Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!

Eine Handvoll Freundinnen und Freunde, sieben Feste, drei Jahre: Basierend auf dem dänischen Erfolgsfilm „Long Story Short“ erzählt FESTE & FREUNDE – EIN HOCH AUF UNS! aus dem Leben ganz normaler Menschen – und das nur anhand verschiedener Ereignisse wie Hochzeit, Geburtstag oder Taufe.

OT: Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns! (DE 2024)

Darum geht’s

Es ist der Silvesterabend 2019. Gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden feiert Ellen (Laura Tonke) ins neue Jahr. Dass sie um Mitternacht nicht ihre Affäre Sebastian (Ronald Zehrfeld) küssen kann, liegt allerdings daran, dass auch seine Frau Eva (Antje Traue) anwesend ist. Nur Natalie (Jasmin Shakeri) ahnt etwas von der verbotenen Liebe, hat allerdings ganz andere Dinge, um die sie sich kümmern muss: Zum Beispiel um den Kinderwunsch ihrer Freundin Maya (Katia Fellin), der aktuell ihr Leben beherrscht. Mareike (Annette Frier) und Adam (Trystan Pütter) haben derweil gar keinen Nerv, sich um Ellens Liebesreigen zu scheren. Ihre Ehe steht kurz vor dem Aus – ganz im Gegensatz zu Rolf (Nicholas Ofczarek) und Dina (Pegah Ferydoni), die sich gerade kennengelernt haben und zwischen denen seit der ersten Sekunde die Funken sprühen. Viele Jahre gehen ins Land, die die Clique gemeinsam verbringt. Es wird viel gefeiert, gelacht und geweint – denn das Leben passiert jedem.

Kritik

Wenn man sich anschaut, welche deutsche Komödien in den letzten Jahren erfolgreich waren, kommt man nicht umher, uns eine gewisse Vorliebe für derben Humor zu attestieren. Egal ob nun die „Fack ju Göhte“-Reihe mitsamt ihrem Ableger „Chantal im Märchenland“, „Manta Manta 2“ oder sowas wie „Alter weißer Mann“: Wenn die Deutschen lachen, dann nicht unbedingt über subtile Pointen, sondern über Gags, die voll auf die Zwölf treffen – und vor allem, die mit einem gewissen Star-Appeal daherkommen. All diese vermeintlichen Erfolgszutaten besitzt „Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“ nicht – und hat trotzdem (oder gerade deshalb) jeden Erfolg verdient! Die deutsche Adaption des dänischen Kassenerfolgs „Long Story Short“ von 2015 trumpft weder mit den ewig gleichen Kinogesichtern auf, noch setzt sie auf plumpen Witz und Schadenfreude. Stattdessen inszeniert Regisseur David Dietl („Rate Your Date“) das Skript von Elena Senft („Kleo“) als emotional vielfältiges (Charakter-)Porträt einer Gruppe von Freundinnen und Freunden, der über einen Zeitraum von drei Jahren so Einiges passiert. Und manches davon ist wirklich zum Lachen, anderes wiederum eher zum Weinen.

Ellen (Laura Tonke) und Rolf (Nicholas Ofczarek) beim Straßenfest.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, der weiß: Wenn „Feste & Freunde“ an Silvester 2019 beginnt und Ereignisse aus den nächsten drei Jahren zeigt, dann muss zwangsläufig auch Corona eine Rolle spielen. Nun ist die episodenartig erzählte Dramödie alles andere als ein Corona-Drama, aber was „Feste & Freunde“ auch zu einem besonderen Film macht, ist dieses Zeitkapselgefühl. Ironischerweise wäre dies vermutlich gar nicht so sehr gegeben, hätte nicht zufällig von 2019 bis 2022 eine Pandemie das öffentliche Geschehen beherrscht, aber auch andere Themen wie etwa der Ukrainekrieg finden hier in Nebensätzen Erwähnung. Durch den längeren Erzählzeitraum, den wir alle selbst miterlebt haben, gewinnt „Feste & Freunde“ etwas sehr Nahbares. Darüber hinaus ist aber vor allem die Art, wie hier die Geschehnisse geschildert werden, das Alleinstellungsmerkmal des Films. Diese finden nämlich einzig und allein anhand verschiedener Feierlichkeiten statt. Die Leerstellen zwischen Silvester, Hochzeit, Corona-Geburtstag oder Sommerfest kann und darf jede:r Zuschauer:in für sich selbst füllen. Die Ereignisse an den Festen sind derweil aussagekräftig genug, um sich Charakterentwicklungen oder zwischenzeitig stattgefundene Familienereignisse ausmalen zu können.

„Durch den längeren Erzählzeitraum, den wir alle selbst miterlebt haben, gewinnt „Feste & Freunde“ etwas sehr Nahbares. Darüber hinaus ist aber vor allem die Art, wie hier die Geschehnisse geschildert werden, das Alleinstellungsmerkmal des Films.“

Zwar ist „Feste & Freunde“ in erster Linie ein Film über den Wert der Freundschaft – mit all ihren Höhe- und Tiefpunkten. So sind die hier stattfindenden Feste selten voller Harmonie und Glückseligkeit. Es wird auch – und gar überraschend viel – gestritten, Konflikte bleiben über mehrere Monate in der Schwebe, aber auch die so wichtige Versöhnung hat hier ihren Platz. Neben dieser Ode an die Freundschaft kristallisiert sich vor allem Ellens Schicksal als Angelpunkt der Geschichte(n) heraus. Während sich in ihrem Leben (zunächst) alles um ihre Affäre mit dem verheirateten Sebastian dreht, werden um sie herum Familiengründungspläne geschmiedet, Ehen gehen in die Brüche, neue Lieben entwickeln sich und Kinder werden geboren. Nichts davon wäre für sich alleine vermutlich einen eigenen Film wert. Einfach, weil Elena Senft die Ereignisse mit einer vollkommenen Ruhe und Unaufgeregtheit schildert, die schlicht und ergreifend das normale Leben abbilden. Doch im Zusammenspiel kristallisieren sich gerade aus den Überschneidungen der Lebensereignisse immer genau die Komik und Tragik heraus, die „Feste & Freunde“ so sehenswert machen.

Das frischvermählte und glückliche Brautpaar Rolf (Nicholas Ofczarek) und Dina (Pegah Ferydoni) bei ihrer Hochzeitsfeier.

Das gilt auch für das starke Ensemble, aus dem Laura Tonke („Alles Fifty Fifty“) – auch aufgrund ihrer hohen Screentime – am meisten hervorsticht. Ihre Darstellung der Ellen folgt einer angenehmen Zurückhaltung. Generell wird in „Feste & Freunde“ nie unnötig groß und theatralisch aufgespielt. Der gesamte Cast agiert und spricht so, wie man es aus dem deutschen Kino kaum mehr kennt: für ein Publikum vor der Leinwand und nicht für die hinterste Reihe im Theater. Alles fühlt sich echt an. Es darf sogar durcheinandergeredet werden, Silben werden verschluckt und anstatt jedes Wort perfekt auszuformulieren, sprechen die Figuren ebenjenen Alltagsslang wie jede:r von uns. Das ist so erfrischend, dass man sich auch an den Charakteren gar nicht sattsehen kann und will. Von Ronald Zehrfeld („Der Staat gegen Fritz Bauer“) über Annette Frier („Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“) bis hin zu Jasmin Shakeri („Einfach mal was Schönes“) und Katia Fellin („Letzte Spur Berlin“) als sich an einem wichtigen Scheidepunkt in ihrer Beziehung befindliches Paar verschwindet jede:r Einzelne von ihnen vollständig hinter seiner und ihrer Rolle. Dass sich das Ensemble auch am Set hervorragend verstanden hat, überträgt sich eins zu eins auf das Publikum.

„Der gesamte Cast agiert und spricht so, wie man es aus dem deutschen Kino kaum mehr kennt: für ein Publikum vor der Leinwand und nicht für die hinterste Reihe im Theater.“

Den Humor und die Tragik findet man derweil im Kleinen. Die von der Tristesse des Ehealttags geprägte Interaktion zwischen Mareike und Adam etwa steckt voller treffsicherer Beobachtungen über die Langeweile, die in manchen Langzeitbeziehungen steckt. Elenas Beziehungs-Auf-und-Ab mit dem verheirateten Sebastian mündet in einem brüllend komischen Anschauungsbeispiel für ein bisschen zu aktiv vorgetragene, passive Agression. Und mit den frisch verliebten Rolf und Dina fiebert man spätestens dann mit, wenn ein tragischer Schicksalsschlag sie vor eine enorme Herausforderung stellt. Am Ende kulminiert alles in einem der herzzerreißendsten Filmmomente, die das deutsche Kino seit Langem hervorzubringen im Stande war. Kein Wunder: Wenn man das Gefühl hat, echten Menschen bei echten Freuden, Leiden und Herausforderungen zuzuschauen, fällt es direkt viel leichter, all die Emotionen sogleich selbst zu fühlen.

Fazit: Menschen, die sprechen, wie echte Menschen. Dinge, die auch im wahren Leben passieren. Humor und Tragik, die aus kleinen Beobachtungen heraus entstehen. Und eine Erzählweise, die so im deutschen Kino einmalig ist: „Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“ ist eine Ode an die Freundschaft und der Beweis, dass sich Witz und Emotionen am besten übertragen, wenn es sich einfach echt anfühlt.

„Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!“ ist ab dem 2. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

One comment

  • Ich kann nur wiederholen, was schon gesagt wurde. Jede Rolle war ein eigener Charakter, der nicht nach Drehbuch authentisch wirkte, sondern authentisch authentisch. Ein Film, der wirklich ein grosses Spektrum an Gefühlen anspricht, ohne in einem zu versumpfen. Insofern auch ein optimistischer, gesunder Film. Vielleicht eines, was ich kritisieren würde: manche Chance zur Vertiefung oder zur Weiterentwicklung wurde nach meinem Geschmack etwas zu oft weggeschmust. Sexualität ist aber nur eine Form der Vereinigung und des Fremdgehens. Ansonsten hat mich der Umgang unter Freunden angenehm inspiriert.

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