Good Luck, Have Fun, Don’t Die

Mit GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE verpackt Gore Verbinski eine Reihe dystopischer KI-Ideen in eine ebenso skurrile wie unterhaltsame Episodenstruktur. Zwischen Horrorsatire, Science-Fiction und Roadmovie erzählt der Film von den Möglichkeiten – und Gefahren – einer Technologie, die längst Teil unseres Alltags geworden ist. Heraus kommt eine ebenso verspielte wie überraschend nachdenkliche Zukunftsvision.

OT: Good Luck, Have Fun, Don’t Die (DE/USA 2025)

Darum geht’s

An einem schwülen Abend im Norm’s Diner in Los Angeles stürmt ein heruntergekommener Mann (Sam Rockwell) herein und behauptet, er sei bereits 116-mal hier gewesen. Er sagt den verdutzten Gästen, dass er aus der Zukunft komme und ein Team zusammenstellen müsse, um eine schreckliche Katastrophe zu verhindern. Laut ihm drohe eine außer Kontrolle geratene Künstliche Intelligenz, die Menschheit zu versklaven – und genau hier beginne der Widerstand. Mit Hilfe einiger zufällig ausgewählter Gäste des Diners – darunter Ingrid (Haylee Lu Richardson), Mark (Michael Peña), Janet (Zazie Beetz), Scott (Asim Chaudhry) und Susan (Juno Temple) – versucht der „Mann aus der Zukunft“, eine Gruppe gewöhnlicher Menschen für eine außergewöhnliche Mission zu vereinen: die Zukunft der Menschheit zu retten und eine düstere Zukunft abzuwenden, die niemand erwartet hat.

Kritik

Im Jahr 2026 einen Film über die Gefahren von Künstlicher Intelligenz zu drehen, klingt wie eine Fingerübung. Die stetig wachsende und gleichermaßen umstrittene Technologie bringt die Kritik an ihr gleich mit. Spätestens seit Filmen wie „M3GAN“ oder „The Creator“, die jeweils auf ihre Weise vor einer außer Kontrolle geratenen KI warnen, und Serien wie „Black Mirror“, die technologische Dystopien beinahe im Wochentakt durchspielt, scheint das Thema ohnehin fest im popkulturellen Diskurs verankert. Umso beeindruckender ist es da, wenn sich ein Filmemacher dazu entscheidet, eben nicht blindlinks auf KI einzukloppen, sondern die Thematik differenziert anzugehen. So, wie es etwa Gore Verbinski („A Cure for Wellness“) und sein Drehbuchautor Matthew Robinson („Monster Trucks“) mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ tun. Statt die Technologie reflexartig als Bedrohung zu framen, interessiert sich ihr Film vielmehr für die Menschen, die sie erschaffen, benutzen und letztlich auch fürchten. Denn die eigentliche Frage ist hier nicht, ob Maschinen irgendwann zu mächtig werden könnten. Sondern warum wir überhaupt so überzeugt davon sind, dass sie zwangsläufig unsere schlimmsten Eigenschaften übernehmen müssen.

Juno Temple, Zazie Beetz, Michael Peña, Sam Rockwell, Hayley Lu Richardson, Georgia Goodman und Asim Chaudhry.

Der Querverweis auf die Netflix-Serie „Black Mirror“ kommt derweil nicht von Ungefähr. Gore Verbinski hat mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ quasi eine ganze Staffel auf einmal gedreht und sie in einem einzigen Film untergebracht. Drei Episoden, umspannt von einer Rahmenhandlung, die sich im weiteren Filmverlauf immer weiter verdichtet, sorgen hier zu gleichen Teilen für Kurzweil, Spannung und Amüsement. Gleichwohl sind sie weitaus mehr als ein bloßes Stil-Gimmick. Matthew Robinson nutzt die Episodenstruktur, um die wichtigsten Figuren zu charakterisieren und einzuordnen, woher sie kommen und weshalb sie für den Ausgang der Geschichte unverzichtbar sind. Während in der Rahmenhandlung der von Sam Rockwell („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) gespielte (selbsternannte) Zeitreisende im Zentrum steht, der für sein Himmelfahrtskommando nun schon zum x-ten Mal in ein und dasselbe Diner stürmt und hier eine Gruppe unfreiwilliger Weltenretter:innen zusammenstellt, bekommen wir in den episodenartigen Einschüben detailliertere Infos über seine Gefolgsleute zu sehen. Jede von ihnen thematisiert dystopische Auswüchse von Künstlicher Intelligenz und jede von ihnen ist auf ihre eigene Art unterhaltsam und erschreckend zugleich.

„Gore Verbinski hat mit ‚Good Luck, Have Fun, Don’t Die‘ quasi eine ganze Staffel ‚Black Mirror‘ auf einmal gedreht und sie in einem einzigen Film untergebracht.“

Die stärkste erzählt vom tragischen Schicksal der von „Ted Lasso“-Star Juno Temple gespielten Mutter Susan, die durch einen Schul-Amoklauf ihren Sohn verliert und die Möglichkeit erhält, ihren Sohn – wie es offenbar auch alle anderen Eltern, teilweise sogar mehrmals (!) machen – klonen zu lassen. Susan bei ihrer Trauerarbeit zuzuschauen, berührt. Aber es ist eben auch hochgradig unterhaltsam, wenn sie etwa auf ein Elternpaar trifft, dass dieses Klon-Prozedere schon zum wiederholten Male durchmacht und sich nun dazu entschlossen hat, zur eigenen Belustigung einfach eine tollpatschige Comedy-Variante ihrer verlorenen Tochter anfertigen zu lassen. In keiner Episode kommen die faszinierenden, mannigfaltigen Möglichkeiten von KI-Nutzung und das sukzessive Abhandenkommen des „Faktor Mensch“ so gut zur Geltung wie hier. Denn was zunächst wie eine radikale, aber vielleicht nachvollziehbare Form der Trauerbewältigung erscheint, kippt in dem Moment ins Absurde, in dem die Technologie nicht mehr nur dazu dient, Verlust zu lindern, sondern ihn regelrecht zu kuratieren. Da werden Kinder plötzlich zu reproduzierbaren Erinnerungsstücken und Persönlichkeiten zu anpassbaren Parametern.

Die Lehrer:innen Mark und Janet werden an ihrer Schule plötzlich von Teenager:innen gejagt. Die Kommandos kommen von ihrem Smartphone…

Robinson interessiert dabei weniger die moralische Grundsatzfrage, ob man so etwas überhaupt tun sollte. Vielmehr beobachtet er mit feinem Gespür für groteske Zwischentöne, wie schnell sich Menschen an das Ungeheuerliche gewöhnen. Etwas, was auch in der dritten Episode im Mittelpunkt steht, in der die junge, ausgerechnet gegen technische Strahlung allergische Ingrid ihren Freund an eine Entertainment-Software verliert, die es ihm – mit VR-Brille auf der Nase – ermöglicht, rund um die Uhr in einer künstlich erschaffenen Welt zu interagieren. Da werden Erinnerungen an den weitaus weniger gelungenen, aber thematisch artverwandten „Don’t Worry, Darling“ wach. Während dieser Kurzgeschichte ein wenig der satirische Punch fehlt – eben, weil man eine derartige Thematik anderswo schon gesehen hat – fischt Verbinski für eine weitere Episode (endlich!) wieder in Horrorgefilden. Eine von Smartphone-KI gesteuerte Teenager-Invasion gibt dem Kunstbegriff „Smombie“ eine ganz neue Bedeutung und lässt früh anklingen, dass hinter dem von Rockwells Figur heraufbeschworenem Weltuntergang eine Art technologische Macht stecken muss…

„Immer wieder geraten die Figuren in Situationen, die sich irgendwo zwischen Roadmovie, Endzeitkomödie und Sci-Fi-Fabel einordnen lassen. Doch im Vergleich zu den deutlich pointierter erzählten Episoden wirkt dieser rote Faden bisweilen eher wie ein notwendiges Bindeglied als wie eine eigenständige Geschichte.“

… die zu finden die Lösung für alle Probleme sein könnte, sollte es der Truppe gelingen, rechtzeitig an jenem Ort zu sein, an dem die KI in genau diesem Moment entwickelt wird. Ein wenig schade ist, dass ausgerechnet die Rahmenhandlung selbst – also die Odyssee in Richtung Entwicklerhaus – das schwächste Element an „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist. Gewiss zieht Verbinski auch in diesem Plot die Experimentier- und Skurrilitätsschraube an. Immer wieder gerät die Reise der Figuren in Situationen, die sich irgendwo zwischen Roadmovie, Endzeitkomödie und Science-Fiction-Fabel einordnen lassen. Doch im direkten Vergleich zu den deutlich pointierter erzählten Episoden wirkt dieser rote Faden bisweilen eher wie ein notwendiges Bindeglied als wie eine wirklich eigenständige Geschichte. Gerade deshalb überrascht es ein wenig, dass ausgerechnet hier die Figurenzeichnung am diffusesten bleibt. Während die einzelnen Episoden präzise Momentaufnahmen liefern, die ihre Protagonist:innen in wenigen, prägnanten Szenen greifbar machen, bleibt die Dynamik der Reisegruppe vergleichsweise schemenhaft. Die Figuren funktionieren hier vor allem als Vehikel, um Verbinski von einer absurden Idee zur nächsten zu manövrieren. Das macht Spaß, keine Frage. Nur erreicht dieser Teil des Films selten die erzählerische Präzision jener Kurzgeschichten, die ihm eigentlich seine Struktur verleihen.

Beim Haus des Entwicklers angekommen, eröffnet sich der Truppe endlich das ganze Bild…

Ganz ohne Reiz ist diese narrative Klammer allerdings nicht. Immer wieder blitzen Momente auf, in denen sich die lose aneinandergereihten Episoden plötzlich zu einem größeren Bild zusammenfügen. Dann wird deutlich, dass hinter all den grotesken Einfällen eben doch eine übergeordnete Frage steht: Was passiert, wenn eine Technologie entsteht, die menschliches Verhalten nicht nur nachahmt, sondern beginnt, es zu orchestrieren? Genau in diesen Momenten schließt sich der Kreis zwischen Horrorsatire, Sci-Fi-Parabel und Roadmovie und „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ macht deutlich, dass der eigentliche Schrecken weniger in der Maschine selbst liegt als in der Sorglosigkeit derjenigen, die sie erschaffen und bedienen. Denn letztlich plädiert der Film weder für technikfeindliche Untergangsszenarien noch für blinden Fortschrittsoptimismus. Vielmehr zeichnet Gore Verbinski ein Bild von künstlicher Intelligenz als Werkzeug, das ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, zugleich aber auch Verantwortung einfordert. „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ erzählt damit weniger von einer Technologie, die unbedingt verbannt werden müsste, sondern von einer, die vor allem eines braucht: Menschen, die sie mit wachem Geist, kritischem Blick und fähigen Händen nutzen. Nur dann entscheidet sich, ob aus ihr ein Instrument des Fortschritts wird oder doch bloß ein Spiegel unserer eigenen Fehlbarkeit.

Bemerkenswert ist dabei auch, wie erstaunlich groß dieser Film wirkt. Verbinski, der seit jeher ein Faible für handfeste Effekte und physische Bildwelten hat, lässt „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ deutlich teurer aussehen, als er es mit seinen 20 Millionen US-Dollar eigentlich ist. Statt sich in digitalem Bombast zu verlieren, setzt der Regisseur – ganz in der Tradition seiner früheren Arbeiten – auf praktische Effekte, aufwendige Sets und präzise inszenierte Bildideen. Gerade in den Episoden, in denen technologische Konzepte visuell erfahrbar gemacht werden müssen, zahlt sich dieser Ansatz aus. Die Welt des Films fühlt sich greifbar an und nicht wie eine sterile CGI-Spielwiese. Dass ein Science-Fiction-Film im KI-Zeitalter gerade durch den bewussten Verzicht auf übermäßige Computereffekte überzeugt, geht dabei fast schon als ironisches Statement durch.

„Gore Verbinski, der seit jeher ein Faible für handfeste Effekte und physische Bildwelten hat, lässt ‚Good Luck, Have Fun, Don’t Die‘ deutlich teurer aussehen, als er es mit seinen 20 Millionen US-Dollar eigentlich ist.“

Fazit: Mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ gelingt Gore Verbinski eine verspielte und zugleich nachdenkliche Science-Fiction-Satire, die ihre stärksten Momente in den pointierten Episoden findet. Zwar bleibt die Rahmenhandlung etwas schwächer, doch gemeinsam entfalten die einzelnen Geschichten ein erstaunlich vielschichtiges Bild von künstlicher Intelligenz. Am Ende steht ein Film, der weniger vor der Technologie selbst warnt als vor dem unreflektierten Umgang mit ihr.

„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist ab dem 12. März 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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