräfte im von den Fluten bereits eingeschlossen Keller seines abgelegenen Hauses vor und versucht mit vereinten Kräften, ihn aus diesem feuchten Gefängnis zu befreien. Doch als die Zeit immer knapper wird, um dem Sturm zu entkommen, müssen die beiden am eigenen Leib erfahren, dass das steigende Wasser noch eine weitere, weitaus größere Gefahr birgt: gefräßige Alligatoren, die alles unternehmen, um an ihre lebendige Beute zu gelangen. Und es ist längst nicht nur ein Tier, das im Wasser langsam seine Kreise um die beiden zieht… 

„Crawl“ macht vieles besser als andere Tierhorrorfilme, indem sich Regisseur Alexandre Aja auf Atmosphäre verlässt, anstatt Augenzwinkern und billige Schocks zu bemühen. So ganz ohne Effekthascherei kommt er allerdings doch nicht aus, weshalb sein Film in erster Linie effektiv, aber nur sehr bedingt innovativ ist.


BLINDED BY THE LIGHT | Regie: Gurinder Chadha | UK 2019

Der zurückhaltende Teenager Javed (Viveik Kalra) kommt ursprünglich aus Pakistan, bevor er mit seiner Familie nach Großbritannien einwanderte. 1987 lebt er in der englischen Stadt Luton und träumt von einer Karriere als Poet und Schriftsteller. Inmitten der ethnischen und wirtschaftlichen Unruhen der damaligen Zeit schreibt er Gedichte, um der Intoleranz seiner Heimatstadt und der Unbeugsamkeit seines konservativen Vaters (Kulvinder Ghir) zu entkommen. Als ihm ein Klassenkamerad (Aaron Phagura) die Musik von Bruce Springsteen vorspielt, erkennt Javed in Springsteens eindringlichen Liedtexten Parallelen zu seinem eigenen Leben in der Arbeiterschicht. Jared entdeckt ein befreiendes Ventil für seine unterdrückten Träume und findet den Mut, sich in seiner ganz eigenen Stimme auszudrücken.

„Blinded by the Light“ ist für Bruce-Springsteen-Fans ein Muss und für Liebhaber harmloser Feelgood-Unterhaltung eine Empfehlung. Ein wenig mehr Substanz hätte der sich ausschließlich auf Genre-Versatzstücke verlassenen Geschichte gut getan, auch wenn man bei den vielen Evergreens des „Boss“ gar nicht anders kann, als mit dem Fuß mitzuwippen.


I AM MOTHER | Regie: Grant Sputore | AUS 2019

Ein Teenager-Mädchen, genannt „Tochter“ (Clara Rugaard), lebt in einem unterirdischen Hochsicherheitsbunker und wird von einem humanoiden Roboter namens „Mutter“ aufgezogen. Der Androide wurde entwickelt, um die Erde nach der Auslöschung der Menschheit neu zu besiedeln. Die besondere Beziehung zwischen den beiden wird bedroht, als unerwartet eine blutüberströmte fremde Frau (Hilary Swank) vor der Luftschleuse des Bunkers auftaucht und völlig aufgelöst um Hilfe schreit. Die bloße Existenz dieser Fremden stellt „Tochters“ komplette Welt auf den Kopf, und nach und nach beginnt sie, ihr einziges Elternteil als potenzielle Gefahr zu betrachten. In einem atemberaubenden Finale muss sich „Tochter“ der „Mutter“ von Angesicht zu Angesicht stellen, um die Wahrheit über ihre Welt und ihre wahre Mission herauszufinden.

„I Am Mother“ ist ohne Zweifel atmosphärisch und behält dieses Feeling dank seiner beklemmenden Kammerspiel-Inszenierung auch die meiste Zeit über bei. Gegen das plumpe Foreshadowing und den bemüht-philosophischen Überbau, der beim kleinsten Zweifel in sich zusammenbrechen würde, kommen allerdings weder die Inszenierung noch die tollen Darstellerinnen an.


PARANZA – DER CLAN DER KINDER | Regie: Claudio Giovannesi | IT 2019

Sie wollen Markenschuhe, Motorroller und das schnelle Geld: In ihrer Heimatstadt Neapel, wo die Mafia-Bosse der Camorra umgebracht oder verhaftet wurden, haben Nicola und die Jungs aus seiner Clique die Zeichen der Zeit erkannt und kurzerhand selbst das Regiment übernommen. Die 15-jährigen Teenager haben weder Angst vor dem Gefängnis, noch vor dem Tod. Denn für sie gibt es kein Morgen, keine Perspektive, keine Hoffnung. Sie dealen mit Drogen und begehen Morde, während sie nachts bei ihren Eltern schlafen und ihre ersten Erfahrungen in Sachen Liebe machen. Die „Paranzas“, wie sie sich selbst nennen, wollen alles – und das am besten sofort. Im Zentrum der Geschichte steht Nicola (Francesco Di Napoli), der den Krieg zwischen den verfeindeten Clans gekonnt für seine Geldgeschäfte nutzt. Mehr als diesen Krieg liebt er nur seinen jüngeren Bruder und die schöne Letizia (Viviana Aprea).


ENDZEIT | Regie: Carolina Hellsgård | DE 2018

Vor zwei Jahren haben Zombies die Erde überrannt. Weimar und Jena sind dank eines Schutzzauns die vermutlich letzten Orte menschlicher Zivilisation. Als Vivi (22) und Eva (26) sich zwischen den Städten schutzlos auf freiem Feld wiederfinden, müssen sie wohl oder übel gemeinsam den Kampf gegen die Untoten aufnehmen. Und damit auch gegen die Dämonen der eigenen Vergangenheit.

Vivi versucht verzweifelt herauszufinden, was mit ihrer kleinen Schwester passiert ist, während Eva ihr Image als furchtlose „Zombie-Killerin“ hinter sich lassen und neu anfangen will. Auf ihrem Weg finden die jungen Frauen keine finstere Endzeit-Welt, sondern eine berauschend schöne Natur vor, die sich alles zurückerobert hat, was sie einst Zivilisation nannten. Diese mystisch-märchenhafte Dystopie birgt ungeahnte Gefahren, aber auch ungeahnte Chancen für ein neues Leben in einer neuen Welt.


Heimkinotipp: DER GOLDENE HANDSCHUH | Regie: Fatih Akin | DE 2019

Hamburg in den Siebzigerjahren. Auf den ersten Blick ist Fritz „Fiete“ Honka (Jonas Dassler) ein bemitleidenswerter Verlierertyp. Seine Nächte durchzecht der Mann mit dem kaputten Gesicht und den schiefen Zähnen in der Kiezkaschemme „Zum Goldenen Handschuh“, wo er in guter Gesellschaft allerlei skurriler Charaktertypen ist, die genau wie er alles im Leben nichts mehr zu haben scheinen, außer ihren Alkohol. Doch genau hier beginnt er auch, ahnungslosen Frauen nachzustellen. Keiner der Stammgäste ahnt, dass der scheinbar harmlose Fiete in Wahrheit ein Monster ist, das seine Opfer zunächst vergewaltigt, anschließend bestialisch ermordet und schließlich zerstückelt, um sie hinter einer kleinen Tür in seiner Küche zu verstauen. Damit kein Geruch nach draußen dringt, verhängt er die Wohnung notdürftig mit Duftbäumen…

„Der goldene Handschuh“ löst in erster Linie den Wunsch aus, den Film nicht noch ein weiteres Mal zu sehen. Damit hat der Hamburger Regisseur für sein Serienkillerporträt die richtige Intention gefunden. Trotzdem greift Fatih Akin einmal böse daneben, wenn er mit dem Alkohol plötzlich einen Auslöser für Fritz Honkas Taten zu präsentieren scheint.

I Am Mother

In beklemmender Kammerspielatmosphäre erzählt das Science-Fiction-Drama I AM MOTHER von einem kleinen Mädchen, dessen einziger Kontakt ein fürsorglicher Roboter ist. Doch ganz so harmonisch wie diese Konstellation klingt, ist das natürlich nicht. Mehr dazu verraten wir in unserer Kritik.

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