Superman
Zwölf Jahre nach der letzten Neuauslegung des ersten DC-Helden SUPERMAN wagt sich James Gunn nicht nur an eine eigene Vision, sondern eröffnet mit dieser auch ein neues Kino-Universum. Der Auftakt dazu gestaltet sich holprig, macht aber in den besten Momenten Lust auf mehr.
Darum geht’s
Seit drei Jahren schon ist Clarke Kent alias Superman (David Corenswet) auf der Erde als übermenschlicher Retter unterwegs. Nur Lois Lane (Rachel Brosnahan), seine Kollegin vom Daily Planet und seit Kurzem feste Freundin, weiß um sein Geheimnis. Indem er einen Krieg zwischen Boravia und Jarhanpur stoppt, stellt er sich gegen internationale Interessen und sorgt damit für hitzige Diskussionen über sein Dasein, seine Macht und Menschlichkeit. Der Tech-Milliardär und brillante Wissenschaftler Lex Luthor (Nicholas Hoult) nutzt die Situation schamlos für seine eigenen Interessen aus: Mithilfe einer Botschaft von Supermans kryptonischen Eltern bringt er die Bevölkerung von Metropolis gegen Superman auf. Doch nicht nur das: Luthor setzt einen bösen Klon auf Superman an, um ihn für immer zu zerstören. Doch wenn ein Held allein das Böse nicht aufhalten kann, dann müssen eben mehr von ihnen her…
Kritik
Mit Ausnahme von „Avengers“-Regisseur Joss Whedon, der 2017 nach einem Schicksalsschlag für Zack Snyder einsprang und seinen „Justice League“ zu Ende drehte, ist James Gunn der einzige Filmemacher, der sowohl für mehrere Marvel- als auch DC-Blockbuster verantwortlich zeichnete. Für ersteren Konzern legte er die drei immens erfolgreichen, von der Kritik hochgelobten „Guardians of the Galaxy“-Teile vor und für zweiteren den 2021 erschienen „The Suicide Squad“. Beide Franchises einen die Lieblingsthemen, die Gunn in seinen Werken nur zu gern anpackt. Die aufrichtige Hingabe gegenüber Außenseiterfiguren und ein schräger, hin und wieder auch morbider Humor, bei dem Gunns Troma-Wurzeln durchschimmern. Insofern wusste die Chefetage von DC ganz genau, wen sie sich da ins Boot holt, um sich gemeinsam mit Peter Safran fortan als Co-CEO und Co-Chairman um die kreative Leitung der DC-Studios-Filme zu kümmern – und im besten Fall (endlich) eine ähnliche Erfolgskurve hinzulegen wie einst Kevin Feige mit seinem Marvel Cinematic Universe. Etwas, was dem „Batman“-Konzern bislang nicht vergönnt war. Wohl auch, weil ganz einfach eine einheitliche kreative sowie vor allem erzählerische Linie fehlte. Insbesondere das finale Ausfransen des nunmehr zu Grabe getragenen DCEU kam einer kreativen Bankrotterklärung gleich.
Doch das soll nun alles anders werden. Und mit welcher Figur ließe sich eine neue Firmen- und Filmära besser einläuten als mit jener, mit der auch die eigene Konzerngeschichte einst begann? Es ist also nur konsequent, dass der 1938 erstmals in Comicform (in diesem Fall in Band Nummer eins von Action Comics) erschienene „Superman“ die Grundlage für alles Weitere bildet. Besonders ausgefallen ist das nicht, aber es ermöglicht James Gunn ein erstes Eingrooven in die groß gedachten DC-Pläne. Und natürlich ist Superman wohl so ziemlich jedem Comicnerd ein Begriff und nicht nur den eingefleischten Hardcorefans. Nun ist Superman aber auch einer der bereits am häufigsten verfilmten Superhelden. Je nach Rechnung gibt es bis heute 10 bis 12 Realfilme. Alle möglichen Animationsspecials und TV-Serien noch nicht mit eingerechnet. Der jüngste Solo-Auftritt – „Man of Steel“ von Zack Snyder – ist gerade einmal zwölf Jahre her. Eines benötigt James Gunns Neubeginn also schon mal nicht: die Origin-Story. Und ohne diese steigt „Superman“ von 2025 auch direkt ein. Eine Texttafel schildert in aller kürzester Form die wichtigsten Ereignisse innerhalb der letzten 30 Jahre, bevor der Film sein Publikum in eine Welt wirft, in der Clark Kent alias Superman bereits seit drei Jahren der Menschheit hilft, sich gegen große Bedrohungen zur Wehr zu setzen.
„Während sich der Ausgangskonflikt also als sehr ernst erweist und ‚Superman‘ obendrein mit dem allmachtsfanatischen Milliardärs Lex Luthor einen wirklich starken Bösewicht vorweisen kann, stellt Gunn diesen Elementen einen zweiten Handlungsstrang gegenüber. Im Zentrum: die Justice Gang.“
Der Konflikt, in den Kent zum Zeitpunkt des Filmbeginns involviert ist, hat große politische Ausmaße. Es geht um die Invasion der boravischen Armee in das Nachbarland Jarhanpur – natürlich alles fiktional, aber unübersehbar angelehnt an derzeit tatsächlich vorherrschende Kriegskonflikte auf der Welt. Eine gewisse Schwere in der Grundtonalität lässt sich da nicht leugnen. Wenngleich der auch für das Skript verantwortliche Gunn mit Elan dagegen an arbeitet, um möglichst viel Ausgleich zu schaffen. Während sich der Ausgangskonflikt also als sehr ernst erweist und „Superman“ obendrein mit dem allmachtsfanatischen Milliardärs Lex Luthor einen wirklich starken Bösewicht vorweisen kann, stellt Gunn diesen Elementen einen zweiten Handlungsstrang gegenüber. Im Zentrum: die Justice Gang. In dieser vereinen sich direkt beide Vorlieben des Comicfans, die eingangs bereits ihre Erwähnung fanden: Green Lantern (Nathan Fillion), Mister Terrific (Edi Gathegi), und Hawkgirl (Isabela Merced) sind genau jene Gruppe an „Helden zweiter Reihe“, für die Gunn Sympathien hegt. Nathan Fillion („Castle“) als schlagfertig-alberner Anführer gibt die Comedy-Marschrichtung vor. Die Szenen mit den Dreien funktionieren für sich genommen sehr gut. Doch sie beißen sich auch immer wieder mit der eigentlichen Story, denn so viel sei bereits zusammengefasst: Die unterschiedlichen Erzähl- und Tonalitätsansätze in „Superman“ arbeiten häufiger gegen- als miteinander.
Trotzdem haben beide Teile ihre Stärken. Vor allem in der ersten Hälfte sorgen Lex Luthors ausgeklügelte Pläne für eine schwerwiegende Rufschädigung seitens Superman; Und es kommen Fragen auf. Nach Menschlichkeit, nach Macht, nach (familiärer) Bestimmung und nach Verantwortung. Sie manifestieren sich schließlich in einer Variante von Superman, die sich mal mehr, mal weniger stark von seinen bisherigen Auslegungen unterscheidet. Hauptdarsteller David Corenswet („Twisters“) verkörpert seinen Helden als gleichermaßen impulsiven wie naiven Menschenretter, der zwar Prinzipien hat, diese aber auch immer wieder situationsbedingt anpasst. Vor allem im Zusammenspiel mit Lois Lane, mit der er zu Beginn des Films eine fantastische Interviewszene hat, treten die Widersprüche in seiner Figur hervor. Das macht den Superman von James Gunn zu einer spannenden Variation seines gängigen Abbildes, das aber sicher auch nicht jedem gefallen wird. Gleichzeitig bietet Gunn genügend Szenen, in denen Supermans bekannte Grundzüge zutage treten. In den Grundfesten verändert wird er also noch lange nicht.
Trotzdem stellt man sich hin und wieder die Frage, ob es in „Superman“ wirklich (nur) um die Geschichte des titelgebenden Helden gehen soll. Die Justice Gang nimmt viel Raum ein und stiehlt dem Protagonisten immer wieder die Show. Aber auf ihr Konto gehen eben auch einige der besten Szenen. Eine Schießerei an einem Strand, natürlich untermalt von einem eingängigen Popsong und vorgetragen mit der typischen James-Gunn-Dynamik, kommt gar vollends ohne Superman aus. Es ist aber auch kein Wunder, dass in einem mit Figuren regelrecht vollgestopften Film wie diesem irgendwann der Fokus auf das Eigentliche verloren geht. Egal ob nun die Justice Gang, das Schurkenarsenal rund um Lex Luthor, die Belegschaft an Investigativjournalist:innen des Daily Planet und nicht zuletzt Clark Kents irdische Eltern: „Superman“ setzt seinem Publikum unzählige Charaktere vor. Manche von ihnen – die Eltern etwa – bekommen immerhin sehr rührende Einzelszenen spendiert und verhelfen der Hauptfigur zu mehr Profil. Andere wiederum, wie zum Beispiels Kents Reporterkolleg:innen, sind ausschließlich Stichwortgeber. Und während Lex Luthor, auch dank der starken Leistung eines Nicholas Hoult („Nosferatu“), ein wirklich respekteinflößender Fiesling mit klarer Vision ist, erinnern seine Gefolgsleute, allen voran Zlatko Burić („2012“) als boravischer Präsident Vasil Ghurkos eher an „James Bond“-Schurkenkarikaturen.
„Immer wieder scheint es so, als habe sich der Regisseur gezielt einzelne Bilder herausgepickt, um diese filmisch zu würdigen. Völlig egal, ob sie überhaupt zur Gesamttonalität passen.“
Aber vielleicht kommt James Gunn damit auch dem Wunsch vieler Comicenthusiast:innen nach, „Superman“ doch möglichst nah an der Comicvorlage zu konzipieren. Immer wieder scheint es so, als habe sich der Regisseur gezielt einzelne Bilder herausgepickt, um diese filmisch zu würdigen. Völlig egal, ob sie überhaupt zur Gesamttonalität passen. Das findet sich auch in der Inszenierung wieder. „Superman“ ist nicht nur ein sehr farbenfroher Film. Immer wieder lässt Gunn seine Effektorgie kurz innehalten, um einige besonders imposant-epische Motive in Superzeitlupe abzubilden. Im Vergleich zu jüngsten DC-Beiträgen wie etwa „The Flash“ legt Gunn keine allzu abgehobene Materialschlacht vor. In den Szenen auf der Erde halten sich CGI-Animationen und echte Kulissen die Waage und wirken insgesamt harmonisch. Geht es in andere (Taschen-)Dimensionen werden dagegen Erinnerungen an den allzu künstlich wirkenden „Ant-Man and the Wasp: Quantumania“ wach. Keine gute Referenz. Immerhin spielt „Superman“ deutlich länger außerhalb dieser Paralleldimension. Darüber hinaus sorgt es immerhin für visuelle Abwechslung. Etwas, was man dem Film auch im Gesamten attestieren kann. Anstatt es sich auf einer einheitlichen Linie gemütlich zu machen, probiert Gunn verschiedene Aspekte einer Comicverfilmung aus. Komprimiert in einem einzigen Film wirkt das hin und wieder arg chaotisch. Aber immerhin auf Nummer sicher fährt er mit seinem Film nicht. Das macht Hoffnung auf das, was noch kommt. Auch wenn der Auftakt noch nicht rund geraten ist.

Die Justice Gang (Nathan Fillion, Isabela Merced und Edi Gathegi) bringen sich für kommende DC-Abenteuer in Stellung.
Fazit: James Gunns Feuerprobe namens „Superman“ ist ein qualitatives Auf und Ab. Der Film ist auf zwei Ebenen am besten: Entweder, wenn er die Justice Gang ihr Comedy-Ding durchziehen lässt, oder mit angemessenem Ernst über Supermans Bestimmung grübelt. Alles dazwischen zerfasert und macht viele Themen auf, die vermutlich erst für die kommenden DC-Filme spannend sind. Was nicht bedeutet, dass Gunn hier nicht trotzdem ein kurzweiliger Sommerblockbuster gelungen wäre.
„Superman“ ist ab dem 10. Juli 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.



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