Is This Thing On?

Manchmal braucht es keinen großen Absturz, damit ein Leben aus der Spur gerät – manchmal reicht schon eine Trennung. In IS THIS THING ON? schickt Bradley Cooper einen Mann, der gerade genau so einen Moment erlebt, ausgerechnet auf die Bühnen der New Yorker Stand-up-Szene.

OT: Is This Thing On? (USA 2025)

Darum geht’s

Alex (Will Arnett) und Tess Novak (Laura Dern) sind ein schon viele Jahre verheiratetes New Yorker Ehepaar. Eines Tages beschließen sie gemeinsam, ihre Ehe zu beenden und getrennte Wege zu gehen. Trotz der Trennung versuchen sie trotzdem weiterhin, gemeinsam für ihre beiden Söhne da zu sein und ihr Familienleben neu zu organisieren. Alex gerät nach der Trennung in eine persönliche Krise. Eher zufällig landet er eines Abends in einem New Yorker Comedy-Club und meldet sich spontan für eine Open-Mic-Show an. Obwohl er überhaupt keine Erfahrung mit Stand-Up-Comedy hat, merkt er schnell, dass ihm das Auftreten auf der Bühne hilft, seine Gefühle und Probleme zu verarbeiten. Schritt für Schritt entdeckt er darin eine neue Leidenschaft und einen Weg, sein Leben neu zu ordnen. Während Alex also versucht, sich als Comedian zu etablieren, muss Tess ebenfalls herausfinden, wer sie außerhalb ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter ist. Beide beginnen, über ihre Beziehung, ihre Entscheidungen und ihre Zukunft nachzudenken…

Kritik

Die New Yorker Stand-Up-Szene ist seit Jahrzehnten so etwas wie ein Mythos der amerikanischen Popkultur. In kleinen, oft stickigen Clubs – irgendwo zwischen Kellerbühne und Hinterzimmer – entstehen hier Karrieren, die später ganze Arenen füllen. Wer es im Comedy Cellar, im Gotham Comedy Club oder auf einer der zahllosen offenen Bühnen der Stadt schafft, hat meist zuvor Jahre damit verbracht, sein Material Nacht für Nacht vor einem Publikum zu testen, das ebenso schnell lacht wie es einen Act gnadenlos abstraft. Geschichten über legendäre Überraschungsauftritte von Größen wie Jerry Seinfeld oder Chris Rock gehören hier genauso zur Folklore wie die Vorstellung, dass jederzeit der nächste große Name aus dem Halbdunkel eines Open-Mic-Abends hervortreten könnte. Kein Wunder also, dass sich auch immer wieder Filme diesem Mikrokosmos widmen: Woody Allen zeichnete in „Broadway Danny Rose“ ein liebevoll-melancholisches Porträt der New Yorker Entertainment-Szene, Judd Apatow blickte in „Wie das Leben so spielt“ auf die existenziellen Abgründe hinter den Pointen, während Martin Scorsese mit „The King of Comedy“ bereits Anfang der Achtziger eine bitterböse Satire auf Ruhm, Ehrgeiz und den Preis der Aufmerksamkeit inszenierte. Nun hat sich auch Bradley Cooper („A Star is Born“) an diesem Kosmos versucht: Mit „Is This Thing On?“ richtet der Schauspieler und Regisseur seinen Blick auf eine Szene, in der zwischen Selbstzweifeln, Pointensuche und der Hoffnung auf den großen Durchbruch oft nur ein funktionierendes Mikrofon steht.

Hier sind Tess (Laura Dern) und Alex (Will Arnett) noch glücklich, doch in der Ehe der beiden kriselt es.

Tatsächlich erweist sich „Is This Thing On?“ jedoch schnell als etwas anderes als das, was der Auftakt rund um die New Yorker Stand-up-Szene zunächst vermuten lässt. Denn Bradley Cooper interessiert sich weniger für die Mechanismen der Comedy-Branche als für eine sehr viel privatere Krise. Im Zentrum steht eine Trennung, die für die Hauptfigur – gespielt von Will Arnett („Next Goal Wins“) – zu einer Art emotionalem Neuanfang wider Willen wird. Während er sich langsam in die Welt der offenen Bühnen und improvisierten Pointen vorarbeitet, wirkt sein Ausflug in die Comedy wie der Versuch, das eigene Leben neu zu sortieren. Dass sich diese Sinnsuche so erstaunlich authentisch anfühlt, liegt nicht zuletzt daran, wie ungeschönt der Film die Orientierungslosigkeit seines Protagonisten einfängt. Man könnte fast meinen, Bradley Cooper selbst hätte gerade eine besonders schmerzhafte Beziehungskrise hinter sich, so präzise beobachtet „Is This Thing On?“ die Mischung aus Selbstzweifel, Trotz und vorsichtigem Aufbruch, die eine solche Lebensphase begleiten kann. Die Comedy wird damit weniger zum Ziel als vielmehr zum Ventil und zur Möglichkeit, persönliche Brüche in etwas zu verwandeln, über das andere Menschen zumindest für einen kurzen Moment lachen können.

„Besonders stark ist ‚Is This Thing On?‘ vor allem dann, wenn sich der Film ganz auf die Beziehung zwischen Alex und Tess konzentriert. Bradley Cooper zeichnet das Bild eines Paares, das sich nicht in einem großen Knall voneinander entfernt hat, sondern in vielen kaum bemerkten Verschiebungen.“

Besonders stark ist „Is This Thing On?“ aber vor allem dann, wenn sich der Film ganz auf die Beziehung zwischen dem Protagonistenpaar Alex und Tess konzentriert. Bradley Cooper zeichnet das Bild eines Paares, das sich nicht in einem großen Knall voneinander entfernt hat, sondern eher in vielen kleinen, kaum bemerkten Verschiebungen. Gespräche wirken vertraut und gleichzeitig seltsam distanziert, alte Routinen blitzen immer wieder auf, während beide längst wissen, dass sie nicht mehr wirklich zusammenpassen. Arnett spielt diese Mischung aus verletztem Stolz, Ratlosigkeit und vorsichtigem Humor mit bemerkenswerter Zurückhaltung, während Oscar-Preisträgerin Laura Dern („Marriage Story“) ihrer Figur eine Wärme verleiht, die verhindert, dass die Trennung in einfache Schuldzuweisungen kippt. Manchmal neigt der Film dabei zu kleinen Überzeichnungen. Etwa wenn Dialoge allzu pointiert wirken oder emotionale Erkenntnisse sehr klar ausgesprochen werden. Doch selbst dann bleibt die Dynamik zwischen den beiden so fein beobachtet, dass sich „Is This Thing On?“ hier trotzdem authentisch anfühlt.

Plötzlich muss Alex getrennt von seiner Ehefrau die Kinder erziehen und den Alltag meistern.

Weniger überzeugend fällt dagegen der Blick auf die Stand-Up-Szene aus, die im Film letztlich eher Kulisse als wirkliches Thema bleibt. Zwar gibt es immer wieder kurze Ausschnitte aus den Auftritten aus Alex Programm, und in diesen Momenten lässt sich durchaus nachvollziehen, warum das Publikum auf seine Geschichten anspringt. Die Pointen funktionieren, die persönlichen Anekdoten sitzen, und man versteht, weshalb er mit der Zeit zu einer Art Geheimtipp auf den Bühnen der Stadt wird. Doch gerade weil diese Szenen nur angerissen werden, bleibt vieles eher in oberflächlichen Beobachtungen stecken. Der Weg vom nervösen Anfänger zum Publikumsliebling wirkt fast ein wenig zu reibungslos, als würde der Film die Mühen und Rückschläge dieser Szene lieber ausklammern. So entsteht der Eindruck, dass Cooper die Comedy-Welt vor allem als erzählerisches Werkzeug nutzt, während der eigentliche emotionale Kern von „Is This Thing On?“ ganz klar in der deutlich stärker ausgearbeiteten Beziehungsgeschichte liegt.

Auch in seiner dritten Regiearbeit übernimmt Bradley Cooper eine (diesmal allerdings eher kleine) Rolle als Alex‘ Freund Balls.

Inszenatorisch wirkt „Is This Thing On?“ dabei erstaunlich zurückgenommen. Fast so, als hätte Bradley Cooper nach seinen beiden vorherigen Regiearbeiten einen Schritt bewusst in die andere Richtung gemacht. Sowohl „A Star Is Born“ als auch „Maestro“ waren Filme, die ihre Emotionen mit pathetischen Bildern, ausladenden Musikmomenten und einer Inszenierung, die sich ihrer eigenen Wirkung sehr bewusst war, groß aufziehen ließen. „Is This Thing On?“ dagegen verzichtet weitgehend auf solche Gesten. Cooper inszeniert schlicht, bleibt dafür aber konsequent nah an seinen Figuren. Viele Szenen leben von kleinen Beobachtungen. Von Blicken, kurzen Pausen in Gesprächen oder beiläufigen Interaktionen im Hintergrund. Besonders auffällig ist dabei, wie selbstverständlich der Film seine Nebenfiguren einbindet. Die Menschen aus der Comedy-Szene, Freundeskreis und Familienumfeld wirken nie wie bloße Stichwortgeber für die Hauptfiguren, sondern wie eigenständige Persönlichkeiten, die ihre ganz eigenen Dynamiken in die Szenen tragen. Gerade in den Begegnungen abseits der Bühne entsteht so ein lebendiges Umfeld, das Arnetts Figur nicht nur spiegelt, sondern immer wieder herausfordert oder auffängt. Das verleiht „Is This Thing On?“ eine Bodenständigkeit, die man in Coopers bisherigen Arbeiten so noch nicht gesehen hat und macht den Film vielleicht gerade deshalb zu seiner bislang unprätentiösesten Regiearbeit.

„Sowohl ‚A Star Is Born‘ als auch ‚Maestro‘ waren Filme, die ihre Emotionen mit pathetischen Bildern, ausladenden Musikmomenten und einer Inszenierung, die sich ihrer eigenen Wirkung sehr bewusst war, groß aufziehen ließen. ‚Is This Thing On?‘ dagegen verzichtet weitgehend auf solche Gesten.“

Fazit: Bradley Coopers dritte Regiearbeit „Is This Thing On?“ ist weniger ein Film über die Stand-Up-Szene als ein fein beobachtetes Trennungsdrama mit komödiantischen Zwischentönen. Während der Blick auf die Comedy-Welt etwas zu oberflächlich und simpel bleibt, überzeugt vor allem die nuancierte Beziehungsgeschichte zwischen Will Arnett und Laura Dern. Gerade in seiner zurückhaltenden Inszenierung zeigt Bradley Cooper dabei eine neue, angenehm unprätentiöse Seite als Regisseur.

„Is this Thing On?“ ist ab dem 19. März 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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